no bullshit

Bullshit

Das Leben ist zu kurz für Bullshit. Und Bullshit ist die Definition von Sachen für die das Leben zu kurz ist. Das ist wie die sprichwörtliche Katze die sich in den Schwanz beißt. Beide Aussagen drehen sich um sich selbst.

Bullshit ist leider eine Sache der wir nicht genug Aufmerksamkeit zukommen lassen. Man kann sein Leben um ein Vielfaches verbessern, wenn man den Bullshit weglässt. Man kann es sogar um ein Vielfaches mehr verbessern, wenn man Bullshit weglässt, anstatt zu versuchen mehr „gute“ Erlebnisse hinzuzufügen.

Auf einer Glückseligkeitsskala würde das ungefähr so aussehen:

6 – 1 = 8

6 + 1 = 6,5

Dabei ist „6“ der Basiszustand der Glückseligkeit. Wenn man „-1“ Bullshit subtrahiert, dann landet man auf der Skala auf einer „8“, wird also um ein Drittel glücklicher als im Basiszustand. Wenn man dem gleichen Basiszustand von „6“ „+1“ Einheiten gute Erlebnisse hinzufügt, landet man bei einem Gesamtzustand von „6,5“, wird also nur ein Zwölftel glücklicher als zuvor. Dazu ist man im Vergleich zum „-1“ Bullshit subtrahieren, relativ um einen Faktor 4 glücklicher [1]!

Das ist jetzt eine rein theoretische Betrachtung, die das widerspiegelt, was ich in meinem Leben subjektiv erfahren habe.

Wenn man sich selbst fragt auf welche Dinge man Zeit verschwendet die Bullshit sind, dann weiß man meist die Antwort darauf: unnötige Meetings, sinnlose Streitigkeiten, Bürokratie, Getue/Posing, Fehler anderer Leute, Verkehrsstaus, suchterzeugende aber unbefriedigende Beschäftigungen und vieles mehr was mir jetzt spontan nicht einfällt.

In diesem Sinne ist Bullshit wie Junk Food. Es ist Fake. So wenig wie Junk Food mit echtem, nahrhaftem Essen zu tun hat, so wenig hat Bullshit mit echtem, erhebenden Leben zu tun.

Bullshit kann auf zwei Arten in dein Leben eindringen. Entweder es wird dir durch Umstände oder andere Leute aufgezwungen oder der Bullshit legt dich herein.

In gewissem Maße müssen wir uns mit aufgezwungenem Bullshit abgeben. Du musst irgendwie Geld verdienen und Geld verdienen besteht hauptsächlich aus Erledigungen. Mit der Zeit stellt man aber fest, dass man viele der augenscheinlich vorgegebenen Standard Bullshits weglassen kann [2].

Viel schlimmer als der aufgezwungene Bullshit, ist derjenige der sich in dein Leben schleicht, weil er dich hereinlegt. Dies ist niemandes Schuld außer deine eigene. Und doch ist der Bullshit den man sich selbst aussucht, schwerer zu vermeiden als der aufgezwungene. Die Dinge die dich verlocken deine Zeit darauf zu verschwenden, müssen verdammt gut im Betrügen sein. Technologischer Fortschritt führt dazu, dass wir immer abhängiger machende Bullshit Beschäftigungen erschaffen. Angefangen beim Fernsehen, über sinnlose Streitereien in Online Foren, bis hin zu Facebook und anderen Vertretern sozialer Medien. Inzwischen ist es bewiesen dass Smartphones abhängiger machen als Alkohol, Nikotin, Crack oder Heroin. Und eins ist auch sicher. Da technologischer Fortschritt exponentiell passiert und wir ins Zeitalter der „Nicht-Linearität“ übergegangen sind, wird der nächste technologische Sprung abhängiger machen als Crystal Meth oder abhängiger als etwas das wir uns noch nichtmal vorstellen können [3] [4] [5].

Dies bedeutet, dass wir eine bewusste Anstrengung unternehmen müssen den Bullshit, den wir uns selbst auferlegen, zu erkennen. Was helfen könnte ist, wenn wir uns die Frage stellen: „Ist das wie ich meine Zeit verbringen will?“ Was nichts anderes bedeutet als „Will ich so meine Lebenszeit verbringen?“

Außer Bullshit aktiv zu vermeiden, sollten wir Beschäftigungen aktiv suchen, die uns etwas bedeuten. Aber unterschiedlichen Leuten bedeuten unterschiedliche Dinge etwas. Und so müssen wir erst durch „Versuch und Irrtum“ und anschließende Selbstreflexion lernen, was uns etwas bedeutet.

Eine Möglichkeit zu finden was uns etwas bedeutet ist es, sich die Frage zu stellen ob es uns auch in Zukunft etwas bedeuten wird. Fake Zeug hat die Angewohnheit eines scharfen Maximums, welches uns trügt etwas von Bedeutung für uns zu sein. Um bei der mathematischen Beschreibung zu bleiben. Die Fläche unter der Kurve (= Integral) ist klein, aber das Maximum sticht wie eine scharfe Nadel in unser Bewusstsein.

Dinge die uns etwas bedeuten, erscheinen auf den ersten Blick nicht notwendigerweise als „wichtig“. Einen Kaffee mit einem Freund zu trinken ist von Bedeutung. Man wird sich nachher nicht so fühlen als ob man Zeit verschwendet hätte [6].

Beschneide Bullshit erbarmungslos und warte nicht um Dinge zu tun die von Bedeutung sind. Das ist ein übenswerter Skill und wird dir mit Sicherheit einen hohen „Return on Investment“ (= ROI) geben.

Wie Seneca schon vor 2.000 Jahren sagte:

„Alles fürchtet ihr wie Sterbliche, alles aber wollt ihr haben wie Unsterbliche.

Anmerkungen:

[1] „-1“: relative Steigerung von 1/3 zur Basis; „+1“: relative Steigerung von 1/12 zur Basis. Differenz: Faktor 4

[2] Wie sehr man bereit ist vorgegebenen Bullshit auf seiner Arbeit wegzulassen, hängt auch in hohem Maße damit zusammen wie „charakterfest“ man ist, wieviel „Fuck You“ Geld und wie wenig Schulden man hat. „Fuck You“ Geld ist nur eine nette Umschreibung für finanzielle Sicherheit. Wer viele (Konsum)schulden hat, ist vll. abhängiger von seiner aktuellen Arbeit und eher gewillt das Bullshit Spiel mitzuspielen.

[3] Salz wirkt im Gehirn übrigens auch wie Crack und Heroin. McDonald’s und Co. wissen das nur allzu gut und übersalzen absichtlich.

[4] Technologischer Fortschritt ist natürlich eine gute Entwicklung, erfordert aber von uns Menschen als Anwender einen immer umsichtigeren Umgang damit.

[5] VR – Virtual Reality könnte der nächste mögliche Sprung sein, der den Abhängigkeitsgrad auf das nächste Level hebt. Google und Facebook arbeiten aktuell hart an dieser Technologie.

[6] Unser häufiges Unvermögen zwischen Dingen zu unterscheiden die „dringend und unwichtig“ und welchen die „nicht dringend und wichtig“ sind, ist zum Teil auch Schuld daran, dass wir uns bei der Arbeit auf Bullshit einlassen. Oft hilft es auch sich die Frage zu stellen für wen es dringend ist. Büro Politik…

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