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Die Kunst Probleme zu lösen

In letzter Zeit habe ich einige Gedanken darauf verwandt wie man Probleme lösen kann.

Dazu muss man zuerst reflektieren wie Probleme in der heutigen Arbeitskultur vorwiegend gelöst werden. Wenn ein Problem auftritt, stürzt man sich meistens darauf das Leck so schnell wie möglich zu stopfen, in der Hoffnung, dass es nicht wieder auftritt. Da die meisten Probleme bei ihrem Erscheinen als sehr dringend eingestuft werden (was sie in Wirklichkeit nur sehr selten sind), bleibt keine Zeit nach den wirklichen Ursachen zu forschen.

Das Prozedere kann man sich ungefähr so vorstellen:

Ein Spaziergänger steht an einem Flussufer, als er plötzlich einen Hilferuf vernimmt. Er schaut raus aufs Wasser und sieht wie ein anderer Mann hilflos rudernd unterzugehen droht. Der Spaziergänger zögert nicht und springt in den reißenden Fluss um den Mann aus dem Wasser zu ziehen. Am Ufer angekommen belebt er den Mann mit Müh und Not wieder, selbst völlig außer Atem. Kaum ist die Heldentat vollbracht, hört er wieder einen Hilferuf. Dieses mal eine Frau. Er springt ohne Bedenken kopfüber ins Wasser und zieht auch diese Frau an Land. Noch während er die Frau wiederbelebt, vernimmt er wieder Hilferufe. Dieses mal sind gleich zwei Personen gleichzeitig am Ertrinken. Am Ende seiner Kräfte, aber gewillt sein Leben zu opfern, springt der Mann in den Fluss und schafft es tatsächlich die zwei Personen an Land zu schleppen. Noch bevor er die Wiederbelebungsmaßnahmen vornehmen kann, hört er schon wieder Hilferufe. 3 Leute! Völlig erschöpft springt er ins Wasser und ward nie wieder gesehen. Hätte der hilfsbereite Spaziergänger sich doch bloß einen Moment Zeit genommen nachzudenken und ein Stück weiter flussaufwärts zu schauen…

Wenn das obige Szenario etwas besser läuft, dann wird als nächster Schritt nach der Ursache des Problems gefragt und diese vermeintliche Problemquelle wird abgestellt. Um jedoch auf diese Problemquelle zu stoßen, wird oft sehr viel Zeit und Energie vergeudet. Es werden meist auch nur die sehr konservativen Methoden angewandt um auf die Problemlösung zu stoßen. Man denkt einfach lange und hart über das spezifische Problem nach. Wenn man damit alleine nicht fertig wird, dann holt man sich Hilfe bei einem Kollegen und dann ist man schon zu zweit dabei, lange und hart über dieses spezifische Problem nachzudenken. Auf die ein oder andere Weise gelingt es dann meist doch das Problem irgendwie abzustellen. Und dann ist man auf und davon zum nächsten Problem. Wie gesagt, alles ultra-dringend.

Es wird keine Zeit für die „Nacharbeit“ aufgewandt. Es werden sich nur selten Fragen gestellt wie:

„Wieso ist dieses Problem überhaupt aufgetreten?“

„Welches ist das Problem welches unser Problem verursacht hat?“

„Was müssen wir machen, damit dieses Problem in der Zukunft nicht mehr auftaucht?“

Um den wahren Ursachen eines Problems auf den Grund zu gehen, hat Toyota in ihrem „Lean Production“ Konzept das Vorgehen der „5 Wieso’s eingeführt. Es reicht nicht aus ein, zwei oder gar drei mal nach dem „Wieso“ zu fragen, um den „root cause“ eines Problems zu erfassen. Toyota hat herausgefunden, dass man fünf mal fragen muss um die wahre Problemquelle zu identifizieren.

Ein Beispiel:

Problem: Das Fahrzeug startet nicht.

  1. Frage: Wieso startet das Fahrzeug nicht?

Die Batterie ist leer.

2. Frage: Wieso ist die Batterie leer?

Die Lichtmaschine funktioniert nicht.

3. Frage: Wieso funktioniert die Lichtmaschine nicht?

Der Keilriemen ist gerissen.

4. Frage: Wieso ist der Keilriemen gerissen?

Der Keilriemen wurde nie gewechselt.

5. Frage: Wieso wurde der Keilriemen nie gewechselt?

Das Fahrzeug wurde bisher nie gewartet.

Menschliches Versäumnis.

Die meisten wahren Ursachen von Problemen lassen sich auf menschliche Probleme zurückführen. Wenn man also mit technischen Problemen zu tun hat, dann sollte man solange Fragen, bis man auf eine menschliche Problemquelle stößt. Die 5 Wieso’s reichen meist völlig aus.

Und um zu vermeiden, dass dieses Problem in der Zukunft nochmals auftritt, muss man Maßnahmen einführen. Wenn die Wurzel der meisten Probleme menschliche Handlungen sind, dann sind Schulung, Bildung und Unterweisung das Gegenmittel.

Wie kann man jetzt aber selber auf noch elegantere Weise Probleme lösen?

Eine noch bessere Methode ist das „Denken in größeren Dimensionen“.

Probleme lassen sich lösen, indem wir übergeordnete Probleme lösen, als deren „Nebenprodukt“ unser ursprüngliches Problem gelöst wird. Wir könnten also anstatt lange und hart über die direkte Lösung unsers Problems nachzudenken, einfach eine „Problemschicht“ weiter hochgehen.   Die letztliche Konsequenz eines solchen Denkens würde bedeuten das man dasjenige Objekt oder diejenige Struktur in dem das Problem auftrifft, komplett abschafft. Das nennt man Disruption.

Ein Beispiel: Auto- oder Fahrradreifen verlieren Luft oder kriegen ab und zu einen Platten.

Anstatt sich jetzt also Gedanken darüber zu machen wie man den Reifen robuster gestalten kann, so dass das Problem weniger häufig oder gar nicht auftritt, könnte man sich auch Gedanken darüber machen wie man den Reifen komplett abschafft. Man könnte z.B. schwebende Fahrzeuge (Hovercrafts) einsetzen. Das würde unser ursprüngliches Problem eine Problemschicht weiter oben anpacken und lösen. Man könnte sich auch fragen wie man das Auto oder Fahrrad komplett abschaffen oder ersetzen könnte. Das wäre dann zwei Problemschichten weiter oben.

Und genau das ist die Arbeits- und Denkweise von innovativen Unternehmen wie Google, Uber, AirBnB und co., die ganze Branchen disruptieren. Wir müssen uns alle diese Denkweise aneignen, wenn wir in der Zukunft noch Schritt halten wollen. Egal welche Position man in seiner Firma bekleidet. Man MUSS dieses Denken anwenden und seine Kollegen dazu animieren ebenso zu denken. Firmenkultur kann nicht nur von oben herab diktiert werden. Firmenkultur wird durch alle Mitarbeiter bestimmt. Und wenn du selbstständig bist oder ein eigenes Unternehmen hast, dann gilt das für dich umso mehr.

Diese Art Arbeit ist emotionale Arbeit, die wir leisten müssen, wenn wir etwas von Wert erschaffen wollen.

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