Archiv für den Monat: Mai 2018

no bullshit

Bullshit

Das Leben ist zu kurz für Bullshit. Und Bullshit ist die Definition von Sachen für die das Leben zu kurz ist. Das ist wie die sprichwörtliche Katze die sich in den Schwanz beißt. Beide Aussagen drehen sich um sich selbst.

Bullshit ist leider eine Sache der wir nicht genug Aufmerksamkeit zukommen lassen. Man kann sein Leben um ein Vielfaches verbessern, wenn man den Bullshit weglässt. Man kann es sogar um ein Vielfaches mehr verbessern, wenn man Bullshit weglässt, anstatt zu versuchen mehr „gute“ Erlebnisse hinzuzufügen.

Auf einer Glückseligkeitsskala würde das ungefähr so aussehen:

6 – 1 = 8

6 + 1 = 6,5

Dabei ist „6“ der Basiszustand der Glückseligkeit. Wenn man „-1“ Bullshit subtrahiert, dann landet man auf der Skala auf einer „8“, wird also um ein Drittel glücklicher als im Basiszustand. Wenn man dem gleichen Basiszustand von „6“ „+1“ Einheiten gute Erlebnisse hinzufügt, landet man bei einem Gesamtzustand von „6,5“, wird also nur ein Zwölftel glücklicher als zuvor. Dazu ist man im Vergleich zum „-1“ Bullshit subtrahieren, relativ um einen Faktor 4 glücklicher [1]!

Das ist jetzt eine rein theoretische Betrachtung, die das widerspiegelt, was ich in meinem Leben subjektiv erfahren habe.

Wenn man sich selbst fragt auf welche Dinge man Zeit verschwendet die Bullshit sind, dann weiß man meist die Antwort darauf: unnötige Meetings, sinnlose Streitigkeiten, Bürokratie, Getue/Posing, Fehler anderer Leute, Verkehrsstaus, suchterzeugende aber unbefriedigende Beschäftigungen und vieles mehr was mir jetzt spontan nicht einfällt.

In diesem Sinne ist Bullshit wie Junk Food. Es ist Fake. So wenig wie Junk Food mit echtem, nahrhaftem Essen zu tun hat, so wenig hat Bullshit mit echtem, erhebenden Leben zu tun.

Bullshit kann auf zwei Arten in dein Leben eindringen. Entweder es wird dir durch Umstände oder andere Leute aufgezwungen oder der Bullshit legt dich herein.

In gewissem Maße müssen wir uns mit aufgezwungenem Bullshit abgeben. Du musst irgendwie Geld verdienen und Geld verdienen besteht hauptsächlich aus Erledigungen. Mit der Zeit stellt man aber fest, dass man viele der augenscheinlich vorgegebenen Standard Bullshits weglassen kann [2].

Viel schlimmer als der aufgezwungene Bullshit, ist derjenige der sich in dein Leben schleicht, weil er dich hereinlegt. Dies ist niemandes Schuld außer deine eigene. Und doch ist der Bullshit den man sich selbst aussucht, schwerer zu vermeiden als der aufgezwungene. Die Dinge die dich verlocken deine Zeit darauf zu verschwenden, müssen verdammt gut im Betrügen sein. Technologischer Fortschritt führt dazu, dass wir immer abhängiger machende Bullshit Beschäftigungen erschaffen. Angefangen beim Fernsehen, über sinnlose Streitereien in Online Foren, bis hin zu Facebook und anderen Vertretern sozialer Medien. Inzwischen ist es bewiesen dass Smartphones abhängiger machen als Alkohol, Nikotin, Crack oder Heroin. Und eins ist auch sicher. Da technologischer Fortschritt exponentiell passiert und wir ins Zeitalter der „Nicht-Linearität“ übergegangen sind, wird der nächste technologische Sprung abhängiger machen als Crystal Meth oder abhängiger als etwas das wir uns noch nichtmal vorstellen können [3] [4] [5].

Dies bedeutet, dass wir eine bewusste Anstrengung unternehmen müssen den Bullshit, den wir uns selbst auferlegen, zu erkennen. Was helfen könnte ist, wenn wir uns die Frage stellen: „Ist das wie ich meine Zeit verbringen will?“ Was nichts anderes bedeutet als „Will ich so meine Lebenszeit verbringen?“

Außer Bullshit aktiv zu vermeiden, sollten wir Beschäftigungen aktiv suchen, die uns etwas bedeuten. Aber unterschiedlichen Leuten bedeuten unterschiedliche Dinge etwas. Und so müssen wir erst durch „Versuch und Irrtum“ und anschließende Selbstreflexion lernen, was uns etwas bedeutet.

Eine Möglichkeit zu finden was uns etwas bedeutet ist es, sich die Frage zu stellen ob es uns auch in Zukunft etwas bedeuten wird. Fake Zeug hat die Angewohnheit eines scharfen Maximums, welches uns trügt etwas von Bedeutung für uns zu sein. Um bei der mathematischen Beschreibung zu bleiben. Die Fläche unter der Kurve (= Integral) ist klein, aber das Maximum sticht wie eine scharfe Nadel in unser Bewusstsein.

Dinge die uns etwas bedeuten, erscheinen auf den ersten Blick nicht notwendigerweise als „wichtig“. Einen Kaffee mit einem Freund zu trinken ist von Bedeutung. Man wird sich nachher nicht so fühlen als ob man Zeit verschwendet hätte [6].

Beschneide Bullshit erbarmungslos und warte nicht um Dinge zu tun die von Bedeutung sind. Das ist ein übenswerter Skill und wird dir mit Sicherheit einen hohen „Return on Investment“ (= ROI) geben.

Wie Seneca schon vor 2.000 Jahren sagte:

„Alles fürchtet ihr wie Sterbliche, alles aber wollt ihr haben wie Unsterbliche.

Anmerkungen:

[1] „-1“: relative Steigerung von 1/3 zur Basis; „+1“: relative Steigerung von 1/12 zur Basis. Differenz: Faktor 4

[2] Wie sehr man bereit ist vorgegebenen Bullshit auf seiner Arbeit wegzulassen, hängt auch in hohem Maße damit zusammen wie „charakterfest“ man ist, wieviel „Fuck You“ Geld und wie wenig Schulden man hat. „Fuck You“ Geld ist nur eine nette Umschreibung für finanzielle Sicherheit. Wer viele (Konsum)schulden hat, ist vll. abhängiger von seiner aktuellen Arbeit und eher gewillt das Bullshit Spiel mitzuspielen.

[3] Salz wirkt im Gehirn übrigens auch wie Crack und Heroin. McDonald’s und Co. wissen das nur allzu gut und übersalzen absichtlich.

[4] Technologischer Fortschritt ist natürlich eine gute Entwicklung, erfordert aber von uns Menschen als Anwender einen immer umsichtigeren Umgang damit.

[5] VR – Virtual Reality könnte der nächste mögliche Sprung sein, der den Abhängigkeitsgrad auf das nächste Level hebt. Google und Facebook arbeiten aktuell hart an dieser Technologie.

[6] Unser häufiges Unvermögen zwischen Dingen zu unterscheiden die „dringend und unwichtig“ und welchen die „nicht dringend und wichtig“ sind, ist zum Teil auch Schuld daran, dass wir uns bei der Arbeit auf Bullshit einlassen. Oft hilft es auch sich die Frage zu stellen für wen es dringend ist. Büro Politik…

Photo by William Iven on Unsplash

Wieso brauchen wir Arbeit?

Passend zum 01.Mai – Tag der Arbeit – habe ich meine Gedanken zum Thema Arbeit aufgeschrieben. Viel Spaß beim Lesen. Ich würde mich über Eure Meinung zu dem Thema in den Kommentaren freuen.

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Wir leben in einer Zeit die sich durch ein besonders hohes Maß an Unsicherheit auszeichnet. Die Welt ist undurchsichtiger und weniger vorhersehbar als jemals zuvor, auch wenn wir durch Medien wie das Internet der subjektiven Meinung sind das dem nicht so ist. Und genau das ist der springende Punkt. Wir glauben, dass wir aufgrund unserer technologischen Fortschritte die Zukunft besser vorhersagen können als jemals zuvor. Doch es bleibt eine Illusion. Wir sehnen uns nach Ordnung, Kontrolle und Sicherheit. Vor 10.000 Jahren haben diese Eigenschaften über Leben und Tod entschieden und hatten damit einen sehr hohen Stellenwert für uns. Wir sind daher bereit sehr viel für diese Gefühle zu geben und zu zahlen [1].

Das ist auch ein Grund wieso wir Arbeit brauchen. Das Nachgehen einer Beschäftigung gibt uns ein Gefühl der Ordnung und Kontrolle. In einer chaotischen Welt können wir einen kleinen Aspekt unseres Lebens kontrollieren. Wir können ein Problem greifen und es lösen, in einer Art und Weise wie es uns in anderen Bereichen des Lebens nicht möglich ist. Es verschafft uns ein Gefühl der Errungenschaft und Befriedigung.

Es ist als ob unser ganzes Leben von unkontrollierbaren Emotionen gesteuert wird. Wir werden hin und her geworfen von den Erregungen und Ängsten die wir kaum verstehen und denen wir keinen Sinn abringen können. Da ist es nur verständlich, dass wir uns an etwas klammern, dass uns zumindest etwas Erleichterung verschafft.

Unsere Arbeit ist ein Aspekt in dem wir über eine Lebenszeit zu einem verblüffenden Verstehen kommen können. Wir erlangen einen Grad der Expertise, der keine Unklarheiten offen lässt. Für einen Spezialisten hat ein gewisser Aspekt des Lebens keine Mysterien mehr. Unser Gehirn schmachtet nach Sicherheit. Wir hassen es in der Luft zu hängen. Wir wollen in einer vollständig nachvollziehbaren, verständlichen Welt leben.

Aber geben wir uns letztlich nicht einer Illusion hin? Sind wir uns bewusst, dass wir lediglich einen Teilaspekt kontrollieren oder glauben wir, dass wir unser Leben kontrollieren? Machen wir uns etwas vor?

Die Auffassung durch unsere Arbeit nicht nur unseren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch gleichzeitig Erfüllung zu finden, ist recht neu. Im 18. Jahrhundert hatte man keine Zeit sich Gedanken um persönliche Erfüllung zu machen, wenn man 16 Stunden lang am Tag sein Feld bestellt hat. Erst durch die Industrialisierung und das anschließende Vernetzungszeitalter, durch das Internet, haben wir es geschafft uns so viel Freizeit und Bequemlichkeit zu erkaufen, dass wir Gedanken persönlicher Erfüllung nachsinnen können. Wir haben als Gesellschaft unsere Standards bezüglich unserer Arbeit stark angehoben. Das an sich ist nichts Schlechtes. Aber kann es sein, dass wir zu viel unseres persönlichen Glückempfindens an unsere Arbeit hängen? Vor 200 Jahren war es recht normal von seiner Arbeit nicht viel mehr als den Lebensunterhalt zu erwarten und seine Erfüllung in anderen nicht monetären Beschäftigungen zu suchen (sofern die Zeit dafür vorhanden war, wie gesagt 16 Stunden Feldarbeit). Wieso glauben wir heute, dass wir unsere Kreativität nur auf der Arbeit ausleben können? Ja, sogar müssen? Wieso erachten wir eine Beschäftigung nur als sinnvoll, wenn sie wirtschaftlich aussichtsreich zu sein verspricht? Reicht eine Arbeit, die uns einen guten Verdienst, angenehme Arbeitsumstände und Kollegen, moderaten Stress (idealerweise nur die gute Art von Stress – Eustress; und wenig bis gar keinen schlechten Stress – Disstress) und einen ausreichenden Grad an Sicherheit bringt, nicht vollkommen aus [2]? 7-8 Stunden um seinen „Lebensunterhalt“ zu verdienen und 7-8 Stunden für Freizeit oder seine Leidenschaft klingt für mich nicht so schlecht [3].

Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen die genau dieses Vorgehen haben. Minimale Leistung auf Arbeit um dann zu Hause mit voller Energie seinen wahren Interessen nachzugehen und zu „leben“.

Irgendwo in der Mitte wird die Wahrheit liegen. Seine Ansprüche an seine Arbeit anzuheben und von ihr mehr zu verlangen als nur das Decken der Grundbedürfnisse ist eine gute Sache und gehört meiner Meinung nach zur Evolution der Menschheit dazu. Zu versuchen seine ganze Kreativität und sein Glücksempfinden aus seiner Arbeit zu beziehen, wäre ein Überspannen des Bogens. Wieviel Arbeit ist optimal? Welche Herangehensweise an die Arbeit ist optimal? Wird in 50 Jahren überhaupt noch jemand arbeiten müssen? Oder werden von KI (Künstliche Intelligenz) gesteuerte Maschinen alle Arbeit verrichten? Und was werden wir Menschen dann machen [4]?

Mich würde Eure Meinung dazu interessieren.

Anmerkungen:

[1] Das ist auch das Geschäftsmodell von Versicherungen. Versicherungen nutzen das Sicherheitsbedürfnis von Menschen aus, in Bereichen in denen die Statistik auf der Seite der Versicherungsgesellschaft ist. Damit wird der Profit erwirtschaftet.

[2] Sicherheit im Job ist eigentlich eine Illusion. Großkonzerne sind sehr gut darin einem Arbeitsplatzsicherheit zu verkaufen, auch wenn diese objektiv betrachtet gar nicht vorhanden ist.

[3] Eigentlich arbeitet man nur maximal 2-4 Stunden um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die restliche Zeit arbeitet man für „Luxus“. Überdimensionierte Wohnungen oder Häuser, Premium Automobile, Urlaub, etc. sind Luxusanschaffungen und keine grundlegenden Bedürfnisse.

[4] Das ist im Übrigen eine sehr interessante Fragestellung. Alle Entwicklung geht aktuell in Richtung KI (= Künstliche Intelligenz). Selbstlernende Algorithmen gibt es bereits schon und es ist nur eine Frage der Zeit bis KIs den Status einer „Superintelligenz“ erreicht haben. Damit wird der Vergleich zwischen einem Menschen und der KI wie der zwischen einem Menschen und einer Ameise. Und dann ist die wirklich entscheidende Frage was wir Menschen den lieben, langen Tag über treiben werden. Das mag aus der heutigen Perspektive wie ein triviales Luxusproblem erscheinen, aber das ist ein wirklich ernsthaftes psychologisches Problem. Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, dem kann ich nur das Buch „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari ans Herz legen.