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Was ich in 101 Stunden programmieren gelernt habe

Zu Beginn des Jahres 2018 habe ich mir vorgenommen einen neuen Hardskill zu lernen. Die Gründe dafür waren zahlreich, aber vor allem wollte ich wieder etwas machen in das man sich über längere Zeit richtig vertiefen kann. Ich wollte wieder dieses Gefühl haben, etwas zu lernen was wirklich schwierig ist und lange Zeit braucht um gelernt zu werden, aber auch das gute Gefühl, welches man hat, wenn man diese Fähigkeit zum Einsatz bringt und damit etwas produziert, etwas macht.

Die ersten drei Monate vergingen natürlich wie im Flug, ohne dass ich auch nur einen weiteren Gedanken daran verschwendet hätte. Gut, dass ich mir solche Dinge aufschreibe und regelmäßig zu Gemüte führe (wer schreibt, der bleibt). Ende März habe ich mich dann nach etwas Überlegung dazu entschieden wieder mit dem Programmieren anzufangen. Wieso wieder und wieso gerade Programmieren? Als ich noch in der Schule war, habe ich mich eine kurze Zeit damit beschäftigt und bereits ein paar kleine „Progrämmchen“ geschrieben. Nachdem meine Entscheidung dann gegen das Informatik Studium fiel, habe ich die Sache wieder fallen gelassen, was ich seither bereits einige male bereut habe. Die Faszination über das Coding hat mich nie so wirklich losgelassen und nachdem ich eher zufällig auf den Blog von Paul Graham (www.paulgraham.com) gestoßen bin, war ich wieder Feuer und Flamme dafür [1].

Vor ein paar Tagen habe ich die 100 Stunden Marke geknackt. Insgesamt habe ich jetzt an 52 Tagen programmiert und mich in Summe ca. 101 Stunden damit beschäftigt. Ich dachte mir es könnte sich lohnen zusammen zu fassen, was ich bisher auf dieser interessanten Reise gelernt habe.

Ohne weitere Umschweife hier also meine „lessons learned“, in keiner besonderen Reihenfolge:

Probleme lösen:

Eine Problemstellung herunter zu brechen in viele kleinst mögliche Probleme und diese dann Schritt für Schritt zu lösen. Oft schaut man auf eine Aufgabe oder ein Problem und ist zunächst überwältigt. Man weiß gar nicht so recht wo oder wie man anfangen soll. Programmieren hat eigentlich weniger damit zu tun irgendeinen Code einzuhacken, sondern ein Problem in viele kleinst mögliche Teilstücke herunter zu brechen, diese zu lösen und in eine formalisierte Sprache zu überführen damit der „dumme“ Computer auch versteht, was man von ihm eigentlich will, solange bis das große Hauptproblem gelöst ist. Programmieren hat mich auch wieder daran erinnert, dass diese Vorgehensweise auf ganz „normale“ Probleme im Alltag zutrifft. Man kann jedes Problem in eine Untermenge von Teilproblemen unterteilen und diese separat lösen. Schritt für Schritt.

Geduld:

Wenn man in seine alten Denkmuster verfällt („Wieso funktioniert das nicht?“), sich aktiv „zurücknehmen“ und dazu zwingen logisch Schritt für Schritt den Quellcode zu analysieren. Ich merke wie ich oft „faul“ werde und mir denke: „Das könnte so ungefähr funktionieren. Wird schon passen“ ohne es wirklich durchzudenken. Das rächt sich immer. Wenn man sein Programm nicht mit ausreichender Präzision im Kopf halten kann und genau weiß was das Programm wann macht, wird es unweigerlich zu einem „Bug“ kommen.

Langsam Denken:

„Langsames“ Denken [2] liegt mir und es ist absolut nicht schlimm, wenn man das Bedürfnis hat mehr über ein bestimmtes Konzept oder Programmierparadigma herauszufinden und sich auch dafür die Zeit nimmt. Man muss sich aktiv zwingen einen Gang runter zu schalten und langsam zu denken, denn oft ist man geneigt bestimmte Konzepte einfach schnell überfliegen zu wollen. Das sollte man nicht machen. Außerdem bedeutet langsames Denken auch, dass wenn man auf ein Konzept stößt, dieses gleich aus mehreren Perspektiven betrachtet, sich immer weiter hinunter in den Kaninchenbau begibt und mehr zu diesem Thema und dessen Hintergrund herausfindet. Natürlich muss man auch aufpassen, dass man sich in dem Kaninchenbau verirrt, irgendwann muss man auch wieder zurück zum Ausgangspunkt finden.

Freude über das Einfache:

Die unerwartete Freude ein auf den ersten Blick simples Konzept zu recherchieren und über seine Schönheit und Ästhetik zu staunen. Manchmal sind es die einfachen Dinge im Leben, die einen am meisten erfreuen und sich diese Fähigkeit mit steigendem Alter zu bewahren ist schwierig aber auch essentiell für ein erfülltes Leben.

Loslassen vom Perfektionismus:

Beim Programmieren gibt es immer mehrere Lösungen die zum Erfolg führen. Es gibt die komplizierte Lösung, die schnelle Lösung, die einfache Lösung und die elegante Lösung. Als Anfänger fällt man automatisch irgendwo zwischen die einfache und die komplizierte Lösung, da man noch nicht alle Funktionen und Arten der Lösung (oder auch Denkparadigmen) kennt (= einfach), formuliert man eine Lösung die unter Umständen sehr klobig und umständlich ist (=kompliziert). Das wichtigste am Anfang ist aber, dass man das Problem überhaupt löst und a) zu einem funktionierenden Programm kommt und b) versteht wieso das Programm genau das tut was es tun soll [3]. Erst danach kann man sich damit beschäftigen das Programm eleganter (= kleiner und schneller) zu machen.

Sich sauber und klar ausdrücken:

Beim Programmieren ist es wichtig den Code so zu schreiben, dass ein Mensch ihn möglichst leicht lesen und verstehen kann. Dem Computer (bzw. Compiler) ist es z.B. egal wie man seine Variablen benennt, aber wenn andere das Programm möglichst schnell begreifen können sollen, dann muss man sich klar und deutlich ausdrücken. Dieser andere Mensch kann man auch selbst zu einem späteren Zeitpunkt sein. Nichts ist schlimmer als nach ein paar Wochen nicht mehr zu wissen was man mit einer bestimmten Funktion in einem Programm machen wollte, weil man „quick and dirty“ Code geschrieben hat. Diese Lektion hat mich daran erinnert, dass dies auch für allgemeine Kommunikation gilt, egal ob schriftlich oder mündlich. Sich sauber, klar und präzise ausdrücken zu können ist ein essentieller Skill.

Programmieren ist letztlich auch eine Art der Kommunikation. Ich sehe es als eine Kommunikation auf drei Ebenen.

1.) Mit der Maschine

2.) mit anderen Programmierern

3.) mit dem Anwender

Dabei ist Punkt 3.) der wichtigste. Schließlich ist Programmieren ein Werkzeug um Probleme von Menschen (=Anwendern) zu lösen.

Mathematik , Algorithmen und Programmiersprachen besitzen die gleiche Schönheit und Eleganz wie Kunst:

Wenn ich mir Code von erfahrenen Programmierern anschaue, dann kann ich nicht anders, als über die Eleganz und Schönheit zu staunen. Es ist vergleichbar mit der  Erfahrung sich ein Kunstobjekt oder ein gut designtes Produkt anzuschauen, was in einem eine Resonanz auslöst und zu welchem man sich hingezogen fühlt. Natur- und Computerwissenschaften sind mindestens genauso schön und ästhetisch wie Kunst, Design und Geisteswissenschaften. Da Programmieren zum größten Teil aus dem Lesen von Code besteht, lernt man eleganten Code sehr zu schätzen. Schließlich schaue ich mir auch lieber den ganzen Tag das hier an:

anstatt diese Ausgeburt an Hässlichkeit:

Ehrlich, ich bin davon überzeugt, dass man Augenkrebs bekommen kann wenn man zu lange auf sowas schaut.

Sich auf fremden Code einlassen:

Gerade hatte ich erwähnt, dass programmieren zum Großteil aus dem Lesen von Code besteht. In diesem Zusammenhang ist es extrem wichtig sich auch wirklich auf den Code und damit auf die Denkweise von anderen Leuten einzulassen. Am Anfang ist es so, dass man beim Erstkontakt mit fremden Code denkt: „Hä? Was soll das denn? Wieso macht er das denn so? Das ist doch viel zu kompliziert?“ oder man versteht nicht sofort was der Code soll (siehe auch nächster Punkt) und verfällt in seine eigenen Denkmuster und Problemlösungstechniken. Man kann neue Arten Probleme zu lösen und seinen Werkzeugkasten zu erweitern nur dadurch erlernen, dass man offen gegenüber fremden Code ist, sich voll auf diesen einlässt und ihm eine „faire“ Chance gibt. Dies trifft im Übrigen auch auf andere Lebensbereiche zu. Es ist von Vorteil sich auf die Denkweise seines Gegenübers einzulassen und unvoreingenommen zu versuchen seine Sicht der Dinge nachzuvollziehen. Das erweitert den eigenen Horizont.

Mehr durch weniger:

Die Eleganz und Schönheit liegt meistens darin, Dinge weg zu lassen, zu vereinfachen und zu kürzen, gleichzeitig aber die Lesbarkeit und Verständlichkeit für den menschlichen Leser zu bewahren. Es gibt einen „sweet spot“ zwischen Kürze und Lesbarkeit. Es gibt Möglichkeiten mit denen man ganze Funktionen in eine Zeile schreiben kann. Das Problem dabei: sowas versteht kein Mensch mehr. Wenn man dann nicht exzessiv kommentiert um die Funktion in aller Fülle zu beschreiben ist das ein verlorener Fall, sollte sich jemals jemand den Code zu Gemüte führen. Das wäre über das Ziel hinausgeschossen. Ich bin ein Fan von sich selbst beschreibendem Code geworden, mit so wenig Kommentaren wie möglich. Der Code sollte so klar strukturiert und lesbar sein, dass er sich selbst erklärt, aber eben nicht zu aufgeblasen. Der Informatiker Hoare sagte folgendes: „There are two ways of constructing a software design: One way is to make it so simple that there are obviously no deficiencies, and the other way is to make it so complicated that there are no obvious deficiencies. The first method is far more difficult.“

Die Freude ein Problem zu lösen:

Die unglaublichen Glücksgefühle die einem beschert werden, wenn man ein relativ schwieriges Problem selbst gelöst hat und das Programm tatsächlich das tut was es tun soll (Stichwort Semantik). Im alltäglichen Arbeitsleben kann man sich glücklich schätzen, wenn man dieses Gefühl sporadisch erleben darf. Deshalb ist es gerade am Anfang wie ein Rausch, wenn man sieht wie die eigenen Programme nach stundenlangem „basteln“ genau das tun, was sie tun sollen. Ein Gefühl, welches man danach nicht mehr missen will.

Der „Kampf“ mit dem Schwierigen ist lohnenswert:

Die Schinderei und das Ringen mit einem schwierigen Problem ist auf mehreren Ebenen lohnenswert. Man lernt sich zu fokussieren, es gibt einem Selbstvertrauen, es nährt einen mental, es gibt einem eine neue bzw. andere Perspektive. Es ist nicht leicht sich durch ein kniffliges Problem durchzubeißen. Wenn man es aber schafft zu lernen sich durchzubeißen und am anderen Ende als Sieger herauskommt, sind die Vorteile gegen nichts aufzuwiegen. Man wird um so vieles bereichert.

Und das ist erst der Anfang…

Anmerkungen:

[1] Paul Graham ist der Gründer von Viaweb und Y Combinator. Viaweb war einer der allerersten Web-basierten Shopsysteme im Internet, mit dem die Benutzer sich einen eigenen Onlineshop erstellen und konfigurieren konnten. Die Firma hat er zusammen mit einem Freund gegründet und 1998 an Yahoo! für ca. 50 Millionen US-$ verkauft. Anschließend gründete er mit dem gleichen Freund und seiner Frau im Jahr 2005 Y Combinator, was ein sogenannter „seed accelerator“ für Startups ist. Es werden kleinere Summen Geld, Unterstützung und Beratung im Anfangsstadium für vielversprechende Startups geleistet. Firmen die von Y Combinator „gepusht“ wurden sind u.a. AirBnB, Dropbox, Stripe, Reddit u.v.m. Der geschätzte Wert von Y Combinator liegt irgendwo zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde US-$.

[2] Zu diesem Thema siehe auch das absolut fabelhafte, augenöffnende Buch von Daniel Kahnemann „Schnelles Denken, langsames Denken“.

[3] Ein Programm zum Funktionieren zu bringen besteht darin es syntaktisch und semantisch korrekt aufzubauen. Syntax bedeutet, dass man es in der jeweiligen Programmiersprache korrekt formalisiert, so dass es vom Compiler verstanden und korrekt in Maschinensprache übersetzt werden kann. Korrekte Semantik bedeutet, dass das Programm auch genau das tut, was man von ihm will. Man kann zwar ein auf den ersten Blick korrekt laufendes Programm haben, in dem Sinne dass es ohne Fehler ausgeführt wird, aber das bedeutet noch nicht, dass es auch logisch korrekt ist.

no bullshit

Bullshit

Das Leben ist zu kurz für Bullshit. Und Bullshit ist die Definition von Sachen für die das Leben zu kurz ist. Das ist wie die sprichwörtliche Katze die sich in den Schwanz beißt. Beide Aussagen drehen sich um sich selbst.

Bullshit ist leider eine Sache der wir nicht genug Aufmerksamkeit zukommen lassen. Man kann sein Leben um ein Vielfaches verbessern, wenn man den Bullshit weglässt. Man kann es sogar um ein Vielfaches mehr verbessern, wenn man Bullshit weglässt, anstatt zu versuchen mehr „gute“ Erlebnisse hinzuzufügen.

Auf einer Glückseligkeitsskala würde das ungefähr so aussehen:

6 – 1 = 8

6 + 1 = 6,5

Dabei ist „6“ der Basiszustand der Glückseligkeit. Wenn man „-1“ Bullshit subtrahiert, dann landet man auf der Skala auf einer „8“, wird also um ein Drittel glücklicher als im Basiszustand. Wenn man dem gleichen Basiszustand von „6“ „+1“ Einheiten gute Erlebnisse hinzufügt, landet man bei einem Gesamtzustand von „6,5“, wird also nur ein Zwölftel glücklicher als zuvor. Dazu ist man im Vergleich zum „-1“ Bullshit subtrahieren, relativ um einen Faktor 4 glücklicher [1]!

Das ist jetzt eine rein theoretische Betrachtung, die das widerspiegelt, was ich in meinem Leben subjektiv erfahren habe.

Wenn man sich selbst fragt auf welche Dinge man Zeit verschwendet die Bullshit sind, dann weiß man meist die Antwort darauf: unnötige Meetings, sinnlose Streitigkeiten, Bürokratie, Getue/Posing, Fehler anderer Leute, Verkehrsstaus, suchterzeugende aber unbefriedigende Beschäftigungen und vieles mehr was mir jetzt spontan nicht einfällt.

In diesem Sinne ist Bullshit wie Junk Food. Es ist Fake. So wenig wie Junk Food mit echtem, nahrhaftem Essen zu tun hat, so wenig hat Bullshit mit echtem, erhebenden Leben zu tun.

Bullshit kann auf zwei Arten in dein Leben eindringen. Entweder es wird dir durch Umstände oder andere Leute aufgezwungen oder der Bullshit legt dich herein.

In gewissem Maße müssen wir uns mit aufgezwungenem Bullshit abgeben. Du musst irgendwie Geld verdienen und Geld verdienen besteht hauptsächlich aus Erledigungen. Mit der Zeit stellt man aber fest, dass man viele der augenscheinlich vorgegebenen Standard Bullshits weglassen kann [2].

Viel schlimmer als der aufgezwungene Bullshit, ist derjenige der sich in dein Leben schleicht, weil er dich hereinlegt. Dies ist niemandes Schuld außer deine eigene. Und doch ist der Bullshit den man sich selbst aussucht, schwerer zu vermeiden als der aufgezwungene. Die Dinge die dich verlocken deine Zeit darauf zu verschwenden, müssen verdammt gut im Betrügen sein. Technologischer Fortschritt führt dazu, dass wir immer abhängiger machende Bullshit Beschäftigungen erschaffen. Angefangen beim Fernsehen, über sinnlose Streitereien in Online Foren, bis hin zu Facebook und anderen Vertretern sozialer Medien. Inzwischen ist es bewiesen dass Smartphones abhängiger machen als Alkohol, Nikotin, Crack oder Heroin. Und eins ist auch sicher. Da technologischer Fortschritt exponentiell passiert und wir ins Zeitalter der „Nicht-Linearität“ übergegangen sind, wird der nächste technologische Sprung abhängiger machen als Crystal Meth oder abhängiger als etwas das wir uns noch nichtmal vorstellen können [3] [4] [5].

Dies bedeutet, dass wir eine bewusste Anstrengung unternehmen müssen den Bullshit, den wir uns selbst auferlegen, zu erkennen. Was helfen könnte ist, wenn wir uns die Frage stellen: „Ist das wie ich meine Zeit verbringen will?“ Was nichts anderes bedeutet als „Will ich so meine Lebenszeit verbringen?“

Außer Bullshit aktiv zu vermeiden, sollten wir Beschäftigungen aktiv suchen, die uns etwas bedeuten. Aber unterschiedlichen Leuten bedeuten unterschiedliche Dinge etwas. Und so müssen wir erst durch „Versuch und Irrtum“ und anschließende Selbstreflexion lernen, was uns etwas bedeutet.

Eine Möglichkeit zu finden was uns etwas bedeutet ist es, sich die Frage zu stellen ob es uns auch in Zukunft etwas bedeuten wird. Fake Zeug hat die Angewohnheit eines scharfen Maximums, welches uns trügt etwas von Bedeutung für uns zu sein. Um bei der mathematischen Beschreibung zu bleiben. Die Fläche unter der Kurve (= Integral) ist klein, aber das Maximum sticht wie eine scharfe Nadel in unser Bewusstsein.

Dinge die uns etwas bedeuten, erscheinen auf den ersten Blick nicht notwendigerweise als „wichtig“. Einen Kaffee mit einem Freund zu trinken ist von Bedeutung. Man wird sich nachher nicht so fühlen als ob man Zeit verschwendet hätte [6].

Beschneide Bullshit erbarmungslos und warte nicht um Dinge zu tun die von Bedeutung sind. Das ist ein übenswerter Skill und wird dir mit Sicherheit einen hohen „Return on Investment“ (= ROI) geben.

Wie Seneca schon vor 2.000 Jahren sagte:

„Alles fürchtet ihr wie Sterbliche, alles aber wollt ihr haben wie Unsterbliche.

Anmerkungen:

[1] „-1“: relative Steigerung von 1/3 zur Basis; „+1“: relative Steigerung von 1/12 zur Basis. Differenz: Faktor 4

[2] Wie sehr man bereit ist vorgegebenen Bullshit auf seiner Arbeit wegzulassen, hängt auch in hohem Maße damit zusammen wie „charakterfest“ man ist, wieviel „Fuck You“ Geld und wie wenig Schulden man hat. „Fuck You“ Geld ist nur eine nette Umschreibung für finanzielle Sicherheit. Wer viele (Konsum)schulden hat, ist vll. abhängiger von seiner aktuellen Arbeit und eher gewillt das Bullshit Spiel mitzuspielen.

[3] Salz wirkt im Gehirn übrigens auch wie Crack und Heroin. McDonald’s und Co. wissen das nur allzu gut und übersalzen absichtlich.

[4] Technologischer Fortschritt ist natürlich eine gute Entwicklung, erfordert aber von uns Menschen als Anwender einen immer umsichtigeren Umgang damit.

[5] VR – Virtual Reality könnte der nächste mögliche Sprung sein, der den Abhängigkeitsgrad auf das nächste Level hebt. Google und Facebook arbeiten aktuell hart an dieser Technologie.

[6] Unser häufiges Unvermögen zwischen Dingen zu unterscheiden die „dringend und unwichtig“ und welchen die „nicht dringend und wichtig“ sind, ist zum Teil auch Schuld daran, dass wir uns bei der Arbeit auf Bullshit einlassen. Oft hilft es auch sich die Frage zu stellen für wen es dringend ist. Büro Politik…

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Wieso brauchen wir Arbeit?

Passend zum 01.Mai – Tag der Arbeit – habe ich meine Gedanken zum Thema Arbeit aufgeschrieben. Viel Spaß beim Lesen. Ich würde mich über Eure Meinung zu dem Thema in den Kommentaren freuen.

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Wir leben in einer Zeit die sich durch ein besonders hohes Maß an Unsicherheit auszeichnet. Die Welt ist undurchsichtiger und weniger vorhersehbar als jemals zuvor, auch wenn wir durch Medien wie das Internet der subjektiven Meinung sind das dem nicht so ist. Und genau das ist der springende Punkt. Wir glauben, dass wir aufgrund unserer technologischen Fortschritte die Zukunft besser vorhersagen können als jemals zuvor. Doch es bleibt eine Illusion. Wir sehnen uns nach Ordnung, Kontrolle und Sicherheit. Vor 10.000 Jahren haben diese Eigenschaften über Leben und Tod entschieden und hatten damit einen sehr hohen Stellenwert für uns. Wir sind daher bereit sehr viel für diese Gefühle zu geben und zu zahlen [1].

Das ist auch ein Grund wieso wir Arbeit brauchen. Das Nachgehen einer Beschäftigung gibt uns ein Gefühl der Ordnung und Kontrolle. In einer chaotischen Welt können wir einen kleinen Aspekt unseres Lebens kontrollieren. Wir können ein Problem greifen und es lösen, in einer Art und Weise wie es uns in anderen Bereichen des Lebens nicht möglich ist. Es verschafft uns ein Gefühl der Errungenschaft und Befriedigung.

Es ist als ob unser ganzes Leben von unkontrollierbaren Emotionen gesteuert wird. Wir werden hin und her geworfen von den Erregungen und Ängsten die wir kaum verstehen und denen wir keinen Sinn abringen können. Da ist es nur verständlich, dass wir uns an etwas klammern, dass uns zumindest etwas Erleichterung verschafft.

Unsere Arbeit ist ein Aspekt in dem wir über eine Lebenszeit zu einem verblüffenden Verstehen kommen können. Wir erlangen einen Grad der Expertise, der keine Unklarheiten offen lässt. Für einen Spezialisten hat ein gewisser Aspekt des Lebens keine Mysterien mehr. Unser Gehirn schmachtet nach Sicherheit. Wir hassen es in der Luft zu hängen. Wir wollen in einer vollständig nachvollziehbaren, verständlichen Welt leben.

Aber geben wir uns letztlich nicht einer Illusion hin? Sind wir uns bewusst, dass wir lediglich einen Teilaspekt kontrollieren oder glauben wir, dass wir unser Leben kontrollieren? Machen wir uns etwas vor?

Die Auffassung durch unsere Arbeit nicht nur unseren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch gleichzeitig Erfüllung zu finden, ist recht neu. Im 18. Jahrhundert hatte man keine Zeit sich Gedanken um persönliche Erfüllung zu machen, wenn man 16 Stunden lang am Tag sein Feld bestellt hat. Erst durch die Industrialisierung und das anschließende Vernetzungszeitalter, durch das Internet, haben wir es geschafft uns so viel Freizeit und Bequemlichkeit zu erkaufen, dass wir Gedanken persönlicher Erfüllung nachsinnen können. Wir haben als Gesellschaft unsere Standards bezüglich unserer Arbeit stark angehoben. Das an sich ist nichts Schlechtes. Aber kann es sein, dass wir zu viel unseres persönlichen Glückempfindens an unsere Arbeit hängen? Vor 200 Jahren war es recht normal von seiner Arbeit nicht viel mehr als den Lebensunterhalt zu erwarten und seine Erfüllung in anderen nicht monetären Beschäftigungen zu suchen (sofern die Zeit dafür vorhanden war, wie gesagt 16 Stunden Feldarbeit). Wieso glauben wir heute, dass wir unsere Kreativität nur auf der Arbeit ausleben können? Ja, sogar müssen? Wieso erachten wir eine Beschäftigung nur als sinnvoll, wenn sie wirtschaftlich aussichtsreich zu sein verspricht? Reicht eine Arbeit, die uns einen guten Verdienst, angenehme Arbeitsumstände und Kollegen, moderaten Stress (idealerweise nur die gute Art von Stress – Eustress; und wenig bis gar keinen schlechten Stress – Disstress) und einen ausreichenden Grad an Sicherheit bringt, nicht vollkommen aus [2]? 7-8 Stunden um seinen „Lebensunterhalt“ zu verdienen und 7-8 Stunden für Freizeit oder seine Leidenschaft klingt für mich nicht so schlecht [3].

Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen die genau dieses Vorgehen haben. Minimale Leistung auf Arbeit um dann zu Hause mit voller Energie seinen wahren Interessen nachzugehen und zu „leben“.

Irgendwo in der Mitte wird die Wahrheit liegen. Seine Ansprüche an seine Arbeit anzuheben und von ihr mehr zu verlangen als nur das Decken der Grundbedürfnisse ist eine gute Sache und gehört meiner Meinung nach zur Evolution der Menschheit dazu. Zu versuchen seine ganze Kreativität und sein Glücksempfinden aus seiner Arbeit zu beziehen, wäre ein Überspannen des Bogens. Wieviel Arbeit ist optimal? Welche Herangehensweise an die Arbeit ist optimal? Wird in 50 Jahren überhaupt noch jemand arbeiten müssen? Oder werden von KI (Künstliche Intelligenz) gesteuerte Maschinen alle Arbeit verrichten? Und was werden wir Menschen dann machen [4]?

Mich würde Eure Meinung dazu interessieren.

Anmerkungen:

[1] Das ist auch das Geschäftsmodell von Versicherungen. Versicherungen nutzen das Sicherheitsbedürfnis von Menschen aus, in Bereichen in denen die Statistik auf der Seite der Versicherungsgesellschaft ist. Damit wird der Profit erwirtschaftet.

[2] Sicherheit im Job ist eigentlich eine Illusion. Großkonzerne sind sehr gut darin einem Arbeitsplatzsicherheit zu verkaufen, auch wenn diese objektiv betrachtet gar nicht vorhanden ist.

[3] Eigentlich arbeitet man nur maximal 2-4 Stunden um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die restliche Zeit arbeitet man für „Luxus“. Überdimensionierte Wohnungen oder Häuser, Premium Automobile, Urlaub, etc. sind Luxusanschaffungen und keine grundlegenden Bedürfnisse.

[4] Das ist im Übrigen eine sehr interessante Fragestellung. Alle Entwicklung geht aktuell in Richtung KI (= Künstliche Intelligenz). Selbstlernende Algorithmen gibt es bereits schon und es ist nur eine Frage der Zeit bis KIs den Status einer „Superintelligenz“ erreicht haben. Damit wird der Vergleich zwischen einem Menschen und der KI wie der zwischen einem Menschen und einer Ameise. Und dann ist die wirklich entscheidende Frage was wir Menschen den lieben, langen Tag über treiben werden. Das mag aus der heutigen Perspektive wie ein triviales Luxusproblem erscheinen, aber das ist ein wirklich ernsthaftes psychologisches Problem. Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, dem kann ich nur das Buch „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari ans Herz legen.

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Sei kein Esel!

Ich musste heute wieder an eine Parabel denken die ich einmal gelesen hatte.

Ein Esel steht genau auf halbem Wege zwischen einem Heuhaufen und einem Wassertrog. Er kann sich nicht entscheiden ob er zuerst trinken oder fressen will. Er wendet sich unentschlossen erst zum Einen, dann zum Anderen, nur um sich wieder um zu entscheiden. Letztlich bricht der Esel verdurstend und verhungernd an Ort und Stelle zusammen.

Wenn man diese Geschichte liest, dann denken wir uns. „Blöder, alter Esel“. Es liegt doch ganz klar auf der Hand, dass er zuerst zum Wassertrog gehen und trinken kann, um anschließend zum Heuhaufen rüberzugehen und zu fressen. „Wo liegt das Problem?!“.

Und doch beobachte ich wie viele Menschen sich genauso verhalten wie der Esel, mich eingeschlossen. Es scheint ein Phänomen vorwiegend der jüngeren Generation zu sein. Wir haben uns viele Sachen vorgenommen und wollen gleich alles, am besten gleichzeitig. Wir verdammen die Gesellschaft dafür, dass sie uns zwingt uns für eine Sache zu entscheiden und dabei zu bleiben. Dabei realisieren wir aber nicht, dass wir durchaus alles haben und machen können. Eben nur nicht gleichzeitig. Wir können einige Jahre eine Sache machen, dann einige Jahre eine andere Sache dann vielleicht einige Jahre noch eine andere. Es erfordert lediglich Priorisierung und Geduld. Diese zwei Wörter sind schnell und einfach geschrieben und noch schneller gesagt, aber mit Sicherheit nicht leicht umgesetzt. Sobald wir uns auf eine Sache eingeschworen und diese einige Zeit verfolgt haben, setzt unser „Monkey Brain“ ein und springt mental schon wieder zur nächsten Sache. Auf einmal scheint uns unsere Prio 2 auf unserer Liste doch attraktiver zu erscheinen als die Prio 1. Eine kleine Abwechslung von der inzwischen monotonen Arbeit an Prio 1 kann doch nicht schaden, oder? Wir tun uns in dieser schnelllebigen Welt, die voller Möglichkeiten ist, sehr schwer Geduld zu haben und unsere Vorhaben der Reihe nach abzuarbeiten. Und so arbeiten wir an vielen Dingen gleichzeitig und kommen doch in keiner so recht voran.

Der amerikanische „Starinvestor“ Warren Buffett hat eine sehr einfache und doch kreative Herangehensweise wenn es um seine Ziele geht. Seinem langjährigen Privatpiloten hat er diese einmal verraten. Mache eine Liste mit 25 Dingen die du machen oder erreichen willst. Kreise die 5 absolut wichtigsten darunter ein, die du unbedingt in der nächsten Zeit machen oder erreichen willst. Übertrage diese 5 Dinge in eine neue Liste. Das wird deine neue „To-Do-Liste“. Die Ziele 6-25 aus deiner ersten Liste werden zu den „vermeide um jeden Preis“ Dingen. Am besten vergisst du diese so lange bis du deine TOP-5 umgesetzt hast.

Fokus ist in unserer Zeit anscheinend eine Superkraft.

Sei also bitte kein Esel.

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Was soll das hier eigentlich ?!

Was zur Hölle?! Ich habe euch noch gar nicht erzählt, was dieser Blog überhaupt soll und was es mit dem Quatsch derstoiker auf sich hat? Asche auf mein Haupt!

Dann wird es höchste Zeit, dass ich das nachhole.

Fangen wir mal damit an, wieso ich diesen Blog überhaupt ins Leben gerufen habe.

Mir war langweilig. Und irgendwie machte es Spaß so da zu sitzen und auf die Tastatur einzuhacken um dann Wörter auf ein vorher blankes Stück digitales Papier fallen zu sehen. Außerdem brauchte ich irgendeine Rechtfertigung für mein sackteures, neues Macbook Pro und weil mir sonst nichts besseres eingefallen ist und ich auch sonst nichts kann, ist das eben dabei rausgekommen.

Ok, schön und gut. Aber wie passt dazu jetzt der Name „derstoiker“? Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Da ich in den Monaten und Jahren vor dem Blog sehr viele Sachen im Bereich Psychologie, Entrepreneurship, Persönlichkeitsentwicklung und Philosophie gelesen habe und auf viele interessante Themen gestoßen bin, dachte ich mir dass ich den ganzen Scheiss nehme, mit meinen eigenen Ansichten dazu verquirle und ganz neuen Scheiss schreibe. Das hat mal mehr, mal weniger gut geklappt. Was mir jetzt aber bei den ganzen Büchern und Artikeln wie eine Art roter Faden hängen geblieben ist, war eine gewisse Einstellung zum Leben. Diese ganz besondere Art zu leben, diese leichte unbekümmerte Herangehensweise, dieses Wissen um die wichtigen Dinge im Leben, dieses Geheimnis zum Glück, dieses …, diese …, dieser …, wie soll ich es sagen? The fucking good life!

Das war für mich wie ein „eye opener“. Als ob einer den Vorhang aufmacht und du feststellst, dass das richtige Leben hinter dem Vorhang stattgefunden hat und du die ganze Zeit fälschlicherweise einen richtig schlechten Abklatsch von Hamlet in einem Dorftheater gesehen hast und es mit deinem echten Leben verwechselt hast. „Sein oder nicht sein.“

Buuuh, du scheiss Penner, du gehst nie als Hamlet durch, besorg dir nen richtigen Job!

Irgendwann kriege ich also das Buch „The Obstacle Is the Way“ von Ryan Holiday zu fassen und kann meinen Augen kaum trauen. Auf einmal laufen alle Fäden zusammen. Diese Lebenseinstellung hat tatsächlich einen Namen. Es ist die Philosophie des guten Lebens. Stoizismus.

„Say whaaaat?“ Ich dachte immer dass Stoiker diese emotionslosen Lurche sind, die so viel Gefühl wie ein Urinal haben. Ungefähr so wie die schauspielerische Leistung von Kristen Stewart in der Biss-Reise „Twilight – Bis einer heult“. Oder so ähnlich.

„Bella, ich liebe dich.“

„Öööööhhh“ (grummeln wie bei einem hirntoten Zombie mit passendem Gesichtsausdruck).

„Bella, deine Mutter ist gestorben.“

„Öööööhh“ (gleiche Gefühls- und Gesichtskirmes wie oben).

Wieso zur Hölle ich diesen scheiss Film gesehen habe, ist eine ganz andere Geschichte. Vielleicht ein anderes mal.

Au contraire ma chère. Das ist Stoizismus ganz und gar nicht. Irgendwie haben wir es wieder geschafft innerhalb der letzten 2000 Jahre etwas ganz wunderbares so zu verbiegen, dass es mit dem ursprünglichen Gedanken gar nichts mehr zu tun hat. Ein bisschen wie Stille Post.

Die Stoiker haben eine Philosophie des Lebens entwickelt. Eine Anleitung für das gute Leben. Das ist kein abgehobener Intellektuellenscheiss, bei dem es darum geht sich die Zunge fusselig zu quatschen, um den anderen von seiner besseren Weltsicht zu überzeugen und wenn man nichts mehr zu sagen weiß, sich gegenseitig ins Maul zu spucken und dreckig zu lachen wie Kriminalhund Murmel (ich sollte echt weniger SpongeBob schauen). Das ist echte, harte Praxis. Dafür gemacht angewendet zu werden.

Es geht darum mit Hilfe von einer Reihe mentaler Techniken negative Emotionen wie Angst, Nervosität, Zorn und Unzufriedenheit zu beseitigen und stattdessen eine Welle purer Freude auszulösen, die dafür sorgt, dass du den ganzen Tag wie ein Glücksbärchi herumspringst. Es geht auch darum, dass du nur ein gutes und sinnvolles Leben führen kannst, wenn du es schaffst deine Suchtneigung zur Unersättlichkeit zu überwinden. Es geht darum deine hedonistische Anpassung abzulegen. Bitte was? Das bedeutet, dass du in der Regel ständig irgendwelchen Begierden nachrennst und wenn du sie einmal befriedigt hast, du dich sehr schnell an den neuen Status Quo gewöhnst und die anfängliche Welle des Glücks abebbt. Um wieder einen Peak der Freude zu erfahren rennst du dem nächst größeren hinterher. Erst wolltest du ein Auto mit 200 PS haben, nach kurzer Zeit zieht dir die Krücke keine Wurst mehr vom Teller, also müssen es als nächstes 300 PS sein, aber der Nachbar hat ja etwas mit 350 PS in der Auffahrt stehen, weswegen du als nächstes 400 PS brauchst. Das Ganze endet in der Spirale des sinnlosen Konsums und einem verschwendeten Leben. Ich glaube ihr wisst wie das gemeint ist. Man gewöhnt sich an den Scheiss und will immer mehr sinnlosen Scheiss haben. Die weisen, alten Stoiker hatten auch hierfür eine Reihe Tricks, die einem kurz gesagt helfen, das zu wollen was man bereits hat. Dankbar und zufrieden zu sein mit dem was man hat und zu unterscheiden was wirklich im Leben zählt und was nicht.

Einen weiteren cleveren Trick haben sich schon die Anonymen Alkoholiker abgeschaut und daraus  das „Gelassenheitsgebet“ gemacht. Wegen meiner Faulheit werde ich es nicht rezitieren, aber es geht darum zu wissen was man kontrollieren kann und was nicht und sich in seinem Leben eben nur auf ersteres zu konzentrieren und letzteres einfach links liegen zu lassen. BÄÄÄM! Wieder ein Schub Glückshormone!

In diesem Lebensprinzip geht es darum freiwillig in seinem Leben Unbequemlichkeiten auf sich zu nehmen, denn schon vor 2000 Jahren wussten die Stoiker, dass man nur glücklich werden kann, wenn man sich unbequemen Dingen stellt, diese Probleme löst, dadurch etwas lernt, wächst und sich somit erfüllt, also gleich glücklich fühlt. Scheisse Mann! 2000 Jahre und wir sind kein Stückchen weiter gekommen, kein bisschen klüger oder weiter, dabei bilden wir uns gleichzeitig so viel auf unsere fortschrittliche Zivilisation ein. Schande!

Je mehr Vergnügen man sich hingibt, desto mehr Meistern muss man dienen.

Man sollte den Unterschied zwischen Vergnügen und Freude kennen. Den ganzen Tag Kuchen fressen und auf dem  Sofa hocken ist vielleicht ein Vergnügen, es wird dir aber langfristig keine Freude bringen.

Im Stoizismus geht es aber um viel mehr, als den ganzen Tag nur rumzusitzen, und vor lauter Glück wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen (hat schon jemals jemand so einen blöden Gaul gesehen?). Es geht darum unsere produktive Energie dazu zu nutzen alle unsere Lebensverpflichtungen nach unserem besten Können zu erfüllen und unseren Mitmenschen zu helfen. Ein Stoiker ist also eine hart arbeitende Person, die das Gefühl der harten Arbeit genießt. Also ein knallharter, abgebrühter, krasser Typ. Coolness Faktor wie Chuck Norris.

Um den Bogen zu schließen, habe ich also nach dieser erstaunlichen Entdeckung meinen Blog „derstoiker“ genannt. Das soll nicht heißen, dass ich dieser Stoiker bin, auch wenn ich diesen „Lifestyle“ anstrebe. Ha! Da, ich habe es gesagt, dieses ultra-fancy Wort. Stoizismus ist eben auch so ein styler-myler Lebensstil, den man „Lifestyle“ nennen kann. Sein Leben danach auszurichten, es gut , sinnvoll und wahrlich glücklich zu leben, erfordert eine ganze Lebensspanne. Man ist nie fertig und lernt immer dazu. Ich wollte mit dem Namen „derstoiker“ einfach nur ausdrücken, dass jeder etwas mehr Stoiker in sich gut gebrauchen könnte. Und außerdem war die URL stoiker.de schon vergeben. Scheiss drauf.

PS: Das Wort Scheiss(e) kommt in diesem Artikel 10-mal vor. Ich bitte um Nachsicht, aber irgendwie macht es richtig Spaß es zu benutzen :). Ich gelobe für die Zukunft besseren Schreibstil.

PPS: Wer sich ganz einfach und unbekümmert weiter in diese Thematik einfinden möchte, dem kann ich nur das Buch „A Guide To The Good Life“ von William B. Irvine empfehlen. Zwar auf Englisch, aber das Thema wird sehr gut beleuchtet.

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Das Leben ist kein Ponyhof

Das Leben eröffnet sich einem nicht immer wie ein Shakespeare Skript. Es wäre schön, wenn man diese Sicherheit hätte, dass alles so ablaufen wird, wie man sich das auf seinem 10-Jahres Plan ausgemalt hat. Keine Angstschübe mehr und Nervositätsattacken, ob man zudem fähig ist, wozu man ausgezogen ist, ob man seine hochgesteckten Ziele auch tatsächlich erreicht, ob man gut genug ist, ob man charmant genug ist, witzig genug und ob die „anderen“ billigen was man macht und einem einen wohlwollenden Regen aus Handküssen und Rosen bescheren.

Leider und Gott sei Dank läuft das Leben aber nunmal nicht so ab. Was wäre das auch für ein Leben wenn es den Nervenkitzel des Unbekannten nicht gäbe? Wenn wir schon von Anfang an wüssten wie eine Sache ausgeht, worin läge dann noch der Sinn diese Sache zu verfolgen?

Bei manchen Dingen müssen wir uns Durchbeißen bis zum bitteren Ende. Wir müssen es uns beweisen, dass wir es schaffen. Wir müssen kämpfen. Für unser Selbstvertrauen. Für unseren Eigenrespekt. Für das süße Gefühl eine wirklich harte Sache durchgezogen zu haben. Vielleicht wollen wir es auch ein Stück weit den „anderen“ Beweisen. Eltern, Geschwister, Freunde, entfernte Bekannte, dem Nachbars Hund. „HAA, du hässlicher Mops! Du hast mir all die Jahre immer umsonst diese skeptischen Blicke zugeworfen. Ich hab dir doch gesagt, dass ich das packe und jetzt sieh mich. Hä? Hä?! HÄÄÄ?!?! Da bist du baff, was? Bleibt dir gleich die Spucke weg!

Einige Dinge muss man aber auch loslassen. Man muss wissen, wann man sich übernommen hat, wann es zu viel wird. Vielleicht haben sich in der Zwischenzeit auch deine Grundwerte geändert und das ursprünglich angestrebte Ziel liegt genau entgegengesetzt zu deinem großen, ganzen Bild von deinem Wunschleben. Zu wissen wann man den Kopf senkt und trotz des Scheisse Regens der einem horizontal mitten in die Fresse fliegt, stur weiter geht und zu wissen wann man einfach umdreht, ist eine Kunst für sich. Es ist schwierig und erfordert sehr viel Reflexion. Es erfordert, dass man sich sehr gut kennen muss. Schon die weisen Philosophen der Antike sagten „Erkenne dich selbst.“ Es ist ein Prozess, der sehr schmerzhaft sein kann. Sich seinen vermeintlichen Schwächen zu stellen, diese anzuerkennen und offen und ehrlich zu zugeben, kommt einem selbstverpassten Tritt in die Eier gleich (sorry Ladies, ihr könnt euch nicht vorstellen was das für Schmerzen sind, andererseits kann ich nicht nachvollziehen was ein Tritt in euer Äquivalent an Schmerzen verursachen würde….egal, ich schweife ab, ihr wisst was ich meine).

Und doch bedeutet „Schmerz + Reflexion = Fortschritt“.

Das Leben ist schon eine wundersame Abenteuerreise, bei der man nie weiß wohin sie einen trägt. Jeden Tag tun sich eintausend Optionen auf, die den Kurs deines Lebens grundsätzlich verändern können.

Ich erinnere mich wie ich als 19-jähriger auszog um das Weltall zu erobern. Ich wollte Raumfahrttechnik an der dafür renommiertesten Universität Deutschlands studieren. Als mir dann so langsam dämmerte, dass mir die Inhalte desjenigen Faches, welches das Grundfundament dieser Vertiefungsrichtung bildet, überhaupt nicht liegt, sah ich mich vor einem hässlichen, tiefen Abgrund stehen. Es ist nicht so, dass ich nicht alles gegeben hätte die Thermodynamik vollständig zu durchdringen. Ich habe mich reingekniet, wie ich das bei den meisten Sachen im Leben mache, und verwöhnt durch meine guten Schulnoten und den bisherigen Leistungen im Studium, hat mich die 4.0 fast erstickt. Wie sollte ich das scheiss Weltall erobern, wenn ich nicht mal die Grundlagen der Thermodynamik raffte? Da hat mir der 4. Hauptsatz der Thermodynamik auch nicht weitergeholfen: „Thermo schreibt man zweimal.

Ich habe lange und hart darüber nachgedacht, ob ich mir das Hauptstudium antun und mich weitere zwei Jahre mit Fächern quälen will, die allesamt auf der Thermodynamik aufbauen. Und danach? Im Beruf noch mehr davon? Ich kam damals zu dem Schluss meinen Traum loszulassen. Ich schwenkte um auf Fahrzeugtechnik und bin dadurch da gelandet wo ich heute bin. War das die richtige Entscheidung? Wo wäre ich im Leben jetzt, wenn ich mich trotz allem dazu entschieden hätte meinen ursprünglichen Traum durchzuziehen? Ich werde es nie erfahren. Ich bereue nichts und weiter darüber nachzudenken ist zu müßig.

Was ich damit sagen will ist, dass es sich immer lohnt sich dem Schmerz zu stellen. Sich rein zu lehnen und zu reflektieren, solange bis man eine gute Lösung gefunden hat, kann dein Leben verändern. Wenn du in deinem Leben Schmerz verspürst, dann will dir das Leben damit etwas sagen. Es ist deine Aufgabe herauszufinden was das ist und darauf zu handeln. Egal wie.

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Ohne Geschirr kein Plaisir

Eines Tages sitze ich also bei einem Kumpel von mir und der seufzt nur:

Ach Alex, die aktuelle Wirtschaftskrise macht mich einfach fertig. Keiner will mehr hochqualitatives Geschirr kaufen. Zumindest nicht für einen vernünftigen Preis. Am liebsten will jeder alles kostenlos haben. Verdammte Hyänen!

Ok, ok, der Einstieg in die Story war vielleicht etwas zu schnell. Kurz zum Hintergrund: Besagter Kumpel war damals bei einer bekannten Firma im Direktvertrieb tätig. Der Firmenname reimt sich irgendwie auf „Ashtray“, also nenne ich die Firma einfachhalber so. Um also bei Ashtray Geld verdienen zu können, musste man damals von Tür zu Tür ziehen, bei den Leuten klingeln und Ihnen Geschirr verkaufen. Töpfe, Pfannen und sonstiges Zeug. Staubsauger gab’s keine, die hatte sich schon eine Firma unter den Nagel gerissen, die sich auf Torzwerg reimt.

Na jedenfalls ertränkt der arme Teufel sich in seiner eigenen Küche in Selbstmitleid und Bier und heult sich bei mir aus. Ich schau mich in der Küche um und sage ihm:

Alter, ich weiß genau was dein Problem ist.

Echt jetzt? Wie denn das? Und komm’ mir jetzt ja nicht mit Unterhopfung. Wie du siehst arbeite ich daran ja schon fleißig.“ … sagte das bemitleidenswerte Geschöpf und hob seine Flasche zum Prost an.

Nö. Aber schau dich mal in deiner eigenen Küche um. Fällt dir was auf? Irgendwie sehe ich hier kein Geschirr von Ashtray.

Der arme Gollum: „Ach, das meinst du. Ja weißt du, ich hab doch so viele Schulden. Das Auto ist nur auf Pump und die monatliche Rate frisst mich fast auf. Außerdem musste ich mir doch wie du weißt die Zähne nach der letzten Schlägerei richten lassen. Da sind auch ein paar Tausender drauf gegangen. Jeden Monat zwei neue Games für meine Xbox, da bleibt einfach nichts mehr übrig. Höchstens Monat am Ende des Geldes. Ich kann mir unser eigenes Geschirr von Ashtray einfach nicht leisten.

Ich dachte zuerst er macht Scherze, aber diese Ausreden schienen durchaus ernst gemeint zu sein.

„Hör zu Gollum, ich denke du kannst es dir nicht leisten das tolle Geschirr von Ashtray NICHT zu haben. Wie willst du denn jemals jemandem etwas ernsthaft verkaufen, wenn du es dir selbst noch nichtmal verkauft hast? Jetzt stell dir mal vor du klopfst bei Gandalf dem Grauen an der Pforte und er lässt dich sogar tatsächlich rein. Du bist top vorbereitet, deine Präsentation ist der Hammer. Jetzt willst du den Abschluss machen und fragst nach der Bestellung und Gandalf fängt an: ‚Ach Herr Gollum, wissen Sie, ich muss noch die monatliche Rate meiner Pferdekutsche abzahlen. Letzte Woche hat mir Saruman nach einer Partie ELB ÄRGER DICH NICHT ein paar Zähne mit seinem Zauberstab aus der Fresse gezaubert. Als Ersatz musste ich mir bei den Zwergen etwas aus Gold anfertigen lassen. Außerdem brauche ich jeden Monat meine 10g WEED. Da bleibt am Ende des Monats einfach nichts übrig.’

Bei der herzzerreißenden Geschichte kriegst du doch gleich Mitleid, weil es DEINE Geschichte ist. Du identifizierst dich zu stark mit den Problemen des Kunden. Am Ende werden Gandalf und du euch heulend in den Armen liegen und DEIN letztes bisschen Weed wegrauchen, aber von Ashtray wirst du immer noch nichts verkauft haben.“

Mein Kumpel schaut mich ganz verdattert an. Dann wie in Zeitlupe im schlechtesten Hollywood Film dreht sich sein Kopf zu seiner offenen Küche. Dann wieder zu mir. Wieder zurück zur Küche. Wieder zu mir. Der Blick zunächst wie der von Frankenstein. Auf einmal der Anflug eines Lächelns. „Ahhh“, denke ich mir. Der Blick eines Verstehenden. Aber irgendwie liegt auf einmal ein unangenehmer Duft in der Luft und das Lächeln meines Freundes sieht mir zu sehr nach Befriedigung aus. Ok, also doch kein Verständnis auf Seiten meines Kumpels, eher Erleichterung. Aber es war nicht alles vergebens. Eine Stunde später inkl. 10 Minuten Frischluft vom offenen Fenster, hatte ich ihm sein eigenes Geschirr-Set verkauft.

Eine Woche später hatte mein Kumpel genügend weitere Sets verkauft, so dass er das Geld für sein eigenes Set bereits raus hatte.

Das war für mich ein Beweis mehr, dass man nur verkaufen kann woran man auch glaubt. Das bezieht sich nicht nur auf klassische Verkäufer die ein Produkt oder Dienstleistung verkaufen, sondern auf alle.

Man kann sich selbst nur verkaufen, wenn man auch an sich selbst glaubt (nein, jetzt bitte nicht auf den Strich gehen).

Man kann nur gute Arbeit leisten, wenn man auch an das glaubt woran man arbeitet.

Noch besser ist es wenn man liebt was man macht.

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Jung und dumm

Ich erinnere mich immer gerne an meine Jugend zurück. Man war jung, dumm und hat das Geld gebraucht. Nein, eigentlich war Geld einem scheiß egal, solange man mit seinen Kumpels Zeit hatte ein paar Games zu zocken oder sich zu besaufen und völligen Blödsinn auf dem Dorf zu machen. Und dafür war immer Zeit. Immerhin haben wir so gut wie nie gelernt. War meistens auch nicht nötig. So im Nachhinein muss ich sagen, dass das auf jeden Fall die richtige Vorgehensweise war. Wir haben nichts verpasst, gute Schulabschlüsse gemacht und gute Berufe erlernt. Also anscheinend alles richtig gemacht. Oh Gott, ich hoffe nur dass das meine ungeborenen Kinder nie lesen werden.

Ja, ich bin ein Dorfkind. Mehr oder weniger, aber eine Stadt mit 8.000 Einwohnern ist für mich auch ein Kaff. Vor allem wenn viele deiner Freunde in den umliegenden wahren Käffern wohnen.

Es ist auf jeden Fall Wochenende und was machen gelangweilte Kids an einem Freitag Abend? Röööchtööch. Baar Bierchen ploppen und mit Wodka Brause toppen (bäh, wie konnte man diese eklige Scheisse überhaupt jemals trinken??). Bei so einem gemütlichen Beisammensein auf dem Lande kommen einem die besten Ideen. Oder auch die dümmsten. Ich glaube damals war die amerikanische Sendung „Jack Ass“ (mit Johnny Knoxville und Steve-O) voll im Trend. Auf jeden Fall kommt dann eins der Dorfkinder auf die Idee, dass man doch den alten, halb ramponierten Golf 2 seiner Mutter aus der Scheune fahren und damit etwas auf den Feldern anstellen könnte. Aber was nur? Übrigens, aus unserer Truppe war damals glaube ich nur einer 18, der Rest müsste um die 16 gewesen sein. Aber Auto fahren konnten wir damals eh schon alle. Dorf eben. Hatte ja schon gesagt, dass wir nichts zu tun hatten. Die Polizei hat uns nach den Feiern eher noch freiwillig heim gefahren, damit wir mit unseren Fahrrädern nicht besoffen auf den Bundesstraßen rumfahren. Aber egal, ich schweife ab.

Was kann also ein Haufen 16-jähriger mitten auf dem Dorf mit dem alten Golf 2 einer bemitleidenswerten Mutter und quasi den weiten, unendlichen Feldern von Langweilhausen alles anstellen?

Ich weiß nicht mehr wer auf die Idee gekommen ist, aber es spielte sich folgendes ab. Auto aufs Feld gefahren. Kofferraum auf. Einer setzt sich rein, Gesicht nach draußen und hält ein dickes Seil fest. Am anderen Ende des Seils hält sich der „Jack Ass“ fest. Eingehüllt in dicke, alte Klamotten und Handschuhe legt man sich auf den Boden und lässt sich quasi von dem Auto über den Acker schleifen. Vorne im Golf sitzt also eine grölende Horde besoffener Bauern und schleift einen armen, aber laut lachenden „Volltrottel“ hinter sich her. Natürlich blieb es nicht bei einem Volltrottel. Fast jeder wollte mal auf die „Achterbahn des Todes“.

Wir haben den armen, guten alten Golf ganz schön ramponiert. Ich glaube ein bis Zwei Abschnitte von Lattenzäunen mussten dran glauben, weil wir besoffen und ohne Licht einfach durchgeballert sind. Einmal haben wir den Golf in einen kleinen Bachlauf gesetzt. Da der Golf aber so gut wie nix gewogen hat, konnten wir das Auto aber mehr oder weniger problemlos rausbugsieren. Man kann sich ja vorstellen wie eine Horde unkoordinierter Jugendlicher versucht ein im Flussbett festgefahrenes Auto rauszuholen. „Jetzt, jetzt. Gas, Gas, Gas. Äääääh, Alter du hast mich total vollgespritzt. Lass mich ma’ ran da. Du schieb lieber…..“. So ging das mehr oder weniger einmal reih um bis jeder einmal im Schlamm gesteckt und nachher auf dem Fahrersitz gesessen hat.

Insgesamt hat diese „Feldtour“ nicht gerade zur Schönheit und Ansehnlichkeit des Golfs beigetragen. Eigentlich sah das Auto danach wie Sau aus. Das Flussbett und die Lattenzäune haben ihren Teil zu Beulen und Dreck beigetragen. Von unseren vom Feld geschundenen Körpern (Schürfwunden und handtellergroße blaue Flecken – jaaahh, auf einem Feld liegt auch ab und zu mal ein Stein oder festgetretener Haufen Erde).

So what. No risk. No fun.

Welche Lehren kann man aus dieser Geschichte eigentlich ziehen? Nicht viele glaube ich, außer dass ihr mit euren Kindern auf keinen Fall aufs „idyllische Land“ ziehen solltet. Den Kids wird so langweilig, dass sie auf einmal in ungeahnte kreative Sphären vordringen und, naja, was dabei rauskommt habt ihr ja eben gelesen.

FAIL!

Oder doch nicht?

Was meint ihr?

Wer hat Horst entführt ??

Den lustigsten Unfug habe ich auf einer Party einer Studentenverbindung zu meinen Studienzeiten erlebt. Die Partys im Verbindungshaus wurden „privat“ abgehalten, was bedeutete, dass die Bewohner des Verbindungshauses ihre Freunde einladen durften. Ok, wir wissen was das heißt. Gefühlt waren alle Maschis da. Mäh, wie langweilig. 300 pickelige Kerle und 3 Mädels, könnt ihr euch ja vorstellen wie es da abgegangen ist.

Naja, egal. Bier gab es mehr als reichlich. Das war uns damals gut genug.

Irgendwann wurde es sehr spät – oder auch sehr früh – und übrig blieben nur noch die Bewohner des Hauses und einige sehr gute Freunde derer. Unter ihnen auch ich. Irgendwie lümmeln wir also bei einem auf dem Zimmer rum und die meisten sind entweder hacke dicht von Alkohol oder sonstigem Stoff oder pennen anderweitig. Kommt beides auf’s selbe raus: keiner ist bei Bewusstsein.

Ich stolper also irgendwie die Treppe runter und komme am Zimmer der Maskottchen vorbei. Zum Hintergrund: Die Maskottchen dieser Verbindung waren zwei Pinguin Kuscheltierchen, namentlich Herbert und Horst, und wurden immer in einem bestimmten Zimmer aufbewahrt. Diese wurden immer auf das alljährlich stattfindende Eishockey Turnier zwischen Maschis, Elektrotechnikern und den Mediziner mitgenommen. Kurz der Uni-Cup, eine riesen Gaudi. Dort haben sich die drei Fakultäten immer gegenseitig auf dem Eis „gebattled“, inkl. Showeinlage von den Studis mit selbstgebauten Wikingerschiffen aus Pappmasche oder Galgen an denen Puppen mit Arztkittel aufgehängt wurden. Auf jeden Fall eine geile Sache und jeder hat sich auf dieses Event gefreut.

Die Verbindung bei der die Party stattfand hat immer diese zwei Pinguin Maskottchen auf den Uni-Cup mitgenommen, da das schon seit jeher dort Tradition war.

Naja, jedenfalls komme ich an dem Zimmer vorbeigestolpert und an der Wand hängt ein Schild mit der Aufschrift „HERBERT, HERBERT! WER HAT HERBERT GESTOHLEN?“.

Ich schaue also ins Zimmer rein und normalerweise haben Herbert und Horst immer ihren ganz besonderen Platz in einer Vitrine. Ein Platz ist leer, anscheinend der von Herbert. Alles klar, denke ich mir, da hat sich jemand einen Scherz erlaubt. Dazu sollte man noch sagen, dass der Uni-Cup immer am Donnerstag nach Nikolaus stattfindet und es war Mitte November, also nicht weit hin bis Nikolaus. In meinem benebelten Zustand dachte ich es wäre lustig Horst auch noch mitgehen zu lassen und zu verstecken, also habe ich ihn kurzerhand aus der Vitrine geholt.

Irgendwie erschien es mir lustig ihn beim „Papst“ zu verstecken. Wer mit Studentenverbindungen nicht so vertraut ist, wird sich jetzt vielleicht fragen, wieso das römisch-katholische Oberhaupt der Kirche hart mit Maschis abfeiert. Schön wär’s, so ist es aber nicht. Der „Papst“ ist nichts anderes als ein Speibecken, besser bekannt als die Schüssel in die gekotzt werden muss. Ich denke das sollte als Erklärung reichen. Ich dachte mir auf jeden Fall, dass irgendwann im Laufe des Abends der ein oder andere mal „papsten“ gehen muss und Horst somit recht schnell gefunden wird. Natürlich habe ich den armen Horst nicht direkt im Rachen des Papstes versteckt. Wer würde denn sowas ekliges tun? Ich habe ihn sicher und trocken im Badezimmerschränkchen unter dem Spülbecken versteckt, welches zum Raum des Papstes gehörte.

Nachdem ich noch mit ein paar Jungs geplaudert hatte, bin ich dann irgendwann mit meinem vom Bikesharing geliehenen Hollandrad heim gegurkt. Mit Bikesharing meine ich im übrigen, ich habe den rostigen Drahtesel aus dem nächsten Graben rausgezogen, bin heim geradelt und habe es in der Nähe meiner Wohnung in den nächstbesten Graben geschmissen, damit der nächste Studi ohne Transportmittel das Bike wieder benutzen kann. Ich weiß zwar nicht wo die ganzen alten, rostigen Klappermühlen herkamen, aber derjenige der dieses geile und kostenlose Bike Sharing eingeführt war genial.

Am nächsten Tag (Sonntag) kriege ich einen Anruf. In der Studiverbindung ist etwas passiert, ich solle doch bitte vorbeikommen. Ich komme an – diesmal mit dem Bus, das Bikesharing darf man nämlich nur benutzen wenn man mehr als 1,6 Promille hat und ich war mir nicht sicher ob ich nicht schon unter die Grenze genüchtert bin. Die Verbindungsmitglieder laufen wie wild durch die Gegend. P. – der Hüter von Herbert und Horst ist mächtig angepisst. Bald ist Uni-Cup und für die Maskottchen war großes geplant, bla, bla, bla.

Dazu muss ich sagen, dass Herbert, das zuerst geklaute Maskottchen recht schnell noch in der Partynacht gefunden wurde. Das Versteck war nicht besonders originell – einfach im Bett von P.. Nachdem der ursprüngliche Dieb seine gerechte Tracht Prügel bekommen hat und glaubwürdig versichern konnte, dass er NUR Herbert entführt hatte, dem armen Horst aber keine Feder gekrümmt hatte, war klar dass noch ein zweiter Dieb seine dreckigen Finger im Spiel hatte.

Anscheinend war es so, dass am Abend zuvor niemand „papsten“ musste und somit auch niemand auch nur die Gelegenheit hatte Horst zu finden. Da der Audienzraum des Papstes auch nur bei Feierlichkeiten benutzt wird und in das Badezimmerschränkchen nie jemand schaut, dämmerte mir langsam dass mein Versteck ein ziemlich gutes war.

Ok zurück, zum armen, verprügelten ersten Dieb. Nachdem der aussah wie Axel Schulz nach seinem Kampf gegen Klitschko 1999, fragte mich P.:

„Koch, hast du Horst verschleppt?“

„Ooooh jaaa, das hab ich. Siehst du die Kratzer an meinen Händen? Die habe ich bekommen, als der ahnungslose Horst gemerkt hat, dass ich ihn nicht nur streicheln, sondern entführen will. Er hat mir einen duften Kampf geliefert und meine geschundenen Hände sind der Beweis für seine Tapferkeit“. Dabei grinste ich dreckig und streckte meine makellosen, unverkratzen Hände vor. Irgendwie waren die anderen mit meiner Antwort nicht zufrieden. Kurz, sie glaubten mir nicht.

Nachdem Horst nun schon seit über einer Woche verschwunden war, der Uni-Cup immer näher rückte und der arme P. bald vollkommen irre vor Sorge wurde, musste etwas unternommen werden.

Irgendwann saßen wir wieder beisammen und es wurde gefragt ob einer eine Idee hätte wie man denn endlich Horst seinem Entführer entreißen konnte.

Einer macht einen Vorschlag. Dann ein anderer. Aber keiner kann so wirklich überzeugen.

Irgendwann stehe ich auf und sage: „Ok. Wer auch immer Horst entführt hat. Du bist ein Genie. Wir verbeugen uns vor deiner genialen Gerissenheit und huldigen dir auf Ewig. Du brauchst uns nicht zu sagen wer du bist, wir wollen nur wissen wo du unseren heiligen Horst hin verschleppt hast. Wenn du uns einfach irgendwo einen Zettel hinterlässt mit einem Hinweis wo er sich befindet, dann werden wir dir auf Ewig dankbar sein und deinem Supergenie gedenken.“

P., der den größten Leidensdruck hatte und als nächster mit einer Idee dran wäre, kommt mit einem weiteren Vorschlag.

„Lasst uns der Reihe nach jeden einzeln befragen und sein Ehrenwort auf die Verbindung geben, dass er die Wahrheit sagt.“

Alle willigen ein, also macht Peter die Runde.

„Felix, hast du Horst entführt?“

„Nein.“

„Thomas, hast du Horst entführt?“

„Nein.“

„Koch, hast du Horst entführt?“

„Jap.“

„Hör auf mit dem Scheiß, Koch. Das ist eine ernste Angelegenheit!“

„Andi, hast du Horst entführt?….“

So ging das der Reihe nach, bis jeder dran war. Scheisse, alle haben verneint. Es musste eine wirklich verlogene Ratte unter uns geben, der sogar das Ehrenwort der Verbindung scheiss egal war.

Bevor ich an dem Abend ging, habe ich einen kleinen Zettel mit einer Zeichnung vom Papst und dem Waschbecken inkl. Schränkchen mit Horst darin im Flur der Verbindung hinterlassen. Die Zeichnung hätte auch mit fliegenden Schweinen im Weltall verwechselt werden können, aber am nächsten Tag wurde Horst gefunden und alle waren glücklich.

Irgendwann Wochen oder Monate später, als wieder auf einer Verbindungsparty lustige Geschichten von früher erzählt wurden, habe ich nochmals zugegeben, dass ich Horst entführt hatte. Alle haben nur gelacht und mich als Lügner bezeichnet und dass ich mich mit den Lorbeeren schmücken wollte. Keiner konnte sich mehr daran erinnern, dass ich bei der Befragung die Wahrheit gesagt und mit „Ja“ geantwortet habe. Alle waren der Meinung, dass alle „Nein“ gesagt haben.

Schon irgendwie cool, wenn man so ehrlich ist, dass einem niemand glaubt.

Ist das jetzt Wahnsinn?

Vor kurzem habe ich mich mit einem guten Freund unterhalten. Er hat etwas für mich sehr interessantes erlebt, was ich euch nicht vorenthalten will. Er hat eingewilligt, dass ich die Geschichte hier erzähle, möchte aber namentlich nicht genannt werden, da der ein oder andere Leser ihn kennen könnte.

Also, besagter Freund, nennen wir ihn der Einfachheit halber F., hat einen recht lukrativen Beruf. Zudem war er jahrelang Single und führt ein bescheidenes noch recht studentenhaftes Leben. Damit meine ich jetzt nicht das Studentenleben was ihr euch jetzt vielleicht vorstellt. Wilde Partys bei den Medizinerinnen am Dienstag, mit den Psychologinnen am Mittwoch und bei der Verbindung der Austauschstudentinnen aus dem Osten am Donnerstag. Lange Schlafen, keine Verpflichtungen und so weiter. Nein, ich meine eher in dem Sinne, dass man mit einer 350€ Miete und 150€ für Lebensmittel im Monat zurechtkommt, kein Auto besitzt und nicht viel mehr braucht um glücklich zu sein.

Lukrativer Job + niedrige monatliche Ausgaben – Freundin = sehr viel angespartes Geld

F. hat also sehr viel Geld auf der hohen Kante, sich bisher aber nicht sonderlich für Investitionen interessiert, weswegen die ganze Kohle mehr oder weniger auf dem Giro Konto vor sich hin gammelte. Eines Tages vor nicht allzu langer Zeit, also vor kurzem, lernt F. ein nettes Mädel kennen – nennen wir sie S. Nach einigem hin und her scheint klar zu sein, dass die beiden sich riechen können, also werden sie ein  Paar.

Ich fragte F. wie es ihm mit der neuen, frischen Beziehung gehe (immerhin hatte er vorher nie eine wirklich ernsthafte Beziehung geführt) und er sprudelte nur so über vor lauter Glück. Es fehlten nur noch Regenbogen kotzende Einhörner zum perfekten Glück.

 

Monatelang ging das anscheinend so weiter und ich hörte nicht mehr viel von F. Wir wohnen immerhin in unterschiedlichen Städten und mit telefonieren haben wir es beide nicht so sehr, also war der Kontakt eher lose. Irgendwann, zufällig muss ich an F. denken und schreibe ihn an, wie es ihm denn so gehe.

„Ach, ich weiß nicht. Ich glaube ich muss mit S. Schluss machen.“

„Waaaas?? Ich dachte sie wäre die Liebe deines Lebens und du bist überglücklich mit ihr?“

„Jaaa, aber irgendwie weiß ich nicht. Irgendetwas passt nicht.“

Ich denke mir noch „Ok, da stimmt was nicht“, also sage ich zu F. „Bleib ruhig und mach’ keinen Scheiß. Lass uns am Samstag treffen.“

Gesagt getan, also sitze ich am Samstag Abend bei ihm in seiner 1-Zimmer Butze. Nach ein paar Bierchen und dem üblichen hin-und-her Geplänkel um sich warm zu reden, kommt er endlich auf den Punkt.

„S. hat mir einen angeblich idiotensicheren Investment Tipp für mein brachliegendes Geld gegeben. Ich habe die Kohle investiert und jetzt ist sie so gut wie weg, weil das Investment ein Flop war.“

Nachdem ich das Bier, welches gerade dabei war genüsslich meine Kehle hinabzulaufen, quer über seinen 0,25m2 Wohnzimmer-/Esstisch verteilt hatte, musste ich erst lachen, dann weinen und dann nochmal nachfragen: „Du hast was?!“

Vielleicht noch kurz zum Hintergrund: Mein Freund F. hat eine technische Profession erlernt und arbeitet auch in einem entsprechenden Beruf. Er besitzt ein hoch analytisches Denkvermögen und kann sehr gut rationale Entscheidungen treffen. Auch wenn er sich mit dem Thema Investments noch nicht auseinander gesetzt hat, so ist er sehr wohl in der Lage zu entscheiden was ein vernünftiges Investment wäre und was ein eher unvernünftiges Investment wäre, da es einfach jeglicher rationaler Grundlage entbehrt. Seine Freundin S. ist Krankenschwester und hat sich in ihrem Leben auch noch nicht mit Investmöglichkeiten beschäftigt (die Geschichte wie sich F. und S. kennenlernten und wie sie zusammenkamen ist an sich ein eigenes Posting wert).

Also frage ich mich wie zur Hölle mein hochanalytischer Freund F. auf die Idee kommt „todsichere“ Investment Tipps von seiner Freundin S., der Krankenschwester, blindlings und halbwegs ungeprüft anzunehmen. Und zu allem Überfluss auf Grundlage dieses Witzes auch noch der Meinung zu sein, S. abschießen zu müssen (er hat mir eine Latte von Begründungen genannt wieso das Investment-Fiasko zum Schluss der Beziehung führen sollte, lasse diese hier aber mal aus diversen Gründen weg).

Ok, ich lasse meinen Freund also mit der Bitte zurück erstmal nichts zu tun und die Füße still zu halten. Achja, den Bier-Speichel-Mix aus meinem Mund auf seinem Couchtisch habe ich ebenfalls da gelassen.

Am nächsten Tag rufe ich also seine Freundin S. an, mit der Bitte um ein Treffen. Einfach so, bisschen plaudern, ganz locker mal hören wie sich mein Kumpel F. so macht und ob er sich auch zu benehmen weiß.

Ein paar Tage später treffen wir uns in einem Café. Wir sitzen nett beisammen und plaudern, ich weiß nicht so recht wie ich das Thema zur Sprache bringen soll, also platze ich einfach damit heraus: „Du, F. hat mir von deinem heißen Investment Tipp erzählt. Du hast schon mitbekommen, dass das Ganze ein ziemlicher Reinfall war?“

S.: „Waaas?! Echt jetzt? Scheisse, wie konnte das denn passieren? Mir wurde gesagt, dass das Ding wirklich todsicher ist.“

Ich: „Ahhjaa, es wurde dir gesagt? Darf ich denn fragen woher du den Tipp hast?“

S.: „Naja, im Krankenhaus war einer der Patienten um die ich mich gekümmert habe ein Investmentbanker. Er war wirklich ein sehr netter junger Mann. Der Investmentbanker hat mir da von einer todsicheren Anlagemöglichkeit erzählt. Ich bin in letzter Zeit so glücklich, dass ich F. habe und dass er immer so viel Geld für mich ausgibt, was wirklich nicht nötig wäre. Da wollte ich ihm etwas Gutes tun und habe den Investmentbanker gleich nach den ganzen Details gefragt und diese an F. weitergegeben.“

Diesmal konnte ich den Kaffee zumindest in mir behalten.

„Du weißt schon, dass F. jetzt kurz davor ist mit dir Schluss zu machen, wegen dieser ganzen Sache?“

S. war nicht so erfolgreich darin ihren Kaffee bei sich zu behalten. Egal, mein Pulli musste eh wieder gewaschen werden.

Ok, um die Geschichte mal kurz zusammen zu fassen und zu Ende zu bringen. Mein Freund F. ist super glücklich mit seiner neuen Freundin S. Zum ersten mal in seinem Leben fängt er an Geld auszugeben (wenn auch nicht für sich) – nicht dass das an sich etwas gutes wäre. Seine Freundin S. ist ebenfalls super glücklich mit ihrem Freund. So sehr, dass sie ihm zur Liebe (und vll. wegen einem schlechten Gewissen, dass er so viel Geld für sie ausgibt?) etwas Gutes tun will und ihn mit einem Investment Tipp versorgt. Mein Freund F. nimmt diesen blindlings an, ohne ihn zu prüfen. Nachdem die Sache schief läuft, ist er so sehr verletzt, dass er daran denkt mit seiner Freundin Schluss zu machen?

Ist das jetzt Wahnsinn oder was??

Aaaalso, was will ich mit dieser ausufernden Geschichte eigentlich sagen?

1.) Macht euer Lebensglück nicht von sowas wie Finanzen abhängig.

2.) Denkt für euch selber. Niemand ist dafür qualifiziert euch zu sagen wie ihr die Welt erlebt.

3.) Großartige Gelegenheiten haben niemals den Titel „großartige Gelegenheit“.

PS: F. und S. haben die Sache zum Guten geklärt und sind immer noch glücklich zusammen.

PPS: Danke an F., dass ich diese Geschichte teilen darf. S. weiß nichts davon.