Archiv für den Monat: Dezember 2017

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Die Macht und der Fluch unseres Gehirns

Zwei Vertriebsangestellte eines Schuhherstellers werden nach Afrika auf Feldreise geschickt, um den Markt zu sondieren und einen Bericht abzuliefern. Der erste Vertriebler kommt zurück, ganz deprimiert und niedergeschlagen. Er berichtet: „Es ist hoffnungslos. Keiner trägt Schuhe. Das ist kein Markt für uns“.

Der zweite Vertriebler kehrt ganz enthusiastisch und aufgekratzt zurück und berichtet: „Super Nachrichten. Keiner hat Schuhe. Die Wachstumschancen sind enorm. Der Markt hat sehr viel Potential für uns.“

Einer sieht keine Schuhe und alle Indizien weisen auf eine hoffnungslose Situation. Der andere sieht die selben Dinge und für ihn deutet alles auf reichhaltige Chancen. Jeder der beiden kommt mit seiner eigenen Perspektive nach Afrika und jeder kehrt mit einer anderen Geschichte zurück. Das Leben wird uns in Erzählform präsentiert. Es sind alles Geschichten die wir uns erzählen.

Die Wurzeln dieses Phänomens reichen viel weiter als nur die individuelle Einstellung oder der Charakter einer Person. Experimente der Neurowissenschaften haben ergeben, dass wir unsere Umwelt in ungefähr folgender Reihenfolge wahrnehmen: zuerst beliefern uns unsere Sinne mit einer Auswahl von dem was tatsächlich passiert, zweitens konstruiert unser Gehirn aus diesen Sinneseindrücken seine eigene Nachbildung und erst dann haben wir drittens unsere erste bewusste Erfahrung der Umwelt. D.h. die Welt dringt in unser Bewusstsein in Form einer bereits vorgezeichneten Karte ein, einer bereits erzählten Geschichte, einer Hypothese, einer Konstruktion unserer eigenen Montage.

Wir nehmen nur die Sinneseindrücke wahr auf die wir evolutionstechnisch programmiert sind und das sind meistens Informationen die kritisch für unser Überleben sind. Weiterhin ist unsere Wahrnehmung darauf beschränkt, dass wir nur wahrnehmen können wofür wir bereits eine mentale Karte oder vorsortierte Kategorie haben.

Wir sehen also nur eine Karte der Welt, nicht die Welt selber. Was ist das also für eine Karte die wir uns selber zeichnen? Die Antwort finden wir in der Realität der Biologie. Das Überleben des Stärksten. Wir nehmen nur Dinge wahr, die uns in erster Linie dazu dienen die Gefahren des Lebens zu erkennen und erfolgreich zu vermeiden.

In einem weiteren berühmten Experiment wurde dem äthiopischen Volksstamm der Bodi eine Fotografie gezeigt mit Menschen und Tieren darauf. Den Bodi war es nicht möglich das zweidimensionale Bild zu „lesen“. Sie haben das Papier befühlt und beschnüffelt, haben die Fotografie zerknüllt und auf das raschelnde Geräusch gehört, haben kleine Stückchen davon abgebissen und darauf rumgekaut, um das Foto zu schmecken. Sie konnten die Menschen und Tiere darauf nicht wieder erkennen, einfach weil sie kulturell keine mentale Karte für die Interpretation der Fotografie vorliegen hatten. Und doch setzen Menschen in unserer Kultur die Fotografie und das reale Objekt welches die Fotografie zeigt, selbstverständlich gleich, obwohl das eine eine Abstraktion des anderen ist.

Ein Mann erkannte in einem Zug Pablo Picasso und fragte ihn wieso er Menschen nicht so zeichne wie sie in der Realität seien. Picasso fragte den Mann was er genau damit meine. Der Mann öffnete seine Brieftasche, nahm ein Foto von seiner Frau heraus und sagte „Das ist meine Frau“. Picasso antwortete „Ist sie nicht eher klein und flach?“

Unser Verstand ist auch drauf ausgelegt Ereignisse zu einem Handlungsstrang aneinander zu reihen, egal ob es eine Verbindung zwischen den einzelnen Teilen gibt oder nicht. Wir produzieren gerne Begründungen für unsere Taten, damit diese logisch, konsequent, plausibel und so als ob sie durch das Prinzip von Ursache und Wirkung geleitet sind, unabhängig davon ob diese „Begründungen“ die wahren Beweggründe unserer Taten darstellen.

Experimente mit Leuten die Verletzungen zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte erlitten haben (die Gehirnhälften konnten nicht mehr miteinander „kommunizieren“), zeigten folgendes verblüffendes Phänomen. Wenn die rechte Gehirnhälfte angewiesen wurde die Tür zu schließen (den Patienten wurde das rechte Auge abgedeckt und die Anweisung wurde nur vom linken Auge gelesen, welches von der rechten Gehirnhälfte gesteuert wird) hat die linke Gehirnhälfte unabhängig davon eine Begründung fabriziert wie „Oh, ich habe einen Luftzug gespürt“.

Das heißt im Grunde, dass alles erfunden ist. Das Leben das uns passiert, das wir wahrnehmen ist eine Geschichte die wir uns selbst erzählen. Und wenn eh alles erfunden ist, dann kann ich mir auch genauso gut eine Geschichte mit Bedeutung erzählen, eine die die Qualität meines Lebens und des Lebens der Personen in meinem Umfeld verbessert.

Der Rahmen den unser Verstand kreiert, definiert – und behindert – was wir als möglich erachten. Jedes Problem, jedes Dilemma, jede Sackgasse der wir uns im Leben stellen müssen, erscheint nur innerhalb eines bestimmten Rahmens unlösbar. Vergrößere den Rahmen oder kreiere einen neuen Rahmen um die Randbedingungen herum und die Probleme verschwinden, während sich neue Gelegenheiten auftun. Wir sollten uns also immer daran erinnern, dass alles eine Geschichte ist die wir uns erzählen und dass alles erfunden ist. Nicht nur einiges davon, sondern wirklich alles. Jede Geschichte basiert auf einem Netzwerk von versteckten Annahmen. Wenn du lernst diese wahrzunehmen und auseinander zu halten, wirst du auch in der Lage sein durch diese Barrieren zu stoßen und eine neue, positive Erzählung mit den für dich förderlichen Konditionen zu erfinden.

Also, wer ist dabei und verkauft mit mir Schuhe in Afrika? 🙂

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Meine 5 Lieblingsbücher 2017 – Teil 2

Und weiter geht’s mit dem zweiten Teil meiner 5 Lieblingsbücher aus diesem Jahr.

3. So Good They Can’t Ignore You (Cal Newport)

Cal Newport ist ein Professor der Computer Wissenschaften an der Georgetown University. Mit seinem Buch „So good they can’t ignore you“ vertritt er die Meinung dass Skill (Fähigkeiten/Fertigkeiten) immer „Passion“ (Leidenschaft) auf der Suche nach erfüllender und bedeutungsvoller Arbeit schlägt. „Folge deiner Leidenschaft“ ist seiner Ansicht nach ein ganz schlechter Ratschlag, den man nicht befolgen sollte.

Angefangen hat alles damit dass Newport sich die Frage gestellt hat wieso es Leute gibt die in ihrem Beruf glücklich sind und welche die es nicht sind und wieso das so ist.

Er schreibt, dass jemand eine Befragung mit Assistentinnen / Sekretärinnen durchgeführt hat. Heraus kam, dass die Glücklichsten diejenigen waren, die die meiste Berufserfahrung hatten und am längsten diesen Job ausgeführt haben. Wie kam das? Die Begründung war, dass die erfahrensten Frauen einen Expertenstatus erreicht hatten und damit viel Kontrolle über ihren Job hatten. Diese wurde ihnen auf Grundlage ihrer immensen Erfahrung und guten Arbeitsleistung von ihren Vorgesetzten zugestanden. Und Kontrolle / Freiheiten zu haben macht einen glücklich.

Von diesem Punkt aus ist Newport darauf gekommen, dass der Ratschlag seiner „Leidenschaft“ zu folgen nicht nur falsch, sondern auch schädlich ist. Viele Leute geben ihre bisher gesammelte Berufserfahrung in einem Gebiet auf, um dann etwas völlig anderes zu machen, von dem sie meinen, dass es ihre Leidenschaft ist. Auf diesem Gebiet haben sie dann im Vergleich zu anderen nur sehr wenig Wissen / Erfahrung und können gar nicht so gut sein wie ihre Wettbewerber, weswegen sich dann meist kein Erfolg einstellt. Und ohne Erfolg wird man unglücklich. Bei einigen führt das dann dazu, dass sie rastlos werden und von einem „Ding“ zum nächsten springen und nie glücklich werden.

Mit am besten fand ich folgendes Konzept: Man muss erstmal in etwas gut sein, bevor man einen guten Job erwarten kann.

Es gibt 3 Faktoren um sich intrinsisch für seine Arbeit zu motivieren:

    • Unabhängigkeit: Das Gefühl, dass man die Kontrolle über seinen Tag hat und dass die eigenen Handlungen wichtig sind
    • Kompetenz: Das Gefühl, dass man gut ist in dem was man tut.
    • Verbundenheit: Das Gefühl, dass man mit anderen Leuten verbunden ist.

Daraus folgt folgende Schlussfolgerung von ihm: „Richtig zu arbeiten“ schlägt die „richtige Arbeit“.

Aus diesem Buch habe ich auch das Konzept des „Handwerker mindsets“ im Gegensatz zum „Leidenschafts Mindset“ entnommen. Das erstere basiert auf der Frage was man selber der Welt zu bieten hat im Gegensatz zum letzteren welches darauf basiert was die Welt einem bieten kann. Auf dieses Konzept bin ich in einem früheren Artikel schonmal näher eingegangen.

Im Schatten dieser großen, übergreifenden Theorie des Buches schwimmen viele kleine, interessante Theorien mit, wie die der „bedachtsamen Übung“ (deliberate practice). Wenn man in einer Sache richtig gut werden will, dann muss man nicht nur irgendwie üben, sondern bedachtsam üben. Quasi mit einem Plan. Dies ist auch ein Teil der 10.000 Stunden Regel, die Malcolm Gladwell populär gemacht hat und die besagt, dass man eine Sache 10.000 Stunden bedachtsam üben muss um darin Weltklasse Status zu erreichen.

Insgesamt fand ich das Buch sehr interessant. Es rückt einem etwas den Kopf zurecht und macht einem klar, auf was es eigentlich im Leben ankommt und dass berufliche oder professionelle Expertise einen großen Teil des Lebensglücks ausmacht. Diese erreicht man aber nur durch „blood, toil, tears and sweat“ (Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß) wie Churchill es so schön auszudrücken wusste. Gemütlichkeit und Komfort im Leben ist nicht das Ziel und macht einen auch nicht glücklich. Es ist sogar hinderlich und das ist das verwirrende in der heutigen Zeit in der wir leben. Die Medien wollen einem das Konzept von Convenience / Bequemlichkeit verkaufen und dass dein Lebensglück nur einen Klick, nur einen weiteren Kauf von irgendeinem Tand entfernt ist, den man sowieso nicht braucht. Leider müssen wir Menschen erst durch die unbequeme Wand der Komfortzone stoßen um zu wachsen und dadurch Lebensglück zu erfahren.

4. The Magic of Thinking Big

Dieses Buch ist ein schöner, richtig kitschiger, typisch amerikanischer „Klassiker“ aus dem Jahr 1959. Nach der Lektüre dieses Buches kann man auch ein wenig nachvollziehen wo die amerikanische Art zu denken herkommt und wie es in den 50’er bis 80’er Jahren sein musste, den „american dream“ zu leben (oder zumindest hinterher zu jagen). Ich meine das jetzt gar nicht negativ, das Buch fand ich nämlich herrlich unterhaltend und leicht zu lesen. Auch lehrreich und motivierend.

Der Leitfaden dieses Buches beschäftigt sich damit, dass wir Menschen das Produkt unseres Denkens sind. Leider denken die meisten Leute „klein“, bzw. werden auch durch ihr Umfeld zu kleinem Denken gezwungen und dementsprechend können sie ihr Potenzial nicht voll entfalten und sind nicht so erfolgreich wie sie es sein könnten, wenn sie „groß“ denken würden.

In dem Buch lassen sich viele tolle Sprüche rund um das Thema „Erfolg“ finden, viele sind Zitate von Persönlichkeiten der Vergangenheit.

Wie z.B. folgende:

Great men are those who see that thoughts rule the world.“ – Ralph Waldo Emerson

Life is too short to be little“ – Benjamin Disraeli

Das Buch lässt sich am besten mit den Überschriften der Kapitel zusammenfassen, da diese schon viel über den zu erwartenden Inhalt wiedergeben:

  • Glaube daran, dass du Erfolg haben wirst und du wirst ihn haben
  • Heile dich von der „Entschuldigungskrankheit“ – die Misserfolg Krankheit
  • Baue Selbstvertrauen auf und zerstöre die Angst
  • Wie man groß denkt
  • Wie man kreativ denkt und träumt
  • Du bist, was du denkst was du bist
  • Manage deine Umgebung: Werde Erste Klasse
  • Mache deine Einstellungen zu deinem Verbündeten
  • Denke richtig gegenüber Leuten
  • Bekomme die „Taten-Gewohnheit“
  • Wie man eine Niederlage zu einem Sieg macht
  • Verwende Ziele um dir beim Wachstum zu helfen
  • Wie man wie ein Anführer denkt

In dem Buch werden viele Beispiele aus dem Leben des Autors und seine Erfahrungen mit anderen Leuten wiedergegeben. Wenn man sich auf das „mindset“ in diesem Buch einlässt, dann kann man mit Sicherheit das ein oder andere für sich herausziehen, wenn man sich mit dem Thema „Erfolg“ beschäftigen möchte.

5. The Obstacle Is the Way

The Obstacle Is the Way ist von Ryan Holiday, einem meiner absolut liebsten Autoren dieses Jahr. Neben seinen zahlreichen Büchern (Trust Me I’m Lying – Confessions of a Media Manipulator, Ego Is the Enemy, Growth Hacker Marketing, The Daily Stoic) schreibt er regelmäßig Artikel für den New York Observer in der Kategorie Business und für thoughtcatalog.com. Ich denke Ryan Holiday war der erste Autor der mich in die stoischen Lehren eingeführt hat.

In dem Buch nimmt Holiday die Lehren von Marc Aurel, Seneca, Epiktet und anderen Begründern des Stoizismus und erklärt ihre Lehren auf moderne Art und Weise. Das ganze untermauert er mit anschaulichen Geschichten aus der aktuellen und jüngst vergangenen Zeit anhand von „großen“ Persönlichkeiten wie John D. Rockefeller, Abraham Lincoln, Thomas Edison, Theodore Roosevelt und Steve Jobs, nur um einige der berühmteren Namen zu nennen.

Am besten wird das Buch durch die zeitlosen Worte von Marc Aurel zusammengefasst (der englischen Fassung meines Exemplars wegen hier im „Original“ wiedergegeben):

Our actions may be impeded… but there can be no impeding our intentions or dispositions. Because we can accommodate and adapt. The mind adapts and converts to its own purposes the obstacle to our acting.

The impediment to action advances action.What stands in the way becomes the way.

Das Buch ist unterteilt in 3 Kapitel:

  • Wahrnehmung
  • Handlung
  • Wille

Wahrnehmung: Hier geht es im Groben darum, dass man die Welt ganz objektiv betrachten sollte. Meistens nehmen wir Dinge die uns passieren nicht objektiv wahr, sondern werten sie gleich. Unser Gehirn ist ein Meister darin die Wertung recht extrem ausfallen zu lassen und so malen wir uns gleich das absolute Horrorszenario aus. Die Abhilfe die Ryan Holiday (und die Stoiker) dagegen empfehlen wären folgende:

  • objektiv sein
  • Emotionen unter Kontrolle halten
  • zu wählen das Gute in jeder Situation zu sehen
  • die Nerven behalten
  • ignorieren was andere stört und limitiert
  • die Dinge in die richtige Perspektive rücken
  • in den Moment zurückkehren und sich nur auf die vorliegenden Fakten zu konzentrieren
  • sich auf das fokussieren was man kontrollieren kann

Die Disziplin der Handlung: Probleme und Hindernisse sollten nicht nur irgendwie angegangen werden, sondern mit gerichteter Handlung. Dabei sollte man sich auf die Dinge konzentrieren, die man selbst unter Kontrolle hat und diese Schritt für Schritt abarbeiten, um das Hindernis aus dem Weg zu schaffen und seinen Zielen näher zu kommen. Dazu muss man beharrlich sein und sich so  lange in seine Probleme „verbeissen“, bis man diese gelöst hat.

Diesbezüglich führt Holiday z.B. an, dass man im Business die meisten Fehlschläge nicht persönlich nimmt und versteht, dass sie Teil des Prozesses sind. Da muss ich Holiday widersprechen. So sollte es in einer idealen Welt aussehen, aber in Wirklichkeit ist das aus meiner persönlichen Erfahrung nicht so. Trotzdem gibt er eine aus meiner Sicht gute Definition eines Entrepreneurs.

Ein Entrepreneur ist jemand der:

  • mit einer bestimmten Position oder Einstellung nicht „verheiratet“ ist
  • niemals Angst hat einen kleinen Teil seines Investments zu verlieren
  • niemals verbittert oder beschämt ist
  • niemals zu lange aus dem Spiel raus ist
  • jemand der oft ausrutscht, aber niemals hinfällt.

Dazu muss man von seinen Fehlern lernen und sich an den Prozess halten. Dieser konzentriert sich darauf die richtigen Dinge, jetzt zu tun und sich nicht auf die Ergebnisse zu konzentrieren oder darauf was in der Zukunft passieren mag.

Der Wille: Der Wille ist unsere innere Kraft, die nicht durch die äußere Welt beeinflusst werden kann. Um uns unseren Willen zu nutze zu machen, müssen wir uns folgendes bewusst machen:

  • sei immer vorbereitet auf schlechtere Zeiten
  • akzeptiere immer das was du nicht ändern kannst
  • manage immer deine Erwartungen
  • halte immer durch
  • lerne immer dein Schicksal und was dir passiert zu lieben
  • beschütze immer dein inneres Selbst
  • beuge dich immer dem „größeren“, ganzen Grund
  • erinnere dich immer an deine Sterblichkeit
  • und vor allem sei darauf vorbereitet den ganzen Zyklus von vorne zu starten

Mich persönlich hat die stoische Lebenshaltung tief beeindruckt. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese Philosophie über 2000 Jahre alt ist. Wir bilden uns heutzutage ein, dass wir eine so weit entwickelte Kultur sind und schaffen es doch nicht die einfachsten (und oft wichtigsten) Dinge des Lebens zu erfassen. Wir lassen uns verwirren und verängstigen und trauen uns nicht das zu tun was getan werden muss, um unser Lebensglück zu finden. Und gerade deshalb finde ich, dass der Stoizismus in unserer heutigen Zeit, wo das Leben auf maximale Unterhaltung, Bespaßung und Komfort ausgelegt ist, passender und wichtiger denn je ist.

Das waren also meine Top 5 Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ich hoffe ich konnte euch den Inhalt des ein oder anderen Buches näher bringen und euch neugierig auf den tieferen Inhalt machen. Denn nichts geht darüber diese Bücher selbst zu lesen – in ihrer ganzen Vollständigkeit – um die jeweils dahinter liegenden Philosophien und Ansichten ganzheitlich fassen zu können.

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Meine 5 Lieblingsbücher des Jahres 2017 – Teil 1

Heute mal ein etwas anderer Artikel. Ich wollte euch meine persönlichen Highlights an Büchern vorstellen, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Die folgenden 5 Bücher haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und mein Denken nachhaltig verändert. Viel Spaß beim reinstöbern und nicht vergessen: nichts geht über die Lektüre des Originals.

1. Linchpin (Seth Godin)

Linchpin von Seth Godin habe ich im Original auf Englisch gelesen. Seth Godin ist meiner Meinung nach einer der bemerkenswertesten Marketer der heutigen Zeit. Er führt einen Blog auf dem er jeden Tag einen Blogpost macht. Er hat erst vor kurzem die Nummer 7000 geknackt, was fast 20(!) Jahre tägliche Blogposts bedeutet. Fast noch beeindruckender ist, dass er nach seiner eigenen Aussage aber pro Jahr ca. 1000 Artikel verfasst, von denen aber nur ca. 400 postet. Außerdem hat er insgesamt 18 Bücher geschrieben von denen mehrere Bestseller geworden sind. Ganz nebenbei hat er viele kostenlose eBooks zu Themen des Entrepreneurships, Marketings aber auch zum aktuellen Schulsystem und was daran falsch ist geschrieben (Titel: „Stop stealing dreams“ – einfach auf google eingeben, kann ich jedem nur empfehlen). Er hat mehrere Firmen gegründet und ist gefragter Keynote Speaker aufgrund seiner erfrischenden und innovativen Denkweise.

Jetzt aber zu seinem Buch Linchpin. Das Wort bedeutet im englischen soviel wie Dreh- und Angelpunkt, oder auch Stütze. Es geht hauptsächlich darum wie man als Mitarbeiter, aber auch generell als Mensch unersetzlich wird. Ein „Linchpin“ ist nach Godin jemand der eigenständig die schwierigen Probleme löst, für die es kein Standardvorgehen und keine Regeln gibt. Jemand der die emotionale Arbeit leistet die schwierigen Gespräche zu führen und sich so lange in Probleme rein zu lehnen, bis diese gelöst sind. Kurz, jemand der emotionale Arbeit leistet. Kommt euch bekannt vor? Diejenigen die meinen Blog regelmäßig verfolgen, werden mit der Idee bereits vertraut sein.

Ein Linchpin wird von Godin eher als ein Künstler beschrieben. Jemand der genial darin ist Antworten zu finden, neue Verbindungen zu schaffen und neue Wege zu finden die Dinge zu erledigen. Persönlich fand ich auch die Aussage interessant, dass erst Expertise auf einem Gebiet zu genügend Einsichten in den „Status Quo“ führt, so dass man von dort aus ein Gebiet neu definieren oder neu erfinden kann. Man hat also viel bessere Chancen ein Feld umzukrempeln, wenn man den Status Quo besser kennt als jeder andere. Aus dem Buch Linchpin habe ich auch die Idee des „Handwerker Mindsets“ entliehen. So wie ein Handwerker stundenlang seine Arbeit „übt“ und zum Meister seines Handwerks wird, muss ein „Wissensarbeiter“ sein Handwerk ebenfalls üben und das besteht darin sich seinen Ängsten zu stellen – sich mit Menschen verbinden, erfinden, verkaufen, sich schwierigen Problemen stellen. Genau diese Art von „emotionaler Arbeit“ sollte vertieft werden. Das Erbringen dieser Art emotionaler Arbeit wird von Godin als Kunst definiert. Zwei meiner absoluten Lieblingszitate aus dem Buch:

Art is a personal gift that changes the recipient. The medium doesn’t matter. The intent does. Art is a personal act of courage, something one human does that creates change in another.

Art is the product of emotional labor. If it’s easy and risk free, it’s unlikely that it’s art.

Gerade das erste Zitat ist wunderschön und absolut wert etwas länger darüber nachzudenken.

2. Tools of Titans (Tim Ferriss)

Tools of Titans ist das 4. Buch von Tim Ferriss. Einige werden vielleicht seine „4-hour…“ Buchreihe kennen. Ferriss hat mit seinem ersten Buch „The 4 hour workweek“ den Begriff des „lifestyle designs“ geprägt. Den Hauptteil seines Vermögens hat Ferriss jedoch nicht durch sein eigenes Business BrainQuicken (welches er verkauft hat und welches zum Teil in seinem ersten Buch beschrieben wird) oder durch das Bücherschreiben verdient, sondern als Investor bzw. „Business Angel“ in Tech-Start-Ups im Silicon Valley. So hat er z.B. früh in Facebook und Twitter investiert.

Nachdem er eine Auszeit und etwas Abwechslung gesucht hat, startete er einen Podcast, die „Tim Ferriss Show“. Der Podcast ist so ziemlich der #1 Business Podcast auf iTunes und wurde zum Stand 2016 weit über 100.000.000 mal runtergeladen. Auf dem Podcast interviewt er Leute wie Richard Branson, Arnold Schwarzenegger, Jamie Foxx, den WordPress-Gründer Matt Mullenweg, aber auch weniger bekannte Leute welche, die absolute Speerspitze ihres Bereiches bilden. In dem Buch Tools of Titans destillierte Ferriss die absoluten Diamanten von über 200 Interviews in handlichen Profilen über jeden Interviewgast.

Das Buch ist unterteilt in 3 Kapitel – Health, Wealth und Wise. Durch die besondere Form ist das Buch schwer zusammen zu fassen, da es keine einzige große Theorie gibt, die das Buch durchzieht. Die Ansätze und Gedankengänge seiner Interviewpartner sind teilweise widersprüchlich, was das Buch so interessant macht. Die 10 Lieblings-Profile eines Lesers können völlig gegensätzlich zu einem anderen Leser sein und umgekehrt. Daher werde ich einfach drei meiner „liebsten“ Persönlichkeiten vorstellen, die mich mit am meisten beeindruckt haben und ihre interessantesten Theorien und Gedankengänge. Dazu muss ich sagen, dass mir die Eingrenzung sehr schwer fällt, da es so verdammt viele gute Profile gibt.

Scott Adams:

Adams ist der Schöpfer des Dilbert Comics, welcher in 19 Sprachen, über 2000 verschiedenen Zeitungen und 57 Ländern erschienen ist.

Zitat: „Losers have goals. Winners have systems.

Die dazugehörige Ansicht bzgl. „Ziele“ vs. „Systeme“ fand ich sehr interessant. Adams hat in seiner Lebensgestaltung keine statischen Ziele, sondern Systeme verfolgt, die ihm sogar bei einem ultimativen Scheitern übertragbare Fähigkeiten geben. Grundsätzlich stellt er sich die Frage „Welche anhaltende Fähigkeit oder Beziehung kann ich entwicklen?“ im Gegensatz zu „Welches kurzfristige Ziel kann ich erreichen?“. Ersteres beinhaltet einen potentiellen Schneeballeffekt, welcher dafür sorgt, dass man für die nächsten Projekte oder Vorhaben besser dasteht als vorher. Letzteres ist ein binäres bestehen/scheitern.

Als Beispiel gibt Adams das Blogging an. Als er damit anfing machte das eigentlich keinen Sinn, da es für ihn einen immensen Zeitaufwand bedeutete ohne wirklichen (monetären) Benefit. Schreiben ist aber eine Fähigkeit, welche Übung benötigt. Also war der erste Teil seines Systems das regelmäßige Schreiben als Übung. Er wusste zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht, wofür genau er üben würde, was es seiner Ansicht nach zu einem System und zu keinem Ziel macht. Der zweite Teil seiner Blogging Aktivität bestand in einer Art Entwicklung seiner Schreibertätigkeit. Er schreibt über eine große Anzahl von Themen und in verschiedenen „Stimmen“. Er wertete jeden Artikel bzgl. des Erfolgs bei den Lesern aus und was am besten ankam. Als dann das Wall Street Journal auf seinen Blog aufmerksam wurde und ihn anfragte, ein paar Gastartikel zu schreiben, wusste er schon, was gut bei den Lesern ankam und was nicht. Das führte dazu, dass seine Artikel sehr populär wurden. Richtig Geld haben die Artikel nicht gebracht, aber es hat schön in sein System des „öffentlichen Übens“ gepasst. Seine Beiträge auf dem Wall Street Journal und sein Blog führten dazu, dass Buchverlage ihn kontaktierten, was zu einem Buchvertrag führte. Der Buchvertrag führte zu Redneraufträgen (z.B auf Konferenzen), die wiederum mit aberwitzigen Summen entlohnt werden. Insgesamt führte sein Blogging zu mehreren Geschäftsmöglichkeiten. Schlussendlich kam also der große „Zahltag“ für sein System des Bloggings, aber er wusste zu Beginn nicht auf welchen Weg ihn das Bloggen bringen würde.

James Altucher:

Altucher ist ein amerikanischer Hedge Fonds Manager, Entrepreneur und Bestselling Autor. Er hat über 20 Firmen gegründet oder mitbegründet. 17 davon sind gescheitert, 3 haben mehrere Zehn-Millionen eingebracht.

Zitat: „Wenn dir keine 10 Ideen einfallen, dann lass dir 20 einfallen.“

Altucher übt sich jeden morgen darin 10 Ideen aufzuschreiben. Der Sinn dahinter ist ist es, den „Ideen Muskel“ und das Selbstvertrauen in die „on-demand“ Kreativität zu trainieren. Regelmäßige Übung ist also wichtiger als die Themen der 10 Ideen. Sein Tipp wenn man nicht 10 Ideen generieren kann. Einfach 20 Ideen generieren. Man hat meist zu hohe Ansprüche an seine eigenen Ideen. Perfektionismus ist der Feind in dieser Übung. Unser Gehirn versucht uns vor möglicher Scham zu bewahren, Scham davor mit einer Idee aufzukommen, welche peinlich und blöd ist. Der Trick ist es sein Gehirn in diesem Sinne abzuschalten und mit „schlechten“ Ideen zu kommen.

Der richtige Clou kommt noch: Anschließend teilt er sein Stück Papier in 2 Spalten. Links stehen die 10 Ideen und rechts der erste Schritt. Nur der allererste Schritt, den man machen müsste um mit dieser Idee zu beginnen. Kommt euch bekannt vor? Darüber habe ich erst vor kurzem im Zusammenhang mit „action this day“ geschrieben.

Hier eine Auswahl an Arten von Listen die er macht:

  • 10 alte Ideen, die ich neu machen kann
  • 10 lächerliche Dinge, die ich erfinden würde (z.B. die smarte Toilette)
  • 10 Bücher die ich schreiben kann
  • 10 Business Ideen für Google, Amazon, Twitter, etc.
  • 10 Leute denen ich Ideen zukommen lassen kann
  • 10 Podcast Ideen oder Videos die ich machen kann
  • 10 Industrien in denen ich den Mittelsmann umgehen kann
  • 10 Dinge denen ich widerspreche, bei denen alle anderen glauben es ist „Religion“ (z.B. College, Hausbesitz, Wahlen, Ärzte, etc.)
  • 10 alte Blogbeiträge von mir, aus denen ich Bücher machen kann
  • 10 Dinge, die ich gestern gelernt habe
  • 10 Wege, wie ich Zeit sparen könnte
  • 10 Dinge, die ich von X gelernt habe (X kann ein Mensch, Buch oder sonstiges sein)
  • 10 Dinge in denen ich daran interessiert bin, besser zu werden
  • 10 Dinge an denen ich als Kind interessiert war und bei denen es spaßig sein könnte sie jetzt zu erkunden
  • 10 Wege wie ich ein Problem lösen könnte, welches ich gerade habe

Derek Sivers:

Sivers ist ein Tausendsassa. Angefangen hat er als professioneller Musiker, arbeitete zwischendurch als Zirkusclown (kein Scherz) und brachte sich selbst das Programmieren bei. 1998 gründete er CD Baby. Die Firma wurde zum größten Online Verkäufer von Independent-Musik. 2008 verkaufte Sivers CD Baby für 22 Millionen Dollar.

Zitat: „Wenn (mehr) Informationen die Antwort ist, dann wären wir alle Milliardäre mit perfekten Bauchmuskeln.“

Kommentar von Tim Ferriss dazu: „Es kommt nicht darauf an was du weißt, sondern darauf was du konsequent tust.

Sivers Profil würde ich am liebsten 1:1 hier rein kopieren, aber das würde den Rahmen des Artikels endgültig sprengen. Es gibt einfach zu viele Weisheiten von ihm, teilweise in einem Einzeiler. Einige davon sind folgende:

  • Wie kann man in einer unbekannten Zukunft gedeihen? Wähle den Plan mit den meisten Optionen. Der beste Plan ist derjenige, welcher dich die Pläne ändern lässt.
  • Sei teuer. Anmerkung von mir: Jeder der sich schonmal mit Preisbildung für sein eigenes Produkt oder Dienstleistung beschäftigt hat, wird damit etwas anfangen können. Das Preisrennen gen Boden kann man als Kleinunternehmer nicht gewinnen. Gegen Amazon und die anderen Riesen kommt man nicht an, weswegen man teuer sein muss. Sei Premium und sorge dafür, dass der Wert deiner Leistung dazu passt und du passend zum Preis ablieferst.
  • Rechne mit Katastrophen
  • Besitze so wenig wie möglich

Eine andere Lebensphilosophie, die ich sehr interessant finde: „Sei kein Esel.“ Der Hintergrund dazu: Der Satz war die Antwort auf die Frage von Ferriss welchen Ratschlag Sivers seinem 30-jährigen Selbst geben würde. Nach seiner Erfahrung versuchen 30-jährige sich in viele verschiedene Richtungen zu entwickeln, verzeichnen aber in keiner einzigen so richtige Fortschritte. Sie sind frustriert darüber, dass die Welt sie zwingt sich für eine Sache zu entscheiden, weil sie alles machen wollen. Das Problem dabei ist, dass sie eine kurzfristige Denkweise haben und handeln so als ob sie nichts schaffen würden, wenn sie nicht noch in dieser Woche für alle Bereiche etwas tun. Die Lösung ist es langfristig zu denken. Zu realisieren, dass man eine Sache für ein paar Jahre machen kann, dann eine andere Sache für ein paar Jahre und dann noch eine andere. Es gibt dazu eine passende Fabel: Ein Esel steht in der Mitte zwischen einem Haufen Heu und einem Eimer Wasser. Er schaut immer abwechselnd nach links zum Heu und nach rechts zum Wasser und versucht sich zu entscheiden. Heu oder Wasser, Heu oder Wasser? Er ist unfähig zu entscheiden und bricht schließlich vor lauter Hunger und Durst zusammen und stirbt. Ein Esel kann nicht an die Zukunft denken. Wenn er es würde, würde er feststellen, dass er zuerst zum Wasser gehen kann und anschließend zum Heu. Also ist der Ratschlag an sein 30-jähriges Selbst kein Esel zu sein. Man kann alles machen was man will. Man braucht nur Weitblick und Geduld.

Was ich persönlich bei Sivers noch absolut faszinierend finde, ist seine Art businessbezogene Entscheidungen zu treffen. Es gibt eine sehr unterhaltsame Geschichte von ihm wie er zu Beginn seiner Firma CD Baby das Business Modell und die Preisgestaltung festgelegt hat. Er lebte damals in Woodstock, New York und es gab in der Stadt einen kleinen Plattenladen, der CDs von lokalen Musikern verkauft hat. Also ist Sivers einfach in den Laden gegangen und fragte: „Hey, wie funktioniert das hier wenn ich eine CD verkaufen will?“ Und sie sagten: „Naja, du legst den Verkaufspreis so fest wie es dir passt. Wir behalten lediglich 4$ von jeder verkauften CD. Komm einfach jede Woche vorbei und wir bezahlen dich.“. Also ging Sivers nach Hause, setzte sich an seine Webseite und schrieb: „Du legst den Verkaufspreis fest wie du magst, wir behalten lediglich 4$ pro verkaufter CD und wir bezahlen dich jede Woche.“ Dann stellte er fest, dass es ihn 45 Minuten Zeit kostete, um ein Album in sein System zu übertragen. Er dachte sich, dass 45 Minuten seiner Zeit 25$ wert wären. Also würde er 25$ als einmalige Einrichtungsgebühr verlangen. Und dann dachte er „Oooooh, in meinem Kopf hören sich 25$ und 35$ nicht großartig anders an, wenn es um Kosten geht. 10$ wäre was anderes und 50$ wäre was anderes. Aber 25$ und 35$ ist irgendwie das Gleiche. Also werde ich einfach 35$ festlegen. Das gibt mir die Möglichkeit jedem der danach fragt einen Nachlass zu gewähren. Wenn jemand am Telefon ist und einen sauren Eindruck macht, dann kann ich sagen ‚Hey, weißt du was? Ich gebe dir einen Rabatt.“ Und so machte er es dann. 35$ einmalige Einrichtungsgebühr und 4$ pro verkaufter CD und das war’s dann für die nächsten 10 Jahre. Das war sein ganzes Business Modell, welches er in 5 Minuten dadurch generierte, dass er in einen lokalen Plattenladen ging und die Leute dort fragte wie sie das machen.

Ich persönlich finde das absolut genial. Das zeigt, dass ein Business Plan oder Modell nicht hochkompliziert und anspruchsvoll sein muss. KISS – Keep It Simple, Stupid.

Es gibt noch viel, viel mehr coole Geschichten von Derek Sivers. Am besten hört ihr euch die Podcast Folge mit ihm und Tim Ferriss selbst an:

https://tim.blog/2015/12/14/derek-sivers-on-developing-confidence-finding-happiness-and-saying-no-to-millions/

Insgesamt ist das Buch sehr gut als Abendlektüre im Bett geeignet. Man kann es durchblättern und sich schnell und bündig durchlesen wie ein bestimmter Mensch das Leben sieht und wie er handelt. Sehr gut zum stöbern geeignet.

Da der Artikel insgesamt sehr lang geworden ist, habe ich ihn in zwei Teile gesplittet. Nächste Woche kommt dann der zweite Teil mit den drei anderen Büchern.

Stay tuned! 😉

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Freiheit durch Disziplin

Hast du auch schonmal „erfolgreiche“ Leute beobachtet und dir gedacht: „wie zur Hölle schaffen die das?!“ Nehmen wir z.B. Richard Branson. Er hat im Laufe seiner unternehmerischen Laufbahn über 300 (!) Unternehmen aufgebaut. Man braucht ja nur mal auf Wikipedia in die Liste seiner Virgin Group Unternehmen zu schauen. Ganz „nebenbei“ engagiert er sich für Umweltschutz, verfolgt philanthropische Tätigkeiten, treibt sehr viel Sport (meistens auf seiner Privatinsel Necker Island), spricht auf vielen Veranstaltungen zu jungen Unternehmern, hat sich an einige Weltrekordversuche gewagt (z.B. Heißluftballonüberquerung des Atlantik) und hat nicht zuletzt eine Familie mit Frau und zwei Kindern. Von seiner verrückten Vergangenheit bestehend aus Sex, Drugs und Rock’n’Roll wollen hier erst gar nicht sprechen. Außerdem ist der Typ die Leichtigkeit in Person und anscheinend niemals gestresst. Also, wie zum Teufel schafft dieser Branson das?

Auf diese Frage wird es mit Sicherheit keine leichte und eindimensionale Antwort geben. Letzten Endes werden viele Faktoren mit in die Gleichung einfließen ob und wie erfolgreich jemand wird. Aber bei den vielen Biografien die ich inzwischen von vermeintlich erfolgreichen Leuten wie z.B. Steve Jobs, Winston Churchill, Arnold Schwarzenegger oder dem eben angesprochenen Richard Branson (Pardon, SIR Richard Branson) gelesen habe, kann man einen roten Faden erkennen. Eine Sache ist all diesen Leuten gemein. Jeder von ihnen legt eine unglaubliche Disziplin an den Tag. Wenn sie sich einmal an einer Sache festgebissen haben, dann brennen sie so dermaßen dafür, dass es sie erst wieder loslässt, wenn sie ihr Ziel erreicht haben.

Folgendes wird dir mit Sicherheit bekannt vorkommen. Wenn du mal eine Idee für etwas hast, dir etwas in den Kopf gesetzt hast oder einfach nur Feuer gefangen hast für ein bestimmtes Thema, dann bist du am Anfang ganz enthusiastisch und positiv aufgeregt. Du willst ganz schnell anfangen und alles sofort umsetzen und machen. Doch nach einiger Zeit, manchmal schon am nächsten Tag, erscheint dir die Idee oder das Vorhaben doch wieder nicht so gut. Du landest wieder im alten Trott. Sogar wenn du die Idee immer noch gut findest, so hat dich nach einigen Tagen oder Wochen der Feuereifer wieder verlassen und es wird mühselig. Wie vermeiden erfolgreiche Leute wie Richard Branson solche „Fallen“?

Was ich aus vielen Biografien herausgezogen habe:

1.) Wenn du einmal eine Entscheidung getroffen hast, dann hinterfrage diese nicht mehr, sondern arbeite an der Umsetzung.

Was genau meine ich damit? Was ich an mir selber und einigen anderen Leuten feststelle, ist, dass Entscheidungen keine wirklichen Ent-Scheidungen sind. Wir entscheiden nicht endgültig, sondern lassen uns noch eine Tür auf. Die Entscheidung ist oft nicht lange genug bis zum Schluss durchdacht worden und vor allem fehlt das „Commitment“, die Selbstverpflichtung darauf. Die Selbstverpflichtung ist fast noch der wichtigere Aspekt. Denn wenn es mal unangenehm wird (und das wird es früher oder später immer), dann sorgt das richtige Commitment auf die getroffene Entscheidung dafür, dass ich dran bleibe und nicht den nächstbesten leichten Ausweg nehme.

2.) Richte deine Umwelt so ein, dass sie zu deinen Zielen passt und nicht umgekehrt.

Ich stelle bei mir selber fest, dass ich meine Ziele und Vorhaben an meine aktuelle Lebenssituation und meine Umwelt anpasse. Das kommt mir ganz natürlich und normal vor. Ich habe nunmal den Job den ich habe, lebe in der Stadt in der ich lebe, habe Zugriff auf die Leute die ich nunmal kenne und benutze die Hilfsmittel mit denen ich mich auskenne. Wenn meine Ziele aber mit den Randbedingungen meines aktuellen Umfeldes nicht effizient zu erreichen sind, dann ist das ungefähr so als schiebe man eine riesige Steinkugel einen Berg hinauf. Idealerweise sollte man den Stein aber bergab rollen lassen. Soll heißen: gegen meine Umwelt komme ich nicht an (in dem Fall, dass meine Ziele gegenläufig zu meinem Umfeld sein sollten). Wenn ich das weiß, dann sollte ich lieber mein Umfeld so einrichten, dass es kongruent zu meinen Zielen ist. Als Arnold Schwarzenegger z.B. der beste Bodybuilder aller Zeiten werden wollte, ist er ins Mekka der Bodybuilding Szene gezogen – aus dem beschaulichen Thal in Österreich ins kalifornische Venice Beach – nur um sicherzugehen, mit den damals besten Bodybuildern zusammen trainieren zu können, von ihnen zu lernen, mit ihnen zusammen zu leben, um sich an der Spitze der Szene zu tummeln und möglichst viel Zeit mit den A-Spielern zu verbringen, um dann selber zur absoluten Speerspitze zu werden.

3.) Sofortiges Handeln

Es kam nicht selten vor, dass die Sekretärinnen von Winston Churchill sich bis 2 Uhr Nachts in Bereitschaft halten mussten um Diktate von ihm entgegen zu nehmen. Egal ob es um eines seiner nobelpreisträchtigen historischen Werke, politische Anweisungen als Premierminister oder einfach nur Ideen für die Umgestaltung seines Landsitzes handelte. Wenn ihm etwas im Kopf herumspukte, dann musste er sofort darauf handeln, und sei es auch nur den ersten Schritt zu tun und es irgendwo handschriftlich festzuhalten. Daraus ist auch seine berühmte „action this day“ Mentalität entstanden.

Wenn erstmal die Entscheidung mit der dazugehörigen Selbstverpflichtung gefällt wurde, das Umfeld an die eigenen Ziele angepasst wurde, dann müssen alle dieses Ziel betreffenden Ideen sofort in Handlungen umgesetzt werden. Nur so kommt man seinen Zielen konsequent Schritt für Schritt näher.

Diese drei Punkte von oben verlangen einem eine gehörige Portion Disziplin ab. Frag mich nicht wie man diese Disziplin konsistent an den Tag legt – ich habe dazu auch noch keine Lösung gefunden. Aber mir ist in diesem Zusammenhang eine Leuchte aufgegangen.

Disziplin bedeutet Freiheit

Die besten Dinge des Lebens liegen hinter der Grenze der Disziplin. Viele Dinge des Lebens die als erstrebenswert angesehen werden, können nur mit der ausreichenden Disziplin erreicht werden.

Ein schlanker Körper wird nur durch die richtige Ernährung und sportliche Betätigung erreicht. Einmal reicht da nicht. Deswegen benötigt es eine ordentliche Portion Disziplin um einen starken, gesunden Körper aufzubauen.

Eine liebevolle, verständnisvolle, erhebende Beziehung zu seinem Partner ist nur möglich, wenn man bereit ist die vielen, teils unangenehmen Gespräche zu führen und wirklich an der Beziehung zu arbeiten und diese aufzubauen. Auch das ist ohne Disziplin nicht möglich.

Beruflichen Erfolg zu haben, wie auch immer man diesen für sich persönlich misst, erfordert viel Übungszeit um in seiner Profession besser zu werden. Es erfordert viele unangenehme Gespräche zu führen, Verantwortung zu übernehmen und emotionale Arbeit zu leisten. Das hat ohne Disziplin mit Sicherheit noch keiner geschafft.

Wäre das nicht ein guter Vorsatz für das nächste Jahr? Jeden Tag mit etwas mehr Disziplin zu leben? Auch wenn es noch etwas früh ist für Neujahrsvorsätze….