Archiv des Autors: lexiz

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Die Macht und der Fluch unseres Gehirns

Zwei Vertriebsangestellte eines Schuhherstellers werden nach Afrika auf Feldreise geschickt, um den Markt zu sondieren und einen Bericht abzuliefern. Der erste Vertriebler kommt zurück, ganz deprimiert und niedergeschlagen. Er berichtet: „Es ist hoffnungslos. Keiner trägt Schuhe. Das ist kein Markt für uns“.

Der zweite Vertriebler kehrt ganz enthusiastisch und aufgekratzt zurück und berichtet: „Super Nachrichten. Keiner hat Schuhe. Die Wachstumschancen sind enorm. Der Markt hat sehr viel Potential für uns.“

Einer sieht keine Schuhe und alle Indizien weisen auf eine hoffnungslose Situation. Der andere sieht die selben Dinge und für ihn deutet alles auf reichhaltige Chancen. Jeder der beiden kommt mit seiner eigenen Perspektive nach Afrika und jeder kehrt mit einer anderen Geschichte zurück. Das Leben wird uns in Erzählform präsentiert. Es sind alles Geschichten die wir uns erzählen.

Die Wurzeln dieses Phänomens reichen viel weiter als nur die individuelle Einstellung oder der Charakter einer Person. Experimente der Neurowissenschaften haben ergeben, dass wir unsere Umwelt in ungefähr folgender Reihenfolge wahrnehmen: zuerst beliefern uns unsere Sinne mit einer Auswahl von dem was tatsächlich passiert, zweitens konstruiert unser Gehirn aus diesen Sinneseindrücken seine eigene Nachbildung und erst dann haben wir drittens unsere erste bewusste Erfahrung der Umwelt. D.h. die Welt dringt in unser Bewusstsein in Form einer bereits vorgezeichneten Karte ein, einer bereits erzählten Geschichte, einer Hypothese, einer Konstruktion unserer eigenen Montage.

Wir nehmen nur die Sinneseindrücke wahr auf die wir evolutionstechnisch programmiert sind und das sind meistens Informationen die kritisch für unser Überleben sind. Weiterhin ist unsere Wahrnehmung darauf beschränkt, dass wir nur wahrnehmen können wofür wir bereits eine mentale Karte oder vorsortierte Kategorie haben.

Wir sehen also nur eine Karte der Welt, nicht die Welt selber. Was ist das also für eine Karte die wir uns selber zeichnen? Die Antwort finden wir in der Realität der Biologie. Das Überleben des Stärksten. Wir nehmen nur Dinge wahr, die uns in erster Linie dazu dienen die Gefahren des Lebens zu erkennen und erfolgreich zu vermeiden.

In einem weiteren berühmten Experiment wurde dem äthiopischen Volksstamm der Bodi eine Fotografie gezeigt mit Menschen und Tieren darauf. Den Bodi war es nicht möglich das zweidimensionale Bild zu „lesen“. Sie haben das Papier befühlt und beschnüffelt, haben die Fotografie zerknüllt und auf das raschelnde Geräusch gehört, haben kleine Stückchen davon abgebissen und darauf rumgekaut, um das Foto zu schmecken. Sie konnten die Menschen und Tiere darauf nicht wieder erkennen, einfach weil sie kulturell keine mentale Karte für die Interpretation der Fotografie vorliegen hatten. Und doch setzen Menschen in unserer Kultur die Fotografie und das reale Objekt welches die Fotografie zeigt, selbstverständlich gleich, obwohl das eine eine Abstraktion des anderen ist.

Ein Mann erkannte in einem Zug Pablo Picasso und fragte ihn wieso er Menschen nicht so zeichne wie sie in der Realität seien. Picasso fragte den Mann was er genau damit meine. Der Mann öffnete seine Brieftasche, nahm ein Foto von seiner Frau heraus und sagte „Das ist meine Frau“. Picasso antwortete „Ist sie nicht eher klein und flach?“

Unser Verstand ist auch drauf ausgelegt Ereignisse zu einem Handlungsstrang aneinander zu reihen, egal ob es eine Verbindung zwischen den einzelnen Teilen gibt oder nicht. Wir produzieren gerne Begründungen für unsere Taten, damit diese logisch, konsequent, plausibel und so als ob sie durch das Prinzip von Ursache und Wirkung geleitet sind, unabhängig davon ob diese „Begründungen“ die wahren Beweggründe unserer Taten darstellen.

Experimente mit Leuten die Verletzungen zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte erlitten haben (die Gehirnhälften konnten nicht mehr miteinander „kommunizieren“), zeigten folgendes verblüffendes Phänomen. Wenn die rechte Gehirnhälfte angewiesen wurde die Tür zu schließen (den Patienten wurde das rechte Auge abgedeckt und die Anweisung wurde nur vom linken Auge gelesen, welches von der rechten Gehirnhälfte gesteuert wird) hat die linke Gehirnhälfte unabhängig davon eine Begründung fabriziert wie „Oh, ich habe einen Luftzug gespürt“.

Das heißt im Grunde, dass alles erfunden ist. Das Leben das uns passiert, das wir wahrnehmen ist eine Geschichte die wir uns selbst erzählen. Und wenn eh alles erfunden ist, dann kann ich mir auch genauso gut eine Geschichte mit Bedeutung erzählen, eine die die Qualität meines Lebens und des Lebens der Personen in meinem Umfeld verbessert.

Der Rahmen den unser Verstand kreiert, definiert – und behindert – was wir als möglich erachten. Jedes Problem, jedes Dilemma, jede Sackgasse der wir uns im Leben stellen müssen, erscheint nur innerhalb eines bestimmten Rahmens unlösbar. Vergrößere den Rahmen oder kreiere einen neuen Rahmen um die Randbedingungen herum und die Probleme verschwinden, während sich neue Gelegenheiten auftun. Wir sollten uns also immer daran erinnern, dass alles eine Geschichte ist die wir uns erzählen und dass alles erfunden ist. Nicht nur einiges davon, sondern wirklich alles. Jede Geschichte basiert auf einem Netzwerk von versteckten Annahmen. Wenn du lernst diese wahrzunehmen und auseinander zu halten, wirst du auch in der Lage sein durch diese Barrieren zu stoßen und eine neue, positive Erzählung mit den für dich förderlichen Konditionen zu erfinden.

Also, wer ist dabei und verkauft mit mir Schuhe in Afrika? 🙂

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Meine 5 Lieblingsbücher 2017 – Teil 2

Und weiter geht’s mit dem zweiten Teil meiner 5 Lieblingsbücher aus diesem Jahr.

3. So Good They Can’t Ignore You (Cal Newport)

Cal Newport ist ein Professor der Computer Wissenschaften an der Georgetown University. Mit seinem Buch „So good they can’t ignore you“ vertritt er die Meinung dass Skill (Fähigkeiten/Fertigkeiten) immer „Passion“ (Leidenschaft) auf der Suche nach erfüllender und bedeutungsvoller Arbeit schlägt. „Folge deiner Leidenschaft“ ist seiner Ansicht nach ein ganz schlechter Ratschlag, den man nicht befolgen sollte.

Angefangen hat alles damit dass Newport sich die Frage gestellt hat wieso es Leute gibt die in ihrem Beruf glücklich sind und welche die es nicht sind und wieso das so ist.

Er schreibt, dass jemand eine Befragung mit Assistentinnen / Sekretärinnen durchgeführt hat. Heraus kam, dass die Glücklichsten diejenigen waren, die die meiste Berufserfahrung hatten und am längsten diesen Job ausgeführt haben. Wie kam das? Die Begründung war, dass die erfahrensten Frauen einen Expertenstatus erreicht hatten und damit viel Kontrolle über ihren Job hatten. Diese wurde ihnen auf Grundlage ihrer immensen Erfahrung und guten Arbeitsleistung von ihren Vorgesetzten zugestanden. Und Kontrolle / Freiheiten zu haben macht einen glücklich.

Von diesem Punkt aus ist Newport darauf gekommen, dass der Ratschlag seiner „Leidenschaft“ zu folgen nicht nur falsch, sondern auch schädlich ist. Viele Leute geben ihre bisher gesammelte Berufserfahrung in einem Gebiet auf, um dann etwas völlig anderes zu machen, von dem sie meinen, dass es ihre Leidenschaft ist. Auf diesem Gebiet haben sie dann im Vergleich zu anderen nur sehr wenig Wissen / Erfahrung und können gar nicht so gut sein wie ihre Wettbewerber, weswegen sich dann meist kein Erfolg einstellt. Und ohne Erfolg wird man unglücklich. Bei einigen führt das dann dazu, dass sie rastlos werden und von einem „Ding“ zum nächsten springen und nie glücklich werden.

Mit am besten fand ich folgendes Konzept: Man muss erstmal in etwas gut sein, bevor man einen guten Job erwarten kann.

Es gibt 3 Faktoren um sich intrinsisch für seine Arbeit zu motivieren:

    • Unabhängigkeit: Das Gefühl, dass man die Kontrolle über seinen Tag hat und dass die eigenen Handlungen wichtig sind
    • Kompetenz: Das Gefühl, dass man gut ist in dem was man tut.
    • Verbundenheit: Das Gefühl, dass man mit anderen Leuten verbunden ist.

Daraus folgt folgende Schlussfolgerung von ihm: „Richtig zu arbeiten“ schlägt die „richtige Arbeit“.

Aus diesem Buch habe ich auch das Konzept des „Handwerker mindsets“ im Gegensatz zum „Leidenschafts Mindset“ entnommen. Das erstere basiert auf der Frage was man selber der Welt zu bieten hat im Gegensatz zum letzteren welches darauf basiert was die Welt einem bieten kann. Auf dieses Konzept bin ich in einem früheren Artikel schonmal näher eingegangen.

Im Schatten dieser großen, übergreifenden Theorie des Buches schwimmen viele kleine, interessante Theorien mit, wie die der „bedachtsamen Übung“ (deliberate practice). Wenn man in einer Sache richtig gut werden will, dann muss man nicht nur irgendwie üben, sondern bedachtsam üben. Quasi mit einem Plan. Dies ist auch ein Teil der 10.000 Stunden Regel, die Malcolm Gladwell populär gemacht hat und die besagt, dass man eine Sache 10.000 Stunden bedachtsam üben muss um darin Weltklasse Status zu erreichen.

Insgesamt fand ich das Buch sehr interessant. Es rückt einem etwas den Kopf zurecht und macht einem klar, auf was es eigentlich im Leben ankommt und dass berufliche oder professionelle Expertise einen großen Teil des Lebensglücks ausmacht. Diese erreicht man aber nur durch „blood, toil, tears and sweat“ (Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß) wie Churchill es so schön auszudrücken wusste. Gemütlichkeit und Komfort im Leben ist nicht das Ziel und macht einen auch nicht glücklich. Es ist sogar hinderlich und das ist das verwirrende in der heutigen Zeit in der wir leben. Die Medien wollen einem das Konzept von Convenience / Bequemlichkeit verkaufen und dass dein Lebensglück nur einen Klick, nur einen weiteren Kauf von irgendeinem Tand entfernt ist, den man sowieso nicht braucht. Leider müssen wir Menschen erst durch die unbequeme Wand der Komfortzone stoßen um zu wachsen und dadurch Lebensglück zu erfahren.

4. The Magic of Thinking Big

Dieses Buch ist ein schöner, richtig kitschiger, typisch amerikanischer „Klassiker“ aus dem Jahr 1959. Nach der Lektüre dieses Buches kann man auch ein wenig nachvollziehen wo die amerikanische Art zu denken herkommt und wie es in den 50’er bis 80’er Jahren sein musste, den „american dream“ zu leben (oder zumindest hinterher zu jagen). Ich meine das jetzt gar nicht negativ, das Buch fand ich nämlich herrlich unterhaltend und leicht zu lesen. Auch lehrreich und motivierend.

Der Leitfaden dieses Buches beschäftigt sich damit, dass wir Menschen das Produkt unseres Denkens sind. Leider denken die meisten Leute „klein“, bzw. werden auch durch ihr Umfeld zu kleinem Denken gezwungen und dementsprechend können sie ihr Potenzial nicht voll entfalten und sind nicht so erfolgreich wie sie es sein könnten, wenn sie „groß“ denken würden.

In dem Buch lassen sich viele tolle Sprüche rund um das Thema „Erfolg“ finden, viele sind Zitate von Persönlichkeiten der Vergangenheit.

Wie z.B. folgende:

Great men are those who see that thoughts rule the world.“ – Ralph Waldo Emerson

Life is too short to be little“ – Benjamin Disraeli

Das Buch lässt sich am besten mit den Überschriften der Kapitel zusammenfassen, da diese schon viel über den zu erwartenden Inhalt wiedergeben:

  • Glaube daran, dass du Erfolg haben wirst und du wirst ihn haben
  • Heile dich von der „Entschuldigungskrankheit“ – die Misserfolg Krankheit
  • Baue Selbstvertrauen auf und zerstöre die Angst
  • Wie man groß denkt
  • Wie man kreativ denkt und träumt
  • Du bist, was du denkst was du bist
  • Manage deine Umgebung: Werde Erste Klasse
  • Mache deine Einstellungen zu deinem Verbündeten
  • Denke richtig gegenüber Leuten
  • Bekomme die „Taten-Gewohnheit“
  • Wie man eine Niederlage zu einem Sieg macht
  • Verwende Ziele um dir beim Wachstum zu helfen
  • Wie man wie ein Anführer denkt

In dem Buch werden viele Beispiele aus dem Leben des Autors und seine Erfahrungen mit anderen Leuten wiedergegeben. Wenn man sich auf das „mindset“ in diesem Buch einlässt, dann kann man mit Sicherheit das ein oder andere für sich herausziehen, wenn man sich mit dem Thema „Erfolg“ beschäftigen möchte.

5. The Obstacle Is the Way

The Obstacle Is the Way ist von Ryan Holiday, einem meiner absolut liebsten Autoren dieses Jahr. Neben seinen zahlreichen Büchern (Trust Me I’m Lying – Confessions of a Media Manipulator, Ego Is the Enemy, Growth Hacker Marketing, The Daily Stoic) schreibt er regelmäßig Artikel für den New York Observer in der Kategorie Business und für thoughtcatalog.com. Ich denke Ryan Holiday war der erste Autor der mich in die stoischen Lehren eingeführt hat.

In dem Buch nimmt Holiday die Lehren von Marc Aurel, Seneca, Epiktet und anderen Begründern des Stoizismus und erklärt ihre Lehren auf moderne Art und Weise. Das ganze untermauert er mit anschaulichen Geschichten aus der aktuellen und jüngst vergangenen Zeit anhand von „großen“ Persönlichkeiten wie John D. Rockefeller, Abraham Lincoln, Thomas Edison, Theodore Roosevelt und Steve Jobs, nur um einige der berühmteren Namen zu nennen.

Am besten wird das Buch durch die zeitlosen Worte von Marc Aurel zusammengefasst (der englischen Fassung meines Exemplars wegen hier im „Original“ wiedergegeben):

Our actions may be impeded… but there can be no impeding our intentions or dispositions. Because we can accommodate and adapt. The mind adapts and converts to its own purposes the obstacle to our acting.

The impediment to action advances action.What stands in the way becomes the way.

Das Buch ist unterteilt in 3 Kapitel:

  • Wahrnehmung
  • Handlung
  • Wille

Wahrnehmung: Hier geht es im Groben darum, dass man die Welt ganz objektiv betrachten sollte. Meistens nehmen wir Dinge die uns passieren nicht objektiv wahr, sondern werten sie gleich. Unser Gehirn ist ein Meister darin die Wertung recht extrem ausfallen zu lassen und so malen wir uns gleich das absolute Horrorszenario aus. Die Abhilfe die Ryan Holiday (und die Stoiker) dagegen empfehlen wären folgende:

  • objektiv sein
  • Emotionen unter Kontrolle halten
  • zu wählen das Gute in jeder Situation zu sehen
  • die Nerven behalten
  • ignorieren was andere stört und limitiert
  • die Dinge in die richtige Perspektive rücken
  • in den Moment zurückkehren und sich nur auf die vorliegenden Fakten zu konzentrieren
  • sich auf das fokussieren was man kontrollieren kann

Die Disziplin der Handlung: Probleme und Hindernisse sollten nicht nur irgendwie angegangen werden, sondern mit gerichteter Handlung. Dabei sollte man sich auf die Dinge konzentrieren, die man selbst unter Kontrolle hat und diese Schritt für Schritt abarbeiten, um das Hindernis aus dem Weg zu schaffen und seinen Zielen näher zu kommen. Dazu muss man beharrlich sein und sich so  lange in seine Probleme „verbeissen“, bis man diese gelöst hat.

Diesbezüglich führt Holiday z.B. an, dass man im Business die meisten Fehlschläge nicht persönlich nimmt und versteht, dass sie Teil des Prozesses sind. Da muss ich Holiday widersprechen. So sollte es in einer idealen Welt aussehen, aber in Wirklichkeit ist das aus meiner persönlichen Erfahrung nicht so. Trotzdem gibt er eine aus meiner Sicht gute Definition eines Entrepreneurs.

Ein Entrepreneur ist jemand der:

  • mit einer bestimmten Position oder Einstellung nicht „verheiratet“ ist
  • niemals Angst hat einen kleinen Teil seines Investments zu verlieren
  • niemals verbittert oder beschämt ist
  • niemals zu lange aus dem Spiel raus ist
  • jemand der oft ausrutscht, aber niemals hinfällt.

Dazu muss man von seinen Fehlern lernen und sich an den Prozess halten. Dieser konzentriert sich darauf die richtigen Dinge, jetzt zu tun und sich nicht auf die Ergebnisse zu konzentrieren oder darauf was in der Zukunft passieren mag.

Der Wille: Der Wille ist unsere innere Kraft, die nicht durch die äußere Welt beeinflusst werden kann. Um uns unseren Willen zu nutze zu machen, müssen wir uns folgendes bewusst machen:

  • sei immer vorbereitet auf schlechtere Zeiten
  • akzeptiere immer das was du nicht ändern kannst
  • manage immer deine Erwartungen
  • halte immer durch
  • lerne immer dein Schicksal und was dir passiert zu lieben
  • beschütze immer dein inneres Selbst
  • beuge dich immer dem „größeren“, ganzen Grund
  • erinnere dich immer an deine Sterblichkeit
  • und vor allem sei darauf vorbereitet den ganzen Zyklus von vorne zu starten

Mich persönlich hat die stoische Lebenshaltung tief beeindruckt. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese Philosophie über 2000 Jahre alt ist. Wir bilden uns heutzutage ein, dass wir eine so weit entwickelte Kultur sind und schaffen es doch nicht die einfachsten (und oft wichtigsten) Dinge des Lebens zu erfassen. Wir lassen uns verwirren und verängstigen und trauen uns nicht das zu tun was getan werden muss, um unser Lebensglück zu finden. Und gerade deshalb finde ich, dass der Stoizismus in unserer heutigen Zeit, wo das Leben auf maximale Unterhaltung, Bespaßung und Komfort ausgelegt ist, passender und wichtiger denn je ist.

Das waren also meine Top 5 Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ich hoffe ich konnte euch den Inhalt des ein oder anderen Buches näher bringen und euch neugierig auf den tieferen Inhalt machen. Denn nichts geht darüber diese Bücher selbst zu lesen – in ihrer ganzen Vollständigkeit – um die jeweils dahinter liegenden Philosophien und Ansichten ganzheitlich fassen zu können.

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Meine 5 Lieblingsbücher des Jahres 2017 – Teil 1

Heute mal ein etwas anderer Artikel. Ich wollte euch meine persönlichen Highlights an Büchern vorstellen, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Die folgenden 5 Bücher haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und mein Denken nachhaltig verändert. Viel Spaß beim reinstöbern und nicht vergessen: nichts geht über die Lektüre des Originals.

1. Linchpin (Seth Godin)

Linchpin von Seth Godin habe ich im Original auf Englisch gelesen. Seth Godin ist meiner Meinung nach einer der bemerkenswertesten Marketer der heutigen Zeit. Er führt einen Blog auf dem er jeden Tag einen Blogpost macht. Er hat erst vor kurzem die Nummer 7000 geknackt, was fast 20(!) Jahre tägliche Blogposts bedeutet. Fast noch beeindruckender ist, dass er nach seiner eigenen Aussage aber pro Jahr ca. 1000 Artikel verfasst, von denen aber nur ca. 400 postet. Außerdem hat er insgesamt 18 Bücher geschrieben von denen mehrere Bestseller geworden sind. Ganz nebenbei hat er viele kostenlose eBooks zu Themen des Entrepreneurships, Marketings aber auch zum aktuellen Schulsystem und was daran falsch ist geschrieben (Titel: „Stop stealing dreams“ – einfach auf google eingeben, kann ich jedem nur empfehlen). Er hat mehrere Firmen gegründet und ist gefragter Keynote Speaker aufgrund seiner erfrischenden und innovativen Denkweise.

Jetzt aber zu seinem Buch Linchpin. Das Wort bedeutet im englischen soviel wie Dreh- und Angelpunkt, oder auch Stütze. Es geht hauptsächlich darum wie man als Mitarbeiter, aber auch generell als Mensch unersetzlich wird. Ein „Linchpin“ ist nach Godin jemand der eigenständig die schwierigen Probleme löst, für die es kein Standardvorgehen und keine Regeln gibt. Jemand der die emotionale Arbeit leistet die schwierigen Gespräche zu führen und sich so lange in Probleme rein zu lehnen, bis diese gelöst sind. Kurz, jemand der emotionale Arbeit leistet. Kommt euch bekannt vor? Diejenigen die meinen Blog regelmäßig verfolgen, werden mit der Idee bereits vertraut sein.

Ein Linchpin wird von Godin eher als ein Künstler beschrieben. Jemand der genial darin ist Antworten zu finden, neue Verbindungen zu schaffen und neue Wege zu finden die Dinge zu erledigen. Persönlich fand ich auch die Aussage interessant, dass erst Expertise auf einem Gebiet zu genügend Einsichten in den „Status Quo“ führt, so dass man von dort aus ein Gebiet neu definieren oder neu erfinden kann. Man hat also viel bessere Chancen ein Feld umzukrempeln, wenn man den Status Quo besser kennt als jeder andere. Aus dem Buch Linchpin habe ich auch die Idee des „Handwerker Mindsets“ entliehen. So wie ein Handwerker stundenlang seine Arbeit „übt“ und zum Meister seines Handwerks wird, muss ein „Wissensarbeiter“ sein Handwerk ebenfalls üben und das besteht darin sich seinen Ängsten zu stellen – sich mit Menschen verbinden, erfinden, verkaufen, sich schwierigen Problemen stellen. Genau diese Art von „emotionaler Arbeit“ sollte vertieft werden. Das Erbringen dieser Art emotionaler Arbeit wird von Godin als Kunst definiert. Zwei meiner absoluten Lieblingszitate aus dem Buch:

Art is a personal gift that changes the recipient. The medium doesn’t matter. The intent does. Art is a personal act of courage, something one human does that creates change in another.

Art is the product of emotional labor. If it’s easy and risk free, it’s unlikely that it’s art.

Gerade das erste Zitat ist wunderschön und absolut wert etwas länger darüber nachzudenken.

2. Tools of Titans (Tim Ferriss)

Tools of Titans ist das 4. Buch von Tim Ferriss. Einige werden vielleicht seine „4-hour…“ Buchreihe kennen. Ferriss hat mit seinem ersten Buch „The 4 hour workweek“ den Begriff des „lifestyle designs“ geprägt. Den Hauptteil seines Vermögens hat Ferriss jedoch nicht durch sein eigenes Business BrainQuicken (welches er verkauft hat und welches zum Teil in seinem ersten Buch beschrieben wird) oder durch das Bücherschreiben verdient, sondern als Investor bzw. „Business Angel“ in Tech-Start-Ups im Silicon Valley. So hat er z.B. früh in Facebook und Twitter investiert.

Nachdem er eine Auszeit und etwas Abwechslung gesucht hat, startete er einen Podcast, die „Tim Ferriss Show“. Der Podcast ist so ziemlich der #1 Business Podcast auf iTunes und wurde zum Stand 2016 weit über 100.000.000 mal runtergeladen. Auf dem Podcast interviewt er Leute wie Richard Branson, Arnold Schwarzenegger, Jamie Foxx, den WordPress-Gründer Matt Mullenweg, aber auch weniger bekannte Leute welche, die absolute Speerspitze ihres Bereiches bilden. In dem Buch Tools of Titans destillierte Ferriss die absoluten Diamanten von über 200 Interviews in handlichen Profilen über jeden Interviewgast.

Das Buch ist unterteilt in 3 Kapitel – Health, Wealth und Wise. Durch die besondere Form ist das Buch schwer zusammen zu fassen, da es keine einzige große Theorie gibt, die das Buch durchzieht. Die Ansätze und Gedankengänge seiner Interviewpartner sind teilweise widersprüchlich, was das Buch so interessant macht. Die 10 Lieblings-Profile eines Lesers können völlig gegensätzlich zu einem anderen Leser sein und umgekehrt. Daher werde ich einfach drei meiner „liebsten“ Persönlichkeiten vorstellen, die mich mit am meisten beeindruckt haben und ihre interessantesten Theorien und Gedankengänge. Dazu muss ich sagen, dass mir die Eingrenzung sehr schwer fällt, da es so verdammt viele gute Profile gibt.

Scott Adams:

Adams ist der Schöpfer des Dilbert Comics, welcher in 19 Sprachen, über 2000 verschiedenen Zeitungen und 57 Ländern erschienen ist.

Zitat: „Losers have goals. Winners have systems.

Die dazugehörige Ansicht bzgl. „Ziele“ vs. „Systeme“ fand ich sehr interessant. Adams hat in seiner Lebensgestaltung keine statischen Ziele, sondern Systeme verfolgt, die ihm sogar bei einem ultimativen Scheitern übertragbare Fähigkeiten geben. Grundsätzlich stellt er sich die Frage „Welche anhaltende Fähigkeit oder Beziehung kann ich entwicklen?“ im Gegensatz zu „Welches kurzfristige Ziel kann ich erreichen?“. Ersteres beinhaltet einen potentiellen Schneeballeffekt, welcher dafür sorgt, dass man für die nächsten Projekte oder Vorhaben besser dasteht als vorher. Letzteres ist ein binäres bestehen/scheitern.

Als Beispiel gibt Adams das Blogging an. Als er damit anfing machte das eigentlich keinen Sinn, da es für ihn einen immensen Zeitaufwand bedeutete ohne wirklichen (monetären) Benefit. Schreiben ist aber eine Fähigkeit, welche Übung benötigt. Also war der erste Teil seines Systems das regelmäßige Schreiben als Übung. Er wusste zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht, wofür genau er üben würde, was es seiner Ansicht nach zu einem System und zu keinem Ziel macht. Der zweite Teil seiner Blogging Aktivität bestand in einer Art Entwicklung seiner Schreibertätigkeit. Er schreibt über eine große Anzahl von Themen und in verschiedenen „Stimmen“. Er wertete jeden Artikel bzgl. des Erfolgs bei den Lesern aus und was am besten ankam. Als dann das Wall Street Journal auf seinen Blog aufmerksam wurde und ihn anfragte, ein paar Gastartikel zu schreiben, wusste er schon, was gut bei den Lesern ankam und was nicht. Das führte dazu, dass seine Artikel sehr populär wurden. Richtig Geld haben die Artikel nicht gebracht, aber es hat schön in sein System des „öffentlichen Übens“ gepasst. Seine Beiträge auf dem Wall Street Journal und sein Blog führten dazu, dass Buchverlage ihn kontaktierten, was zu einem Buchvertrag führte. Der Buchvertrag führte zu Redneraufträgen (z.B auf Konferenzen), die wiederum mit aberwitzigen Summen entlohnt werden. Insgesamt führte sein Blogging zu mehreren Geschäftsmöglichkeiten. Schlussendlich kam also der große „Zahltag“ für sein System des Bloggings, aber er wusste zu Beginn nicht auf welchen Weg ihn das Bloggen bringen würde.

James Altucher:

Altucher ist ein amerikanischer Hedge Fonds Manager, Entrepreneur und Bestselling Autor. Er hat über 20 Firmen gegründet oder mitbegründet. 17 davon sind gescheitert, 3 haben mehrere Zehn-Millionen eingebracht.

Zitat: „Wenn dir keine 10 Ideen einfallen, dann lass dir 20 einfallen.“

Altucher übt sich jeden morgen darin 10 Ideen aufzuschreiben. Der Sinn dahinter ist ist es, den „Ideen Muskel“ und das Selbstvertrauen in die „on-demand“ Kreativität zu trainieren. Regelmäßige Übung ist also wichtiger als die Themen der 10 Ideen. Sein Tipp wenn man nicht 10 Ideen generieren kann. Einfach 20 Ideen generieren. Man hat meist zu hohe Ansprüche an seine eigenen Ideen. Perfektionismus ist der Feind in dieser Übung. Unser Gehirn versucht uns vor möglicher Scham zu bewahren, Scham davor mit einer Idee aufzukommen, welche peinlich und blöd ist. Der Trick ist es sein Gehirn in diesem Sinne abzuschalten und mit „schlechten“ Ideen zu kommen.

Der richtige Clou kommt noch: Anschließend teilt er sein Stück Papier in 2 Spalten. Links stehen die 10 Ideen und rechts der erste Schritt. Nur der allererste Schritt, den man machen müsste um mit dieser Idee zu beginnen. Kommt euch bekannt vor? Darüber habe ich erst vor kurzem im Zusammenhang mit „action this day“ geschrieben.

Hier eine Auswahl an Arten von Listen die er macht:

  • 10 alte Ideen, die ich neu machen kann
  • 10 lächerliche Dinge, die ich erfinden würde (z.B. die smarte Toilette)
  • 10 Bücher die ich schreiben kann
  • 10 Business Ideen für Google, Amazon, Twitter, etc.
  • 10 Leute denen ich Ideen zukommen lassen kann
  • 10 Podcast Ideen oder Videos die ich machen kann
  • 10 Industrien in denen ich den Mittelsmann umgehen kann
  • 10 Dinge denen ich widerspreche, bei denen alle anderen glauben es ist „Religion“ (z.B. College, Hausbesitz, Wahlen, Ärzte, etc.)
  • 10 alte Blogbeiträge von mir, aus denen ich Bücher machen kann
  • 10 Dinge, die ich gestern gelernt habe
  • 10 Wege, wie ich Zeit sparen könnte
  • 10 Dinge, die ich von X gelernt habe (X kann ein Mensch, Buch oder sonstiges sein)
  • 10 Dinge in denen ich daran interessiert bin, besser zu werden
  • 10 Dinge an denen ich als Kind interessiert war und bei denen es spaßig sein könnte sie jetzt zu erkunden
  • 10 Wege wie ich ein Problem lösen könnte, welches ich gerade habe

Derek Sivers:

Sivers ist ein Tausendsassa. Angefangen hat er als professioneller Musiker, arbeitete zwischendurch als Zirkusclown (kein Scherz) und brachte sich selbst das Programmieren bei. 1998 gründete er CD Baby. Die Firma wurde zum größten Online Verkäufer von Independent-Musik. 2008 verkaufte Sivers CD Baby für 22 Millionen Dollar.

Zitat: „Wenn (mehr) Informationen die Antwort ist, dann wären wir alle Milliardäre mit perfekten Bauchmuskeln.“

Kommentar von Tim Ferriss dazu: „Es kommt nicht darauf an was du weißt, sondern darauf was du konsequent tust.

Sivers Profil würde ich am liebsten 1:1 hier rein kopieren, aber das würde den Rahmen des Artikels endgültig sprengen. Es gibt einfach zu viele Weisheiten von ihm, teilweise in einem Einzeiler. Einige davon sind folgende:

  • Wie kann man in einer unbekannten Zukunft gedeihen? Wähle den Plan mit den meisten Optionen. Der beste Plan ist derjenige, welcher dich die Pläne ändern lässt.
  • Sei teuer. Anmerkung von mir: Jeder der sich schonmal mit Preisbildung für sein eigenes Produkt oder Dienstleistung beschäftigt hat, wird damit etwas anfangen können. Das Preisrennen gen Boden kann man als Kleinunternehmer nicht gewinnen. Gegen Amazon und die anderen Riesen kommt man nicht an, weswegen man teuer sein muss. Sei Premium und sorge dafür, dass der Wert deiner Leistung dazu passt und du passend zum Preis ablieferst.
  • Rechne mit Katastrophen
  • Besitze so wenig wie möglich

Eine andere Lebensphilosophie, die ich sehr interessant finde: „Sei kein Esel.“ Der Hintergrund dazu: Der Satz war die Antwort auf die Frage von Ferriss welchen Ratschlag Sivers seinem 30-jährigen Selbst geben würde. Nach seiner Erfahrung versuchen 30-jährige sich in viele verschiedene Richtungen zu entwickeln, verzeichnen aber in keiner einzigen so richtige Fortschritte. Sie sind frustriert darüber, dass die Welt sie zwingt sich für eine Sache zu entscheiden, weil sie alles machen wollen. Das Problem dabei ist, dass sie eine kurzfristige Denkweise haben und handeln so als ob sie nichts schaffen würden, wenn sie nicht noch in dieser Woche für alle Bereiche etwas tun. Die Lösung ist es langfristig zu denken. Zu realisieren, dass man eine Sache für ein paar Jahre machen kann, dann eine andere Sache für ein paar Jahre und dann noch eine andere. Es gibt dazu eine passende Fabel: Ein Esel steht in der Mitte zwischen einem Haufen Heu und einem Eimer Wasser. Er schaut immer abwechselnd nach links zum Heu und nach rechts zum Wasser und versucht sich zu entscheiden. Heu oder Wasser, Heu oder Wasser? Er ist unfähig zu entscheiden und bricht schließlich vor lauter Hunger und Durst zusammen und stirbt. Ein Esel kann nicht an die Zukunft denken. Wenn er es würde, würde er feststellen, dass er zuerst zum Wasser gehen kann und anschließend zum Heu. Also ist der Ratschlag an sein 30-jähriges Selbst kein Esel zu sein. Man kann alles machen was man will. Man braucht nur Weitblick und Geduld.

Was ich persönlich bei Sivers noch absolut faszinierend finde, ist seine Art businessbezogene Entscheidungen zu treffen. Es gibt eine sehr unterhaltsame Geschichte von ihm wie er zu Beginn seiner Firma CD Baby das Business Modell und die Preisgestaltung festgelegt hat. Er lebte damals in Woodstock, New York und es gab in der Stadt einen kleinen Plattenladen, der CDs von lokalen Musikern verkauft hat. Also ist Sivers einfach in den Laden gegangen und fragte: „Hey, wie funktioniert das hier wenn ich eine CD verkaufen will?“ Und sie sagten: „Naja, du legst den Verkaufspreis so fest wie es dir passt. Wir behalten lediglich 4$ von jeder verkauften CD. Komm einfach jede Woche vorbei und wir bezahlen dich.“. Also ging Sivers nach Hause, setzte sich an seine Webseite und schrieb: „Du legst den Verkaufspreis fest wie du magst, wir behalten lediglich 4$ pro verkaufter CD und wir bezahlen dich jede Woche.“ Dann stellte er fest, dass es ihn 45 Minuten Zeit kostete, um ein Album in sein System zu übertragen. Er dachte sich, dass 45 Minuten seiner Zeit 25$ wert wären. Also würde er 25$ als einmalige Einrichtungsgebühr verlangen. Und dann dachte er „Oooooh, in meinem Kopf hören sich 25$ und 35$ nicht großartig anders an, wenn es um Kosten geht. 10$ wäre was anderes und 50$ wäre was anderes. Aber 25$ und 35$ ist irgendwie das Gleiche. Also werde ich einfach 35$ festlegen. Das gibt mir die Möglichkeit jedem der danach fragt einen Nachlass zu gewähren. Wenn jemand am Telefon ist und einen sauren Eindruck macht, dann kann ich sagen ‚Hey, weißt du was? Ich gebe dir einen Rabatt.“ Und so machte er es dann. 35$ einmalige Einrichtungsgebühr und 4$ pro verkaufter CD und das war’s dann für die nächsten 10 Jahre. Das war sein ganzes Business Modell, welches er in 5 Minuten dadurch generierte, dass er in einen lokalen Plattenladen ging und die Leute dort fragte wie sie das machen.

Ich persönlich finde das absolut genial. Das zeigt, dass ein Business Plan oder Modell nicht hochkompliziert und anspruchsvoll sein muss. KISS – Keep It Simple, Stupid.

Es gibt noch viel, viel mehr coole Geschichten von Derek Sivers. Am besten hört ihr euch die Podcast Folge mit ihm und Tim Ferriss selbst an:

https://tim.blog/2015/12/14/derek-sivers-on-developing-confidence-finding-happiness-and-saying-no-to-millions/

Insgesamt ist das Buch sehr gut als Abendlektüre im Bett geeignet. Man kann es durchblättern und sich schnell und bündig durchlesen wie ein bestimmter Mensch das Leben sieht und wie er handelt. Sehr gut zum stöbern geeignet.

Da der Artikel insgesamt sehr lang geworden ist, habe ich ihn in zwei Teile gesplittet. Nächste Woche kommt dann der zweite Teil mit den drei anderen Büchern.

Stay tuned! 😉

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Freiheit durch Disziplin

Hast du auch schonmal „erfolgreiche“ Leute beobachtet und dir gedacht: „wie zur Hölle schaffen die das?!“ Nehmen wir z.B. Richard Branson. Er hat im Laufe seiner unternehmerischen Laufbahn über 300 (!) Unternehmen aufgebaut. Man braucht ja nur mal auf Wikipedia in die Liste seiner Virgin Group Unternehmen zu schauen. Ganz „nebenbei“ engagiert er sich für Umweltschutz, verfolgt philanthropische Tätigkeiten, treibt sehr viel Sport (meistens auf seiner Privatinsel Necker Island), spricht auf vielen Veranstaltungen zu jungen Unternehmern, hat sich an einige Weltrekordversuche gewagt (z.B. Heißluftballonüberquerung des Atlantik) und hat nicht zuletzt eine Familie mit Frau und zwei Kindern. Von seiner verrückten Vergangenheit bestehend aus Sex, Drugs und Rock’n’Roll wollen hier erst gar nicht sprechen. Außerdem ist der Typ die Leichtigkeit in Person und anscheinend niemals gestresst. Also, wie zum Teufel schafft dieser Branson das?

Auf diese Frage wird es mit Sicherheit keine leichte und eindimensionale Antwort geben. Letzten Endes werden viele Faktoren mit in die Gleichung einfließen ob und wie erfolgreich jemand wird. Aber bei den vielen Biografien die ich inzwischen von vermeintlich erfolgreichen Leuten wie z.B. Steve Jobs, Winston Churchill, Arnold Schwarzenegger oder dem eben angesprochenen Richard Branson (Pardon, SIR Richard Branson) gelesen habe, kann man einen roten Faden erkennen. Eine Sache ist all diesen Leuten gemein. Jeder von ihnen legt eine unglaubliche Disziplin an den Tag. Wenn sie sich einmal an einer Sache festgebissen haben, dann brennen sie so dermaßen dafür, dass es sie erst wieder loslässt, wenn sie ihr Ziel erreicht haben.

Folgendes wird dir mit Sicherheit bekannt vorkommen. Wenn du mal eine Idee für etwas hast, dir etwas in den Kopf gesetzt hast oder einfach nur Feuer gefangen hast für ein bestimmtes Thema, dann bist du am Anfang ganz enthusiastisch und positiv aufgeregt. Du willst ganz schnell anfangen und alles sofort umsetzen und machen. Doch nach einiger Zeit, manchmal schon am nächsten Tag, erscheint dir die Idee oder das Vorhaben doch wieder nicht so gut. Du landest wieder im alten Trott. Sogar wenn du die Idee immer noch gut findest, so hat dich nach einigen Tagen oder Wochen der Feuereifer wieder verlassen und es wird mühselig. Wie vermeiden erfolgreiche Leute wie Richard Branson solche „Fallen“?

Was ich aus vielen Biografien herausgezogen habe:

1.) Wenn du einmal eine Entscheidung getroffen hast, dann hinterfrage diese nicht mehr, sondern arbeite an der Umsetzung.

Was genau meine ich damit? Was ich an mir selber und einigen anderen Leuten feststelle, ist, dass Entscheidungen keine wirklichen Ent-Scheidungen sind. Wir entscheiden nicht endgültig, sondern lassen uns noch eine Tür auf. Die Entscheidung ist oft nicht lange genug bis zum Schluss durchdacht worden und vor allem fehlt das „Commitment“, die Selbstverpflichtung darauf. Die Selbstverpflichtung ist fast noch der wichtigere Aspekt. Denn wenn es mal unangenehm wird (und das wird es früher oder später immer), dann sorgt das richtige Commitment auf die getroffene Entscheidung dafür, dass ich dran bleibe und nicht den nächstbesten leichten Ausweg nehme.

2.) Richte deine Umwelt so ein, dass sie zu deinen Zielen passt und nicht umgekehrt.

Ich stelle bei mir selber fest, dass ich meine Ziele und Vorhaben an meine aktuelle Lebenssituation und meine Umwelt anpasse. Das kommt mir ganz natürlich und normal vor. Ich habe nunmal den Job den ich habe, lebe in der Stadt in der ich lebe, habe Zugriff auf die Leute die ich nunmal kenne und benutze die Hilfsmittel mit denen ich mich auskenne. Wenn meine Ziele aber mit den Randbedingungen meines aktuellen Umfeldes nicht effizient zu erreichen sind, dann ist das ungefähr so als schiebe man eine riesige Steinkugel einen Berg hinauf. Idealerweise sollte man den Stein aber bergab rollen lassen. Soll heißen: gegen meine Umwelt komme ich nicht an (in dem Fall, dass meine Ziele gegenläufig zu meinem Umfeld sein sollten). Wenn ich das weiß, dann sollte ich lieber mein Umfeld so einrichten, dass es kongruent zu meinen Zielen ist. Als Arnold Schwarzenegger z.B. der beste Bodybuilder aller Zeiten werden wollte, ist er ins Mekka der Bodybuilding Szene gezogen – aus dem beschaulichen Thal in Österreich ins kalifornische Venice Beach – nur um sicherzugehen, mit den damals besten Bodybuildern zusammen trainieren zu können, von ihnen zu lernen, mit ihnen zusammen zu leben, um sich an der Spitze der Szene zu tummeln und möglichst viel Zeit mit den A-Spielern zu verbringen, um dann selber zur absoluten Speerspitze zu werden.

3.) Sofortiges Handeln

Es kam nicht selten vor, dass die Sekretärinnen von Winston Churchill sich bis 2 Uhr Nachts in Bereitschaft halten mussten um Diktate von ihm entgegen zu nehmen. Egal ob es um eines seiner nobelpreisträchtigen historischen Werke, politische Anweisungen als Premierminister oder einfach nur Ideen für die Umgestaltung seines Landsitzes handelte. Wenn ihm etwas im Kopf herumspukte, dann musste er sofort darauf handeln, und sei es auch nur den ersten Schritt zu tun und es irgendwo handschriftlich festzuhalten. Daraus ist auch seine berühmte „action this day“ Mentalität entstanden.

Wenn erstmal die Entscheidung mit der dazugehörigen Selbstverpflichtung gefällt wurde, das Umfeld an die eigenen Ziele angepasst wurde, dann müssen alle dieses Ziel betreffenden Ideen sofort in Handlungen umgesetzt werden. Nur so kommt man seinen Zielen konsequent Schritt für Schritt näher.

Diese drei Punkte von oben verlangen einem eine gehörige Portion Disziplin ab. Frag mich nicht wie man diese Disziplin konsistent an den Tag legt – ich habe dazu auch noch keine Lösung gefunden. Aber mir ist in diesem Zusammenhang eine Leuchte aufgegangen.

Disziplin bedeutet Freiheit

Die besten Dinge des Lebens liegen hinter der Grenze der Disziplin. Viele Dinge des Lebens die als erstrebenswert angesehen werden, können nur mit der ausreichenden Disziplin erreicht werden.

Ein schlanker Körper wird nur durch die richtige Ernährung und sportliche Betätigung erreicht. Einmal reicht da nicht. Deswegen benötigt es eine ordentliche Portion Disziplin um einen starken, gesunden Körper aufzubauen.

Eine liebevolle, verständnisvolle, erhebende Beziehung zu seinem Partner ist nur möglich, wenn man bereit ist die vielen, teils unangenehmen Gespräche zu führen und wirklich an der Beziehung zu arbeiten und diese aufzubauen. Auch das ist ohne Disziplin nicht möglich.

Beruflichen Erfolg zu haben, wie auch immer man diesen für sich persönlich misst, erfordert viel Übungszeit um in seiner Profession besser zu werden. Es erfordert viele unangenehme Gespräche zu führen, Verantwortung zu übernehmen und emotionale Arbeit zu leisten. Das hat ohne Disziplin mit Sicherheit noch keiner geschafft.

Wäre das nicht ein guter Vorsatz für das nächste Jahr? Jeden Tag mit etwas mehr Disziplin zu leben? Auch wenn es noch etwas früh ist für Neujahrsvorsätze….

Eine kleine Geschichte am Rande

Letztens hatten wir ein interessantes Erlebnis. Meine Frau und ich haben uns was feines gegönnt. Ein ordentliches Boxspringbett. Anlieferung und Aufbau waren in dem Kaufpreis inklusive. Als das Bett dann tatsächlich nach 3 Monaten angeliefert wurde (musste ja immerhin maßgeschneidert für uns angefertigt werden – angeblich in Deutschland, gut, wenn man Polen zu Deutschland dazu zählt, glaube ich das vielleicht sogar), gab es ein kleines Problem. Die zwei obersten Matratzen hatten wir in einem gemeinsamen Bezug bestellt. Leider wurde das falsch angeliefert und wir hatten jede Matratze in einem einzelnen Bezug bekommen. Ok, ist erstmal kein Weltuntergang. Meine Frau hat die Monteure darauf hingewiesen, diese haben sich das Ganze notiert und sind dann abgezogen.

Ein paar Wochen später trudelt bei uns ein Brief ein, mit ungefähr folgendem Inhalt: „Das Bett wurde geliefert wie bestellt, deswegen wird die Reklamation nicht akzeptiert“.

Ok, muss sich um einen Fehler handeln. Nicht weiter schlimm, ein Anruf sollte das Ganze klären. Also im Möbelhaus beim Kundenservice angerufen und den Vorgang geschildert. Die Dame am Telefon war ganz offensichtlich gelangweilt und genervt und hat uns an ihre Kollegin verwiesen, welche sich aber noch in der Mittagspause befand. Wir sollen doch später nochmal anrufen. Gesagt, getan. Zwei Stunden später nochmal angerufen, an die „richtige“ Kollegin verwiesen worden, nochmal den Sachverhalt erklärt. Die „richtige“, zuständige Kundendienstmitarbeiterin war sogar noch unfreundlicher, noch unmotivierter und noch angepisster als ihre Kollegin, die wir zuerst am Telefon hatten (vielleicht lag es an mangelnder Kohlenhydratzufuhr, weil es in der Mittagspause nur Salat gab oder mangelndem Sex, ich weiß es nicht…). Auf jeden Fall war die Kundendienstmitarbeiterin am Ende so genervt, dass sie uns an unseren Verkäufer verwiesen hat, bei dem wir das Bett im Laden gekauft und bestellt hatten – aber den könnten wir vielleicht nicht mehr erwischen, weil er jetzt Mittagspause haben müsste (irgendwie könnte man den Eindruck bekommen, dass in diesem Möbelhaus die Mitarbeiter den ganzen Tag nur Mittagspause machen…wäre vielleicht auch besser so, naja…).

Eine kleine Randbemerkung zu dem besagten Verkäufer. Trotz seines jungen Alters (oder vielleicht auch gerade deswegen), ist er uns schon im Verkaufsgespräch sehr positiv aufgefallen. Der Junge hat seinen Job echt gut und offensichtlich mit Spaß und Leidenschaft gemacht.

Zurück zur eigentlich Situation. Nachdem die Kundendienstmitarbeiterin nach unserem Telefonat den jungen Verkäufer informiert hat, hat dieser uns prompt zurückgerufen – aus seiner Mittagspause heraus. Er war super freundlich, konnte sich noch an uns erinnern und wusste noch mit welchen „Extras“ wir vor 3 Monaten unser Bett bestellt hatten, weil er sich seine eigenen Notizen dazu gemacht hat. Er hat direkt bestätigt, dass anscheinend im Bestellprozess etwas schief gelaufen ist, dass es sogar sein Fehler war. Er hat sich aufrichtig dafür entschuldigt und uns versprochen, dass er sich sofort darum kümmern wird. Wir werden unseren großen Bezug auf jeden Fall nachgeliefert bekommen, inkl. „Montage“.

SO stelle ich mir Kundenservice vor. Dabei war der Junge noch nichtmal im Kundenservice und es war eigentlich gar nicht sein Job. Er hat aber Verantwortung übernommen und sich darum gekümmert, dass dem Kunden geholfen wird. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass er den Fehler verursacht hat und für diesen auch gerade stehen muss. Alles schön und recht, aber der Kundenservice ist nunmal der erste Ansprechpartner für diese Art von Problemen und es ist dessen Aufgabe sich darum zu kümmern.

Fehler passieren immer wieder und ich bin nicht der Typ, der dann sofort aus der Haut fährt und den Fehlerverursacher zusammenstaucht. Aber die Art und Weise wie die eigentlichen Kundendienstmitarbeiterinnen ihren Job erledigt (oder nicht erledigt) haben, geht gar nicht. So zu tun, als ob das einen alles gar nix angehen würde und unangenehme Dinge von sich zu schieben, einfach weil man gerade keinen Bock hat, macht mich stinksauer. Wenn ich der Besitzer des Möbelhauses wäre, würde ich die zwei demotivierten Frauen aus dem Kundenservice hochkant rausschmeißen und den Verkäufer zum Chef des Kundenservice befördern. Der Junge hat ganz offensichtlich verstanden was es bedeutet emotionale Arbeit zu leisten und Probleme zu lösen – im Gegensatz zu seinen zwei Kolleginnen. Ganz abgesehen davon, dass er es auch verstanden hat einen Fehler offen und ehrlich zuzugeben und für diesen Verantwortung zu übernehmen.

Dieses „Phänomen“ muss ich leider immer wieder beobachten. Es ist schon ein bisschen traurig welche Haltung viele Menschen in unserer Gesellschaft einnehmen. Einige Leute fühlen sich anscheinend anspruchsberechtigt, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Ich verdiene ein angenehmes Leben.

Ich verdiene eine Gehaltserhöhung. Ich bin schließlich jeden Tag pünktlich auf der Arbeit.

Ich verdiene es, dass ich gelobt und bewundert werde.

Ich verdiene es, geliebt zu werden.

Die Welt ist niemandem etwas schuldig. Es ist eher umgekehrt so, dass man es der Welt schuldig ist, seinen Beitrag zu leisten. Und zwar mit Würde, Anmut und Leidenschaft. Das Wort „verdienen“ beinhaltet schon das Wort „dienen“. Man muss erstmal seinen Dienst leisten, bevor man sich etwas verdient. Und die Grenze ab der man seinen Dienst abgeleistet und sich etwas verdient hat, ist bei einigen Leuten anscheinend bei Null. Kein Anspruch an Qualität, kein Anspruch an Herausforderung und Disziplin. Einfach nur erscheinen und da sein. Zack, „ich bin berechtigt“. So einfach ist es aber nicht. Darf es nicht sein.

„Diese Spieler, diese zwei, drei Spieler, waren schwach wie eine Flasche leer… Strunz! Was erlauben Strunz? … Ich habe fertig!“ – Frei nach Giovanni Trapattoni

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Action this day – Wie Du deine Ängste besiegst

Winston Churchill hatte zu seiner Zeit als Premierminister eine Leitmaxime gehabt: „Action this day“.

Egal welche Anweisungen er seinen Ministern oder Sekretärinnen gegeben hatte. Zumindest der erste Schritt musste noch am selben Tag ausgeführt werden, egal wie spät es war. Und bei Churchills Eigenheiten konnte das auch durchaus noch um 23 Uhr abends oder gar um 2 Uhr morgens der Fall sein.

Dieses Prinzip an seine Vorhaben und Aufgaben heranzugehen finde ich sehr sinnvoll. Bei näherer Betrachtung ist es auch vielschichtiger und komplexer als es auf den ersten Anschein vermuten lässt, wie wir gleich sehen werden.

Betrachten wir zunächst das Thema „Ideen bekommen oder generieren“. Wie ich bereits in früheren Artikeln geschrieben habe, haben wir meistens viele Ideen in unserem Kopf die scheinbar „lose Enden“ bilden und nichts miteinander zu tun haben. Wenn wir uns dann mit Aktivitäten beschäftigen, die uns frei von „Denkarbeit“ machen, wie z.B. Sport (Laufen eignet sich sehr gut), meditieren oder auch profane Sachen wie Putzen, den Haushalt organisieren oder auch kochen, kann es passieren dass zwei oder mehr dieser losen Enden sich verbinden und auf einmal haben wir eine Idee. Im allgemeinsprachlichen Gebrauch redet man von einem „Geistesblitz“.

Was machen wir nun also mit diesem „Geistesblitz“? Wenn wir unsere Tätigkeit nicht sofort unterbrechen, um die gerade aufgeleuchtete Idee aufzuschreiben und festzuhalten, wird sie meistens verschwinden und wir vergessen sie. Egal wie sehr wir uns vornehmen, die Idee im Kopf zu behalten, meist gelingt es uns nicht. Außer dem Effekt, dass die aktuelle Idee dann für immer im Nirvana verschwindet, gibt es noch einen zusätzlichen, nachteiligen Effekt. Wir sagen unserem Gehirn damit quasi, dass wir kein Interesse an solchen Ideen haben und dass es aufhören soll uns mit solchen zu versorgen. Das mag jetzt vielleicht etwas abgehoben oder spirituell klingen, aber wenn wir diesen Ideen, Einfällen und Geistesblitzen nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenken, werden wir mit der Zeit auch weniger davon bekommen.

Umgekehrt ist es so, dass wenn wir die Idee sofort „fangen“ und sie niederschreiben, wir uns darauf konditionieren auch mehr solcher Ideen zu erhalten. Was man mit dieser Idee anfängt ist erstmal unwichtig. Ich persönlich mache es so, dass ich meistens ein Blatt Papier und einen Stift rumfliegen habe. Wenn mir zu Hause eine Idee kommt, schreibe ich diese sofort auf. Wenn ich unterwegs bin, habe ich mein Smartphone dabei und tippe es dort in die Notizen App. In regelmäßigen Abständen schnappe ich mir meine diversen Papierchen und digitalen Notizen und übertrage sie in unbestimmter Reihenfolge in ein Dokument auf meinen Laptop. Wenn ich jeweils 10 Ideen voll habe, fange ich ein neues Dokument an, so dass ich immer maximal 10 Ideen in einem Dokument stehen habe. Die Ideen sind völlig unterschiedlich und können unterschiedliche Lebensbereiche betreffen – neue Business Ideen, Ideen zu Artikeln für meinen Blog (so wie diesen hier), Ideen bzgl. meiner Arbeit, Ideen bzgl. neuer Dinge, die ich ausprobieren möchte, Ideen für neue Investments, Ideen bzgl. neuer Routinen oder Gewohnheiten (z.B. jeden Tag beim Laufen 1% besser werden), etc.

In unregelmäßigen Abständen gehe ich die Ideen durch und stelle manchmal fest, dass mehrere Ideen sehr ähnlich sind oder sehr gut zusammen passen. Dann bündele ich diese zu einer Idee. Wenn ich genug davon habe, schreibe ich diese meistens in ein Dokument mit zwei Spalten. Links steht die Idee und rechts steht der erste, ausführbare Schritt. Nur der Allererste. Sonst nichts weiter. Kein ganzer, ausgearbeiteter Masterplan, kein Roman, nur der erste Schritt.

Wenn ich z.B. eine Idee über eine gewisse Branche im Zusammenhang eines Investments habe, dann könnte der erste Schritt die Online Recherche über die Branche sein, um zu schauen ob das Investment sich lohnen könnte. Wenn ich z.B. die Idee habe eine neue Form der Meditation auszuprobieren, dann ist der erste Schritt mir einen Wecker oder Erinnerung in mein Smartphone einzustellen, für die erste „Session“. Das könnte noch am gleichen Abend vor dem Schlafengehen oder am nächsten Morgen, direkt nach dem Aufstehen sein.

Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise, die ich an mir selber feststellen konnte: Man bekommt immer mehr und häufiger diese „Eingebungen“. Wenn man sich darauf konditioniert seine Einfälle und Ideen ernst zu nehmen und diese zu verfolgen – und sei es auch nur der erste Schritt, um zu sehen wohin das Ganze führen kann – dann wird man mit noch mehr Einfällen und Ideen belohnt. Man wird zu einer Ideen-Generierungsmaschine.

Ein weiterer Vorteil der Churchill’schen Philosophie des „Action this day“ ist vielleicht nicht ganz so offensichtlich. Man fängt an im „Hier und Jetzt“ zu leben. Unser Gehirn ist ein mächtiges, kompliziertes und undurchsichtiges Werkzeug. Der größte Vorteil den wir Menschen haben – der uns auch zur vorherrschenden Spezies auf unserem Planeten gemacht hat – ist unsere Fähigkeit uns selbst in der Zukunft zu sehen. Das ist gleichzeitig auch unsere größte Schwäche, wenn es darum geht Lebensglück und innere Ruhe und Frieden zu finden. Alle unsere Ängste, Sorgen und Beklemmungen rühren daher, dass wir gedanklich ständig in der Zukunft leben. Wir malen uns aus wie es wäre wenn dieses und jenes passiert. Wie es uns ergeht, wenn wir jetzt etwas wagen und machen oder was uns blüht wenn wir es nicht machen und unterlassen. Dabei über- oder untertreiben wir permanent. Wir wissen nicht wie die Zukunft aussieht, aber wir sind Meister darin uns meist eine sehr pessimistische Zukunft auszumalen, die dann Angst, Nervosität und Unbehagen in uns hervorruft. Dieses „leben in der Zukunft“ hindert uns aber daran den Moment voll und ganz wahrzunehmen, ihn zu genießen und einfach im „Hier und Jetzt“ zu leben. Das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund dafür, wieso wir nicht glücklich sind oder wenn, dann nur für kurze Zeit. Wenn wir versuchen irgendwelche Ziele zu erreichen – egal ob selbstgesteckt oder von irgendwem vorgegeben – dann spult unser Gehirn ständig vor und wir reden uns ein, dass wir erst glücklich und zufrieden sein können, wenn wir dieses Ziel erreicht haben. Und wenn wir es dann tatsächlich geschafft haben, dann ist der Moment der Freude relativ gesehen sehr kurz – im Grunde so lange wie ein Wimpernschlag. Wir rennen dann schon wieder dem nächsten Ziel oder der nächsten Sache hinterher.

Wenn wir „action this day“ praktizieren, wenn wir Dinge sofort anpacken – und sei es auch nur der erste Schritt – dann haben wir mehr Kapazitäten frei uns auf den Moment zu konzentrieren und diesen zu genießen. Voll da zu sein.

Ist es letztlich nicht das worum es im Leben geht?

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Wieso Du unzufrieden bist

Woher kommt die permanente Unzufriedenheit der Menschen mit ihrem Status Quo?

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich habe eigentlich ständig ein leichtes Gefühl der Unzufriedenheit. Vielleicht nicht unbedingt jeden Tag, aber schon regelmäßig. Mal mehr, mal weniger. Da ist dieses leichte Unwohlsein, dass es immer noch besser geht. Egal was man gerade erreicht hat, ob im beruflichen oder privaten Bereich, gibt es diese Stimme im Hinterkopf die einem zuflüstert, dass das alles viel zu lange dauert, dass der Ansatz um seine Ziele zu erreichen doch Bullshit ist, weil er nach 2 Wochen keine sichtbaren Resultate produziert.

Und auch wenn man einen Zwischenschritt erreicht hat und eigentlich zufrieden mit sich sein könnte, fällt man spätestens am Tag danach in ein Loch und fängt an, sich seine Errungenschaft madig zu machen.

Damit ihr besser verstehen könnt was ich meine, hier ein Beispiel aus meinem eigenen Leben:

Ich wollte nebenbei unbedingt ein eigenes Business haben. Ich hatte eine Idee. Ich fand die Idee super, ich habe diese umgesetzt und mehr oder weniger ein Jahr nebenberuflich daran gearbeitet. Nichts wird euch durch ein größeres Emotionskarussel jagen, als ein eigenes Business zu haben. Jeden Tag „heiß-kalt“ Spielchen, manchmal mehrmals am Tag, aber mindestens jeden Tag anders. Heute Top. Morgen Flop. Dann wieder andersrum. Eigentlich war ich immer nur maximal 10 Minuten zufrieden und gleich danach Unzufrieden. Ständig sind einem noch 100 Sachen eingefallen, die man hätte besser oder anders machen können. Die ersten Zweifel an der Grundidee waren auch schnell da und am liebsten hätte ich direkt etwas anderes gemacht, was aber aufgrund der Art des Business nicht ging. 10.000 Energieriegel im eigenen Keller wollen erstmal an den Mann gebracht werden.

Woher kommt also dieser Drang nach immer mehr, nach immer weiter oder oft auch einfach nach etwas anderem? Vor allem: was will uns das Gehirn damit sagen?

Eins vorweg: ich habe auch keine Ahnung. Ich kann nur berichten was ich an mir beobachtet habe und was ich denke, was in meinem Fall zutrifft.

Ich lese viel. Sehr viel. 1-2 Bücher jeden Monat, Artikel, Blogbeiträge. Ich höre Hörbücher, eins pro Monat. Aber nicht irgendwas. Alles Bücher, Artikel, Blogs die mit Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Lebensführung, Business und im groben mit Erfolgsprinzipien zu tun haben. Ich lese also jeden Tag von super erfolgreichen Menschen – in jedem Lebensbereich und -sinn. Alle Prinzipien die dort gelehrt werden anzuwenden ist unmöglich wenn man noch irgendwie seinen Lebensunterhalt verdienen muss (zumindest für mich). Aber man sieht doch einen roten Faden, der sich durch die meisten Bücher und Biografien durchzieht. Das ist auch ein Grund, wieso ich diesen Blog schreibe.

Ich sehe also täglich was im Leben so alles möglich ist und dagegen halte ich mein eigenes Leben. Autsch. Das sollte dann eigentlich schon alles erklären. Aber gehen wir noch etwas tiefer. Ich bin davon überzeugt, dass das Streben nach einem besseren Leben, nach mehr Geltung und Selbstverwirklichung tief im menschlichen Genom verwurzelt ist. Die Menschheit ist seit jeher progressiv ausgerichtet. Der ein oder andere wird dieses Gefühl vielleicht nicht haben, wenn er sich in seinem direkten Umfeld umschaut. Nichts desto trotz ist es aber nunmal so. Sonst würden wir wahrscheinlich immer noch in unseren Höhlen hocken, das Fleisch der Mammuts roh vom Knochen reißen und uns gegenseitig mit Keulen verprügeln.

Wenn ich jetzt zu diesem Grundbedürfnis, die zahlreichen Biografien und Geschichten erfolgreicher Menschen und ihre Prinzipien des Erfolgs hinzunehme, wird mir der Unterschied zwischen dem was ich habe und dem was möglich wäre, noch deutlicher bewußt. Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich sehe mich als jemanden mit einem hohen Lebensstandard und das kann ich ruhigen Gewissens auch von jedem in meinem Umfeld behaupten. Es ist jetzt nicht gerade so, dass ich einen Job mit Mindestlohn hätte und nach einem besseren Lebensstandard strebe, in dem Sinne dass ich mir eine schön eingerichtete Wohnung, mal einen Urlaub, qualitativ hochwertige Kleider in ausreichendem Maße und Restaurantbesuche leisten kann. Das sind alles definitiv Dinge die einen Lebensstandard ausmachen und doch sind es am Ende des Tages nur materielle Dinge oder Erfahrungen die in die Kategorie „Entertainment“ gehören und nicht zu meinem Geltungs- oder Selbstverwirklichungsdrang beitragen. Was meine ich also wenn ich davon rede „was möglich“ ist? Es ist die Art Leben, die dazu führt, welchen Beitrag man zur Gesellschaft leistet, wie man seine Kreativität auslebt, indem man das Leben anderer Menschen verbessert und dabei tiefe und bedeutungsvolle Beziehungen mit ihnen eingeht. Den „Impact“ den man auf dieser Welt hinterlässt. Davon rede ich.

Was will mir mein Gehirn also mit dem Gefühl der Unzufriedenheit sagen? Wahrscheinlich, dass ich es besser kann. Unzufriedenheit sollte eigentlich als eine positive Emotion wahrgenommen werden. Es bedeutet, dass mein Gehirn glaubt, dass ich noch bessere Ergebnisse erzielen kann. Vielleicht wende ich nur die falschen Methoden an? Vielleicht bin ich einfach nur zu ungeduldig? Vielleicht muss ich einfach nur flexibler werden?

Dementsprechend sollte auch der Umgang mit unserer Unzufriedenheit sein. Es ist ein Handlungsbedarfssignal. Wir müssen etwas machen. Wir müssen etwas ändern. Und das Gute daran: wir können es auch.

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Die Kunst Probleme zu lösen

In letzter Zeit habe ich einige Gedanken darauf verwandt wie man Probleme lösen kann.

Dazu muss man zuerst reflektieren wie Probleme in der heutigen Arbeitskultur vorwiegend gelöst werden. Wenn ein Problem auftritt, stürzt man sich meistens darauf das Leck so schnell wie möglich zu stopfen, in der Hoffnung, dass es nicht wieder auftritt. Da die meisten Probleme bei ihrem Erscheinen als sehr dringend eingestuft werden (was sie in Wirklichkeit nur sehr selten sind), bleibt keine Zeit nach den wirklichen Ursachen zu forschen.

Das Prozedere kann man sich ungefähr so vorstellen:

Ein Spaziergänger steht an einem Flussufer, als er plötzlich einen Hilferuf vernimmt. Er schaut raus aufs Wasser und sieht wie ein anderer Mann hilflos rudernd unterzugehen droht. Der Spaziergänger zögert nicht und springt in den reißenden Fluss um den Mann aus dem Wasser zu ziehen. Am Ufer angekommen belebt er den Mann mit Müh und Not wieder, selbst völlig außer Atem. Kaum ist die Heldentat vollbracht, hört er wieder einen Hilferuf. Dieses mal eine Frau. Er springt ohne Bedenken kopfüber ins Wasser und zieht auch diese Frau an Land. Noch während er die Frau wiederbelebt, vernimmt er wieder Hilferufe. Dieses mal sind gleich zwei Personen gleichzeitig am Ertrinken. Am Ende seiner Kräfte, aber gewillt sein Leben zu opfern, springt der Mann in den Fluss und schafft es tatsächlich die zwei Personen an Land zu schleppen. Noch bevor er die Wiederbelebungsmaßnahmen vornehmen kann, hört er schon wieder Hilferufe. 3 Leute! Völlig erschöpft springt er ins Wasser und ward nie wieder gesehen. Hätte der hilfsbereite Spaziergänger sich doch bloß einen Moment Zeit genommen nachzudenken und ein Stück weiter flussaufwärts zu schauen…

Wenn das obige Szenario etwas besser läuft, dann wird als nächster Schritt nach der Ursache des Problems gefragt und diese vermeintliche Problemquelle wird abgestellt. Um jedoch auf diese Problemquelle zu stoßen, wird oft sehr viel Zeit und Energie vergeudet. Es werden meist auch nur die sehr konservativen Methoden angewandt um auf die Problemlösung zu stoßen. Man denkt einfach lange und hart über das spezifische Problem nach. Wenn man damit alleine nicht fertig wird, dann holt man sich Hilfe bei einem Kollegen und dann ist man schon zu zweit dabei, lange und hart über dieses spezifische Problem nachzudenken. Auf die ein oder andere Weise gelingt es dann meist doch das Problem irgendwie abzustellen. Und dann ist man auf und davon zum nächsten Problem. Wie gesagt, alles ultra-dringend.

Es wird keine Zeit für die „Nacharbeit“ aufgewandt. Es werden sich nur selten Fragen gestellt wie:

„Wieso ist dieses Problem überhaupt aufgetreten?“

„Welches ist das Problem welches unser Problem verursacht hat?“

„Was müssen wir machen, damit dieses Problem in der Zukunft nicht mehr auftaucht?“

Um den wahren Ursachen eines Problems auf den Grund zu gehen, hat Toyota in ihrem „Lean Production“ Konzept das Vorgehen der „5 Wieso’s eingeführt. Es reicht nicht aus ein, zwei oder gar drei mal nach dem „Wieso“ zu fragen, um den „root cause“ eines Problems zu erfassen. Toyota hat herausgefunden, dass man fünf mal fragen muss um die wahre Problemquelle zu identifizieren.

Ein Beispiel:

Problem: Das Fahrzeug startet nicht.

  1. Frage: Wieso startet das Fahrzeug nicht?

Die Batterie ist leer.

2. Frage: Wieso ist die Batterie leer?

Die Lichtmaschine funktioniert nicht.

3. Frage: Wieso funktioniert die Lichtmaschine nicht?

Der Keilriemen ist gerissen.

4. Frage: Wieso ist der Keilriemen gerissen?

Der Keilriemen wurde nie gewechselt.

5. Frage: Wieso wurde der Keilriemen nie gewechselt?

Das Fahrzeug wurde bisher nie gewartet.

Menschliches Versäumnis.

Die meisten wahren Ursachen von Problemen lassen sich auf menschliche Probleme zurückführen. Wenn man also mit technischen Problemen zu tun hat, dann sollte man solange Fragen, bis man auf eine menschliche Problemquelle stößt. Die 5 Wieso’s reichen meist völlig aus.

Und um zu vermeiden, dass dieses Problem in der Zukunft nochmals auftritt, muss man Maßnahmen einführen. Wenn die Wurzel der meisten Probleme menschliche Handlungen sind, dann sind Schulung, Bildung und Unterweisung das Gegenmittel.

Wie kann man jetzt aber selber auf noch elegantere Weise Probleme lösen?

Eine noch bessere Methode ist das „Denken in größeren Dimensionen“.

Probleme lassen sich lösen, indem wir übergeordnete Probleme lösen, als deren „Nebenprodukt“ unser ursprüngliches Problem gelöst wird. Wir könnten also anstatt lange und hart über die direkte Lösung unsers Problems nachzudenken, einfach eine „Problemschicht“ weiter hochgehen.   Die letztliche Konsequenz eines solchen Denkens würde bedeuten das man dasjenige Objekt oder diejenige Struktur in dem das Problem auftrifft, komplett abschafft. Das nennt man Disruption.

Ein Beispiel: Auto- oder Fahrradreifen verlieren Luft oder kriegen ab und zu einen Platten.

Anstatt sich jetzt also Gedanken darüber zu machen wie man den Reifen robuster gestalten kann, so dass das Problem weniger häufig oder gar nicht auftritt, könnte man sich auch Gedanken darüber machen wie man den Reifen komplett abschafft. Man könnte z.B. schwebende Fahrzeuge (Hovercrafts) einsetzen. Das würde unser ursprüngliches Problem eine Problemschicht weiter oben anpacken und lösen. Man könnte sich auch fragen wie man das Auto oder Fahrrad komplett abschaffen oder ersetzen könnte. Das wäre dann zwei Problemschichten weiter oben.

Und genau das ist die Arbeits- und Denkweise von innovativen Unternehmen wie Google, Uber, AirBnB und co., die ganze Branchen disruptieren. Wir müssen uns alle diese Denkweise aneignen, wenn wir in der Zukunft noch Schritt halten wollen. Egal welche Position man in seiner Firma bekleidet. Man MUSS dieses Denken anwenden und seine Kollegen dazu animieren ebenso zu denken. Firmenkultur kann nicht nur von oben herab diktiert werden. Firmenkultur wird durch alle Mitarbeiter bestimmt. Und wenn du selbstständig bist oder ein eigenes Unternehmen hast, dann gilt das für dich umso mehr.

Diese Art Arbeit ist emotionale Arbeit, die wir leisten müssen, wenn wir etwas von Wert erschaffen wollen.

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Wovon wir mehr brauchen

Was bedeutet „gutes“ Business?

Die Herausforderung der heutigen Zeit besteht nicht mehr darin sich Gedanken darüber zu machen was wir erschaffen oder produzieren können. Wir können nahezu alles was wir uns vorstellen können auch erschaffen oder produzieren. Dies ist nicht mehr das vorwiegende Problem unserer Zeit.

Die wahre Herausforderung besteht darin sich Gedanken über die Frage zu machen was wir erschaffen sollten. Wir müssen uns Fragen dazu stellen was wir in der heutigen Zeit wirklich benötigen und ob es sinnvoll ist, das, was auch immer uns vorschwebt, umzusetzen.

Produktionskapazitäten sind heute im Überfluss vorhanden. Viele Hersteller müssen heutzutage ihre Produktionskapazitäten extern anbieten und Aufträge für andere übernehmen, da sie durch eigene, interne Aufträge nicht mehr voll ausgelastet sind. Es ist relativ leicht einen Auftragshersteller für welches Produkt auch immer zu finden. Sogar wenn man sein eigenes, individuelles Auto haben möchte, muss man sich keines von der „Stange“ bei den etablierten Herstellern kaufen, sondern kann Auftragshersteller (die im übrigen auch für die etablierten Automarken ganze Modellreihen entwickeln und produzieren) beauftragen. Man braucht sich also nicht mehr die Frage zu stellen ob man ein neues Automodell auf die Welt loslassen sollte, sondern ob es Sinn macht ein neues Automodell auf den Markt zu bringen.

Jeder der Lust und den Mut hat ein eigenes Business mit welchem Produkt auch immer zu starten kann dies mit relativ wenig Kapital auch tun, da die eigentlichen Maschinen und Produktionsmittel nicht mehr beschafft werden müssen.

Als ich damals mein erstes Business mit KYG – Keeps You Going gestartet habe, habe ich meine Energieriegel bei einem Hersteller produzieren und verpacken lassen. Ich habe lediglich das Rezept und das Design für die Verpackung geliefert und habe 5 Tage später eine Palette mit sauber verpackten Riegeln vor meiner Haustür stehen gehabt. Ich musste mir keine Maschine kaufen, die die Zutaten vermengt, keine Maschine die die fertige Masse in eine Riegelform presst, keine Maschine die die Folie bedruckt und auch keine Maschine die die fertig gepressten Riegel in die bedruckte Folie einschweißt. Ich musste mir auch keine Maschinen kaufen und Mitarbeiter anheuern, die die eingeschweißten Riegel in eine mit meinem Design bedruckte Displaybox stapeln und eine Warenausgangskontrolle machen. All das war schon vorhanden. Die Firma war glücklich, dass sie einen Auftrag hatte mit dem sie ihre Maschinen und Mitarbeiter auslasten konnte und ich war glücklich, dass ich kein großes Kapital in Anlagen investieren musste um meinen Traum von einem eigenen Energieriegel zu verwirklichen.

Wenn die Produktionsmittel also nicht den Engpass darstellen und wir uns Gedanken machen müssen ob es sinnvoll ist einer Idee Leben einzuhauchen, wie können wir das dann entscheiden?

Über einen möglichen Ansatz hatte ich schon geschrieben. Anstatt die vorhandene Nachfrage nach noch mehr profanem zu bedienen, kann man seine eigne Nachfrage nach Substantiellem erschaffen, indem man das entsprechende Angebot erschafft. Nur wenn wir genug kreative Schöpfer in der Gesellschaft haben, die durch ihr unablässiges Tun sinnvolle Werte erschaffen, erzeugen wir genug Nachfrage nach dem Substantiellem – im Gegensatz zu der überhöhten Nachfrage unserer aktuellen Gesellschaft nach Oberflächlichkeiten.

Ein weiterer Ansatz wäre es sich zum Ziel zu setzen 80% seiner Geschäfte mit den 20% der höchsten Bedürfnisse zu machen.

Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Unternehmen tun nichts anderes als diese Bedürfnisse zu erfüllen. Es gibt nach der Theorie von Maslow eine Hierarchie der Bedürfnisse, die sogenannte Maslowsche Bedürfnispyramide. Ganz unten stehen die physiologischen Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlafen, ein Dach über dem Kopf. Darüber kommen die Sicherheitsbedürfnisse nach körperlicher und mentaler Unversehrtheit. Es folgen die sozialen Bedürfnisse nach Liebe, Freundschaft und Gruppenzugehörigkeit. Auf der zweithöchsten Stufe stehen die Individualbedürfnisse nach Anerkennung und Geltung. Ganz oben an der Spitze steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Die ersten vier Stufen werden Defizitbedürfnisse genannt. Bei Nichtbefriedigung dieser Bedürfnisse können physische oder psychische Störungen auftreten. Die oberste Stufe der Selbstverwirklichung wird als Wachstumsbedürfnis definiert. Dieses kann nie wirklich befriedigt werden.

Die große Mehrheit der heutigen Unternehmen macht Geschäfte in einem von zwei Bereichen. Entweder in den unteren Rängen der Bedürfnispyramide – Wohnen, Transport, Essen, Energie. Die zweite Form ist das Geschäft nicht mit den Grundbedürfnissen der Menschen, sondern mit ihren Begehrlichkeiten und Sehnsüchten. Diese zwei Arten können sich z.B. überschneiden. Das Auto ist hier wieder ein gutes Beispiel. Wir haben ein Grundbedürfnis nach Mobilität, aber das findige Marketing der Autohersteller appelliert an unsere Sehnsüchte nach Status und Anerkennung und sorgt dafür, dass wir nicht irgendeine Mobilität wollen, sondern die Luxusvariante für 80.000€.

Wir Menschen können leider nicht sehr genau zwischen Bedürfnissen und Begehrlichkeiten unterscheiden und viele Unternehmen nutzen dies aus.

Wenn wir „gutes“ Business machen wollen, dann wären wir also gut beraten, wenn wir uns auf das Bedürfnis des Menschen nach Selbstverwirklichung konzentrieren würden. Es gibt noch viel Platz und Bedarf für Unternehmen die mit gutem Rat, psychologischer Unterstützung oder schön gestalteten Städten dienen können. Wir brauchen eine Gesellschaft in der es normal ist, dass wir uns mit unseren Emotionen beschäftigen und diese managen, dass wir starke Familien über Generationen hinweg aufbauen und erhalten, unseren Verstand kultivieren, Weisheit, Güte und Selbstbeherrschung erlangen.

Es kommt noch jede Menge Arbeit auf uns zu, verbreitete und umfassende Erfüllung zu erschaffen.

Das beste daran ist, wie ich schon weiter oben geschrieben habe, dass das Bedürfnis des Menschen nach Selbstverwirklichung nie wirklich befriedigt werden kann. Das heißt dass es jede Menge Platz und Arbeit für Unternehmen geben wird die sich auf dieses höchste Bedürfnis konzentrieren.

Also tu mir bitte einen Gefallen: Wenn du jemals etwas starten wolltest, wenn du jemals mehr mit deinem Leben anfangen wolltest als nur deinen Lebensunterhalt zu verdienen, dann starte ein „gutes“ Business. Ein toller Nebeneffekt ist, dass dieses Business gleichzeitig auch deine Selbstverwirklichung sein wird und du damit dein eigenes Bedürfnis danach befriedigst.

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So kriegst du garantiert jeden Job

Neulich habe ich auf der Arbeit selbst beobachten dürfen was der Unterschied zwischen jemandem ist, der seine Arbeit zwar macht, diese ihm aber grundsätzlich am Arsch vorbei geht und jemandem dem wirklich etwas an seiner Arbeit liegt. Nicht in dem Sinne, dass der eine seine fachliche Tätigkeit besser ausführt als der andere. Nein, fachlich gibt es keine großen Unterschiede. In dem Sinne, dass der eine emotionale Arbeit leistet und der andere nicht. Letzterem ist eigentlich nur wichtig, dass er einen möglichst stressfreien Tag hat. Bloß alle unangenehme Arbeit von sich schieben und in keine Themen involviert werden, die es erfordern, dass man schwierige Gespräche führen muss, dass man andere Leute von etwas überzeugen, motivieren muss, dass man sich selbst einbringen muss.

Firmen und insbesondere Großkonzerne hängen heutzutage extrem von den Leuten ab die gewillt sind Risiken einzugehen, die sich einbringen und gewillt sind emotionale Arbeit zu leisten.

Emotionale Arbeit ist die Art von Arbeit die nur emphatische Menschen leisten können. Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Art von Arbeit mehr denn je brauchen. Und für genau diese Art von Arbeit bezahlen uns Firmen auch, sie haben es uns nur noch nicht deutlich genug gesagt und dementsprechend wissen wir das auch nicht. Wir sind der Meinung, dass wir aufgrund unserer tollen fachlichen Kompetenz oder aufgrund unserer langjährigen Erfahrung bezahlt werden. Das halte ich für einen Trugschluss.

Emotionale Arbeit zu leisten, bedeutet sich schwierigen Aufgaben zu stellen, sich mit Menschen zu verbinden, ein Risiko einzugehen, Initiative zu ergreifen, zu erfinden, zu verkaufen, sich selbst zu strecken und zu wachsen.

Dazu gibt es eine nette Geschichte:

Eines Tages holt ein alter Bauer seine zwei Söhne zu sich, um ihnen zu verkünden, wer den Hof erben soll, wenn er sich zur Ruhe setzt. ‚Der jüngere Sohn soll den Hof übernehmen‘, sagte der alte Bauer. Der ältere Sohn war außer sich vor Wut: ‚Was meinst du damit? Ich bin der ältere und habe den größeren Anspruch.

Okay‘, sagte der alte Bauer. ‚Du musst etwas für mich tun. Wir brauchen mehr Bestände. Kannst du zu Cibis Hof gehen und schauen ob er ein paar Kühe zum Verkauf hat?

Der ältere Sohn kam bald zurück und sagte: ‚Vater, Cibi hat 6 Kühe zu verkaufen‘.

Der alte Bauer dankte seinem Sohn großzügig für seine Mühe und wandte sich an den jüngeren Sohn: ‚Du musst etwas für mich tun. Wir brauchen mehr Bestände. Kannst du zu Cibis Hof gehen und schauen ob er ein paar Kühe zum Verkauf hat?

Der Sohn ging fort und kam bald wieder: ‚Vater, Cibi hat 6 Kühe zu verkaufen. Jede Kuh soll 2.000 Rupien kosten. Wenn wir mehr als 6 Kühe kaufen wollen, wird Cibi um 100 Rupien pro Kuh runtergehen. Er sagte auch, dass er nächste Woche spezielle Jersey-Rinder reinbekommt. Wenn wir es nicht eilig haben, könnte es sich also lohnen eine Woche zu warten. Wenn wir die Kühe jedoch dringend brauchen, kann er sie uns morgen liefern.

Der Vater dankte seinem jüngeren Sohn großzügig für seine Mühe. Er wandte sich an seinen älteren Sohn und sagte: ‚Das ist der Grund wieso dein jüngerer Bruder den Hof bekommen wird.

Das ist eine Demonstration von emotionaler Arbeit. Der jüngere Sohn hat nicht nur das getan was ihm aufgetragen wurde, er hat Initiative ergriffen und Verantwortung übernommen. Er hat sich voll eingebracht.

Die Zukunft einer Firma hängt davon ab, ob sie eine Kultur erschaffen kann, die emotionale Arbeit fördert und fordert. Nur Firmen die genug „emotionale Arbeiter“ haben, werden den Konkurrenzkampf der Zukunft überleben. In der Gesellschaft von morgen ist kein Platz mehr für mehrere Großkonzerne, die alle das gleiche machen und sich durch nichts von ihren Mitstreitern abheben. Wir können unsere Konkurrenz nicht durch noch mehr Gehorsam ausstechen. Wenn es nur darum geht eine Aufgabe zu erledigen und man das Ergebnis dieser Aufgabe messen kann, dann wird es immer jemanden geben der diese Aufgabe gehorsamer und vor allem billiger erledigen kann. Den Kampf um die Abwärtsspirale gen Boden kann man nicht gewinnen.

In China und Indien werden gerade Schwärme von gut ausgebildeten Fachleuten auf den Arbeitsmarkt gespült, die das Spiel der urdeutschen Tugenden von Pünktlichkeit, Fleiß und Ordnung viel besser spielen als wir. Wenn Deutschland in der Zukunft eine Wirtschaftsmacht bleiben will, dann dürfen wir dieses Spiel nicht spielen. Wir müssen das nächste Level erklimmen. Das bedeutet, dass wir lernen müssen uns unseren Ängsten zu stellen. Wir müssen uns solange in die Probleme lehnen, bis wir neue Erkenntnisse erhalten um diese zu lösen, anstatt davor weg zu scheuen. Wir müssen emotionale Arbeit leisten.

Es gibt einen Spruch der zu diesem Thema passt: „Der Unterschied zwischen einem Genie und einer normalen Person ist der, dass das Genie niemals ganz aufgibt. Er legt das Problem irgendwo im Hinterkopf ab und hält daran fest. Ab und zu wird es nach vorne geholt um darüber nachzudenken. Im Kontext neuer Eindrücke – die mit dem ursprünglichen Problem nichts zu tun haben – stößt das Genie auf eine Lösung. Währenddessen gibt die „normale Person“ endgültig auf und lässt das Problem komplett los.“

Wir müssen auch endlich lernen mit Fehlern umzugehen.

Nach meiner Beobachtung werden Fehler in der deutschen Arbeitskultur unterdrückt und totgeschwiegen. Nein, wir machen keine Fehler. Niemals. Doch! Wir sind Menschen und keine Maschinen! Natürlich machen wir Fehler. Viele sogar und das ist auch gut so. Nur aus Fehlern können wir lernen. Wer nicht genug Fehler macht, geht nicht genug Risiken ein. Wir müssen Fehler endlich als das akzeptieren was sie sind. Wir müssen sie offen auf den Tisch legen und produktiv diskutieren, ohne nach einem Schuldigen zu suchen oder Anklagen zu erheben. Wir müssen nach den wahren Ursachen forschen und uns nicht oberflächlichen Eitelkeiten hingeben.

Ich bin der Überzeugung, dass wir gerade dafür bezahlt werden emotionale Arbeit zu leisten. Genau das ist es was der Markt braucht. Den Rest unserer Aktivitäten, auf die wir uns allzu gerne etwas einbilden, könnten sonst auch dressierte Affen erledigen.