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Ohne Geschirr kein Plaisir

Eines Tages sitze ich also bei einem Kumpel von mir und der seufzt nur:

Ach Alex, die aktuelle Wirtschaftskrise macht mich einfach fertig. Keiner will mehr hochqualitatives Geschirr kaufen. Zumindest nicht für einen vernünftigen Preis. Am liebsten will jeder alles kostenlos haben. Verdammte Hyänen!

Ok, ok, der Einstieg in die Story war vielleicht etwas zu schnell. Kurz zum Hintergrund: Besagter Kumpel war damals bei einer bekannten Firma im Direktvertrieb tätig. Der Firmenname reimt sich irgendwie auf „Ashtray“, also nenne ich die Firma einfachhalber so. Um also bei Ashtray Geld verdienen zu können, musste man damals von Tür zu Tür ziehen, bei den Leuten klingeln und Ihnen Geschirr verkaufen. Töpfe, Pfannen und sonstiges Zeug. Staubsauger gab’s keine, die hatte sich schon eine Firma unter den Nagel gerissen, die sich auf Torzwerg reimt.

Na jedenfalls ertränkt der arme Teufel sich in seiner eigenen Küche in Selbstmitleid und Bier und heult sich bei mir aus. Ich schau mich in der Küche um und sage ihm:

Alter, ich weiß genau was dein Problem ist.

Echt jetzt? Wie denn das? Und komm’ mir jetzt ja nicht mit Unterhopfung. Wie du siehst arbeite ich daran ja schon fleißig.“ … sagte das bemitleidenswerte Geschöpf und hob seine Flasche zum Prost an.

Nö. Aber schau dich mal in deiner eigenen Küche um. Fällt dir was auf? Irgendwie sehe ich hier kein Geschirr von Ashtray.

Der arme Gollum: „Ach, das meinst du. Ja weißt du, ich hab doch so viele Schulden. Das Auto ist nur auf Pump und die monatliche Rate frisst mich fast auf. Außerdem musste ich mir doch wie du weißt die Zähne nach der letzten Schlägerei richten lassen. Da sind auch ein paar Tausender drauf gegangen. Jeden Monat zwei neue Games für meine Xbox, da bleibt einfach nichts mehr übrig. Höchstens Monat am Ende des Geldes. Ich kann mir unser eigenes Geschirr von Ashtray einfach nicht leisten.

Ich dachte zuerst er macht Scherze, aber diese Ausreden schienen durchaus ernst gemeint zu sein.

„Hör zu Gollum, ich denke du kannst es dir nicht leisten das tolle Geschirr von Ashtray NICHT zu haben. Wie willst du denn jemals jemandem etwas ernsthaft verkaufen, wenn du es dir selbst noch nichtmal verkauft hast? Jetzt stell dir mal vor du klopfst bei Gandalf dem Grauen an der Pforte und er lässt dich sogar tatsächlich rein. Du bist top vorbereitet, deine Präsentation ist der Hammer. Jetzt willst du den Abschluss machen und fragst nach der Bestellung und Gandalf fängt an: ‚Ach Herr Gollum, wissen Sie, ich muss noch die monatliche Rate meiner Pferdekutsche abzahlen. Letzte Woche hat mir Saruman nach einer Partie ELB ÄRGER DICH NICHT ein paar Zähne mit seinem Zauberstab aus der Fresse gezaubert. Als Ersatz musste ich mir bei den Zwergen etwas aus Gold anfertigen lassen. Außerdem brauche ich jeden Monat meine 10g WEED. Da bleibt am Ende des Monats einfach nichts übrig.’

Bei der herzzerreißenden Geschichte kriegst du doch gleich Mitleid, weil es DEINE Geschichte ist. Du identifizierst dich zu stark mit den Problemen des Kunden. Am Ende werden Gandalf und du euch heulend in den Armen liegen und DEIN letztes bisschen Weed wegrauchen, aber von Ashtray wirst du immer noch nichts verkauft haben.“

Mein Kumpel schaut mich ganz verdattert an. Dann wie in Zeitlupe im schlechtesten Hollywood Film dreht sich sein Kopf zu seiner offenen Küche. Dann wieder zu mir. Wieder zurück zur Küche. Wieder zu mir. Der Blick zunächst wie der von Frankenstein. Auf einmal der Anflug eines Lächelns. „Ahhh“, denke ich mir. Der Blick eines Verstehenden. Aber irgendwie liegt auf einmal ein unangenehmer Duft in der Luft und das Lächeln meines Freundes sieht mir zu sehr nach Befriedigung aus. Ok, also doch kein Verständnis auf Seiten meines Kumpels, eher Erleichterung. Aber es war nicht alles vergebens. Eine Stunde später inkl. 10 Minuten Frischluft vom offenen Fenster, hatte ich ihm sein eigenes Geschirr-Set verkauft.

Eine Woche später hatte mein Kumpel genügend weitere Sets verkauft, so dass er das Geld für sein eigenes Set bereits raus hatte.

Das war für mich ein Beweis mehr, dass man nur verkaufen kann woran man auch glaubt. Das bezieht sich nicht nur auf klassische Verkäufer die ein Produkt oder Dienstleistung verkaufen, sondern auf alle.

Man kann sich selbst nur verkaufen, wenn man auch an sich selbst glaubt (nein, jetzt bitte nicht auf den Strich gehen).

Man kann nur gute Arbeit leisten, wenn man auch an das glaubt woran man arbeitet.

Noch besser ist es wenn man liebt was man macht.

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