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Jung und dumm

Ich erinnere mich immer gerne an meine Jugend zurück. Man war jung, dumm und hat das Geld gebraucht. Nein, eigentlich war Geld einem scheiß egal, solange man mit seinen Kumpels Zeit hatte ein paar Games zu zocken oder sich zu besaufen und völligen Blödsinn auf dem Dorf zu machen. Und dafür war immer Zeit. Immerhin haben wir so gut wie nie gelernt. War meistens auch nicht nötig. So im Nachhinein muss ich sagen, dass das auf jeden Fall die richtige Vorgehensweise war. Wir haben nichts verpasst, gute Schulabschlüsse gemacht und gute Berufe erlernt. Also anscheinend alles richtig gemacht. Oh Gott, ich hoffe nur dass das meine ungeborenen Kinder nie lesen werden.

Ja, ich bin ein Dorfkind. Mehr oder weniger, aber eine Stadt mit 8.000 Einwohnern ist für mich auch ein Kaff. Vor allem wenn viele deiner Freunde in den umliegenden wahren Käffern wohnen.

Es ist auf jeden Fall Wochenende und was machen gelangweilte Kids an einem Freitag Abend? Röööchtööch. Baar Bierchen ploppen und mit Wodka Brause toppen (bäh, wie konnte man diese eklige Scheisse überhaupt jemals trinken??). Bei so einem gemütlichen Beisammensein auf dem Lande kommen einem die besten Ideen. Oder auch die dümmsten. Ich glaube damals war die amerikanische Sendung „Jack Ass“ (mit Johnny Knoxville und Steve-O) voll im Trend. Auf jeden Fall kommt dann eins der Dorfkinder auf die Idee, dass man doch den alten, halb ramponierten Golf 2 seiner Mutter aus der Scheune fahren und damit etwas auf den Feldern anstellen könnte. Aber was nur? Übrigens, aus unserer Truppe war damals glaube ich nur einer 18, der Rest müsste um die 16 gewesen sein. Aber Auto fahren konnten wir damals eh schon alle. Dorf eben. Hatte ja schon gesagt, dass wir nichts zu tun hatten. Die Polizei hat uns nach den Feiern eher noch freiwillig heim gefahren, damit wir mit unseren Fahrrädern nicht besoffen auf den Bundesstraßen rumfahren. Aber egal, ich schweife ab.

Was kann also ein Haufen 16-jähriger mitten auf dem Dorf mit dem alten Golf 2 einer bemitleidenswerten Mutter und quasi den weiten, unendlichen Feldern von Langweilhausen alles anstellen?

Ich weiß nicht mehr wer auf die Idee gekommen ist, aber es spielte sich folgendes ab. Auto aufs Feld gefahren. Kofferraum auf. Einer setzt sich rein, Gesicht nach draußen und hält ein dickes Seil fest. Am anderen Ende des Seils hält sich der „Jack Ass“ fest. Eingehüllt in dicke, alte Klamotten und Handschuhe legt man sich auf den Boden und lässt sich quasi von dem Auto über den Acker schleifen. Vorne im Golf sitzt also eine grölende Horde besoffener Bauern und schleift einen armen, aber laut lachenden „Volltrottel“ hinter sich her. Natürlich blieb es nicht bei einem Volltrottel. Fast jeder wollte mal auf die „Achterbahn des Todes“.

Wir haben den armen, guten alten Golf ganz schön ramponiert. Ich glaube ein bis Zwei Abschnitte von Lattenzäunen mussten dran glauben, weil wir besoffen und ohne Licht einfach durchgeballert sind. Einmal haben wir den Golf in einen kleinen Bachlauf gesetzt. Da der Golf aber so gut wie nix gewogen hat, konnten wir das Auto aber mehr oder weniger problemlos rausbugsieren. Man kann sich ja vorstellen wie eine Horde unkoordinierter Jugendlicher versucht ein im Flussbett festgefahrenes Auto rauszuholen. „Jetzt, jetzt. Gas, Gas, Gas. Äääääh, Alter du hast mich total vollgespritzt. Lass mich ma’ ran da. Du schieb lieber…..“. So ging das mehr oder weniger einmal reih um bis jeder einmal im Schlamm gesteckt und nachher auf dem Fahrersitz gesessen hat.

Insgesamt hat diese „Feldtour“ nicht gerade zur Schönheit und Ansehnlichkeit des Golfs beigetragen. Eigentlich sah das Auto danach wie Sau aus. Das Flussbett und die Lattenzäune haben ihren Teil zu Beulen und Dreck beigetragen. Von unseren vom Feld geschundenen Körpern (Schürfwunden und handtellergroße blaue Flecken – jaaahh, auf einem Feld liegt auch ab und zu mal ein Stein oder festgetretener Haufen Erde).

So what. No risk. No fun.

Welche Lehren kann man aus dieser Geschichte eigentlich ziehen? Nicht viele glaube ich, außer dass ihr mit euren Kindern auf keinen Fall aufs „idyllische Land“ ziehen solltet. Den Kids wird so langweilig, dass sie auf einmal in ungeahnte kreative Sphären vordringen und, naja, was dabei rauskommt habt ihr ja eben gelesen.

FAIL!

Oder doch nicht?

Was meint ihr?

2 Gedanken zu „Jung und dumm

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