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Meine 5 Lieblingsbücher 2017 – Teil 2

Und weiter geht’s mit dem zweiten Teil meiner 5 Lieblingsbücher aus diesem Jahr.

3. So Good They Can’t Ignore You (Cal Newport)

Cal Newport ist ein Professor der Computer Wissenschaften an der Georgetown University. Mit seinem Buch „So good they can’t ignore you“ vertritt er die Meinung dass Skill (Fähigkeiten/Fertigkeiten) immer „Passion“ (Leidenschaft) auf der Suche nach erfüllender und bedeutungsvoller Arbeit schlägt. „Folge deiner Leidenschaft“ ist seiner Ansicht nach ein ganz schlechter Ratschlag, den man nicht befolgen sollte.

Angefangen hat alles damit dass Newport sich die Frage gestellt hat wieso es Leute gibt die in ihrem Beruf glücklich sind und welche die es nicht sind und wieso das so ist.

Er schreibt, dass jemand eine Befragung mit Assistentinnen / Sekretärinnen durchgeführt hat. Heraus kam, dass die Glücklichsten diejenigen waren, die die meiste Berufserfahrung hatten und am längsten diesen Job ausgeführt haben. Wie kam das? Die Begründung war, dass die erfahrensten Frauen einen Expertenstatus erreicht hatten und damit viel Kontrolle über ihren Job hatten. Diese wurde ihnen auf Grundlage ihrer immensen Erfahrung und guten Arbeitsleistung von ihren Vorgesetzten zugestanden. Und Kontrolle / Freiheiten zu haben macht einen glücklich.

Von diesem Punkt aus ist Newport darauf gekommen, dass der Ratschlag seiner „Leidenschaft“ zu folgen nicht nur falsch, sondern auch schädlich ist. Viele Leute geben ihre bisher gesammelte Berufserfahrung in einem Gebiet auf, um dann etwas völlig anderes zu machen, von dem sie meinen, dass es ihre Leidenschaft ist. Auf diesem Gebiet haben sie dann im Vergleich zu anderen nur sehr wenig Wissen / Erfahrung und können gar nicht so gut sein wie ihre Wettbewerber, weswegen sich dann meist kein Erfolg einstellt. Und ohne Erfolg wird man unglücklich. Bei einigen führt das dann dazu, dass sie rastlos werden und von einem „Ding“ zum nächsten springen und nie glücklich werden.

Mit am besten fand ich folgendes Konzept: Man muss erstmal in etwas gut sein, bevor man einen guten Job erwarten kann.

Es gibt 3 Faktoren um sich intrinsisch für seine Arbeit zu motivieren:

    • Unabhängigkeit: Das Gefühl, dass man die Kontrolle über seinen Tag hat und dass die eigenen Handlungen wichtig sind
    • Kompetenz: Das Gefühl, dass man gut ist in dem was man tut.
    • Verbundenheit: Das Gefühl, dass man mit anderen Leuten verbunden ist.

Daraus folgt folgende Schlussfolgerung von ihm: „Richtig zu arbeiten“ schlägt die „richtige Arbeit“.

Aus diesem Buch habe ich auch das Konzept des „Handwerker mindsets“ im Gegensatz zum „Leidenschafts Mindset“ entnommen. Das erstere basiert auf der Frage was man selber der Welt zu bieten hat im Gegensatz zum letzteren welches darauf basiert was die Welt einem bieten kann. Auf dieses Konzept bin ich in einem früheren Artikel schonmal näher eingegangen.

Im Schatten dieser großen, übergreifenden Theorie des Buches schwimmen viele kleine, interessante Theorien mit, wie die der „bedachtsamen Übung“ (deliberate practice). Wenn man in einer Sache richtig gut werden will, dann muss man nicht nur irgendwie üben, sondern bedachtsam üben. Quasi mit einem Plan. Dies ist auch ein Teil der 10.000 Stunden Regel, die Malcolm Gladwell populär gemacht hat und die besagt, dass man eine Sache 10.000 Stunden bedachtsam üben muss um darin Weltklasse Status zu erreichen.

Insgesamt fand ich das Buch sehr interessant. Es rückt einem etwas den Kopf zurecht und macht einem klar, auf was es eigentlich im Leben ankommt und dass berufliche oder professionelle Expertise einen großen Teil des Lebensglücks ausmacht. Diese erreicht man aber nur durch „blood, toil, tears and sweat“ (Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß) wie Churchill es so schön auszudrücken wusste. Gemütlichkeit und Komfort im Leben ist nicht das Ziel und macht einen auch nicht glücklich. Es ist sogar hinderlich und das ist das verwirrende in der heutigen Zeit in der wir leben. Die Medien wollen einem das Konzept von Convenience / Bequemlichkeit verkaufen und dass dein Lebensglück nur einen Klick, nur einen weiteren Kauf von irgendeinem Tand entfernt ist, den man sowieso nicht braucht. Leider müssen wir Menschen erst durch die unbequeme Wand der Komfortzone stoßen um zu wachsen und dadurch Lebensglück zu erfahren.

4. The Magic of Thinking Big

Dieses Buch ist ein schöner, richtig kitschiger, typisch amerikanischer „Klassiker“ aus dem Jahr 1959. Nach der Lektüre dieses Buches kann man auch ein wenig nachvollziehen wo die amerikanische Art zu denken herkommt und wie es in den 50’er bis 80’er Jahren sein musste, den „american dream“ zu leben (oder zumindest hinterher zu jagen). Ich meine das jetzt gar nicht negativ, das Buch fand ich nämlich herrlich unterhaltend und leicht zu lesen. Auch lehrreich und motivierend.

Der Leitfaden dieses Buches beschäftigt sich damit, dass wir Menschen das Produkt unseres Denkens sind. Leider denken die meisten Leute „klein“, bzw. werden auch durch ihr Umfeld zu kleinem Denken gezwungen und dementsprechend können sie ihr Potenzial nicht voll entfalten und sind nicht so erfolgreich wie sie es sein könnten, wenn sie „groß“ denken würden.

In dem Buch lassen sich viele tolle Sprüche rund um das Thema „Erfolg“ finden, viele sind Zitate von Persönlichkeiten der Vergangenheit.

Wie z.B. folgende:

Great men are those who see that thoughts rule the world.“ – Ralph Waldo Emerson

Life is too short to be little“ – Benjamin Disraeli

Das Buch lässt sich am besten mit den Überschriften der Kapitel zusammenfassen, da diese schon viel über den zu erwartenden Inhalt wiedergeben:

  • Glaube daran, dass du Erfolg haben wirst und du wirst ihn haben
  • Heile dich von der „Entschuldigungskrankheit“ – die Misserfolg Krankheit
  • Baue Selbstvertrauen auf und zerstöre die Angst
  • Wie man groß denkt
  • Wie man kreativ denkt und träumt
  • Du bist, was du denkst was du bist
  • Manage deine Umgebung: Werde Erste Klasse
  • Mache deine Einstellungen zu deinem Verbündeten
  • Denke richtig gegenüber Leuten
  • Bekomme die „Taten-Gewohnheit“
  • Wie man eine Niederlage zu einem Sieg macht
  • Verwende Ziele um dir beim Wachstum zu helfen
  • Wie man wie ein Anführer denkt

In dem Buch werden viele Beispiele aus dem Leben des Autors und seine Erfahrungen mit anderen Leuten wiedergegeben. Wenn man sich auf das „mindset“ in diesem Buch einlässt, dann kann man mit Sicherheit das ein oder andere für sich herausziehen, wenn man sich mit dem Thema „Erfolg“ beschäftigen möchte.

5. The Obstacle Is the Way

The Obstacle Is the Way ist von Ryan Holiday, einem meiner absolut liebsten Autoren dieses Jahr. Neben seinen zahlreichen Büchern (Trust Me I’m Lying – Confessions of a Media Manipulator, Ego Is the Enemy, Growth Hacker Marketing, The Daily Stoic) schreibt er regelmäßig Artikel für den New York Observer in der Kategorie Business und für thoughtcatalog.com. Ich denke Ryan Holiday war der erste Autor der mich in die stoischen Lehren eingeführt hat.

In dem Buch nimmt Holiday die Lehren von Marc Aurel, Seneca, Epiktet und anderen Begründern des Stoizismus und erklärt ihre Lehren auf moderne Art und Weise. Das ganze untermauert er mit anschaulichen Geschichten aus der aktuellen und jüngst vergangenen Zeit anhand von „großen“ Persönlichkeiten wie John D. Rockefeller, Abraham Lincoln, Thomas Edison, Theodore Roosevelt und Steve Jobs, nur um einige der berühmteren Namen zu nennen.

Am besten wird das Buch durch die zeitlosen Worte von Marc Aurel zusammengefasst (der englischen Fassung meines Exemplars wegen hier im „Original“ wiedergegeben):

Our actions may be impeded… but there can be no impeding our intentions or dispositions. Because we can accommodate and adapt. The mind adapts and converts to its own purposes the obstacle to our acting.

The impediment to action advances action.What stands in the way becomes the way.

Das Buch ist unterteilt in 3 Kapitel:

  • Wahrnehmung
  • Handlung
  • Wille

Wahrnehmung: Hier geht es im Groben darum, dass man die Welt ganz objektiv betrachten sollte. Meistens nehmen wir Dinge die uns passieren nicht objektiv wahr, sondern werten sie gleich. Unser Gehirn ist ein Meister darin die Wertung recht extrem ausfallen zu lassen und so malen wir uns gleich das absolute Horrorszenario aus. Die Abhilfe die Ryan Holiday (und die Stoiker) dagegen empfehlen wären folgende:

  • objektiv sein
  • Emotionen unter Kontrolle halten
  • zu wählen das Gute in jeder Situation zu sehen
  • die Nerven behalten
  • ignorieren was andere stört und limitiert
  • die Dinge in die richtige Perspektive rücken
  • in den Moment zurückkehren und sich nur auf die vorliegenden Fakten zu konzentrieren
  • sich auf das fokussieren was man kontrollieren kann

Die Disziplin der Handlung: Probleme und Hindernisse sollten nicht nur irgendwie angegangen werden, sondern mit gerichteter Handlung. Dabei sollte man sich auf die Dinge konzentrieren, die man selbst unter Kontrolle hat und diese Schritt für Schritt abarbeiten, um das Hindernis aus dem Weg zu schaffen und seinen Zielen näher zu kommen. Dazu muss man beharrlich sein und sich so  lange in seine Probleme „verbeissen“, bis man diese gelöst hat.

Diesbezüglich führt Holiday z.B. an, dass man im Business die meisten Fehlschläge nicht persönlich nimmt und versteht, dass sie Teil des Prozesses sind. Da muss ich Holiday widersprechen. So sollte es in einer idealen Welt aussehen, aber in Wirklichkeit ist das aus meiner persönlichen Erfahrung nicht so. Trotzdem gibt er eine aus meiner Sicht gute Definition eines Entrepreneurs.

Ein Entrepreneur ist jemand der:

  • mit einer bestimmten Position oder Einstellung nicht „verheiratet“ ist
  • niemals Angst hat einen kleinen Teil seines Investments zu verlieren
  • niemals verbittert oder beschämt ist
  • niemals zu lange aus dem Spiel raus ist
  • jemand der oft ausrutscht, aber niemals hinfällt.

Dazu muss man von seinen Fehlern lernen und sich an den Prozess halten. Dieser konzentriert sich darauf die richtigen Dinge, jetzt zu tun und sich nicht auf die Ergebnisse zu konzentrieren oder darauf was in der Zukunft passieren mag.

Der Wille: Der Wille ist unsere innere Kraft, die nicht durch die äußere Welt beeinflusst werden kann. Um uns unseren Willen zu nutze zu machen, müssen wir uns folgendes bewusst machen:

  • sei immer vorbereitet auf schlechtere Zeiten
  • akzeptiere immer das was du nicht ändern kannst
  • manage immer deine Erwartungen
  • halte immer durch
  • lerne immer dein Schicksal und was dir passiert zu lieben
  • beschütze immer dein inneres Selbst
  • beuge dich immer dem „größeren“, ganzen Grund
  • erinnere dich immer an deine Sterblichkeit
  • und vor allem sei darauf vorbereitet den ganzen Zyklus von vorne zu starten

Mich persönlich hat die stoische Lebenshaltung tief beeindruckt. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese Philosophie über 2000 Jahre alt ist. Wir bilden uns heutzutage ein, dass wir eine so weit entwickelte Kultur sind und schaffen es doch nicht die einfachsten (und oft wichtigsten) Dinge des Lebens zu erfassen. Wir lassen uns verwirren und verängstigen und trauen uns nicht das zu tun was getan werden muss, um unser Lebensglück zu finden. Und gerade deshalb finde ich, dass der Stoizismus in unserer heutigen Zeit, wo das Leben auf maximale Unterhaltung, Bespaßung und Komfort ausgelegt ist, passender und wichtiger denn je ist.

Das waren also meine Top 5 Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ich hoffe ich konnte euch den Inhalt des ein oder anderen Buches näher bringen und euch neugierig auf den tieferen Inhalt machen. Denn nichts geht darüber diese Bücher selbst zu lesen – in ihrer ganzen Vollständigkeit – um die jeweils dahinter liegenden Philosophien und Ansichten ganzheitlich fassen zu können.

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