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Was soll das hier eigentlich ?!

Was zur Hölle?! Ich habe euch noch gar nicht erzählt, was dieser Blog überhaupt soll und was es mit dem Quatsch derstoiker auf sich hat? Asche auf mein Haupt!

Dann wird es höchste Zeit, dass ich das nachhole.

Fangen wir mal damit an, wieso ich diesen Blog überhaupt ins Leben gerufen habe.

Mir war langweilig. Und irgendwie machte es Spaß so da zu sitzen und auf die Tastatur einzuhacken um dann Wörter auf ein vorher blankes Stück digitales Papier fallen zu sehen. Außerdem brauchte ich irgendeine Rechtfertigung für mein sackteures, neues Macbook Pro und weil mir sonst nichts besseres eingefallen ist und ich auch sonst nichts kann, ist das eben dabei rausgekommen.

Ok, schön und gut. Aber wie passt dazu jetzt der Name „derstoiker“? Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Da ich in den Monaten und Jahren vor dem Blog sehr viele Sachen im Bereich Psychologie, Entrepreneurship, Persönlichkeitsentwicklung und Philosophie gelesen habe und auf viele interessante Themen gestoßen bin, dachte ich mir dass ich den ganzen Scheiss nehme, mit meinen eigenen Ansichten dazu verquirle und ganz neuen Scheiss schreibe. Das hat mal mehr, mal weniger gut geklappt. Was mir jetzt aber bei den ganzen Büchern und Artikeln wie eine Art roter Faden hängen geblieben ist, war eine gewisse Einstellung zum Leben. Diese ganz besondere Art zu leben, diese leichte unbekümmerte Herangehensweise, dieses Wissen um die wichtigen Dinge im Leben, dieses Geheimnis zum Glück, dieses …, diese …, dieser …, wie soll ich es sagen? The fucking good life!

Das war für mich wie ein „eye opener“. Als ob einer den Vorhang aufmacht und du feststellst, dass das richtige Leben hinter dem Vorhang stattgefunden hat und du die ganze Zeit fälschlicherweise einen richtig schlechten Abklatsch von Hamlet in einem Dorftheater gesehen hast und es mit deinem echten Leben verwechselt hast. „Sein oder nicht sein.“

Buuuh, du scheiss Penner, du gehst nie als Hamlet durch, besorg dir nen richtigen Job!

Irgendwann kriege ich also das Buch „The Obstacle Is the Way“ von Ryan Holiday zu fassen und kann meinen Augen kaum trauen. Auf einmal laufen alle Fäden zusammen. Diese Lebenseinstellung hat tatsächlich einen Namen. Es ist die Philosophie des guten Lebens. Stoizismus.

„Say whaaaat?“ Ich dachte immer dass Stoiker diese emotionslosen Lurche sind, die so viel Gefühl wie ein Urinal haben. Ungefähr so wie die schauspielerische Leistung von Kristen Stewart in der Biss-Reise „Twilight – Bis einer heult“. Oder so ähnlich.

„Bella, ich liebe dich.“

„Öööööhhh“ (grummeln wie bei einem hirntoten Zombie mit passendem Gesichtsausdruck).

„Bella, deine Mutter ist gestorben.“

„Öööööhh“ (gleiche Gefühls- und Gesichtskirmes wie oben).

Wieso zur Hölle ich diesen scheiss Film gesehen habe, ist eine ganz andere Geschichte. Vielleicht ein anderes mal.

Au contraire ma chère. Das ist Stoizismus ganz und gar nicht. Irgendwie haben wir es wieder geschafft innerhalb der letzten 2000 Jahre etwas ganz wunderbares so zu verbiegen, dass es mit dem ursprünglichen Gedanken gar nichts mehr zu tun hat. Ein bisschen wie Stille Post.

Die Stoiker haben eine Philosophie des Lebens entwickelt. Eine Anleitung für das gute Leben. Das ist kein abgehobener Intellektuellenscheiss, bei dem es darum geht sich die Zunge fusselig zu quatschen, um den anderen von seiner besseren Weltsicht zu überzeugen und wenn man nichts mehr zu sagen weiß, sich gegenseitig ins Maul zu spucken und dreckig zu lachen wie Kriminalhund Murmel (ich sollte echt weniger SpongeBob schauen). Das ist echte, harte Praxis. Dafür gemacht angewendet zu werden.

Es geht darum mit Hilfe von einer Reihe mentaler Techniken negative Emotionen wie Angst, Nervosität, Zorn und Unzufriedenheit zu beseitigen und stattdessen eine Welle purer Freude auszulösen, die dafür sorgt, dass du den ganzen Tag wie ein Glücksbärchi herumspringst. Es geht auch darum, dass du nur ein gutes und sinnvolles Leben führen kannst, wenn du es schaffst deine Suchtneigung zur Unersättlichkeit zu überwinden. Es geht darum deine hedonistische Anpassung abzulegen. Bitte was? Das bedeutet, dass du in der Regel ständig irgendwelchen Begierden nachrennst und wenn du sie einmal befriedigt hast, du dich sehr schnell an den neuen Status Quo gewöhnst und die anfängliche Welle des Glücks abebbt. Um wieder einen Peak der Freude zu erfahren rennst du dem nächst größeren hinterher. Erst wolltest du ein Auto mit 200 PS haben, nach kurzer Zeit zieht dir die Krücke keine Wurst mehr vom Teller, also müssen es als nächstes 300 PS sein, aber der Nachbar hat ja etwas mit 350 PS in der Auffahrt stehen, weswegen du als nächstes 400 PS brauchst. Das Ganze endet in der Spirale des sinnlosen Konsums und einem verschwendeten Leben. Ich glaube ihr wisst wie das gemeint ist. Man gewöhnt sich an den Scheiss und will immer mehr sinnlosen Scheiss haben. Die weisen, alten Stoiker hatten auch hierfür eine Reihe Tricks, die einem kurz gesagt helfen, das zu wollen was man bereits hat. Dankbar und zufrieden zu sein mit dem was man hat und zu unterscheiden was wirklich im Leben zählt und was nicht.

Einen weiteren cleveren Trick haben sich schon die Anonymen Alkoholiker abgeschaut und daraus  das „Gelassenheitsgebet“ gemacht. Wegen meiner Faulheit werde ich es nicht rezitieren, aber es geht darum zu wissen was man kontrollieren kann und was nicht und sich in seinem Leben eben nur auf ersteres zu konzentrieren und letzteres einfach links liegen zu lassen. BÄÄÄM! Wieder ein Schub Glückshormone!

In diesem Lebensprinzip geht es darum freiwillig in seinem Leben Unbequemlichkeiten auf sich zu nehmen, denn schon vor 2000 Jahren wussten die Stoiker, dass man nur glücklich werden kann, wenn man sich unbequemen Dingen stellt, diese Probleme löst, dadurch etwas lernt, wächst und sich somit erfüllt, also gleich glücklich fühlt. Scheisse Mann! 2000 Jahre und wir sind kein Stückchen weiter gekommen, kein bisschen klüger oder weiter, dabei bilden wir uns gleichzeitig so viel auf unsere fortschrittliche Zivilisation ein. Schande!

Je mehr Vergnügen man sich hingibt, desto mehr Meistern muss man dienen.

Man sollte den Unterschied zwischen Vergnügen und Freude kennen. Den ganzen Tag Kuchen fressen und auf dem  Sofa hocken ist vielleicht ein Vergnügen, es wird dir aber langfristig keine Freude bringen.

Im Stoizismus geht es aber um viel mehr, als den ganzen Tag nur rumzusitzen, und vor lauter Glück wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen (hat schon jemals jemand so einen blöden Gaul gesehen?). Es geht darum unsere produktive Energie dazu zu nutzen alle unsere Lebensverpflichtungen nach unserem besten Können zu erfüllen und unseren Mitmenschen zu helfen. Ein Stoiker ist also eine hart arbeitende Person, die das Gefühl der harten Arbeit genießt. Also ein knallharter, abgebrühter, krasser Typ. Coolness Faktor wie Chuck Norris.

Um den Bogen zu schließen, habe ich also nach dieser erstaunlichen Entdeckung meinen Blog „derstoiker“ genannt. Das soll nicht heißen, dass ich dieser Stoiker bin, auch wenn ich diesen „Lifestyle“ anstrebe. Ha! Da, ich habe es gesagt, dieses ultra-fancy Wort. Stoizismus ist eben auch so ein styler-myler Lebensstil, den man „Lifestyle“ nennen kann. Sein Leben danach auszurichten, es gut , sinnvoll und wahrlich glücklich zu leben, erfordert eine ganze Lebensspanne. Man ist nie fertig und lernt immer dazu. Ich wollte mit dem Namen „derstoiker“ einfach nur ausdrücken, dass jeder etwas mehr Stoiker in sich gut gebrauchen könnte. Und außerdem war die URL stoiker.de schon vergeben. Scheiss drauf.

PS: Das Wort Scheiss(e) kommt in diesem Artikel 10-mal vor. Ich bitte um Nachsicht, aber irgendwie macht es richtig Spaß es zu benutzen :). Ich gelobe für die Zukunft besseren Schreibstil.

PPS: Wer sich ganz einfach und unbekümmert weiter in diese Thematik einfinden möchte, dem kann ich nur das Buch „A Guide To The Good Life“ von William B. Irvine empfehlen. Zwar auf Englisch, aber das Thema wird sehr gut beleuchtet.

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