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Action this day – Wie Du deine Ängste besiegst

Winston Churchill hatte zu seiner Zeit als Premierminister eine Leitmaxime gehabt: „Action this day“.

Egal welche Anweisungen er seinen Ministern oder Sekretärinnen gegeben hatte. Zumindest der erste Schritt musste noch am selben Tag ausgeführt werden, egal wie spät es war. Und bei Churchills Eigenheiten konnte das auch durchaus noch um 23 Uhr abends oder gar um 2 Uhr morgens der Fall sein.

Dieses Prinzip an seine Vorhaben und Aufgaben heranzugehen finde ich sehr sinnvoll. Bei näherer Betrachtung ist es auch vielschichtiger und komplexer als es auf den ersten Anschein vermuten lässt, wie wir gleich sehen werden.

Betrachten wir zunächst das Thema „Ideen bekommen oder generieren“. Wie ich bereits in früheren Artikeln geschrieben habe, haben wir meistens viele Ideen in unserem Kopf die scheinbar „lose Enden“ bilden und nichts miteinander zu tun haben. Wenn wir uns dann mit Aktivitäten beschäftigen, die uns frei von „Denkarbeit“ machen, wie z.B. Sport (Laufen eignet sich sehr gut), meditieren oder auch profane Sachen wie Putzen, den Haushalt organisieren oder auch kochen, kann es passieren dass zwei oder mehr dieser losen Enden sich verbinden und auf einmal haben wir eine Idee. Im allgemeinsprachlichen Gebrauch redet man von einem „Geistesblitz“.

Was machen wir nun also mit diesem „Geistesblitz“? Wenn wir unsere Tätigkeit nicht sofort unterbrechen, um die gerade aufgeleuchtete Idee aufzuschreiben und festzuhalten, wird sie meistens verschwinden und wir vergessen sie. Egal wie sehr wir uns vornehmen, die Idee im Kopf zu behalten, meist gelingt es uns nicht. Außer dem Effekt, dass die aktuelle Idee dann für immer im Nirvana verschwindet, gibt es noch einen zusätzlichen, nachteiligen Effekt. Wir sagen unserem Gehirn damit quasi, dass wir kein Interesse an solchen Ideen haben und dass es aufhören soll uns mit solchen zu versorgen. Das mag jetzt vielleicht etwas abgehoben oder spirituell klingen, aber wenn wir diesen Ideen, Einfällen und Geistesblitzen nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenken, werden wir mit der Zeit auch weniger davon bekommen.

Umgekehrt ist es so, dass wenn wir die Idee sofort „fangen“ und sie niederschreiben, wir uns darauf konditionieren auch mehr solcher Ideen zu erhalten. Was man mit dieser Idee anfängt ist erstmal unwichtig. Ich persönlich mache es so, dass ich meistens ein Blatt Papier und einen Stift rumfliegen habe. Wenn mir zu Hause eine Idee kommt, schreibe ich diese sofort auf. Wenn ich unterwegs bin, habe ich mein Smartphone dabei und tippe es dort in die Notizen App. In regelmäßigen Abständen schnappe ich mir meine diversen Papierchen und digitalen Notizen und übertrage sie in unbestimmter Reihenfolge in ein Dokument auf meinen Laptop. Wenn ich jeweils 10 Ideen voll habe, fange ich ein neues Dokument an, so dass ich immer maximal 10 Ideen in einem Dokument stehen habe. Die Ideen sind völlig unterschiedlich und können unterschiedliche Lebensbereiche betreffen – neue Business Ideen, Ideen zu Artikeln für meinen Blog (so wie diesen hier), Ideen bzgl. meiner Arbeit, Ideen bzgl. neuer Dinge, die ich ausprobieren möchte, Ideen für neue Investments, Ideen bzgl. neuer Routinen oder Gewohnheiten (z.B. jeden Tag beim Laufen 1% besser werden), etc.

In unregelmäßigen Abständen gehe ich die Ideen durch und stelle manchmal fest, dass mehrere Ideen sehr ähnlich sind oder sehr gut zusammen passen. Dann bündele ich diese zu einer Idee. Wenn ich genug davon habe, schreibe ich diese meistens in ein Dokument mit zwei Spalten. Links steht die Idee und rechts steht der erste, ausführbare Schritt. Nur der Allererste. Sonst nichts weiter. Kein ganzer, ausgearbeiteter Masterplan, kein Roman, nur der erste Schritt.

Wenn ich z.B. eine Idee über eine gewisse Branche im Zusammenhang eines Investments habe, dann könnte der erste Schritt die Online Recherche über die Branche sein, um zu schauen ob das Investment sich lohnen könnte. Wenn ich z.B. die Idee habe eine neue Form der Meditation auszuprobieren, dann ist der erste Schritt mir einen Wecker oder Erinnerung in mein Smartphone einzustellen, für die erste „Session“. Das könnte noch am gleichen Abend vor dem Schlafengehen oder am nächsten Morgen, direkt nach dem Aufstehen sein.

Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise, die ich an mir selber feststellen konnte: Man bekommt immer mehr und häufiger diese „Eingebungen“. Wenn man sich darauf konditioniert seine Einfälle und Ideen ernst zu nehmen und diese zu verfolgen – und sei es auch nur der erste Schritt, um zu sehen wohin das Ganze führen kann – dann wird man mit noch mehr Einfällen und Ideen belohnt. Man wird zu einer Ideen-Generierungsmaschine.

Ein weiterer Vorteil der Churchill’schen Philosophie des „Action this day“ ist vielleicht nicht ganz so offensichtlich. Man fängt an im „Hier und Jetzt“ zu leben. Unser Gehirn ist ein mächtiges, kompliziertes und undurchsichtiges Werkzeug. Der größte Vorteil den wir Menschen haben – der uns auch zur vorherrschenden Spezies auf unserem Planeten gemacht hat – ist unsere Fähigkeit uns selbst in der Zukunft zu sehen. Das ist gleichzeitig auch unsere größte Schwäche, wenn es darum geht Lebensglück und innere Ruhe und Frieden zu finden. Alle unsere Ängste, Sorgen und Beklemmungen rühren daher, dass wir gedanklich ständig in der Zukunft leben. Wir malen uns aus wie es wäre wenn dieses und jenes passiert. Wie es uns ergeht, wenn wir jetzt etwas wagen und machen oder was uns blüht wenn wir es nicht machen und unterlassen. Dabei über- oder untertreiben wir permanent. Wir wissen nicht wie die Zukunft aussieht, aber wir sind Meister darin uns meist eine sehr pessimistische Zukunft auszumalen, die dann Angst, Nervosität und Unbehagen in uns hervorruft. Dieses „leben in der Zukunft“ hindert uns aber daran den Moment voll und ganz wahrzunehmen, ihn zu genießen und einfach im „Hier und Jetzt“ zu leben. Das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund dafür, wieso wir nicht glücklich sind oder wenn, dann nur für kurze Zeit. Wenn wir versuchen irgendwelche Ziele zu erreichen – egal ob selbstgesteckt oder von irgendwem vorgegeben – dann spult unser Gehirn ständig vor und wir reden uns ein, dass wir erst glücklich und zufrieden sein können, wenn wir dieses Ziel erreicht haben. Und wenn wir es dann tatsächlich geschafft haben, dann ist der Moment der Freude relativ gesehen sehr kurz – im Grunde so lange wie ein Wimpernschlag. Wir rennen dann schon wieder dem nächsten Ziel oder der nächsten Sache hinterher.

Wenn wir „action this day“ praktizieren, wenn wir Dinge sofort anpacken – und sei es auch nur der erste Schritt – dann haben wir mehr Kapazitäten frei uns auf den Moment zu konzentrieren und diesen zu genießen. Voll da zu sein.

Ist es letztlich nicht das worum es im Leben geht?

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