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Meine 5 Lieblingsbücher des Jahres 2017 – Teil 1

Heute mal ein etwas anderer Artikel. Ich wollte euch meine persönlichen Highlights an Büchern vorstellen, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Die folgenden 5 Bücher haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und mein Denken nachhaltig verändert. Viel Spaß beim reinstöbern und nicht vergessen: nichts geht über die Lektüre des Originals.

1. Linchpin (Seth Godin)

Linchpin von Seth Godin habe ich im Original auf Englisch gelesen. Seth Godin ist meiner Meinung nach einer der bemerkenswertesten Marketer der heutigen Zeit. Er führt einen Blog auf dem er jeden Tag einen Blogpost macht. Er hat erst vor kurzem die Nummer 7000 geknackt, was fast 20(!) Jahre tägliche Blogposts bedeutet. Fast noch beeindruckender ist, dass er nach seiner eigenen Aussage aber pro Jahr ca. 1000 Artikel verfasst, von denen aber nur ca. 400 postet. Außerdem hat er insgesamt 18 Bücher geschrieben von denen mehrere Bestseller geworden sind. Ganz nebenbei hat er viele kostenlose eBooks zu Themen des Entrepreneurships, Marketings aber auch zum aktuellen Schulsystem und was daran falsch ist geschrieben (Titel: „Stop stealing dreams“ – einfach auf google eingeben, kann ich jedem nur empfehlen). Er hat mehrere Firmen gegründet und ist gefragter Keynote Speaker aufgrund seiner erfrischenden und innovativen Denkweise.

Jetzt aber zu seinem Buch Linchpin. Das Wort bedeutet im englischen soviel wie Dreh- und Angelpunkt, oder auch Stütze. Es geht hauptsächlich darum wie man als Mitarbeiter, aber auch generell als Mensch unersetzlich wird. Ein „Linchpin“ ist nach Godin jemand der eigenständig die schwierigen Probleme löst, für die es kein Standardvorgehen und keine Regeln gibt. Jemand der die emotionale Arbeit leistet die schwierigen Gespräche zu führen und sich so lange in Probleme rein zu lehnen, bis diese gelöst sind. Kurz, jemand der emotionale Arbeit leistet. Kommt euch bekannt vor? Diejenigen die meinen Blog regelmäßig verfolgen, werden mit der Idee bereits vertraut sein.

Ein Linchpin wird von Godin eher als ein Künstler beschrieben. Jemand der genial darin ist Antworten zu finden, neue Verbindungen zu schaffen und neue Wege zu finden die Dinge zu erledigen. Persönlich fand ich auch die Aussage interessant, dass erst Expertise auf einem Gebiet zu genügend Einsichten in den „Status Quo“ führt, so dass man von dort aus ein Gebiet neu definieren oder neu erfinden kann. Man hat also viel bessere Chancen ein Feld umzukrempeln, wenn man den Status Quo besser kennt als jeder andere. Aus dem Buch Linchpin habe ich auch die Idee des „Handwerker Mindsets“ entliehen. So wie ein Handwerker stundenlang seine Arbeit „übt“ und zum Meister seines Handwerks wird, muss ein „Wissensarbeiter“ sein Handwerk ebenfalls üben und das besteht darin sich seinen Ängsten zu stellen – sich mit Menschen verbinden, erfinden, verkaufen, sich schwierigen Problemen stellen. Genau diese Art von „emotionaler Arbeit“ sollte vertieft werden. Das Erbringen dieser Art emotionaler Arbeit wird von Godin als Kunst definiert. Zwei meiner absoluten Lieblingszitate aus dem Buch:

Art is a personal gift that changes the recipient. The medium doesn’t matter. The intent does. Art is a personal act of courage, something one human does that creates change in another.

Art is the product of emotional labor. If it’s easy and risk free, it’s unlikely that it’s art.

Gerade das erste Zitat ist wunderschön und absolut wert etwas länger darüber nachzudenken.

2. Tools of Titans (Tim Ferriss)

Tools of Titans ist das 4. Buch von Tim Ferriss. Einige werden vielleicht seine „4-hour…“ Buchreihe kennen. Ferriss hat mit seinem ersten Buch „The 4 hour workweek“ den Begriff des „lifestyle designs“ geprägt. Den Hauptteil seines Vermögens hat Ferriss jedoch nicht durch sein eigenes Business BrainQuicken (welches er verkauft hat und welches zum Teil in seinem ersten Buch beschrieben wird) oder durch das Bücherschreiben verdient, sondern als Investor bzw. „Business Angel“ in Tech-Start-Ups im Silicon Valley. So hat er z.B. früh in Facebook und Twitter investiert.

Nachdem er eine Auszeit und etwas Abwechslung gesucht hat, startete er einen Podcast, die „Tim Ferriss Show“. Der Podcast ist so ziemlich der #1 Business Podcast auf iTunes und wurde zum Stand 2016 weit über 100.000.000 mal runtergeladen. Auf dem Podcast interviewt er Leute wie Richard Branson, Arnold Schwarzenegger, Jamie Foxx, den WordPress-Gründer Matt Mullenweg, aber auch weniger bekannte Leute welche, die absolute Speerspitze ihres Bereiches bilden. In dem Buch Tools of Titans destillierte Ferriss die absoluten Diamanten von über 200 Interviews in handlichen Profilen über jeden Interviewgast.

Das Buch ist unterteilt in 3 Kapitel – Health, Wealth und Wise. Durch die besondere Form ist das Buch schwer zusammen zu fassen, da es keine einzige große Theorie gibt, die das Buch durchzieht. Die Ansätze und Gedankengänge seiner Interviewpartner sind teilweise widersprüchlich, was das Buch so interessant macht. Die 10 Lieblings-Profile eines Lesers können völlig gegensätzlich zu einem anderen Leser sein und umgekehrt. Daher werde ich einfach drei meiner „liebsten“ Persönlichkeiten vorstellen, die mich mit am meisten beeindruckt haben und ihre interessantesten Theorien und Gedankengänge. Dazu muss ich sagen, dass mir die Eingrenzung sehr schwer fällt, da es so verdammt viele gute Profile gibt.

Scott Adams:

Adams ist der Schöpfer des Dilbert Comics, welcher in 19 Sprachen, über 2000 verschiedenen Zeitungen und 57 Ländern erschienen ist.

Zitat: „Losers have goals. Winners have systems.

Die dazugehörige Ansicht bzgl. „Ziele“ vs. „Systeme“ fand ich sehr interessant. Adams hat in seiner Lebensgestaltung keine statischen Ziele, sondern Systeme verfolgt, die ihm sogar bei einem ultimativen Scheitern übertragbare Fähigkeiten geben. Grundsätzlich stellt er sich die Frage „Welche anhaltende Fähigkeit oder Beziehung kann ich entwicklen?“ im Gegensatz zu „Welches kurzfristige Ziel kann ich erreichen?“. Ersteres beinhaltet einen potentiellen Schneeballeffekt, welcher dafür sorgt, dass man für die nächsten Projekte oder Vorhaben besser dasteht als vorher. Letzteres ist ein binäres bestehen/scheitern.

Als Beispiel gibt Adams das Blogging an. Als er damit anfing machte das eigentlich keinen Sinn, da es für ihn einen immensen Zeitaufwand bedeutete ohne wirklichen (monetären) Benefit. Schreiben ist aber eine Fähigkeit, welche Übung benötigt. Also war der erste Teil seines Systems das regelmäßige Schreiben als Übung. Er wusste zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht, wofür genau er üben würde, was es seiner Ansicht nach zu einem System und zu keinem Ziel macht. Der zweite Teil seiner Blogging Aktivität bestand in einer Art Entwicklung seiner Schreibertätigkeit. Er schreibt über eine große Anzahl von Themen und in verschiedenen „Stimmen“. Er wertete jeden Artikel bzgl. des Erfolgs bei den Lesern aus und was am besten ankam. Als dann das Wall Street Journal auf seinen Blog aufmerksam wurde und ihn anfragte, ein paar Gastartikel zu schreiben, wusste er schon, was gut bei den Lesern ankam und was nicht. Das führte dazu, dass seine Artikel sehr populär wurden. Richtig Geld haben die Artikel nicht gebracht, aber es hat schön in sein System des „öffentlichen Übens“ gepasst. Seine Beiträge auf dem Wall Street Journal und sein Blog führten dazu, dass Buchverlage ihn kontaktierten, was zu einem Buchvertrag führte. Der Buchvertrag führte zu Redneraufträgen (z.B auf Konferenzen), die wiederum mit aberwitzigen Summen entlohnt werden. Insgesamt führte sein Blogging zu mehreren Geschäftsmöglichkeiten. Schlussendlich kam also der große „Zahltag“ für sein System des Bloggings, aber er wusste zu Beginn nicht auf welchen Weg ihn das Bloggen bringen würde.

James Altucher:

Altucher ist ein amerikanischer Hedge Fonds Manager, Entrepreneur und Bestselling Autor. Er hat über 20 Firmen gegründet oder mitbegründet. 17 davon sind gescheitert, 3 haben mehrere Zehn-Millionen eingebracht.

Zitat: „Wenn dir keine 10 Ideen einfallen, dann lass dir 20 einfallen.“

Altucher übt sich jeden morgen darin 10 Ideen aufzuschreiben. Der Sinn dahinter ist ist es, den „Ideen Muskel“ und das Selbstvertrauen in die „on-demand“ Kreativität zu trainieren. Regelmäßige Übung ist also wichtiger als die Themen der 10 Ideen. Sein Tipp wenn man nicht 10 Ideen generieren kann. Einfach 20 Ideen generieren. Man hat meist zu hohe Ansprüche an seine eigenen Ideen. Perfektionismus ist der Feind in dieser Übung. Unser Gehirn versucht uns vor möglicher Scham zu bewahren, Scham davor mit einer Idee aufzukommen, welche peinlich und blöd ist. Der Trick ist es sein Gehirn in diesem Sinne abzuschalten und mit „schlechten“ Ideen zu kommen.

Der richtige Clou kommt noch: Anschließend teilt er sein Stück Papier in 2 Spalten. Links stehen die 10 Ideen und rechts der erste Schritt. Nur der allererste Schritt, den man machen müsste um mit dieser Idee zu beginnen. Kommt euch bekannt vor? Darüber habe ich erst vor kurzem im Zusammenhang mit „action this day“ geschrieben.

Hier eine Auswahl an Arten von Listen die er macht:

  • 10 alte Ideen, die ich neu machen kann
  • 10 lächerliche Dinge, die ich erfinden würde (z.B. die smarte Toilette)
  • 10 Bücher die ich schreiben kann
  • 10 Business Ideen für Google, Amazon, Twitter, etc.
  • 10 Leute denen ich Ideen zukommen lassen kann
  • 10 Podcast Ideen oder Videos die ich machen kann
  • 10 Industrien in denen ich den Mittelsmann umgehen kann
  • 10 Dinge denen ich widerspreche, bei denen alle anderen glauben es ist „Religion“ (z.B. College, Hausbesitz, Wahlen, Ärzte, etc.)
  • 10 alte Blogbeiträge von mir, aus denen ich Bücher machen kann
  • 10 Dinge, die ich gestern gelernt habe
  • 10 Wege, wie ich Zeit sparen könnte
  • 10 Dinge, die ich von X gelernt habe (X kann ein Mensch, Buch oder sonstiges sein)
  • 10 Dinge in denen ich daran interessiert bin, besser zu werden
  • 10 Dinge an denen ich als Kind interessiert war und bei denen es spaßig sein könnte sie jetzt zu erkunden
  • 10 Wege wie ich ein Problem lösen könnte, welches ich gerade habe

Derek Sivers:

Sivers ist ein Tausendsassa. Angefangen hat er als professioneller Musiker, arbeitete zwischendurch als Zirkusclown (kein Scherz) und brachte sich selbst das Programmieren bei. 1998 gründete er CD Baby. Die Firma wurde zum größten Online Verkäufer von Independent-Musik. 2008 verkaufte Sivers CD Baby für 22 Millionen Dollar.

Zitat: „Wenn (mehr) Informationen die Antwort ist, dann wären wir alle Milliardäre mit perfekten Bauchmuskeln.“

Kommentar von Tim Ferriss dazu: „Es kommt nicht darauf an was du weißt, sondern darauf was du konsequent tust.

Sivers Profil würde ich am liebsten 1:1 hier rein kopieren, aber das würde den Rahmen des Artikels endgültig sprengen. Es gibt einfach zu viele Weisheiten von ihm, teilweise in einem Einzeiler. Einige davon sind folgende:

  • Wie kann man in einer unbekannten Zukunft gedeihen? Wähle den Plan mit den meisten Optionen. Der beste Plan ist derjenige, welcher dich die Pläne ändern lässt.
  • Sei teuer. Anmerkung von mir: Jeder der sich schonmal mit Preisbildung für sein eigenes Produkt oder Dienstleistung beschäftigt hat, wird damit etwas anfangen können. Das Preisrennen gen Boden kann man als Kleinunternehmer nicht gewinnen. Gegen Amazon und die anderen Riesen kommt man nicht an, weswegen man teuer sein muss. Sei Premium und sorge dafür, dass der Wert deiner Leistung dazu passt und du passend zum Preis ablieferst.
  • Rechne mit Katastrophen
  • Besitze so wenig wie möglich

Eine andere Lebensphilosophie, die ich sehr interessant finde: „Sei kein Esel.“ Der Hintergrund dazu: Der Satz war die Antwort auf die Frage von Ferriss welchen Ratschlag Sivers seinem 30-jährigen Selbst geben würde. Nach seiner Erfahrung versuchen 30-jährige sich in viele verschiedene Richtungen zu entwickeln, verzeichnen aber in keiner einzigen so richtige Fortschritte. Sie sind frustriert darüber, dass die Welt sie zwingt sich für eine Sache zu entscheiden, weil sie alles machen wollen. Das Problem dabei ist, dass sie eine kurzfristige Denkweise haben und handeln so als ob sie nichts schaffen würden, wenn sie nicht noch in dieser Woche für alle Bereiche etwas tun. Die Lösung ist es langfristig zu denken. Zu realisieren, dass man eine Sache für ein paar Jahre machen kann, dann eine andere Sache für ein paar Jahre und dann noch eine andere. Es gibt dazu eine passende Fabel: Ein Esel steht in der Mitte zwischen einem Haufen Heu und einem Eimer Wasser. Er schaut immer abwechselnd nach links zum Heu und nach rechts zum Wasser und versucht sich zu entscheiden. Heu oder Wasser, Heu oder Wasser? Er ist unfähig zu entscheiden und bricht schließlich vor lauter Hunger und Durst zusammen und stirbt. Ein Esel kann nicht an die Zukunft denken. Wenn er es würde, würde er feststellen, dass er zuerst zum Wasser gehen kann und anschließend zum Heu. Also ist der Ratschlag an sein 30-jähriges Selbst kein Esel zu sein. Man kann alles machen was man will. Man braucht nur Weitblick und Geduld.

Was ich persönlich bei Sivers noch absolut faszinierend finde, ist seine Art businessbezogene Entscheidungen zu treffen. Es gibt eine sehr unterhaltsame Geschichte von ihm wie er zu Beginn seiner Firma CD Baby das Business Modell und die Preisgestaltung festgelegt hat. Er lebte damals in Woodstock, New York und es gab in der Stadt einen kleinen Plattenladen, der CDs von lokalen Musikern verkauft hat. Also ist Sivers einfach in den Laden gegangen und fragte: „Hey, wie funktioniert das hier wenn ich eine CD verkaufen will?“ Und sie sagten: „Naja, du legst den Verkaufspreis so fest wie es dir passt. Wir behalten lediglich 4$ von jeder verkauften CD. Komm einfach jede Woche vorbei und wir bezahlen dich.“. Also ging Sivers nach Hause, setzte sich an seine Webseite und schrieb: „Du legst den Verkaufspreis fest wie du magst, wir behalten lediglich 4$ pro verkaufter CD und wir bezahlen dich jede Woche.“ Dann stellte er fest, dass es ihn 45 Minuten Zeit kostete, um ein Album in sein System zu übertragen. Er dachte sich, dass 45 Minuten seiner Zeit 25$ wert wären. Also würde er 25$ als einmalige Einrichtungsgebühr verlangen. Und dann dachte er „Oooooh, in meinem Kopf hören sich 25$ und 35$ nicht großartig anders an, wenn es um Kosten geht. 10$ wäre was anderes und 50$ wäre was anderes. Aber 25$ und 35$ ist irgendwie das Gleiche. Also werde ich einfach 35$ festlegen. Das gibt mir die Möglichkeit jedem der danach fragt einen Nachlass zu gewähren. Wenn jemand am Telefon ist und einen sauren Eindruck macht, dann kann ich sagen ‚Hey, weißt du was? Ich gebe dir einen Rabatt.“ Und so machte er es dann. 35$ einmalige Einrichtungsgebühr und 4$ pro verkaufter CD und das war’s dann für die nächsten 10 Jahre. Das war sein ganzes Business Modell, welches er in 5 Minuten dadurch generierte, dass er in einen lokalen Plattenladen ging und die Leute dort fragte wie sie das machen.

Ich persönlich finde das absolut genial. Das zeigt, dass ein Business Plan oder Modell nicht hochkompliziert und anspruchsvoll sein muss. KISS – Keep It Simple, Stupid.

Es gibt noch viel, viel mehr coole Geschichten von Derek Sivers. Am besten hört ihr euch die Podcast Folge mit ihm und Tim Ferriss selbst an:

https://tim.blog/2015/12/14/derek-sivers-on-developing-confidence-finding-happiness-and-saying-no-to-millions/

Insgesamt ist das Buch sehr gut als Abendlektüre im Bett geeignet. Man kann es durchblättern und sich schnell und bündig durchlesen wie ein bestimmter Mensch das Leben sieht und wie er handelt. Sehr gut zum stöbern geeignet.

Da der Artikel insgesamt sehr lang geworden ist, habe ich ihn in zwei Teile gesplittet. Nächste Woche kommt dann der zweite Teil mit den drei anderen Büchern.

Stay tuned! 😉

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