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Die interessanteste Partyfrage die Du stellen kannst?

Vor kurzem habe ich einen Beitrag darüber geschrieben wieviel Einkommen genug ist. Darin habe ich erwähnt, dass wir unser Leben grundsätzlich anhand von zwei Maßstäben bewerten. Einmal durch das erlebende Selbst und einmal durch das erinnernde Selbst. Das erlebende Selbst bewertet das aktuelle Wohlbefinden, wogegen das erinnernde Selbst die allgemeine Lebenszufriedenheit in der Retrospektive bewertet.

Mir ist vor kurzem aufgefallen, dass diese Art des Wertens nicht nur auf die Lebenszufriedenheit bzw. das Wohlbefinden zutrifft, sondern auch auf jedes einzelne Erlebnis das wir haben. Letztlich ist das Wohlbefinden nichts anderes als ein einzelnes Erlebnis oder der Momentanzustand an Zufriedenheit und die Lebenszufriedenheit die Kumulierung vieler einzelner Erlebnisse.

Eine ganz spezielle Kategorie solcher Erlebnisse ist der Urlaub. Man kann im Urlaub meist ein Verhalten zwischen zwei Extremen beobachten. Es gibt die Kategorie an Menschen die alles und jeden gleich per Kamera festhalten müssen. Da fällt einem meistens das Klischee des typischen Japaners ein, der den ganzen Urlaub durch seine Kameralinse sieht. Auf der anderen Seite gibt es die Menschen die nicht mal eine Kamera dabei haben und voll im Moment leben. Keine Fotos oder Videos, nur der pure Moment. Wir alle fallen irgendwo zwischen diese zwei Extreme.

Der Fotograf betrachtet die Szene nicht als einen Moment der genossen werden sollte, sondern als eine zu gestaltende zukünftige Erinnerung. Bilder mögen für das erinnernde Selbst nützlich sein, aber Fotografieren ist für das erlebende Selbst eines Touristen nicht unbedingt der beste Weg einen schönen Anblick zu genießen.

Die entscheidende Frage ist, was dir persönlich mehr wert ist. Um das für sich selbst herauszufinden könnte man folgendes Gedankenexperiment machen:

Am Ende des Urlaubs werden alle Bilder und Videos zerstört. Außerdem trinkst du einen Zaubertrank, der all deine Urlaubserinnerungen löschen wird.

Wie würde sich diese Aussicht auf deine Urlaubspläne auswirken? Wieviel wärst du bereit dafür zu zahlen, verglichen mit einem normal erinnerbaren Urlaub?

Das ist im Übrigen eine interessante Frage für die nächste Party, die man mal verschiedenen Leuten stellen kann. Man wäre erstaunt wieviele Leute sagen, dass sie dann überhaupt gar keinen Urlaub machen würden, da es sich nicht lohnen würde. Daran sieht man, dass (meiner Erfahrung nach) den meisten Leuten mehr an der Erinnerung an den Urlaub liegt, als an der Erfahrung selber.  Jeder der schonmal einen Wanderurlaub gemacht hat, kann das vielleicht allzu gut nachvollziehen. Wieso sollte man sich den Strapazen des Echtzeiterlebnisses hingeben, wenn man nicht noch jahrelang danach von dieser Erinnerung zehren und allen von diesem Abenteuer erzählen kann. Der Wert des Urlaubs entsteht weniger aus der Echtzeiterfahrung, sondern mehr aus der Erwartung, dass sowohl die Mühen als auch die Freude darüber, das Ziel erreicht zu haben, unvergesslich sein werden.

Wenn man es aus einer übergeordneten Warte betrachtet, dann sind wir eigentlich nur darauf aus Erinnerungen zu sammeln. Der Moment an sich, die tatsächliche Erfahrung dessen, ist für uns fast wertlos. Wir leben entweder in der Zukunft, in freudiger Erwartung eines Momentes, an den wir uns ein Leben lang erinnern können, oder in der Vergangenheit, in Erinnerungen an genau den Moment den wir gestern noch so freudig erwartet haben. Nur eine Sache fehlt da irgendwie. Der Moment selber. Wir schaffen es einfach nicht im Moment selber zu leben. Für den Moment zu leben. Das wird wohl auch ein Grund dafür sein wieso wir es letztlich nicht schaffen nachhaltig glücklich zu sein.

Wie steht ihr dazu? Wie wichtig ist euch der Moment? Würdet ihr einen Urlaub machen, wenn es danach keine Fotos/Videos gäbe und ihr euch später auch sonst nicht an den Urlaub erinnern könntet? Würdet ihr den Urlaub machen? Wenn ja, wieviel wärt ihr bereit dafür auszugeben? 100% eines „normalen“ Urlaubs? 50%? 10%? Würdet ihr euch mit dem Wissen zufrieden geben, dass Euer früheres Ich eine schöne Zeit hatte, einen oder mehrere wundervolle Momente, euer jetziges Ich aber „nichts“ davon hat?

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