Archiv für den Monat: Januar 2018

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Ohne Geschirr kein Plaisir

Eines Tages sitze ich also bei einem Kumpel von mir und der seufzt nur:

Ach Alex, die aktuelle Wirtschaftskrise macht mich einfach fertig. Keiner will mehr hochqualitatives Geschirr kaufen. Zumindest nicht für einen vernünftigen Preis. Am liebsten will jeder alles kostenlos haben. Verdammte Hyänen!

Ok, ok, der Einstieg in die Story war vielleicht etwas zu schnell. Kurz zum Hintergrund: Besagter Kumpel war damals bei einer bekannten Firma im Direktvertrieb tätig. Der Firmenname reimt sich irgendwie auf „Ashtray“, also nenne ich die Firma einfachhalber so. Um also bei Ashtray Geld verdienen zu können, musste man damals von Tür zu Tür ziehen, bei den Leuten klingeln und Ihnen Geschirr verkaufen. Töpfe, Pfannen und sonstiges Zeug. Staubsauger gab’s keine, die hatte sich schon eine Firma unter den Nagel gerissen, die sich auf Torzwerg reimt.

Na jedenfalls ertränkt der arme Teufel sich in seiner eigenen Küche in Selbstmitleid und Bier und heult sich bei mir aus. Ich schau mich in der Küche um und sage ihm:

Alter, ich weiß genau was dein Problem ist.

Echt jetzt? Wie denn das? Und komm’ mir jetzt ja nicht mit Unterhopfung. Wie du siehst arbeite ich daran ja schon fleißig.“ … sagte das bemitleidenswerte Geschöpf und hob seine Flasche zum Prost an.

Nö. Aber schau dich mal in deiner eigenen Küche um. Fällt dir was auf? Irgendwie sehe ich hier kein Geschirr von Ashtray.

Der arme Gollum: „Ach, das meinst du. Ja weißt du, ich hab doch so viele Schulden. Das Auto ist nur auf Pump und die monatliche Rate frisst mich fast auf. Außerdem musste ich mir doch wie du weißt die Zähne nach der letzten Schlägerei richten lassen. Da sind auch ein paar Tausender drauf gegangen. Jeden Monat zwei neue Games für meine Xbox, da bleibt einfach nichts mehr übrig. Höchstens Monat am Ende des Geldes. Ich kann mir unser eigenes Geschirr von Ashtray einfach nicht leisten.

Ich dachte zuerst er macht Scherze, aber diese Ausreden schienen durchaus ernst gemeint zu sein.

„Hör zu Gollum, ich denke du kannst es dir nicht leisten das tolle Geschirr von Ashtray NICHT zu haben. Wie willst du denn jemals jemandem etwas ernsthaft verkaufen, wenn du es dir selbst noch nichtmal verkauft hast? Jetzt stell dir mal vor du klopfst bei Gandalf dem Grauen an der Pforte und er lässt dich sogar tatsächlich rein. Du bist top vorbereitet, deine Präsentation ist der Hammer. Jetzt willst du den Abschluss machen und fragst nach der Bestellung und Gandalf fängt an: ‚Ach Herr Gollum, wissen Sie, ich muss noch die monatliche Rate meiner Pferdekutsche abzahlen. Letzte Woche hat mir Saruman nach einer Partie ELB ÄRGER DICH NICHT ein paar Zähne mit seinem Zauberstab aus der Fresse gezaubert. Als Ersatz musste ich mir bei den Zwergen etwas aus Gold anfertigen lassen. Außerdem brauche ich jeden Monat meine 10g WEED. Da bleibt am Ende des Monats einfach nichts übrig.’

Bei der herzzerreißenden Geschichte kriegst du doch gleich Mitleid, weil es DEINE Geschichte ist. Du identifizierst dich zu stark mit den Problemen des Kunden. Am Ende werden Gandalf und du euch heulend in den Armen liegen und DEIN letztes bisschen Weed wegrauchen, aber von Ashtray wirst du immer noch nichts verkauft haben.“

Mein Kumpel schaut mich ganz verdattert an. Dann wie in Zeitlupe im schlechtesten Hollywood Film dreht sich sein Kopf zu seiner offenen Küche. Dann wieder zu mir. Wieder zurück zur Küche. Wieder zu mir. Der Blick zunächst wie der von Frankenstein. Auf einmal der Anflug eines Lächelns. „Ahhh“, denke ich mir. Der Blick eines Verstehenden. Aber irgendwie liegt auf einmal ein unangenehmer Duft in der Luft und das Lächeln meines Freundes sieht mir zu sehr nach Befriedigung aus. Ok, also doch kein Verständnis auf Seiten meines Kumpels, eher Erleichterung. Aber es war nicht alles vergebens. Eine Stunde später inkl. 10 Minuten Frischluft vom offenen Fenster, hatte ich ihm sein eigenes Geschirr-Set verkauft.

Eine Woche später hatte mein Kumpel genügend weitere Sets verkauft, so dass er das Geld für sein eigenes Set bereits raus hatte.

Das war für mich ein Beweis mehr, dass man nur verkaufen kann woran man auch glaubt. Das bezieht sich nicht nur auf klassische Verkäufer die ein Produkt oder Dienstleistung verkaufen, sondern auf alle.

Man kann sich selbst nur verkaufen, wenn man auch an sich selbst glaubt (nein, jetzt bitte nicht auf den Strich gehen).

Man kann nur gute Arbeit leisten, wenn man auch an das glaubt woran man arbeitet.

Noch besser ist es wenn man liebt was man macht.

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Jung und dumm

Ich erinnere mich immer gerne an meine Jugend zurück. Man war jung, dumm und hat das Geld gebraucht. Nein, eigentlich war Geld einem scheiß egal, solange man mit seinen Kumpels Zeit hatte ein paar Games zu zocken oder sich zu besaufen und völligen Blödsinn auf dem Dorf zu machen. Und dafür war immer Zeit. Immerhin haben wir so gut wie nie gelernt. War meistens auch nicht nötig. So im Nachhinein muss ich sagen, dass das auf jeden Fall die richtige Vorgehensweise war. Wir haben nichts verpasst, gute Schulabschlüsse gemacht und gute Berufe erlernt. Also anscheinend alles richtig gemacht. Oh Gott, ich hoffe nur dass das meine ungeborenen Kinder nie lesen werden.

Ja, ich bin ein Dorfkind. Mehr oder weniger, aber eine Stadt mit 8.000 Einwohnern ist für mich auch ein Kaff. Vor allem wenn viele deiner Freunde in den umliegenden wahren Käffern wohnen.

Es ist auf jeden Fall Wochenende und was machen gelangweilte Kids an einem Freitag Abend? Röööchtööch. Baar Bierchen ploppen und mit Wodka Brause toppen (bäh, wie konnte man diese eklige Scheisse überhaupt jemals trinken??). Bei so einem gemütlichen Beisammensein auf dem Lande kommen einem die besten Ideen. Oder auch die dümmsten. Ich glaube damals war die amerikanische Sendung „Jack Ass“ (mit Johnny Knoxville und Steve-O) voll im Trend. Auf jeden Fall kommt dann eins der Dorfkinder auf die Idee, dass man doch den alten, halb ramponierten Golf 2 seiner Mutter aus der Scheune fahren und damit etwas auf den Feldern anstellen könnte. Aber was nur? Übrigens, aus unserer Truppe war damals glaube ich nur einer 18, der Rest müsste um die 16 gewesen sein. Aber Auto fahren konnten wir damals eh schon alle. Dorf eben. Hatte ja schon gesagt, dass wir nichts zu tun hatten. Die Polizei hat uns nach den Feiern eher noch freiwillig heim gefahren, damit wir mit unseren Fahrrädern nicht besoffen auf den Bundesstraßen rumfahren. Aber egal, ich schweife ab.

Was kann also ein Haufen 16-jähriger mitten auf dem Dorf mit dem alten Golf 2 einer bemitleidenswerten Mutter und quasi den weiten, unendlichen Feldern von Langweilhausen alles anstellen?

Ich weiß nicht mehr wer auf die Idee gekommen ist, aber es spielte sich folgendes ab. Auto aufs Feld gefahren. Kofferraum auf. Einer setzt sich rein, Gesicht nach draußen und hält ein dickes Seil fest. Am anderen Ende des Seils hält sich der „Jack Ass“ fest. Eingehüllt in dicke, alte Klamotten und Handschuhe legt man sich auf den Boden und lässt sich quasi von dem Auto über den Acker schleifen. Vorne im Golf sitzt also eine grölende Horde besoffener Bauern und schleift einen armen, aber laut lachenden „Volltrottel“ hinter sich her. Natürlich blieb es nicht bei einem Volltrottel. Fast jeder wollte mal auf die „Achterbahn des Todes“.

Wir haben den armen, guten alten Golf ganz schön ramponiert. Ich glaube ein bis Zwei Abschnitte von Lattenzäunen mussten dran glauben, weil wir besoffen und ohne Licht einfach durchgeballert sind. Einmal haben wir den Golf in einen kleinen Bachlauf gesetzt. Da der Golf aber so gut wie nix gewogen hat, konnten wir das Auto aber mehr oder weniger problemlos rausbugsieren. Man kann sich ja vorstellen wie eine Horde unkoordinierter Jugendlicher versucht ein im Flussbett festgefahrenes Auto rauszuholen. „Jetzt, jetzt. Gas, Gas, Gas. Äääääh, Alter du hast mich total vollgespritzt. Lass mich ma’ ran da. Du schieb lieber…..“. So ging das mehr oder weniger einmal reih um bis jeder einmal im Schlamm gesteckt und nachher auf dem Fahrersitz gesessen hat.

Insgesamt hat diese „Feldtour“ nicht gerade zur Schönheit und Ansehnlichkeit des Golfs beigetragen. Eigentlich sah das Auto danach wie Sau aus. Das Flussbett und die Lattenzäune haben ihren Teil zu Beulen und Dreck beigetragen. Von unseren vom Feld geschundenen Körpern (Schürfwunden und handtellergroße blaue Flecken – jaaahh, auf einem Feld liegt auch ab und zu mal ein Stein oder festgetretener Haufen Erde).

So what. No risk. No fun.

Welche Lehren kann man aus dieser Geschichte eigentlich ziehen? Nicht viele glaube ich, außer dass ihr mit euren Kindern auf keinen Fall aufs „idyllische Land“ ziehen solltet. Den Kids wird so langweilig, dass sie auf einmal in ungeahnte kreative Sphären vordringen und, naja, was dabei rauskommt habt ihr ja eben gelesen.

FAIL!

Oder doch nicht?

Was meint ihr?

Wer hat Horst entführt ??

Den lustigsten Unfug habe ich auf einer Party einer Studentenverbindung zu meinen Studienzeiten erlebt. Die Partys im Verbindungshaus wurden „privat“ abgehalten, was bedeutete, dass die Bewohner des Verbindungshauses ihre Freunde einladen durften. Ok, wir wissen was das heißt. Gefühlt waren alle Maschis da. Mäh, wie langweilig. 300 pickelige Kerle und 3 Mädels, könnt ihr euch ja vorstellen wie es da abgegangen ist.

Naja, egal. Bier gab es mehr als reichlich. Das war uns damals gut genug.

Irgendwann wurde es sehr spät – oder auch sehr früh – und übrig blieben nur noch die Bewohner des Hauses und einige sehr gute Freunde derer. Unter ihnen auch ich. Irgendwie lümmeln wir also bei einem auf dem Zimmer rum und die meisten sind entweder hacke dicht von Alkohol oder sonstigem Stoff oder pennen anderweitig. Kommt beides auf’s selbe raus: keiner ist bei Bewusstsein.

Ich stolper also irgendwie die Treppe runter und komme am Zimmer der Maskottchen vorbei. Zum Hintergrund: Die Maskottchen dieser Verbindung waren zwei Pinguin Kuscheltierchen, namentlich Herbert und Horst, und wurden immer in einem bestimmten Zimmer aufbewahrt. Diese wurden immer auf das alljährlich stattfindende Eishockey Turnier zwischen Maschis, Elektrotechnikern und den Mediziner mitgenommen. Kurz der Uni-Cup, eine riesen Gaudi. Dort haben sich die drei Fakultäten immer gegenseitig auf dem Eis „gebattled“, inkl. Showeinlage von den Studis mit selbstgebauten Wikingerschiffen aus Pappmasche oder Galgen an denen Puppen mit Arztkittel aufgehängt wurden. Auf jeden Fall eine geile Sache und jeder hat sich auf dieses Event gefreut.

Die Verbindung bei der die Party stattfand hat immer diese zwei Pinguin Maskottchen auf den Uni-Cup mitgenommen, da das schon seit jeher dort Tradition war.

Naja, jedenfalls komme ich an dem Zimmer vorbeigestolpert und an der Wand hängt ein Schild mit der Aufschrift „HERBERT, HERBERT! WER HAT HERBERT GESTOHLEN?“.

Ich schaue also ins Zimmer rein und normalerweise haben Herbert und Horst immer ihren ganz besonderen Platz in einer Vitrine. Ein Platz ist leer, anscheinend der von Herbert. Alles klar, denke ich mir, da hat sich jemand einen Scherz erlaubt. Dazu sollte man noch sagen, dass der Uni-Cup immer am Donnerstag nach Nikolaus stattfindet und es war Mitte November, also nicht weit hin bis Nikolaus. In meinem benebelten Zustand dachte ich es wäre lustig Horst auch noch mitgehen zu lassen und zu verstecken, also habe ich ihn kurzerhand aus der Vitrine geholt.

Irgendwie erschien es mir lustig ihn beim „Papst“ zu verstecken. Wer mit Studentenverbindungen nicht so vertraut ist, wird sich jetzt vielleicht fragen, wieso das römisch-katholische Oberhaupt der Kirche hart mit Maschis abfeiert. Schön wär’s, so ist es aber nicht. Der „Papst“ ist nichts anderes als ein Speibecken, besser bekannt als die Schüssel in die gekotzt werden muss. Ich denke das sollte als Erklärung reichen. Ich dachte mir auf jeden Fall, dass irgendwann im Laufe des Abends der ein oder andere mal „papsten“ gehen muss und Horst somit recht schnell gefunden wird. Natürlich habe ich den armen Horst nicht direkt im Rachen des Papstes versteckt. Wer würde denn sowas ekliges tun? Ich habe ihn sicher und trocken im Badezimmerschränkchen unter dem Spülbecken versteckt, welches zum Raum des Papstes gehörte.

Nachdem ich noch mit ein paar Jungs geplaudert hatte, bin ich dann irgendwann mit meinem vom Bikesharing geliehenen Hollandrad heim gegurkt. Mit Bikesharing meine ich im übrigen, ich habe den rostigen Drahtesel aus dem nächsten Graben rausgezogen, bin heim geradelt und habe es in der Nähe meiner Wohnung in den nächstbesten Graben geschmissen, damit der nächste Studi ohne Transportmittel das Bike wieder benutzen kann. Ich weiß zwar nicht wo die ganzen alten, rostigen Klappermühlen herkamen, aber derjenige der dieses geile und kostenlose Bike Sharing eingeführt war genial.

Am nächsten Tag (Sonntag) kriege ich einen Anruf. In der Studiverbindung ist etwas passiert, ich solle doch bitte vorbeikommen. Ich komme an – diesmal mit dem Bus, das Bikesharing darf man nämlich nur benutzen wenn man mehr als 1,6 Promille hat und ich war mir nicht sicher ob ich nicht schon unter die Grenze genüchtert bin. Die Verbindungsmitglieder laufen wie wild durch die Gegend. P. – der Hüter von Herbert und Horst ist mächtig angepisst. Bald ist Uni-Cup und für die Maskottchen war großes geplant, bla, bla, bla.

Dazu muss ich sagen, dass Herbert, das zuerst geklaute Maskottchen recht schnell noch in der Partynacht gefunden wurde. Das Versteck war nicht besonders originell – einfach im Bett von P.. Nachdem der ursprüngliche Dieb seine gerechte Tracht Prügel bekommen hat und glaubwürdig versichern konnte, dass er NUR Herbert entführt hatte, dem armen Horst aber keine Feder gekrümmt hatte, war klar dass noch ein zweiter Dieb seine dreckigen Finger im Spiel hatte.

Anscheinend war es so, dass am Abend zuvor niemand „papsten“ musste und somit auch niemand auch nur die Gelegenheit hatte Horst zu finden. Da der Audienzraum des Papstes auch nur bei Feierlichkeiten benutzt wird und in das Badezimmerschränkchen nie jemand schaut, dämmerte mir langsam dass mein Versteck ein ziemlich gutes war.

Ok zurück, zum armen, verprügelten ersten Dieb. Nachdem der aussah wie Axel Schulz nach seinem Kampf gegen Klitschko 1999, fragte mich P.:

„Koch, hast du Horst verschleppt?“

„Ooooh jaaa, das hab ich. Siehst du die Kratzer an meinen Händen? Die habe ich bekommen, als der ahnungslose Horst gemerkt hat, dass ich ihn nicht nur streicheln, sondern entführen will. Er hat mir einen duften Kampf geliefert und meine geschundenen Hände sind der Beweis für seine Tapferkeit“. Dabei grinste ich dreckig und streckte meine makellosen, unverkratzen Hände vor. Irgendwie waren die anderen mit meiner Antwort nicht zufrieden. Kurz, sie glaubten mir nicht.

Nachdem Horst nun schon seit über einer Woche verschwunden war, der Uni-Cup immer näher rückte und der arme P. bald vollkommen irre vor Sorge wurde, musste etwas unternommen werden.

Irgendwann saßen wir wieder beisammen und es wurde gefragt ob einer eine Idee hätte wie man denn endlich Horst seinem Entführer entreißen konnte.

Einer macht einen Vorschlag. Dann ein anderer. Aber keiner kann so wirklich überzeugen.

Irgendwann stehe ich auf und sage: „Ok. Wer auch immer Horst entführt hat. Du bist ein Genie. Wir verbeugen uns vor deiner genialen Gerissenheit und huldigen dir auf Ewig. Du brauchst uns nicht zu sagen wer du bist, wir wollen nur wissen wo du unseren heiligen Horst hin verschleppt hast. Wenn du uns einfach irgendwo einen Zettel hinterlässt mit einem Hinweis wo er sich befindet, dann werden wir dir auf Ewig dankbar sein und deinem Supergenie gedenken.“

P., der den größten Leidensdruck hatte und als nächster mit einer Idee dran wäre, kommt mit einem weiteren Vorschlag.

„Lasst uns der Reihe nach jeden einzeln befragen und sein Ehrenwort auf die Verbindung geben, dass er die Wahrheit sagt.“

Alle willigen ein, also macht Peter die Runde.

„Felix, hast du Horst entführt?“

„Nein.“

„Thomas, hast du Horst entführt?“

„Nein.“

„Koch, hast du Horst entführt?“

„Jap.“

„Hör auf mit dem Scheiß, Koch. Das ist eine ernste Angelegenheit!“

„Andi, hast du Horst entführt?….“

So ging das der Reihe nach, bis jeder dran war. Scheisse, alle haben verneint. Es musste eine wirklich verlogene Ratte unter uns geben, der sogar das Ehrenwort der Verbindung scheiss egal war.

Bevor ich an dem Abend ging, habe ich einen kleinen Zettel mit einer Zeichnung vom Papst und dem Waschbecken inkl. Schränkchen mit Horst darin im Flur der Verbindung hinterlassen. Die Zeichnung hätte auch mit fliegenden Schweinen im Weltall verwechselt werden können, aber am nächsten Tag wurde Horst gefunden und alle waren glücklich.

Irgendwann Wochen oder Monate später, als wieder auf einer Verbindungsparty lustige Geschichten von früher erzählt wurden, habe ich nochmals zugegeben, dass ich Horst entführt hatte. Alle haben nur gelacht und mich als Lügner bezeichnet und dass ich mich mit den Lorbeeren schmücken wollte. Keiner konnte sich mehr daran erinnern, dass ich bei der Befragung die Wahrheit gesagt und mit „Ja“ geantwortet habe. Alle waren der Meinung, dass alle „Nein“ gesagt haben.

Schon irgendwie cool, wenn man so ehrlich ist, dass einem niemand glaubt.

Ist das jetzt Wahnsinn?

Vor kurzem habe ich mich mit einem guten Freund unterhalten. Er hat etwas für mich sehr interessantes erlebt, was ich euch nicht vorenthalten will. Er hat eingewilligt, dass ich die Geschichte hier erzähle, möchte aber namentlich nicht genannt werden, da der ein oder andere Leser ihn kennen könnte.

Also, besagter Freund, nennen wir ihn der Einfachheit halber F., hat einen recht lukrativen Beruf. Zudem war er jahrelang Single und führt ein bescheidenes noch recht studentenhaftes Leben. Damit meine ich jetzt nicht das Studentenleben was ihr euch jetzt vielleicht vorstellt. Wilde Partys bei den Medizinerinnen am Dienstag, mit den Psychologinnen am Mittwoch und bei der Verbindung der Austauschstudentinnen aus dem Osten am Donnerstag. Lange Schlafen, keine Verpflichtungen und so weiter. Nein, ich meine eher in dem Sinne, dass man mit einer 350€ Miete und 150€ für Lebensmittel im Monat zurechtkommt, kein Auto besitzt und nicht viel mehr braucht um glücklich zu sein.

Lukrativer Job + niedrige monatliche Ausgaben – Freundin = sehr viel angespartes Geld

F. hat also sehr viel Geld auf der hohen Kante, sich bisher aber nicht sonderlich für Investitionen interessiert, weswegen die ganze Kohle mehr oder weniger auf dem Giro Konto vor sich hin gammelte. Eines Tages vor nicht allzu langer Zeit, also vor kurzem, lernt F. ein nettes Mädel kennen – nennen wir sie S. Nach einigem hin und her scheint klar zu sein, dass die beiden sich riechen können, also werden sie ein  Paar.

Ich fragte F. wie es ihm mit der neuen, frischen Beziehung gehe (immerhin hatte er vorher nie eine wirklich ernsthafte Beziehung geführt) und er sprudelte nur so über vor lauter Glück. Es fehlten nur noch Regenbogen kotzende Einhörner zum perfekten Glück.

 

Monatelang ging das anscheinend so weiter und ich hörte nicht mehr viel von F. Wir wohnen immerhin in unterschiedlichen Städten und mit telefonieren haben wir es beide nicht so sehr, also war der Kontakt eher lose. Irgendwann, zufällig muss ich an F. denken und schreibe ihn an, wie es ihm denn so gehe.

„Ach, ich weiß nicht. Ich glaube ich muss mit S. Schluss machen.“

„Waaaas?? Ich dachte sie wäre die Liebe deines Lebens und du bist überglücklich mit ihr?“

„Jaaa, aber irgendwie weiß ich nicht. Irgendetwas passt nicht.“

Ich denke mir noch „Ok, da stimmt was nicht“, also sage ich zu F. „Bleib ruhig und mach’ keinen Scheiß. Lass uns am Samstag treffen.“

Gesagt getan, also sitze ich am Samstag Abend bei ihm in seiner 1-Zimmer Butze. Nach ein paar Bierchen und dem üblichen hin-und-her Geplänkel um sich warm zu reden, kommt er endlich auf den Punkt.

„S. hat mir einen angeblich idiotensicheren Investment Tipp für mein brachliegendes Geld gegeben. Ich habe die Kohle investiert und jetzt ist sie so gut wie weg, weil das Investment ein Flop war.“

Nachdem ich das Bier, welches gerade dabei war genüsslich meine Kehle hinabzulaufen, quer über seinen 0,25m2 Wohnzimmer-/Esstisch verteilt hatte, musste ich erst lachen, dann weinen und dann nochmal nachfragen: „Du hast was?!“

Vielleicht noch kurz zum Hintergrund: Mein Freund F. hat eine technische Profession erlernt und arbeitet auch in einem entsprechenden Beruf. Er besitzt ein hoch analytisches Denkvermögen und kann sehr gut rationale Entscheidungen treffen. Auch wenn er sich mit dem Thema Investments noch nicht auseinander gesetzt hat, so ist er sehr wohl in der Lage zu entscheiden was ein vernünftiges Investment wäre und was ein eher unvernünftiges Investment wäre, da es einfach jeglicher rationaler Grundlage entbehrt. Seine Freundin S. ist Krankenschwester und hat sich in ihrem Leben auch noch nicht mit Investmöglichkeiten beschäftigt (die Geschichte wie sich F. und S. kennenlernten und wie sie zusammenkamen ist an sich ein eigenes Posting wert).

Also frage ich mich wie zur Hölle mein hochanalytischer Freund F. auf die Idee kommt „todsichere“ Investment Tipps von seiner Freundin S., der Krankenschwester, blindlings und halbwegs ungeprüft anzunehmen. Und zu allem Überfluss auf Grundlage dieses Witzes auch noch der Meinung zu sein, S. abschießen zu müssen (er hat mir eine Latte von Begründungen genannt wieso das Investment-Fiasko zum Schluss der Beziehung führen sollte, lasse diese hier aber mal aus diversen Gründen weg).

Ok, ich lasse meinen Freund also mit der Bitte zurück erstmal nichts zu tun und die Füße still zu halten. Achja, den Bier-Speichel-Mix aus meinem Mund auf seinem Couchtisch habe ich ebenfalls da gelassen.

Am nächsten Tag rufe ich also seine Freundin S. an, mit der Bitte um ein Treffen. Einfach so, bisschen plaudern, ganz locker mal hören wie sich mein Kumpel F. so macht und ob er sich auch zu benehmen weiß.

Ein paar Tage später treffen wir uns in einem Café. Wir sitzen nett beisammen und plaudern, ich weiß nicht so recht wie ich das Thema zur Sprache bringen soll, also platze ich einfach damit heraus: „Du, F. hat mir von deinem heißen Investment Tipp erzählt. Du hast schon mitbekommen, dass das Ganze ein ziemlicher Reinfall war?“

S.: „Waaas?! Echt jetzt? Scheisse, wie konnte das denn passieren? Mir wurde gesagt, dass das Ding wirklich todsicher ist.“

Ich: „Ahhjaa, es wurde dir gesagt? Darf ich denn fragen woher du den Tipp hast?“

S.: „Naja, im Krankenhaus war einer der Patienten um die ich mich gekümmert habe ein Investmentbanker. Er war wirklich ein sehr netter junger Mann. Der Investmentbanker hat mir da von einer todsicheren Anlagemöglichkeit erzählt. Ich bin in letzter Zeit so glücklich, dass ich F. habe und dass er immer so viel Geld für mich ausgibt, was wirklich nicht nötig wäre. Da wollte ich ihm etwas Gutes tun und habe den Investmentbanker gleich nach den ganzen Details gefragt und diese an F. weitergegeben.“

Diesmal konnte ich den Kaffee zumindest in mir behalten.

„Du weißt schon, dass F. jetzt kurz davor ist mit dir Schluss zu machen, wegen dieser ganzen Sache?“

S. war nicht so erfolgreich darin ihren Kaffee bei sich zu behalten. Egal, mein Pulli musste eh wieder gewaschen werden.

Ok, um die Geschichte mal kurz zusammen zu fassen und zu Ende zu bringen. Mein Freund F. ist super glücklich mit seiner neuen Freundin S. Zum ersten mal in seinem Leben fängt er an Geld auszugeben (wenn auch nicht für sich) – nicht dass das an sich etwas gutes wäre. Seine Freundin S. ist ebenfalls super glücklich mit ihrem Freund. So sehr, dass sie ihm zur Liebe (und vll. wegen einem schlechten Gewissen, dass er so viel Geld für sie ausgibt?) etwas Gutes tun will und ihn mit einem Investment Tipp versorgt. Mein Freund F. nimmt diesen blindlings an, ohne ihn zu prüfen. Nachdem die Sache schief läuft, ist er so sehr verletzt, dass er daran denkt mit seiner Freundin Schluss zu machen?

Ist das jetzt Wahnsinn oder was??

Aaaalso, was will ich mit dieser ausufernden Geschichte eigentlich sagen?

1.) Macht euer Lebensglück nicht von sowas wie Finanzen abhängig.

2.) Denkt für euch selber. Niemand ist dafür qualifiziert euch zu sagen wie ihr die Welt erlebt.

3.) Großartige Gelegenheiten haben niemals den Titel „großartige Gelegenheit“.

PS: F. und S. haben die Sache zum Guten geklärt und sind immer noch glücklich zusammen.

PPS: Danke an F., dass ich diese Geschichte teilen darf. S. weiß nichts davon.