Archiv der Kategorie: Philosophie

Veränderung ist ein Wort…

für eine Reise mit Stress.

Man bekommt eine Reise und man bekommt den Stress. Am Ende ist man eine andere Person. Beide Elemente sind Teil des Deals.

Es gibt jede Menge Reisen die stressfrei sind. Sie bringen dich zu einem erwarteten Ziel. Mit wenig Überraschung oder Enttäuschung auf dem Weg. Wie der tägliche Arbeitsweg.

Und es gibt jede Menge Stress ohne Reise. Was für eine Verschwendung.

Manchmal muss man sich selbst beweisen, dass man noch springen kann. Dass man noch Mut hat. Leben in den Knochen.

Aber um es zu tun, müsste man die Reise und den Stress willkommen heißen.

Danke, Seth Godin.

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Die 5 Dinge die du mit Sicherheit bedauern wirst

Eine Krankenschwester für Palliativpflege in den USA hat eine Liste mit den 5 Dingen gemacht, die sterbende Menschen am meisten in ihrem Leben bereuen.

1. Ich wünschte ich hätte den Mut gehabt ein Leben zu leben, bei dem ich mir selbst treu bleibe, nicht das Leben das andere von mir erwartet haben.

Dies war das größte gemeinsame Bedauern. Wenn Menschen realisieren, dass ihr Leben fast vorbei ist und sie mit klarem Blick zurückschauen, ist es leicht zu sehen, wie viele Träume unerfüllt blieben. Die meisten der Befragten hatten nicht mal die Hälfte ihrer Träume umgesetzt und mussten in dem Wissen sterben, dass es aufgrund ihrer eigenen getroffenen oder eben nicht getroffenen Wahlen war.

2. Ich wünschte ich hätte nicht so hart gearbeitet.

Dies kam hauptsächlich von den männlichen Patienten. Sie verpassten wie ihre Kinder aufwuchsen oder bereuten nicht mehr Zeit mit ihren Frauen verbracht zu haben.

3. Ich wünschte ich hätte den Mut gehabt meine Gefühle auszudrücken.

Viele Menschen hatten ihre Gefühle unterdrückt um relativ friedlich mit anderen auszukommen. Dadurch konnten sie nie zu der Person werden, zu der sie sich in der Lage fühlten.

4. Ich wünschte ich wäre in Kontakt mit meinen Freunden geblieben.

Oft konnten die Patienten nicht zur Gänze die vollen Vorteile alter Freundschaften erkennen, bis zu dem Zeitpunkt an dem sie sterben mussten. Viele waren durch ihr eigenes Leben so eingenommen, dass sie die alten Freundschaften über die Jahre haben schleifen lassen.

5. Ich wünschte ich hätte mich selbst glücklicher sein lassen.

Dieser Satz hört sich vielleicht komisch an, aber am Ende des Lebens stellten viele fest, dass glücklich sein eine Wahl ist, die man treffen kann. Sie steckten fest in alten Mustern und Gewohnheiten. Der so genannte „Komfort“ der Vertrautheit schwappte in ihre Emotionen, wie auch ihr physisches Leben. Die Angst vor Veränderungen hat sie dazu veranlasst anderen Leuten und sich selbst gegenüber etwas vorzumachen und zufrieden zu tun. Dabei haben sie sich tief in sich danach gesehnt ordentlich zu lachen und wieder etwas Albernheit in ihrem Leben zu haben.

Diese 5 Punkte klingen für mich sehr plausibel und ich kann mich selbst in mindestens 4 wieder erkennen, wenn nicht in allen. Wenn man diese 5 Punkte in einen einzigen Ratschlag komprimieren wollte, könnte man sagen: Sei kein Zahnrad!

Das Alarmierende an diesen 5 Punkten des Bedauerns ist, dass es sich hierbei um Punkte des Unterlassens handelt. Man hat Dinge unterlassen, sie aktiv nicht gemacht. Man vergisst seine Träume, ignoriert seine Familie, unterdrückt seine Gefühle, vernachlässigt seine Freunde und vergisst glücklich zu sein. Fehler die man aufgrund von Unterlassung macht, sind besonders tückisch, weil man sie aus der „Standardeinstellung“ heraus macht.

Ich würde für mich diese Fehler gerne vermeiden. Aber wie vermeidet man Fehler die man standardmäßig macht? Idealerweise transformiert man sein Leben so, dass man andere Standardeinstellungen hat, aber vielleicht ist das gar nicht möglich. Solange diese Fehler standardmäßig passieren, muss man sich eben aktiv daran erinnern sie nicht zu machen. Und das ist verdammt schwierig, auch wenn sich das simpel anhört.

Wenn man die 5 Bedauern oder Fehler invertiert, dann bekommt man folgende Handlungsanweisungen:

Ignoriere nicht deine Träume, arbeite nicht zu viel, sage was du denkst, kultiviere Freundschaften, sei glücklich!

Wenn man sich jeden Tag nur diese Anweisungen auf seine To-Do Liste schreibt, wird man wohl am Ende nicht so viel zu bedauern haben.

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Die interessanteste Partyfrage die Du stellen kannst?

Vor kurzem habe ich einen Beitrag darüber geschrieben wieviel Einkommen genug ist. Darin habe ich erwähnt, dass wir unser Leben grundsätzlich anhand von zwei Maßstäben bewerten. Einmal durch das erlebende Selbst und einmal durch das erinnernde Selbst. Das erlebende Selbst bewertet das aktuelle Wohlbefinden, wogegen das erinnernde Selbst die allgemeine Lebenszufriedenheit in der Retrospektive bewertet.

Mir ist vor kurzem aufgefallen, dass diese Art des Wertens nicht nur auf die Lebenszufriedenheit bzw. das Wohlbefinden zutrifft, sondern auch auf jedes einzelne Erlebnis das wir haben. Letztlich ist das Wohlbefinden nichts anderes als ein einzelnes Erlebnis oder der Momentanzustand an Zufriedenheit und die Lebenszufriedenheit die Kumulierung vieler einzelner Erlebnisse.

Eine ganz spezielle Kategorie solcher Erlebnisse ist der Urlaub. Man kann im Urlaub meist ein Verhalten zwischen zwei Extremen beobachten. Es gibt die Kategorie an Menschen die alles und jeden gleich per Kamera festhalten müssen. Da fällt einem meistens das Klischee des typischen Japaners ein, der den ganzen Urlaub durch seine Kameralinse sieht. Auf der anderen Seite gibt es die Menschen die nicht mal eine Kamera dabei haben und voll im Moment leben. Keine Fotos oder Videos, nur der pure Moment. Wir alle fallen irgendwo zwischen diese zwei Extreme.

Der Fotograf betrachtet die Szene nicht als einen Moment der genossen werden sollte, sondern als eine zu gestaltende zukünftige Erinnerung. Bilder mögen für das erinnernde Selbst nützlich sein, aber Fotografieren ist für das erlebende Selbst eines Touristen nicht unbedingt der beste Weg einen schönen Anblick zu genießen.

Die entscheidende Frage ist, was dir persönlich mehr wert ist. Um das für sich selbst herauszufinden könnte man folgendes Gedankenexperiment machen:

Am Ende des Urlaubs werden alle Bilder und Videos zerstört. Außerdem trinkst du einen Zaubertrank, der all deine Urlaubserinnerungen löschen wird.

Wie würde sich diese Aussicht auf deine Urlaubspläne auswirken? Wieviel wärst du bereit dafür zu zahlen, verglichen mit einem normal erinnerbaren Urlaub?

Das ist im Übrigen eine interessante Frage für die nächste Party, die man mal verschiedenen Leuten stellen kann. Man wäre erstaunt wieviele Leute sagen, dass sie dann überhaupt gar keinen Urlaub machen würden, da es sich nicht lohnen würde. Daran sieht man, dass (meiner Erfahrung nach) den meisten Leuten mehr an der Erinnerung an den Urlaub liegt, als an der Erfahrung selber.  Jeder der schonmal einen Wanderurlaub gemacht hat, kann das vielleicht allzu gut nachvollziehen. Wieso sollte man sich den Strapazen des Echtzeiterlebnisses hingeben, wenn man nicht noch jahrelang danach von dieser Erinnerung zehren und allen von diesem Abenteuer erzählen kann. Der Wert des Urlaubs entsteht weniger aus der Echtzeiterfahrung, sondern mehr aus der Erwartung, dass sowohl die Mühen als auch die Freude darüber, das Ziel erreicht zu haben, unvergesslich sein werden.

Wenn man es aus einer übergeordneten Warte betrachtet, dann sind wir eigentlich nur darauf aus Erinnerungen zu sammeln. Der Moment an sich, die tatsächliche Erfahrung dessen, ist für uns fast wertlos. Wir leben entweder in der Zukunft, in freudiger Erwartung eines Momentes, an den wir uns ein Leben lang erinnern können, oder in der Vergangenheit, in Erinnerungen an genau den Moment den wir gestern noch so freudig erwartet haben. Nur eine Sache fehlt da irgendwie. Der Moment selber. Wir schaffen es einfach nicht im Moment selber zu leben. Für den Moment zu leben. Das wird wohl auch ein Grund dafür sein wieso wir es letztlich nicht schaffen nachhaltig glücklich zu sein.

Wie steht ihr dazu? Wie wichtig ist euch der Moment? Würdet ihr einen Urlaub machen, wenn es danach keine Fotos/Videos gäbe und ihr euch später auch sonst nicht an den Urlaub erinnern könntet? Würdet ihr den Urlaub machen? Wenn ja, wieviel wärt ihr bereit dafür auszugeben? 100% eines „normalen“ Urlaubs? 50%? 10%? Würdet ihr euch mit dem Wissen zufrieden geben, dass Euer früheres Ich eine schöne Zeit hatte, einen oder mehrere wundervolle Momente, euer jetziges Ich aber „nichts“ davon hat?

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Quo vadis Innovation ?

Wie könnten zukünftige Innovationen rund um Start-Ups aussehen? Wie generiert man Ideen die wirklich zukunftsfähig sind und ein reales Bedürfnis von Kunden decken und nicht nur den Anschein einer plausiblen Idee haben?

Aktuell geht der Trend sehr stark zu Technologie Unternehmen. Facebook hat zwar schon einige Jährchen auf dem Buckel, gilt aber immer noch als Paradebeispiel der Tech-Firmen. Andere Start-Ups versuchen es Facebook nachzumachen und ein milliardenschweres Geschäftsmodell zu entwickeln. Dabei haben die meisten Gründer einen technischen Hintergrund aus der Informatik, sind also Programmierer oder sonstige IT Spezialisten. Am liebsten hätten sie es wenn sie einen Code schreiben, ihn online stellen und schwupps hat man ein milliardenschweres Unternehmen. Keine schnöde Akquise, kein Kundenkontakt, kein ätzender Service. In Ruhe was zusammen hacken und absahnen. Leider funktioniert das so nicht. Die meisten innovativen Start-Ups der letzten Jahre, sind weniger auf der technologischen Ebene innovativ, als vielmehr auf der psychologischen Ebene. Gerade Facebook ist da ein Paradebeispiel. Facebook bedient unser Ur-Bedürfnis nach sozialem Kontakt, nach Austausch und Vernetzung und auch nach „Stalking“. Wir interessieren uns eben für die Leben anderer Leute, am besten Leute die wir kennen und am allerbesten können wir das Leben dieser Leute verfolgen, ohne dass diese Leute viel davon mitbekommen.

AirBnB ist auch ein gutes Beispiel für ein Start-Up, das eher auf einer psychologischen Innovation basiert. Vermittlungsportale rund um Ferienwohnungen gab es schon lange vor AirBnB. Die Gründer von AirBnB haben aber festgestellt, dass viele Reisende das Bedürfnis haben in „echten“ Wohnungen zu übernachten. Vll. sogar nur in einem Zimmer zu Gast bei anderen Leuten zu sein. Neue Menschen kennenlernen, mit ihnen eine Verbindung eingehen, sich von ihnen die neue Stadt zeigen lassen. Nicht irgendwo anonym ein Zimmer von einer riesigen, gesichtslosen Gesellschaft mieten, sondern sich mit „echten“ Menschen verbinden. Das ist die wahre Innovation von AirBnB und die hat mit Technologie nicht viel zu tun.

Wie kommt man jetzt also auf Ideen die eine Innovation sein könnten? Meiner Meinung nach müsste man sich sehr viel mit den psychologischen Mechanismen des menschlichen Verstandes beschäftigen, mit den wahren Bedürfnissen die rund um Themen wie Reisen, Mobilität, Wohnen, Beziehungen, Arbeit, Gesundheit und Fitness entstehen. Viele Unternehmen sind in den vorher genannten Bereichen sehr erfolgreich unterwegs, bedienen aber nur das primäre, offensichtliche, „oberflächliche“ Bedürfnis. Es gibt rund um diese Themen aber noch viele, bis dato nicht identifizierte und oder bediente Bedürfnisse.

Es ist natürlich von Vorteil wenn man ein solches Bedürfnis findet und eine Methode hat, dieses adäquat zu adressieren, die Methode auch selber umsetzen zu können, sprich sie programmiertechnisch selbst realisieren zu können. Zumindest eine erste, rudimentäre Version, die als MVP dienen kann. Dies empfinde ich persönlich aber nicht als so kritisch wie die Fähigkeit sich empathisch in jemanden reindenken und sein wahres Bedürfnis rund um ein Angebot erfühlen zu können.

Oftmals reicht es aus, wenn wir etwas Introspektion betreiben und in uns selbst reinschauen. Was sind unsere eigenen Bedürfnisse wenn es ums Reisen oder Wohnen oder die Arbeit geht? Was ist uns wichtig? Was brauchen wir von einem Service, was wir uns nicht mal selbst bewusst machen, es aber spüren?

Welchen Service oder welches Produkt würdet ihr euch in eurem Leben wünschen? Was vermisst ihr? Was gibt es Eurer Meinung nach noch nicht oder nicht gut genug oder nicht in ausreichender Menge?

Wenn ihr frei von den von euch erfühlten Zwängen wärt und euer einziger Job darin bestünde das Leben anderer Menschen zu verbessern, welche Innovation würdet ihr dann auf die Beine stellen?

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Wieviel ist genug?

Letztens bin ich auf eine amerikanische Studie gestoßen, die besagte dass das Wohlbefinden sich über ein Haushaltseinkommen von 75.000 Dollar jährlich nicht mehr steigert. Wohlgemerkt muss hier zwischen dem erlebten Wohlbefinden und der generellen Lebenszufriedenheit unterschieden werden, denn die Lebenszufriedenheit wurde von den Probanden der Untersuchung über diesen Betrag hinaus mit steigendem Gehalt als höher eingestuft.

Hä? Ich dachte ja immer dass das Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit das Gleiche wären. Nach einer tieferen Recherche bin ich auf eine mögliche Erklärung gestoßen. Wir bewerten unser Leben grundsätzlich nach zwei Maßstäben. Einmal durch das erlebende Selbst und durch das erinnernde Selbst. Das erlebende Selbst bewertet das erlebte Wohlbefinden. Dementsprechend gibt es eine Obergrenze an jährlichem Einkommen, über welches hinaus kein weiterer Anstieg des erlebten Wohlbefinden beobachtet werden kann. Das erinnernde Selbst bewertet die Lebenszufriedenheit. Ein höheres Einkommen bringt eine höhere Lebenszufriedenheit mit sich, weit über den Punkt hinaus, an dem es aufhört, irgendeinen positiven Effekt auf die Erfahrung dessen zu haben.

Die Erhebung der Studie ist aus dem Jahr 2010 und leider ging daraus nicht hervor ob es sich um ein Brutto- oder Nettohaushaltseinkommen handelt. Aber gehen wir mal davon aus, dass ein Bruttoeinkommen gemeint war. Wenn man diese Zahl auf 2018 bezieht und um die durchschnittliche jährliche Inflation von 2,2% korrigiert, landet man schon bei einer Summe von ca. 89.000 Dollar. Umgerechnet auf einen Euro Betrag (nach heutigem Umrechnungsfaktor 1 US-$ = 0,806€) ergibt das ca. 72.000€ [1].

Ich frage mich wieso das so ist? Wieso gerade diese Zahl und nicht 40.000€ oder 200.000€?

Anscheinend ist das die Zahl, die man heutzutage benötigt um sich ein angenehmes Leben leisten zu können. Eine schöne Wohnung oder Haus, ein ausreichend luxuriös ausgestattetes Fahrzeug, angemessene Kleidung, Urlaube und andere Freizeitaktivitäten. Alles darüber hinaus würde auf einer Glücklichkeitsskala keinen nennenswerten Sprung mehr machen.

Wenn man sich ein Smartphone leisten kann, dann könnte das subjektive Wohlbefinden einen riesigen Sprung machen. Wenn man sich ein iPhone der vorletzten Generation leisten kann, dann würde man vll. noch einen kleinen Sprung machen. Aber wenn man sich das allerneuste iPhone leisten kann, rührt sich das Wohlbefinden wahrscheinlich überhaupt nicht von der Stelle.

Kein Smartphone –> Smartphone:  entspricht auf einer Glücklichkeitsskala: „3“ –> „7“

Irgendein Smartphone –> iPhone der vorletzten Generation: „7“ –> „7,5“

iPhone der vorletzten Generation –> allerneuestes iPhone: „7,5“ –> „7,5“ [2]

Das würde bedeuten, dass mehr Geld nur dazu führen würde, dass wir uns mehr von der gleichen Sache kaufen könnten, uns der Erwerb dieser Sache aber nicht glücklicher machen würde [3]. Viele der Sachen die uns glücklich machen kann man nicht für Geld kaufen, auch wenn das abgedroschen klingt. Eine stabile Beziehung zu seinem Partner, ein gesundes Selbstbewusstsein, körperliche und psychische Gesundheit, gute Freunde, die Erfüllung des eigenen Geltungssinnes und Selbstverwirklichung.

Ich weiß auch nicht, ob ich die grundsätzliche Aussage glauben kann, dass ein höheres Einkommen über 72.000€ jährlich nicht glücklicher macht. Die in der Studie aufgezeigte Korrelation beträgt zwar genau Null, aber man weiß nichts über die Stichprobe. Vielleicht sind die höchsten in der Studie erfassten Gehälter z.B. 200.000€. Mit solch einem Job steigen natürlich auch die Arbeitsbelastung, der Stress und der erforderliche Zeitaufwand. Bei so einem Gehalt wird die Wochenarbeitszeit jenseits der 60 oder gar 80 Stunden liegen. Dieses Tauschgeschäft zwischen Geld und Zeit wird logischerweise nicht zu einem größeren Glücksempfinden führen. Aber wer durchaus durch das Raster gefallen sein könnte, sind Jahresgehälter jenseits der 1.000.000€. Ab einer gewissen Grenze könnte das subjektiv empfundene Glück durchaus wieder ansteigen.

Was man auch berücksichtigen sollte ist, wer die Studie zu welchem Zweck durchgeführt hat. Es könnte durchaus sein, dass diese Zahlen absichtlich so gewählt wurden, dass sie für einen gewissen Teil der Bevölkerung erreichbar sind. Für viele wird die Summe zumindest in greifbarer Nähe bleiben, so dass man die perfekte Möhre vorgehalten bekommt, der man hinterher rennen kann. Und wenn man die Summe tatsächlich erreicht, soll bezweckt werden, dass einen die eigenen Ambitionen nicht in höhere Regionen locken, da es ja eh zwecklose wäre, da nicht mehr Zufriedenheit in Aussicht steht. Schließlich muss das „System“ am Laufen gehalten werden.

Eine Sache sollte man bei recht „hohen“ Einkommen auch nicht vernachlässigen: Man verliert bis zu einem gewissen Maße die Fähigkeit die kleinen Dinge des Lebens zu wertschätzen. Eine angenehme Brise wenn der Frühling anfängt zu blühen, warme, von Herzen gemeinte, aufmunternde Worte, ein in orange-rot-lila getauchter Sonnenuntergang im Sommer, die Aussicht von einem Berggipfel.

Ich stimme darin überein, dass man nur so viel Geld haben sollte, dass Geld an sich kein Problem mehr darstellt. Dass einem die Sorge darüber vollständig genommen wird, so dass man sich wieder seinem richtigen Leben widmen kann. Wieviel das ist, muss letztlich jeder für sich selbst beantworten.

Anmerkungen:

[1] Die Steuerlast in den USA unterscheidet sich von der in Deutschland teilweise erheblich. Steuern in den USA variieren in unterschiedlichen Bundesstaaten, sind aber grundsätzlich niedriger als in Deutschland. Sozialabgaben wie bei uns gibt es in der Form auch nicht, so dass man davon ausgehen kann, dass sogar im Falle eines Bruttoeinkommens von 75.000$ viel mehr Netto hängen bleibt als bei einem äquivalenten Brutto in Deutschland.

[2] Ich habe die Basislinie für das Glücksempfinden ohne Smartphone auf eine „3“ gesetzt (Skala von 0-10), basierend auf unseren kulturellen Umständen – Deutschland im Jahr 2018. In einer anderen Kultur könnte das Basis-Glücksempfinden ohne Smartphone schon bei einer „7“ oder gar höher sein.

[3] Oder wir könnten uns anders gestaltete Sachen von der gleichen Kategorie leisten, die unser Glück aber nicht sonderlich beeinflussen würden. Um beim Beispiel des iPhones zu bleiben. Was ist der Vorteil eines iPhones gegenüber einem „billigen“ Einsteiger-Smartphone? Für den Alltagsgebrauch nicht viel, außer vll. etwas usability und natürlich den Status, der aus psychologischer Sicht nicht zu vernachlässigen ist.

no bullshit

Bullshit

Das Leben ist zu kurz für Bullshit. Und Bullshit ist die Definition von Sachen für die das Leben zu kurz ist. Das ist wie die sprichwörtliche Katze die sich in den Schwanz beißt. Beide Aussagen drehen sich um sich selbst.

Bullshit ist leider eine Sache der wir nicht genug Aufmerksamkeit zukommen lassen. Man kann sein Leben um ein Vielfaches verbessern, wenn man den Bullshit weglässt. Man kann es sogar um ein Vielfaches mehr verbessern, wenn man Bullshit weglässt, anstatt zu versuchen mehr „gute“ Erlebnisse hinzuzufügen.

Auf einer Glückseligkeitsskala würde das ungefähr so aussehen:

6 – 1 = 8

6 + 1 = 6,5

Dabei ist „6“ der Basiszustand der Glückseligkeit. Wenn man „-1“ Bullshit subtrahiert, dann landet man auf der Skala auf einer „8“, wird also um ein Drittel glücklicher als im Basiszustand. Wenn man dem gleichen Basiszustand von „6“ „+1“ Einheiten gute Erlebnisse hinzufügt, landet man bei einem Gesamtzustand von „6,5“, wird also nur ein Zwölftel glücklicher als zuvor. Dazu ist man im Vergleich zum „-1“ Bullshit subtrahieren, relativ um einen Faktor 4 glücklicher [1]!

Das ist jetzt eine rein theoretische Betrachtung, die das widerspiegelt, was ich in meinem Leben subjektiv erfahren habe.

Wenn man sich selbst fragt auf welche Dinge man Zeit verschwendet die Bullshit sind, dann weiß man meist die Antwort darauf: unnötige Meetings, sinnlose Streitigkeiten, Bürokratie, Getue/Posing, Fehler anderer Leute, Verkehrsstaus, suchterzeugende aber unbefriedigende Beschäftigungen und vieles mehr was mir jetzt spontan nicht einfällt.

In diesem Sinne ist Bullshit wie Junk Food. Es ist Fake. So wenig wie Junk Food mit echtem, nahrhaftem Essen zu tun hat, so wenig hat Bullshit mit echtem, erhebenden Leben zu tun.

Bullshit kann auf zwei Arten in dein Leben eindringen. Entweder es wird dir durch Umstände oder andere Leute aufgezwungen oder der Bullshit legt dich herein.

In gewissem Maße müssen wir uns mit aufgezwungenem Bullshit abgeben. Du musst irgendwie Geld verdienen und Geld verdienen besteht hauptsächlich aus Erledigungen. Mit der Zeit stellt man aber fest, dass man viele der augenscheinlich vorgegebenen Standard Bullshits weglassen kann [2].

Viel schlimmer als der aufgezwungene Bullshit, ist derjenige der sich in dein Leben schleicht, weil er dich hereinlegt. Dies ist niemandes Schuld außer deine eigene. Und doch ist der Bullshit den man sich selbst aussucht, schwerer zu vermeiden als der aufgezwungene. Die Dinge die dich verlocken deine Zeit darauf zu verschwenden, müssen verdammt gut im Betrügen sein. Technologischer Fortschritt führt dazu, dass wir immer abhängiger machende Bullshit Beschäftigungen erschaffen. Angefangen beim Fernsehen, über sinnlose Streitereien in Online Foren, bis hin zu Facebook und anderen Vertretern sozialer Medien. Inzwischen ist es bewiesen dass Smartphones abhängiger machen als Alkohol, Nikotin, Crack oder Heroin. Und eins ist auch sicher. Da technologischer Fortschritt exponentiell passiert und wir ins Zeitalter der „Nicht-Linearität“ übergegangen sind, wird der nächste technologische Sprung abhängiger machen als Crystal Meth oder abhängiger als etwas das wir uns noch nichtmal vorstellen können [3] [4] [5].

Dies bedeutet, dass wir eine bewusste Anstrengung unternehmen müssen den Bullshit, den wir uns selbst auferlegen, zu erkennen. Was helfen könnte ist, wenn wir uns die Frage stellen: „Ist das wie ich meine Zeit verbringen will?“ Was nichts anderes bedeutet als „Will ich so meine Lebenszeit verbringen?“

Außer Bullshit aktiv zu vermeiden, sollten wir Beschäftigungen aktiv suchen, die uns etwas bedeuten. Aber unterschiedlichen Leuten bedeuten unterschiedliche Dinge etwas. Und so müssen wir erst durch „Versuch und Irrtum“ und anschließende Selbstreflexion lernen, was uns etwas bedeutet.

Eine Möglichkeit zu finden was uns etwas bedeutet ist es, sich die Frage zu stellen ob es uns auch in Zukunft etwas bedeuten wird. Fake Zeug hat die Angewohnheit eines scharfen Maximums, welches uns trügt etwas von Bedeutung für uns zu sein. Um bei der mathematischen Beschreibung zu bleiben. Die Fläche unter der Kurve (= Integral) ist klein, aber das Maximum sticht wie eine scharfe Nadel in unser Bewusstsein.

Dinge die uns etwas bedeuten, erscheinen auf den ersten Blick nicht notwendigerweise als „wichtig“. Einen Kaffee mit einem Freund zu trinken ist von Bedeutung. Man wird sich nachher nicht so fühlen als ob man Zeit verschwendet hätte [6].

Beschneide Bullshit erbarmungslos und warte nicht um Dinge zu tun die von Bedeutung sind. Das ist ein übenswerter Skill und wird dir mit Sicherheit einen hohen „Return on Investment“ (= ROI) geben.

Wie Seneca schon vor 2.000 Jahren sagte:

„Alles fürchtet ihr wie Sterbliche, alles aber wollt ihr haben wie Unsterbliche.

Anmerkungen:

[1] „-1“: relative Steigerung von 1/3 zur Basis; „+1“: relative Steigerung von 1/12 zur Basis. Differenz: Faktor 4

[2] Wie sehr man bereit ist vorgegebenen Bullshit auf seiner Arbeit wegzulassen, hängt auch in hohem Maße damit zusammen wie „charakterfest“ man ist, wieviel „Fuck You“ Geld und wie wenig Schulden man hat. „Fuck You“ Geld ist nur eine nette Umschreibung für finanzielle Sicherheit. Wer viele (Konsum)schulden hat, ist vll. abhängiger von seiner aktuellen Arbeit und eher gewillt das Bullshit Spiel mitzuspielen.

[3] Salz wirkt im Gehirn übrigens auch wie Crack und Heroin. McDonald’s und Co. wissen das nur allzu gut und übersalzen absichtlich.

[4] Technologischer Fortschritt ist natürlich eine gute Entwicklung, erfordert aber von uns Menschen als Anwender einen immer umsichtigeren Umgang damit.

[5] VR – Virtual Reality könnte der nächste mögliche Sprung sein, der den Abhängigkeitsgrad auf das nächste Level hebt. Google und Facebook arbeiten aktuell hart an dieser Technologie.

[6] Unser häufiges Unvermögen zwischen Dingen zu unterscheiden die „dringend und unwichtig“ und welchen die „nicht dringend und wichtig“ sind, ist zum Teil auch Schuld daran, dass wir uns bei der Arbeit auf Bullshit einlassen. Oft hilft es auch sich die Frage zu stellen für wen es dringend ist. Büro Politik…

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Wieso brauchen wir Arbeit?

Passend zum 01.Mai – Tag der Arbeit – habe ich meine Gedanken zum Thema Arbeit aufgeschrieben. Viel Spaß beim Lesen. Ich würde mich über Eure Meinung zu dem Thema in den Kommentaren freuen.

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Wir leben in einer Zeit die sich durch ein besonders hohes Maß an Unsicherheit auszeichnet. Die Welt ist undurchsichtiger und weniger vorhersehbar als jemals zuvor, auch wenn wir durch Medien wie das Internet der subjektiven Meinung sind das dem nicht so ist. Und genau das ist der springende Punkt. Wir glauben, dass wir aufgrund unserer technologischen Fortschritte die Zukunft besser vorhersagen können als jemals zuvor. Doch es bleibt eine Illusion. Wir sehnen uns nach Ordnung, Kontrolle und Sicherheit. Vor 10.000 Jahren haben diese Eigenschaften über Leben und Tod entschieden und hatten damit einen sehr hohen Stellenwert für uns. Wir sind daher bereit sehr viel für diese Gefühle zu geben und zu zahlen [1].

Das ist auch ein Grund wieso wir Arbeit brauchen. Das Nachgehen einer Beschäftigung gibt uns ein Gefühl der Ordnung und Kontrolle. In einer chaotischen Welt können wir einen kleinen Aspekt unseres Lebens kontrollieren. Wir können ein Problem greifen und es lösen, in einer Art und Weise wie es uns in anderen Bereichen des Lebens nicht möglich ist. Es verschafft uns ein Gefühl der Errungenschaft und Befriedigung.

Es ist als ob unser ganzes Leben von unkontrollierbaren Emotionen gesteuert wird. Wir werden hin und her geworfen von den Erregungen und Ängsten die wir kaum verstehen und denen wir keinen Sinn abringen können. Da ist es nur verständlich, dass wir uns an etwas klammern, dass uns zumindest etwas Erleichterung verschafft.

Unsere Arbeit ist ein Aspekt in dem wir über eine Lebenszeit zu einem verblüffenden Verstehen kommen können. Wir erlangen einen Grad der Expertise, der keine Unklarheiten offen lässt. Für einen Spezialisten hat ein gewisser Aspekt des Lebens keine Mysterien mehr. Unser Gehirn schmachtet nach Sicherheit. Wir hassen es in der Luft zu hängen. Wir wollen in einer vollständig nachvollziehbaren, verständlichen Welt leben.

Aber geben wir uns letztlich nicht einer Illusion hin? Sind wir uns bewusst, dass wir lediglich einen Teilaspekt kontrollieren oder glauben wir, dass wir unser Leben kontrollieren? Machen wir uns etwas vor?

Die Auffassung durch unsere Arbeit nicht nur unseren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch gleichzeitig Erfüllung zu finden, ist recht neu. Im 18. Jahrhundert hatte man keine Zeit sich Gedanken um persönliche Erfüllung zu machen, wenn man 16 Stunden lang am Tag sein Feld bestellt hat. Erst durch die Industrialisierung und das anschließende Vernetzungszeitalter, durch das Internet, haben wir es geschafft uns so viel Freizeit und Bequemlichkeit zu erkaufen, dass wir Gedanken persönlicher Erfüllung nachsinnen können. Wir haben als Gesellschaft unsere Standards bezüglich unserer Arbeit stark angehoben. Das an sich ist nichts Schlechtes. Aber kann es sein, dass wir zu viel unseres persönlichen Glückempfindens an unsere Arbeit hängen? Vor 200 Jahren war es recht normal von seiner Arbeit nicht viel mehr als den Lebensunterhalt zu erwarten und seine Erfüllung in anderen nicht monetären Beschäftigungen zu suchen (sofern die Zeit dafür vorhanden war, wie gesagt 16 Stunden Feldarbeit). Wieso glauben wir heute, dass wir unsere Kreativität nur auf der Arbeit ausleben können? Ja, sogar müssen? Wieso erachten wir eine Beschäftigung nur als sinnvoll, wenn sie wirtschaftlich aussichtsreich zu sein verspricht? Reicht eine Arbeit, die uns einen guten Verdienst, angenehme Arbeitsumstände und Kollegen, moderaten Stress (idealerweise nur die gute Art von Stress – Eustress; und wenig bis gar keinen schlechten Stress – Disstress) und einen ausreichenden Grad an Sicherheit bringt, nicht vollkommen aus [2]? 7-8 Stunden um seinen „Lebensunterhalt“ zu verdienen und 7-8 Stunden für Freizeit oder seine Leidenschaft klingt für mich nicht so schlecht [3].

Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen die genau dieses Vorgehen haben. Minimale Leistung auf Arbeit um dann zu Hause mit voller Energie seinen wahren Interessen nachzugehen und zu „leben“.

Irgendwo in der Mitte wird die Wahrheit liegen. Seine Ansprüche an seine Arbeit anzuheben und von ihr mehr zu verlangen als nur das Decken der Grundbedürfnisse ist eine gute Sache und gehört meiner Meinung nach zur Evolution der Menschheit dazu. Zu versuchen seine ganze Kreativität und sein Glücksempfinden aus seiner Arbeit zu beziehen, wäre ein Überspannen des Bogens. Wieviel Arbeit ist optimal? Welche Herangehensweise an die Arbeit ist optimal? Wird in 50 Jahren überhaupt noch jemand arbeiten müssen? Oder werden von KI (Künstliche Intelligenz) gesteuerte Maschinen alle Arbeit verrichten? Und was werden wir Menschen dann machen [4]?

Mich würde Eure Meinung dazu interessieren.

Anmerkungen:

[1] Das ist auch das Geschäftsmodell von Versicherungen. Versicherungen nutzen das Sicherheitsbedürfnis von Menschen aus, in Bereichen in denen die Statistik auf der Seite der Versicherungsgesellschaft ist. Damit wird der Profit erwirtschaftet.

[2] Sicherheit im Job ist eigentlich eine Illusion. Großkonzerne sind sehr gut darin einem Arbeitsplatzsicherheit zu verkaufen, auch wenn diese objektiv betrachtet gar nicht vorhanden ist.

[3] Eigentlich arbeitet man nur maximal 2-4 Stunden um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die restliche Zeit arbeitet man für „Luxus“. Überdimensionierte Wohnungen oder Häuser, Premium Automobile, Urlaub, etc. sind Luxusanschaffungen und keine grundlegenden Bedürfnisse.

[4] Das ist im Übrigen eine sehr interessante Fragestellung. Alle Entwicklung geht aktuell in Richtung KI (= Künstliche Intelligenz). Selbstlernende Algorithmen gibt es bereits schon und es ist nur eine Frage der Zeit bis KIs den Status einer „Superintelligenz“ erreicht haben. Damit wird der Vergleich zwischen einem Menschen und der KI wie der zwischen einem Menschen und einer Ameise. Und dann ist die wirklich entscheidende Frage was wir Menschen den lieben, langen Tag über treiben werden. Das mag aus der heutigen Perspektive wie ein triviales Luxusproblem erscheinen, aber das ist ein wirklich ernsthaftes psychologisches Problem. Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, dem kann ich nur das Buch „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari ans Herz legen.

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Sei kein Esel!

Ich musste heute wieder an eine Parabel denken die ich einmal gelesen hatte.

Ein Esel steht genau auf halbem Wege zwischen einem Heuhaufen und einem Wassertrog. Er kann sich nicht entscheiden ob er zuerst trinken oder fressen will. Er wendet sich unentschlossen erst zum Einen, dann zum Anderen, nur um sich wieder um zu entscheiden. Letztlich bricht der Esel verdurstend und verhungernd an Ort und Stelle zusammen.

Wenn man diese Geschichte liest, dann denken wir uns. „Blöder, alter Esel“. Es liegt doch ganz klar auf der Hand, dass er zuerst zum Wassertrog gehen und trinken kann, um anschließend zum Heuhaufen rüberzugehen und zu fressen. „Wo liegt das Problem?!“.

Und doch beobachte ich wie viele Menschen sich genauso verhalten wie der Esel, mich eingeschlossen. Es scheint ein Phänomen vorwiegend der jüngeren Generation zu sein. Wir haben uns viele Sachen vorgenommen und wollen gleich alles, am besten gleichzeitig. Wir verdammen die Gesellschaft dafür, dass sie uns zwingt uns für eine Sache zu entscheiden und dabei zu bleiben. Dabei realisieren wir aber nicht, dass wir durchaus alles haben und machen können. Eben nur nicht gleichzeitig. Wir können einige Jahre eine Sache machen, dann einige Jahre eine andere Sache dann vielleicht einige Jahre noch eine andere. Es erfordert lediglich Priorisierung und Geduld. Diese zwei Wörter sind schnell und einfach geschrieben und noch schneller gesagt, aber mit Sicherheit nicht leicht umgesetzt. Sobald wir uns auf eine Sache eingeschworen und diese einige Zeit verfolgt haben, setzt unser „Monkey Brain“ ein und springt mental schon wieder zur nächsten Sache. Auf einmal scheint uns unsere Prio 2 auf unserer Liste doch attraktiver zu erscheinen als die Prio 1. Eine kleine Abwechslung von der inzwischen monotonen Arbeit an Prio 1 kann doch nicht schaden, oder? Wir tun uns in dieser schnelllebigen Welt, die voller Möglichkeiten ist, sehr schwer Geduld zu haben und unsere Vorhaben der Reihe nach abzuarbeiten. Und so arbeiten wir an vielen Dingen gleichzeitig und kommen doch in keiner so recht voran.

Der amerikanische „Starinvestor“ Warren Buffett hat eine sehr einfache und doch kreative Herangehensweise wenn es um seine Ziele geht. Seinem langjährigen Privatpiloten hat er diese einmal verraten. Mache eine Liste mit 25 Dingen die du machen oder erreichen willst. Kreise die 5 absolut wichtigsten darunter ein, die du unbedingt in der nächsten Zeit machen oder erreichen willst. Übertrage diese 5 Dinge in eine neue Liste. Das wird deine neue „To-Do-Liste“. Die Ziele 6-25 aus deiner ersten Liste werden zu den „vermeide um jeden Preis“ Dingen. Am besten vergisst du diese so lange bis du deine TOP-5 umgesetzt hast.

Fokus ist in unserer Zeit anscheinend eine Superkraft.

Sei also bitte kein Esel.

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Was soll das hier eigentlich ?!

Was zur Hölle?! Ich habe euch noch gar nicht erzählt, was dieser Blog überhaupt soll und was es mit dem Quatsch derstoiker auf sich hat? Asche auf mein Haupt!

Dann wird es höchste Zeit, dass ich das nachhole.

Fangen wir mal damit an, wieso ich diesen Blog überhaupt ins Leben gerufen habe.

Mir war langweilig. Und irgendwie machte es Spaß so da zu sitzen und auf die Tastatur einzuhacken um dann Wörter auf ein vorher blankes Stück digitales Papier fallen zu sehen. Außerdem brauchte ich irgendeine Rechtfertigung für mein sackteures, neues Macbook Pro und weil mir sonst nichts besseres eingefallen ist und ich auch sonst nichts kann, ist das eben dabei rausgekommen.

Ok, schön und gut. Aber wie passt dazu jetzt der Name „derstoiker“? Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Da ich in den Monaten und Jahren vor dem Blog sehr viele Sachen im Bereich Psychologie, Entrepreneurship, Persönlichkeitsentwicklung und Philosophie gelesen habe und auf viele interessante Themen gestoßen bin, dachte ich mir dass ich den ganzen Scheiss nehme, mit meinen eigenen Ansichten dazu verquirle und ganz neuen Scheiss schreibe. Das hat mal mehr, mal weniger gut geklappt. Was mir jetzt aber bei den ganzen Büchern und Artikeln wie eine Art roter Faden hängen geblieben ist, war eine gewisse Einstellung zum Leben. Diese ganz besondere Art zu leben, diese leichte unbekümmerte Herangehensweise, dieses Wissen um die wichtigen Dinge im Leben, dieses Geheimnis zum Glück, dieses …, diese …, dieser …, wie soll ich es sagen? The fucking good life!

Das war für mich wie ein „eye opener“. Als ob einer den Vorhang aufmacht und du feststellst, dass das richtige Leben hinter dem Vorhang stattgefunden hat und du die ganze Zeit fälschlicherweise einen richtig schlechten Abklatsch von Hamlet in einem Dorftheater gesehen hast und es mit deinem echten Leben verwechselt hast. „Sein oder nicht sein.“

Buuuh, du scheiss Penner, du gehst nie als Hamlet durch, besorg dir nen richtigen Job!

Irgendwann kriege ich also das Buch „The Obstacle Is the Way“ von Ryan Holiday zu fassen und kann meinen Augen kaum trauen. Auf einmal laufen alle Fäden zusammen. Diese Lebenseinstellung hat tatsächlich einen Namen. Es ist die Philosophie des guten Lebens. Stoizismus.

„Say whaaaat?“ Ich dachte immer dass Stoiker diese emotionslosen Lurche sind, die so viel Gefühl wie ein Urinal haben. Ungefähr so wie die schauspielerische Leistung von Kristen Stewart in der Biss-Reise „Twilight – Bis einer heult“. Oder so ähnlich.

„Bella, ich liebe dich.“

„Öööööhhh“ (grummeln wie bei einem hirntoten Zombie mit passendem Gesichtsausdruck).

„Bella, deine Mutter ist gestorben.“

„Öööööhh“ (gleiche Gefühls- und Gesichtskirmes wie oben).

Wieso zur Hölle ich diesen scheiss Film gesehen habe, ist eine ganz andere Geschichte. Vielleicht ein anderes mal.

Au contraire ma chère. Das ist Stoizismus ganz und gar nicht. Irgendwie haben wir es wieder geschafft innerhalb der letzten 2000 Jahre etwas ganz wunderbares so zu verbiegen, dass es mit dem ursprünglichen Gedanken gar nichts mehr zu tun hat. Ein bisschen wie Stille Post.

Die Stoiker haben eine Philosophie des Lebens entwickelt. Eine Anleitung für das gute Leben. Das ist kein abgehobener Intellektuellenscheiss, bei dem es darum geht sich die Zunge fusselig zu quatschen, um den anderen von seiner besseren Weltsicht zu überzeugen und wenn man nichts mehr zu sagen weiß, sich gegenseitig ins Maul zu spucken und dreckig zu lachen wie Kriminalhund Murmel (ich sollte echt weniger SpongeBob schauen). Das ist echte, harte Praxis. Dafür gemacht angewendet zu werden.

Es geht darum mit Hilfe von einer Reihe mentaler Techniken negative Emotionen wie Angst, Nervosität, Zorn und Unzufriedenheit zu beseitigen und stattdessen eine Welle purer Freude auszulösen, die dafür sorgt, dass du den ganzen Tag wie ein Glücksbärchi herumspringst. Es geht auch darum, dass du nur ein gutes und sinnvolles Leben führen kannst, wenn du es schaffst deine Suchtneigung zur Unersättlichkeit zu überwinden. Es geht darum deine hedonistische Anpassung abzulegen. Bitte was? Das bedeutet, dass du in der Regel ständig irgendwelchen Begierden nachrennst und wenn du sie einmal befriedigt hast, du dich sehr schnell an den neuen Status Quo gewöhnst und die anfängliche Welle des Glücks abebbt. Um wieder einen Peak der Freude zu erfahren rennst du dem nächst größeren hinterher. Erst wolltest du ein Auto mit 200 PS haben, nach kurzer Zeit zieht dir die Krücke keine Wurst mehr vom Teller, also müssen es als nächstes 300 PS sein, aber der Nachbar hat ja etwas mit 350 PS in der Auffahrt stehen, weswegen du als nächstes 400 PS brauchst. Das Ganze endet in der Spirale des sinnlosen Konsums und einem verschwendeten Leben. Ich glaube ihr wisst wie das gemeint ist. Man gewöhnt sich an den Scheiss und will immer mehr sinnlosen Scheiss haben. Die weisen, alten Stoiker hatten auch hierfür eine Reihe Tricks, die einem kurz gesagt helfen, das zu wollen was man bereits hat. Dankbar und zufrieden zu sein mit dem was man hat und zu unterscheiden was wirklich im Leben zählt und was nicht.

Einen weiteren cleveren Trick haben sich schon die Anonymen Alkoholiker abgeschaut und daraus  das „Gelassenheitsgebet“ gemacht. Wegen meiner Faulheit werde ich es nicht rezitieren, aber es geht darum zu wissen was man kontrollieren kann und was nicht und sich in seinem Leben eben nur auf ersteres zu konzentrieren und letzteres einfach links liegen zu lassen. BÄÄÄM! Wieder ein Schub Glückshormone!

In diesem Lebensprinzip geht es darum freiwillig in seinem Leben Unbequemlichkeiten auf sich zu nehmen, denn schon vor 2000 Jahren wussten die Stoiker, dass man nur glücklich werden kann, wenn man sich unbequemen Dingen stellt, diese Probleme löst, dadurch etwas lernt, wächst und sich somit erfüllt, also gleich glücklich fühlt. Scheisse Mann! 2000 Jahre und wir sind kein Stückchen weiter gekommen, kein bisschen klüger oder weiter, dabei bilden wir uns gleichzeitig so viel auf unsere fortschrittliche Zivilisation ein. Schande!

Je mehr Vergnügen man sich hingibt, desto mehr Meistern muss man dienen.

Man sollte den Unterschied zwischen Vergnügen und Freude kennen. Den ganzen Tag Kuchen fressen und auf dem  Sofa hocken ist vielleicht ein Vergnügen, es wird dir aber langfristig keine Freude bringen.

Im Stoizismus geht es aber um viel mehr, als den ganzen Tag nur rumzusitzen, und vor lauter Glück wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen (hat schon jemals jemand so einen blöden Gaul gesehen?). Es geht darum unsere produktive Energie dazu zu nutzen alle unsere Lebensverpflichtungen nach unserem besten Können zu erfüllen und unseren Mitmenschen zu helfen. Ein Stoiker ist also eine hart arbeitende Person, die das Gefühl der harten Arbeit genießt. Also ein knallharter, abgebrühter, krasser Typ. Coolness Faktor wie Chuck Norris.

Um den Bogen zu schließen, habe ich also nach dieser erstaunlichen Entdeckung meinen Blog „derstoiker“ genannt. Das soll nicht heißen, dass ich dieser Stoiker bin, auch wenn ich diesen „Lifestyle“ anstrebe. Ha! Da, ich habe es gesagt, dieses ultra-fancy Wort. Stoizismus ist eben auch so ein styler-myler Lebensstil, den man „Lifestyle“ nennen kann. Sein Leben danach auszurichten, es gut , sinnvoll und wahrlich glücklich zu leben, erfordert eine ganze Lebensspanne. Man ist nie fertig und lernt immer dazu. Ich wollte mit dem Namen „derstoiker“ einfach nur ausdrücken, dass jeder etwas mehr Stoiker in sich gut gebrauchen könnte. Und außerdem war die URL stoiker.de schon vergeben. Scheiss drauf.

PS: Das Wort Scheiss(e) kommt in diesem Artikel 10-mal vor. Ich bitte um Nachsicht, aber irgendwie macht es richtig Spaß es zu benutzen :). Ich gelobe für die Zukunft besseren Schreibstil.

PPS: Wer sich ganz einfach und unbekümmert weiter in diese Thematik einfinden möchte, dem kann ich nur das Buch „A Guide To The Good Life“ von William B. Irvine empfehlen. Zwar auf Englisch, aber das Thema wird sehr gut beleuchtet.

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Das Leben ist kein Ponyhof

Das Leben eröffnet sich einem nicht immer wie ein Shakespeare Skript. Es wäre schön, wenn man diese Sicherheit hätte, dass alles so ablaufen wird, wie man sich das auf seinem 10-Jahres Plan ausgemalt hat. Keine Angstschübe mehr und Nervositätsattacken, ob man zudem fähig ist, wozu man ausgezogen ist, ob man seine hochgesteckten Ziele auch tatsächlich erreicht, ob man gut genug ist, ob man charmant genug ist, witzig genug und ob die „anderen“ billigen was man macht und einem einen wohlwollenden Regen aus Handküssen und Rosen bescheren.

Leider und Gott sei Dank läuft das Leben aber nunmal nicht so ab. Was wäre das auch für ein Leben wenn es den Nervenkitzel des Unbekannten nicht gäbe? Wenn wir schon von Anfang an wüssten wie eine Sache ausgeht, worin läge dann noch der Sinn diese Sache zu verfolgen?

Bei manchen Dingen müssen wir uns Durchbeißen bis zum bitteren Ende. Wir müssen es uns beweisen, dass wir es schaffen. Wir müssen kämpfen. Für unser Selbstvertrauen. Für unseren Eigenrespekt. Für das süße Gefühl eine wirklich harte Sache durchgezogen zu haben. Vielleicht wollen wir es auch ein Stück weit den „anderen“ Beweisen. Eltern, Geschwister, Freunde, entfernte Bekannte, dem Nachbars Hund. „HAA, du hässlicher Mops! Du hast mir all die Jahre immer umsonst diese skeptischen Blicke zugeworfen. Ich hab dir doch gesagt, dass ich das packe und jetzt sieh mich. Hä? Hä?! HÄÄÄ?!?! Da bist du baff, was? Bleibt dir gleich die Spucke weg!

Einige Dinge muss man aber auch loslassen. Man muss wissen, wann man sich übernommen hat, wann es zu viel wird. Vielleicht haben sich in der Zwischenzeit auch deine Grundwerte geändert und das ursprünglich angestrebte Ziel liegt genau entgegengesetzt zu deinem großen, ganzen Bild von deinem Wunschleben. Zu wissen wann man den Kopf senkt und trotz des Scheisse Regens der einem horizontal mitten in die Fresse fliegt, stur weiter geht und zu wissen wann man einfach umdreht, ist eine Kunst für sich. Es ist schwierig und erfordert sehr viel Reflexion. Es erfordert, dass man sich sehr gut kennen muss. Schon die weisen Philosophen der Antike sagten „Erkenne dich selbst.“ Es ist ein Prozess, der sehr schmerzhaft sein kann. Sich seinen vermeintlichen Schwächen zu stellen, diese anzuerkennen und offen und ehrlich zu zugeben, kommt einem selbstverpassten Tritt in die Eier gleich (sorry Ladies, ihr könnt euch nicht vorstellen was das für Schmerzen sind, andererseits kann ich nicht nachvollziehen was ein Tritt in euer Äquivalent an Schmerzen verursachen würde….egal, ich schweife ab, ihr wisst was ich meine).

Und doch bedeutet „Schmerz + Reflexion = Fortschritt“.

Das Leben ist schon eine wundersame Abenteuerreise, bei der man nie weiß wohin sie einen trägt. Jeden Tag tun sich eintausend Optionen auf, die den Kurs deines Lebens grundsätzlich verändern können.

Ich erinnere mich wie ich als 19-jähriger auszog um das Weltall zu erobern. Ich wollte Raumfahrttechnik an der dafür renommiertesten Universität Deutschlands studieren. Als mir dann so langsam dämmerte, dass mir die Inhalte desjenigen Faches, welches das Grundfundament dieser Vertiefungsrichtung bildet, überhaupt nicht liegt, sah ich mich vor einem hässlichen, tiefen Abgrund stehen. Es ist nicht so, dass ich nicht alles gegeben hätte die Thermodynamik vollständig zu durchdringen. Ich habe mich reingekniet, wie ich das bei den meisten Sachen im Leben mache, und verwöhnt durch meine guten Schulnoten und den bisherigen Leistungen im Studium, hat mich die 4.0 fast erstickt. Wie sollte ich das scheiss Weltall erobern, wenn ich nicht mal die Grundlagen der Thermodynamik raffte? Da hat mir der 4. Hauptsatz der Thermodynamik auch nicht weitergeholfen: „Thermo schreibt man zweimal.

Ich habe lange und hart darüber nachgedacht, ob ich mir das Hauptstudium antun und mich weitere zwei Jahre mit Fächern quälen will, die allesamt auf der Thermodynamik aufbauen. Und danach? Im Beruf noch mehr davon? Ich kam damals zu dem Schluss meinen Traum loszulassen. Ich schwenkte um auf Fahrzeugtechnik und bin dadurch da gelandet wo ich heute bin. War das die richtige Entscheidung? Wo wäre ich im Leben jetzt, wenn ich mich trotz allem dazu entschieden hätte meinen ursprünglichen Traum durchzuziehen? Ich werde es nie erfahren. Ich bereue nichts und weiter darüber nachzudenken ist zu müßig.

Was ich damit sagen will ist, dass es sich immer lohnt sich dem Schmerz zu stellen. Sich rein zu lehnen und zu reflektieren, solange bis man eine gute Lösung gefunden hat, kann dein Leben verändern. Wenn du in deinem Leben Schmerz verspürst, dann will dir das Leben damit etwas sagen. Es ist deine Aufgabe herauszufinden was das ist und darauf zu handeln. Egal wie.