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Das Leben ist kein Ponyhof

Das Leben eröffnet sich einem nicht immer wie ein Shakespeare Skript. Es wäre schön, wenn man diese Sicherheit hätte, dass alles so ablaufen wird, wie man sich das auf seinem 10-Jahres Plan ausgemalt hat. Keine Angstschübe mehr und Nervositätsattacken, ob man zudem fähig ist, wozu man ausgezogen ist, ob man seine hochgesteckten Ziele auch tatsächlich erreicht, ob man gut genug ist, ob man charmant genug ist, witzig genug und ob die „anderen“ billigen was man macht und einem einen wohlwollenden Regen aus Handküssen und Rosen bescheren.

Leider und Gott sei Dank läuft das Leben aber nunmal nicht so ab. Was wäre das auch für ein Leben wenn es den Nervenkitzel des Unbekannten nicht gäbe? Wenn wir schon von Anfang an wüssten wie eine Sache ausgeht, worin läge dann noch der Sinn diese Sache zu verfolgen?

Bei manchen Dingen müssen wir uns Durchbeißen bis zum bitteren Ende. Wir müssen es uns beweisen, dass wir es schaffen. Wir müssen kämpfen. Für unser Selbstvertrauen. Für unseren Eigenrespekt. Für das süße Gefühl eine wirklich harte Sache durchgezogen zu haben. Vielleicht wollen wir es auch ein Stück weit den „anderen“ Beweisen. Eltern, Geschwister, Freunde, entfernte Bekannte, dem Nachbars Hund. „HAA, du hässlicher Mops! Du hast mir all die Jahre immer umsonst diese skeptischen Blicke zugeworfen. Ich hab dir doch gesagt, dass ich das packe und jetzt sieh mich. Hä? Hä?! HÄÄÄ?!?! Da bist du baff, was? Bleibt dir gleich die Spucke weg!

Einige Dinge muss man aber auch loslassen. Man muss wissen, wann man sich übernommen hat, wann es zu viel wird. Vielleicht haben sich in der Zwischenzeit auch deine Grundwerte geändert und das ursprünglich angestrebte Ziel liegt genau entgegengesetzt zu deinem großen, ganzen Bild von deinem Wunschleben. Zu wissen wann man den Kopf senkt und trotz des Scheisse Regens der einem horizontal mitten in die Fresse fliegt, stur weiter geht und zu wissen wann man einfach umdreht, ist eine Kunst für sich. Es ist schwierig und erfordert sehr viel Reflexion. Es erfordert, dass man sich sehr gut kennen muss. Schon die weisen Philosophen der Antike sagten „Erkenne dich selbst.“ Es ist ein Prozess, der sehr schmerzhaft sein kann. Sich seinen vermeintlichen Schwächen zu stellen, diese anzuerkennen und offen und ehrlich zu zugeben, kommt einem selbstverpassten Tritt in die Eier gleich (sorry Ladies, ihr könnt euch nicht vorstellen was das für Schmerzen sind, andererseits kann ich nicht nachvollziehen was ein Tritt in euer Äquivalent an Schmerzen verursachen würde….egal, ich schweife ab, ihr wisst was ich meine).

Und doch bedeutet „Schmerz + Reflexion = Fortschritt“.

Das Leben ist schon eine wundersame Abenteuerreise, bei der man nie weiß wohin sie einen trägt. Jeden Tag tun sich eintausend Optionen auf, die den Kurs deines Lebens grundsätzlich verändern können.

Ich erinnere mich wie ich als 19-jähriger auszog um das Weltall zu erobern. Ich wollte Raumfahrttechnik an der dafür renommiertesten Universität Deutschlands studieren. Als mir dann so langsam dämmerte, dass mir die Inhalte desjenigen Faches, welches das Grundfundament dieser Vertiefungsrichtung bildet, überhaupt nicht liegt, sah ich mich vor einem hässlichen, tiefen Abgrund stehen. Es ist nicht so, dass ich nicht alles gegeben hätte die Thermodynamik vollständig zu durchdringen. Ich habe mich reingekniet, wie ich das bei den meisten Sachen im Leben mache, und verwöhnt durch meine guten Schulnoten und den bisherigen Leistungen im Studium, hat mich die 4.0 fast erstickt. Wie sollte ich das scheiss Weltall erobern, wenn ich nicht mal die Grundlagen der Thermodynamik raffte? Da hat mir der 4. Hauptsatz der Thermodynamik auch nicht weitergeholfen: „Thermo schreibt man zweimal.

Ich habe lange und hart darüber nachgedacht, ob ich mir das Hauptstudium antun und mich weitere zwei Jahre mit Fächern quälen will, die allesamt auf der Thermodynamik aufbauen. Und danach? Im Beruf noch mehr davon? Ich kam damals zu dem Schluss meinen Traum loszulassen. Ich schwenkte um auf Fahrzeugtechnik und bin dadurch da gelandet wo ich heute bin. War das die richtige Entscheidung? Wo wäre ich im Leben jetzt, wenn ich mich trotz allem dazu entschieden hätte meinen ursprünglichen Traum durchzuziehen? Ich werde es nie erfahren. Ich bereue nichts und weiter darüber nachzudenken ist zu müßig.

Was ich damit sagen will ist, dass es sich immer lohnt sich dem Schmerz zu stellen. Sich rein zu lehnen und zu reflektieren, solange bis man eine gute Lösung gefunden hat, kann dein Leben verändern. Wenn du in deinem Leben Schmerz verspürst, dann will dir das Leben damit etwas sagen. Es ist deine Aufgabe herauszufinden was das ist und darauf zu handeln. Egal wie.

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