Archiv für den Monat: November 2017

Eine kleine Geschichte am Rande

Letztens hatten wir ein interessantes Erlebnis. Meine Frau und ich haben uns was feines gegönnt. Ein ordentliches Boxspringbett. Anlieferung und Aufbau waren in dem Kaufpreis inklusive. Als das Bett dann tatsächlich nach 3 Monaten angeliefert wurde (musste ja immerhin maßgeschneidert für uns angefertigt werden – angeblich in Deutschland, gut, wenn man Polen zu Deutschland dazu zählt, glaube ich das vielleicht sogar), gab es ein kleines Problem. Die zwei obersten Matratzen hatten wir in einem gemeinsamen Bezug bestellt. Leider wurde das falsch angeliefert und wir hatten jede Matratze in einem einzelnen Bezug bekommen. Ok, ist erstmal kein Weltuntergang. Meine Frau hat die Monteure darauf hingewiesen, diese haben sich das Ganze notiert und sind dann abgezogen.

Ein paar Wochen später trudelt bei uns ein Brief ein, mit ungefähr folgendem Inhalt: „Das Bett wurde geliefert wie bestellt, deswegen wird die Reklamation nicht akzeptiert“.

Ok, muss sich um einen Fehler handeln. Nicht weiter schlimm, ein Anruf sollte das Ganze klären. Also im Möbelhaus beim Kundenservice angerufen und den Vorgang geschildert. Die Dame am Telefon war ganz offensichtlich gelangweilt und genervt und hat uns an ihre Kollegin verwiesen, welche sich aber noch in der Mittagspause befand. Wir sollen doch später nochmal anrufen. Gesagt, getan. Zwei Stunden später nochmal angerufen, an die „richtige“ Kollegin verwiesen worden, nochmal den Sachverhalt erklärt. Die „richtige“, zuständige Kundendienstmitarbeiterin war sogar noch unfreundlicher, noch unmotivierter und noch angepisster als ihre Kollegin, die wir zuerst am Telefon hatten (vielleicht lag es an mangelnder Kohlenhydratzufuhr, weil es in der Mittagspause nur Salat gab oder mangelndem Sex, ich weiß es nicht…). Auf jeden Fall war die Kundendienstmitarbeiterin am Ende so genervt, dass sie uns an unseren Verkäufer verwiesen hat, bei dem wir das Bett im Laden gekauft und bestellt hatten – aber den könnten wir vielleicht nicht mehr erwischen, weil er jetzt Mittagspause haben müsste (irgendwie könnte man den Eindruck bekommen, dass in diesem Möbelhaus die Mitarbeiter den ganzen Tag nur Mittagspause machen…wäre vielleicht auch besser so, naja…).

Eine kleine Randbemerkung zu dem besagten Verkäufer. Trotz seines jungen Alters (oder vielleicht auch gerade deswegen), ist er uns schon im Verkaufsgespräch sehr positiv aufgefallen. Der Junge hat seinen Job echt gut und offensichtlich mit Spaß und Leidenschaft gemacht.

Zurück zur eigentlich Situation. Nachdem die Kundendienstmitarbeiterin nach unserem Telefonat den jungen Verkäufer informiert hat, hat dieser uns prompt zurückgerufen – aus seiner Mittagspause heraus. Er war super freundlich, konnte sich noch an uns erinnern und wusste noch mit welchen „Extras“ wir vor 3 Monaten unser Bett bestellt hatten, weil er sich seine eigenen Notizen dazu gemacht hat. Er hat direkt bestätigt, dass anscheinend im Bestellprozess etwas schief gelaufen ist, dass es sogar sein Fehler war. Er hat sich aufrichtig dafür entschuldigt und uns versprochen, dass er sich sofort darum kümmern wird. Wir werden unseren großen Bezug auf jeden Fall nachgeliefert bekommen, inkl. „Montage“.

SO stelle ich mir Kundenservice vor. Dabei war der Junge noch nichtmal im Kundenservice und es war eigentlich gar nicht sein Job. Er hat aber Verantwortung übernommen und sich darum gekümmert, dass dem Kunden geholfen wird. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass er den Fehler verursacht hat und für diesen auch gerade stehen muss. Alles schön und recht, aber der Kundenservice ist nunmal der erste Ansprechpartner für diese Art von Problemen und es ist dessen Aufgabe sich darum zu kümmern.

Fehler passieren immer wieder und ich bin nicht der Typ, der dann sofort aus der Haut fährt und den Fehlerverursacher zusammenstaucht. Aber die Art und Weise wie die eigentlichen Kundendienstmitarbeiterinnen ihren Job erledigt (oder nicht erledigt) haben, geht gar nicht. So zu tun, als ob das einen alles gar nix angehen würde und unangenehme Dinge von sich zu schieben, einfach weil man gerade keinen Bock hat, macht mich stinksauer. Wenn ich der Besitzer des Möbelhauses wäre, würde ich die zwei demotivierten Frauen aus dem Kundenservice hochkant rausschmeißen und den Verkäufer zum Chef des Kundenservice befördern. Der Junge hat ganz offensichtlich verstanden was es bedeutet emotionale Arbeit zu leisten und Probleme zu lösen – im Gegensatz zu seinen zwei Kolleginnen. Ganz abgesehen davon, dass er es auch verstanden hat einen Fehler offen und ehrlich zuzugeben und für diesen Verantwortung zu übernehmen.

Dieses „Phänomen“ muss ich leider immer wieder beobachten. Es ist schon ein bisschen traurig welche Haltung viele Menschen in unserer Gesellschaft einnehmen. Einige Leute fühlen sich anscheinend anspruchsberechtigt, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Ich verdiene ein angenehmes Leben.

Ich verdiene eine Gehaltserhöhung. Ich bin schließlich jeden Tag pünktlich auf der Arbeit.

Ich verdiene es, dass ich gelobt und bewundert werde.

Ich verdiene es, geliebt zu werden.

Die Welt ist niemandem etwas schuldig. Es ist eher umgekehrt so, dass man es der Welt schuldig ist, seinen Beitrag zu leisten. Und zwar mit Würde, Anmut und Leidenschaft. Das Wort „verdienen“ beinhaltet schon das Wort „dienen“. Man muss erstmal seinen Dienst leisten, bevor man sich etwas verdient. Und die Grenze ab der man seinen Dienst abgeleistet und sich etwas verdient hat, ist bei einigen Leuten anscheinend bei Null. Kein Anspruch an Qualität, kein Anspruch an Herausforderung und Disziplin. Einfach nur erscheinen und da sein. Zack, „ich bin berechtigt“. So einfach ist es aber nicht. Darf es nicht sein.

„Diese Spieler, diese zwei, drei Spieler, waren schwach wie eine Flasche leer… Strunz! Was erlauben Strunz? … Ich habe fertig!“ – Frei nach Giovanni Trapattoni

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Action this day – Wie Du deine Ängste besiegst

Winston Churchill hatte zu seiner Zeit als Premierminister eine Leitmaxime gehabt: „Action this day“.

Egal welche Anweisungen er seinen Ministern oder Sekretärinnen gegeben hatte. Zumindest der erste Schritt musste noch am selben Tag ausgeführt werden, egal wie spät es war. Und bei Churchills Eigenheiten konnte das auch durchaus noch um 23 Uhr abends oder gar um 2 Uhr morgens der Fall sein.

Dieses Prinzip an seine Vorhaben und Aufgaben heranzugehen finde ich sehr sinnvoll. Bei näherer Betrachtung ist es auch vielschichtiger und komplexer als es auf den ersten Anschein vermuten lässt, wie wir gleich sehen werden.

Betrachten wir zunächst das Thema „Ideen bekommen oder generieren“. Wie ich bereits in früheren Artikeln geschrieben habe, haben wir meistens viele Ideen in unserem Kopf die scheinbar „lose Enden“ bilden und nichts miteinander zu tun haben. Wenn wir uns dann mit Aktivitäten beschäftigen, die uns frei von „Denkarbeit“ machen, wie z.B. Sport (Laufen eignet sich sehr gut), meditieren oder auch profane Sachen wie Putzen, den Haushalt organisieren oder auch kochen, kann es passieren dass zwei oder mehr dieser losen Enden sich verbinden und auf einmal haben wir eine Idee. Im allgemeinsprachlichen Gebrauch redet man von einem „Geistesblitz“.

Was machen wir nun also mit diesem „Geistesblitz“? Wenn wir unsere Tätigkeit nicht sofort unterbrechen, um die gerade aufgeleuchtete Idee aufzuschreiben und festzuhalten, wird sie meistens verschwinden und wir vergessen sie. Egal wie sehr wir uns vornehmen, die Idee im Kopf zu behalten, meist gelingt es uns nicht. Außer dem Effekt, dass die aktuelle Idee dann für immer im Nirvana verschwindet, gibt es noch einen zusätzlichen, nachteiligen Effekt. Wir sagen unserem Gehirn damit quasi, dass wir kein Interesse an solchen Ideen haben und dass es aufhören soll uns mit solchen zu versorgen. Das mag jetzt vielleicht etwas abgehoben oder spirituell klingen, aber wenn wir diesen Ideen, Einfällen und Geistesblitzen nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenken, werden wir mit der Zeit auch weniger davon bekommen.

Umgekehrt ist es so, dass wenn wir die Idee sofort „fangen“ und sie niederschreiben, wir uns darauf konditionieren auch mehr solcher Ideen zu erhalten. Was man mit dieser Idee anfängt ist erstmal unwichtig. Ich persönlich mache es so, dass ich meistens ein Blatt Papier und einen Stift rumfliegen habe. Wenn mir zu Hause eine Idee kommt, schreibe ich diese sofort auf. Wenn ich unterwegs bin, habe ich mein Smartphone dabei und tippe es dort in die Notizen App. In regelmäßigen Abständen schnappe ich mir meine diversen Papierchen und digitalen Notizen und übertrage sie in unbestimmter Reihenfolge in ein Dokument auf meinen Laptop. Wenn ich jeweils 10 Ideen voll habe, fange ich ein neues Dokument an, so dass ich immer maximal 10 Ideen in einem Dokument stehen habe. Die Ideen sind völlig unterschiedlich und können unterschiedliche Lebensbereiche betreffen – neue Business Ideen, Ideen zu Artikeln für meinen Blog (so wie diesen hier), Ideen bzgl. meiner Arbeit, Ideen bzgl. neuer Dinge, die ich ausprobieren möchte, Ideen für neue Investments, Ideen bzgl. neuer Routinen oder Gewohnheiten (z.B. jeden Tag beim Laufen 1% besser werden), etc.

In unregelmäßigen Abständen gehe ich die Ideen durch und stelle manchmal fest, dass mehrere Ideen sehr ähnlich sind oder sehr gut zusammen passen. Dann bündele ich diese zu einer Idee. Wenn ich genug davon habe, schreibe ich diese meistens in ein Dokument mit zwei Spalten. Links steht die Idee und rechts steht der erste, ausführbare Schritt. Nur der Allererste. Sonst nichts weiter. Kein ganzer, ausgearbeiteter Masterplan, kein Roman, nur der erste Schritt.

Wenn ich z.B. eine Idee über eine gewisse Branche im Zusammenhang eines Investments habe, dann könnte der erste Schritt die Online Recherche über die Branche sein, um zu schauen ob das Investment sich lohnen könnte. Wenn ich z.B. die Idee habe eine neue Form der Meditation auszuprobieren, dann ist der erste Schritt mir einen Wecker oder Erinnerung in mein Smartphone einzustellen, für die erste „Session“. Das könnte noch am gleichen Abend vor dem Schlafengehen oder am nächsten Morgen, direkt nach dem Aufstehen sein.

Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise, die ich an mir selber feststellen konnte: Man bekommt immer mehr und häufiger diese „Eingebungen“. Wenn man sich darauf konditioniert seine Einfälle und Ideen ernst zu nehmen und diese zu verfolgen – und sei es auch nur der erste Schritt, um zu sehen wohin das Ganze führen kann – dann wird man mit noch mehr Einfällen und Ideen belohnt. Man wird zu einer Ideen-Generierungsmaschine.

Ein weiterer Vorteil der Churchill’schen Philosophie des „Action this day“ ist vielleicht nicht ganz so offensichtlich. Man fängt an im „Hier und Jetzt“ zu leben. Unser Gehirn ist ein mächtiges, kompliziertes und undurchsichtiges Werkzeug. Der größte Vorteil den wir Menschen haben – der uns auch zur vorherrschenden Spezies auf unserem Planeten gemacht hat – ist unsere Fähigkeit uns selbst in der Zukunft zu sehen. Das ist gleichzeitig auch unsere größte Schwäche, wenn es darum geht Lebensglück und innere Ruhe und Frieden zu finden. Alle unsere Ängste, Sorgen und Beklemmungen rühren daher, dass wir gedanklich ständig in der Zukunft leben. Wir malen uns aus wie es wäre wenn dieses und jenes passiert. Wie es uns ergeht, wenn wir jetzt etwas wagen und machen oder was uns blüht wenn wir es nicht machen und unterlassen. Dabei über- oder untertreiben wir permanent. Wir wissen nicht wie die Zukunft aussieht, aber wir sind Meister darin uns meist eine sehr pessimistische Zukunft auszumalen, die dann Angst, Nervosität und Unbehagen in uns hervorruft. Dieses „leben in der Zukunft“ hindert uns aber daran den Moment voll und ganz wahrzunehmen, ihn zu genießen und einfach im „Hier und Jetzt“ zu leben. Das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund dafür, wieso wir nicht glücklich sind oder wenn, dann nur für kurze Zeit. Wenn wir versuchen irgendwelche Ziele zu erreichen – egal ob selbstgesteckt oder von irgendwem vorgegeben – dann spult unser Gehirn ständig vor und wir reden uns ein, dass wir erst glücklich und zufrieden sein können, wenn wir dieses Ziel erreicht haben. Und wenn wir es dann tatsächlich geschafft haben, dann ist der Moment der Freude relativ gesehen sehr kurz – im Grunde so lange wie ein Wimpernschlag. Wir rennen dann schon wieder dem nächsten Ziel oder der nächsten Sache hinterher.

Wenn wir „action this day“ praktizieren, wenn wir Dinge sofort anpacken – und sei es auch nur der erste Schritt – dann haben wir mehr Kapazitäten frei uns auf den Moment zu konzentrieren und diesen zu genießen. Voll da zu sein.

Ist es letztlich nicht das worum es im Leben geht?

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Wieso Du unzufrieden bist

Woher kommt die permanente Unzufriedenheit der Menschen mit ihrem Status Quo?

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich habe eigentlich ständig ein leichtes Gefühl der Unzufriedenheit. Vielleicht nicht unbedingt jeden Tag, aber schon regelmäßig. Mal mehr, mal weniger. Da ist dieses leichte Unwohlsein, dass es immer noch besser geht. Egal was man gerade erreicht hat, ob im beruflichen oder privaten Bereich, gibt es diese Stimme im Hinterkopf die einem zuflüstert, dass das alles viel zu lange dauert, dass der Ansatz um seine Ziele zu erreichen doch Bullshit ist, weil er nach 2 Wochen keine sichtbaren Resultate produziert.

Und auch wenn man einen Zwischenschritt erreicht hat und eigentlich zufrieden mit sich sein könnte, fällt man spätestens am Tag danach in ein Loch und fängt an, sich seine Errungenschaft madig zu machen.

Damit ihr besser verstehen könnt was ich meine, hier ein Beispiel aus meinem eigenen Leben:

Ich wollte nebenbei unbedingt ein eigenes Business haben. Ich hatte eine Idee. Ich fand die Idee super, ich habe diese umgesetzt und mehr oder weniger ein Jahr nebenberuflich daran gearbeitet. Nichts wird euch durch ein größeres Emotionskarussel jagen, als ein eigenes Business zu haben. Jeden Tag „heiß-kalt“ Spielchen, manchmal mehrmals am Tag, aber mindestens jeden Tag anders. Heute Top. Morgen Flop. Dann wieder andersrum. Eigentlich war ich immer nur maximal 10 Minuten zufrieden und gleich danach Unzufrieden. Ständig sind einem noch 100 Sachen eingefallen, die man hätte besser oder anders machen können. Die ersten Zweifel an der Grundidee waren auch schnell da und am liebsten hätte ich direkt etwas anderes gemacht, was aber aufgrund der Art des Business nicht ging. 10.000 Energieriegel im eigenen Keller wollen erstmal an den Mann gebracht werden.

Woher kommt also dieser Drang nach immer mehr, nach immer weiter oder oft auch einfach nach etwas anderem? Vor allem: was will uns das Gehirn damit sagen?

Eins vorweg: ich habe auch keine Ahnung. Ich kann nur berichten was ich an mir beobachtet habe und was ich denke, was in meinem Fall zutrifft.

Ich lese viel. Sehr viel. 1-2 Bücher jeden Monat, Artikel, Blogbeiträge. Ich höre Hörbücher, eins pro Monat. Aber nicht irgendwas. Alles Bücher, Artikel, Blogs die mit Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Lebensführung, Business und im groben mit Erfolgsprinzipien zu tun haben. Ich lese also jeden Tag von super erfolgreichen Menschen – in jedem Lebensbereich und -sinn. Alle Prinzipien die dort gelehrt werden anzuwenden ist unmöglich wenn man noch irgendwie seinen Lebensunterhalt verdienen muss (zumindest für mich). Aber man sieht doch einen roten Faden, der sich durch die meisten Bücher und Biografien durchzieht. Das ist auch ein Grund, wieso ich diesen Blog schreibe.

Ich sehe also täglich was im Leben so alles möglich ist und dagegen halte ich mein eigenes Leben. Autsch. Das sollte dann eigentlich schon alles erklären. Aber gehen wir noch etwas tiefer. Ich bin davon überzeugt, dass das Streben nach einem besseren Leben, nach mehr Geltung und Selbstverwirklichung tief im menschlichen Genom verwurzelt ist. Die Menschheit ist seit jeher progressiv ausgerichtet. Der ein oder andere wird dieses Gefühl vielleicht nicht haben, wenn er sich in seinem direkten Umfeld umschaut. Nichts desto trotz ist es aber nunmal so. Sonst würden wir wahrscheinlich immer noch in unseren Höhlen hocken, das Fleisch der Mammuts roh vom Knochen reißen und uns gegenseitig mit Keulen verprügeln.

Wenn ich jetzt zu diesem Grundbedürfnis, die zahlreichen Biografien und Geschichten erfolgreicher Menschen und ihre Prinzipien des Erfolgs hinzunehme, wird mir der Unterschied zwischen dem was ich habe und dem was möglich wäre, noch deutlicher bewußt. Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich sehe mich als jemanden mit einem hohen Lebensstandard und das kann ich ruhigen Gewissens auch von jedem in meinem Umfeld behaupten. Es ist jetzt nicht gerade so, dass ich einen Job mit Mindestlohn hätte und nach einem besseren Lebensstandard strebe, in dem Sinne dass ich mir eine schön eingerichtete Wohnung, mal einen Urlaub, qualitativ hochwertige Kleider in ausreichendem Maße und Restaurantbesuche leisten kann. Das sind alles definitiv Dinge die einen Lebensstandard ausmachen und doch sind es am Ende des Tages nur materielle Dinge oder Erfahrungen die in die Kategorie „Entertainment“ gehören und nicht zu meinem Geltungs- oder Selbstverwirklichungsdrang beitragen. Was meine ich also wenn ich davon rede „was möglich“ ist? Es ist die Art Leben, die dazu führt, welchen Beitrag man zur Gesellschaft leistet, wie man seine Kreativität auslebt, indem man das Leben anderer Menschen verbessert und dabei tiefe und bedeutungsvolle Beziehungen mit ihnen eingeht. Den „Impact“ den man auf dieser Welt hinterlässt. Davon rede ich.

Was will mir mein Gehirn also mit dem Gefühl der Unzufriedenheit sagen? Wahrscheinlich, dass ich es besser kann. Unzufriedenheit sollte eigentlich als eine positive Emotion wahrgenommen werden. Es bedeutet, dass mein Gehirn glaubt, dass ich noch bessere Ergebnisse erzielen kann. Vielleicht wende ich nur die falschen Methoden an? Vielleicht bin ich einfach nur zu ungeduldig? Vielleicht muss ich einfach nur flexibler werden?

Dementsprechend sollte auch der Umgang mit unserer Unzufriedenheit sein. Es ist ein Handlungsbedarfssignal. Wir müssen etwas machen. Wir müssen etwas ändern. Und das Gute daran: wir können es auch.

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Die Kunst Probleme zu lösen

In letzter Zeit habe ich einige Gedanken darauf verwandt wie man Probleme lösen kann.

Dazu muss man zuerst reflektieren wie Probleme in der heutigen Arbeitskultur vorwiegend gelöst werden. Wenn ein Problem auftritt, stürzt man sich meistens darauf das Leck so schnell wie möglich zu stopfen, in der Hoffnung, dass es nicht wieder auftritt. Da die meisten Probleme bei ihrem Erscheinen als sehr dringend eingestuft werden (was sie in Wirklichkeit nur sehr selten sind), bleibt keine Zeit nach den wirklichen Ursachen zu forschen.

Das Prozedere kann man sich ungefähr so vorstellen:

Ein Spaziergänger steht an einem Flussufer, als er plötzlich einen Hilferuf vernimmt. Er schaut raus aufs Wasser und sieht wie ein anderer Mann hilflos rudernd unterzugehen droht. Der Spaziergänger zögert nicht und springt in den reißenden Fluss um den Mann aus dem Wasser zu ziehen. Am Ufer angekommen belebt er den Mann mit Müh und Not wieder, selbst völlig außer Atem. Kaum ist die Heldentat vollbracht, hört er wieder einen Hilferuf. Dieses mal eine Frau. Er springt ohne Bedenken kopfüber ins Wasser und zieht auch diese Frau an Land. Noch während er die Frau wiederbelebt, vernimmt er wieder Hilferufe. Dieses mal sind gleich zwei Personen gleichzeitig am Ertrinken. Am Ende seiner Kräfte, aber gewillt sein Leben zu opfern, springt der Mann in den Fluss und schafft es tatsächlich die zwei Personen an Land zu schleppen. Noch bevor er die Wiederbelebungsmaßnahmen vornehmen kann, hört er schon wieder Hilferufe. 3 Leute! Völlig erschöpft springt er ins Wasser und ward nie wieder gesehen. Hätte der hilfsbereite Spaziergänger sich doch bloß einen Moment Zeit genommen nachzudenken und ein Stück weiter flussaufwärts zu schauen…

Wenn das obige Szenario etwas besser läuft, dann wird als nächster Schritt nach der Ursache des Problems gefragt und diese vermeintliche Problemquelle wird abgestellt. Um jedoch auf diese Problemquelle zu stoßen, wird oft sehr viel Zeit und Energie vergeudet. Es werden meist auch nur die sehr konservativen Methoden angewandt um auf die Problemlösung zu stoßen. Man denkt einfach lange und hart über das spezifische Problem nach. Wenn man damit alleine nicht fertig wird, dann holt man sich Hilfe bei einem Kollegen und dann ist man schon zu zweit dabei, lange und hart über dieses spezifische Problem nachzudenken. Auf die ein oder andere Weise gelingt es dann meist doch das Problem irgendwie abzustellen. Und dann ist man auf und davon zum nächsten Problem. Wie gesagt, alles ultra-dringend.

Es wird keine Zeit für die „Nacharbeit“ aufgewandt. Es werden sich nur selten Fragen gestellt wie:

„Wieso ist dieses Problem überhaupt aufgetreten?“

„Welches ist das Problem welches unser Problem verursacht hat?“

„Was müssen wir machen, damit dieses Problem in der Zukunft nicht mehr auftaucht?“

Um den wahren Ursachen eines Problems auf den Grund zu gehen, hat Toyota in ihrem „Lean Production“ Konzept das Vorgehen der „5 Wieso’s eingeführt. Es reicht nicht aus ein, zwei oder gar drei mal nach dem „Wieso“ zu fragen, um den „root cause“ eines Problems zu erfassen. Toyota hat herausgefunden, dass man fünf mal fragen muss um die wahre Problemquelle zu identifizieren.

Ein Beispiel:

Problem: Das Fahrzeug startet nicht.

  1. Frage: Wieso startet das Fahrzeug nicht?

Die Batterie ist leer.

2. Frage: Wieso ist die Batterie leer?

Die Lichtmaschine funktioniert nicht.

3. Frage: Wieso funktioniert die Lichtmaschine nicht?

Der Keilriemen ist gerissen.

4. Frage: Wieso ist der Keilriemen gerissen?

Der Keilriemen wurde nie gewechselt.

5. Frage: Wieso wurde der Keilriemen nie gewechselt?

Das Fahrzeug wurde bisher nie gewartet.

Menschliches Versäumnis.

Die meisten wahren Ursachen von Problemen lassen sich auf menschliche Probleme zurückführen. Wenn man also mit technischen Problemen zu tun hat, dann sollte man solange Fragen, bis man auf eine menschliche Problemquelle stößt. Die 5 Wieso’s reichen meist völlig aus.

Und um zu vermeiden, dass dieses Problem in der Zukunft nochmals auftritt, muss man Maßnahmen einführen. Wenn die Wurzel der meisten Probleme menschliche Handlungen sind, dann sind Schulung, Bildung und Unterweisung das Gegenmittel.

Wie kann man jetzt aber selber auf noch elegantere Weise Probleme lösen?

Eine noch bessere Methode ist das „Denken in größeren Dimensionen“.

Probleme lassen sich lösen, indem wir übergeordnete Probleme lösen, als deren „Nebenprodukt“ unser ursprüngliches Problem gelöst wird. Wir könnten also anstatt lange und hart über die direkte Lösung unsers Problems nachzudenken, einfach eine „Problemschicht“ weiter hochgehen.   Die letztliche Konsequenz eines solchen Denkens würde bedeuten das man dasjenige Objekt oder diejenige Struktur in dem das Problem auftrifft, komplett abschafft. Das nennt man Disruption.

Ein Beispiel: Auto- oder Fahrradreifen verlieren Luft oder kriegen ab und zu einen Platten.

Anstatt sich jetzt also Gedanken darüber zu machen wie man den Reifen robuster gestalten kann, so dass das Problem weniger häufig oder gar nicht auftritt, könnte man sich auch Gedanken darüber machen wie man den Reifen komplett abschafft. Man könnte z.B. schwebende Fahrzeuge (Hovercrafts) einsetzen. Das würde unser ursprüngliches Problem eine Problemschicht weiter oben anpacken und lösen. Man könnte sich auch fragen wie man das Auto oder Fahrrad komplett abschaffen oder ersetzen könnte. Das wäre dann zwei Problemschichten weiter oben.

Und genau das ist die Arbeits- und Denkweise von innovativen Unternehmen wie Google, Uber, AirBnB und co., die ganze Branchen disruptieren. Wir müssen uns alle diese Denkweise aneignen, wenn wir in der Zukunft noch Schritt halten wollen. Egal welche Position man in seiner Firma bekleidet. Man MUSS dieses Denken anwenden und seine Kollegen dazu animieren ebenso zu denken. Firmenkultur kann nicht nur von oben herab diktiert werden. Firmenkultur wird durch alle Mitarbeiter bestimmt. Und wenn du selbstständig bist oder ein eigenes Unternehmen hast, dann gilt das für dich umso mehr.

Diese Art Arbeit ist emotionale Arbeit, die wir leisten müssen, wenn wir etwas von Wert erschaffen wollen.

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Wovon wir mehr brauchen

Was bedeutet „gutes“ Business?

Die Herausforderung der heutigen Zeit besteht nicht mehr darin sich Gedanken darüber zu machen was wir erschaffen oder produzieren können. Wir können nahezu alles was wir uns vorstellen können auch erschaffen oder produzieren. Dies ist nicht mehr das vorwiegende Problem unserer Zeit.

Die wahre Herausforderung besteht darin sich Gedanken über die Frage zu machen was wir erschaffen sollten. Wir müssen uns Fragen dazu stellen was wir in der heutigen Zeit wirklich benötigen und ob es sinnvoll ist, das, was auch immer uns vorschwebt, umzusetzen.

Produktionskapazitäten sind heute im Überfluss vorhanden. Viele Hersteller müssen heutzutage ihre Produktionskapazitäten extern anbieten und Aufträge für andere übernehmen, da sie durch eigene, interne Aufträge nicht mehr voll ausgelastet sind. Es ist relativ leicht einen Auftragshersteller für welches Produkt auch immer zu finden. Sogar wenn man sein eigenes, individuelles Auto haben möchte, muss man sich keines von der „Stange“ bei den etablierten Herstellern kaufen, sondern kann Auftragshersteller (die im übrigen auch für die etablierten Automarken ganze Modellreihen entwickeln und produzieren) beauftragen. Man braucht sich also nicht mehr die Frage zu stellen ob man ein neues Automodell auf die Welt loslassen sollte, sondern ob es Sinn macht ein neues Automodell auf den Markt zu bringen.

Jeder der Lust und den Mut hat ein eigenes Business mit welchem Produkt auch immer zu starten kann dies mit relativ wenig Kapital auch tun, da die eigentlichen Maschinen und Produktionsmittel nicht mehr beschafft werden müssen.

Als ich damals mein erstes Business mit KYG – Keeps You Going gestartet habe, habe ich meine Energieriegel bei einem Hersteller produzieren und verpacken lassen. Ich habe lediglich das Rezept und das Design für die Verpackung geliefert und habe 5 Tage später eine Palette mit sauber verpackten Riegeln vor meiner Haustür stehen gehabt. Ich musste mir keine Maschine kaufen, die die Zutaten vermengt, keine Maschine die die fertige Masse in eine Riegelform presst, keine Maschine die die Folie bedruckt und auch keine Maschine die die fertig gepressten Riegel in die bedruckte Folie einschweißt. Ich musste mir auch keine Maschinen kaufen und Mitarbeiter anheuern, die die eingeschweißten Riegel in eine mit meinem Design bedruckte Displaybox stapeln und eine Warenausgangskontrolle machen. All das war schon vorhanden. Die Firma war glücklich, dass sie einen Auftrag hatte mit dem sie ihre Maschinen und Mitarbeiter auslasten konnte und ich war glücklich, dass ich kein großes Kapital in Anlagen investieren musste um meinen Traum von einem eigenen Energieriegel zu verwirklichen.

Wenn die Produktionsmittel also nicht den Engpass darstellen und wir uns Gedanken machen müssen ob es sinnvoll ist einer Idee Leben einzuhauchen, wie können wir das dann entscheiden?

Über einen möglichen Ansatz hatte ich schon geschrieben. Anstatt die vorhandene Nachfrage nach noch mehr profanem zu bedienen, kann man seine eigne Nachfrage nach Substantiellem erschaffen, indem man das entsprechende Angebot erschafft. Nur wenn wir genug kreative Schöpfer in der Gesellschaft haben, die durch ihr unablässiges Tun sinnvolle Werte erschaffen, erzeugen wir genug Nachfrage nach dem Substantiellem – im Gegensatz zu der überhöhten Nachfrage unserer aktuellen Gesellschaft nach Oberflächlichkeiten.

Ein weiterer Ansatz wäre es sich zum Ziel zu setzen 80% seiner Geschäfte mit den 20% der höchsten Bedürfnisse zu machen.

Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Unternehmen tun nichts anderes als diese Bedürfnisse zu erfüllen. Es gibt nach der Theorie von Maslow eine Hierarchie der Bedürfnisse, die sogenannte Maslowsche Bedürfnispyramide. Ganz unten stehen die physiologischen Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlafen, ein Dach über dem Kopf. Darüber kommen die Sicherheitsbedürfnisse nach körperlicher und mentaler Unversehrtheit. Es folgen die sozialen Bedürfnisse nach Liebe, Freundschaft und Gruppenzugehörigkeit. Auf der zweithöchsten Stufe stehen die Individualbedürfnisse nach Anerkennung und Geltung. Ganz oben an der Spitze steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Die ersten vier Stufen werden Defizitbedürfnisse genannt. Bei Nichtbefriedigung dieser Bedürfnisse können physische oder psychische Störungen auftreten. Die oberste Stufe der Selbstverwirklichung wird als Wachstumsbedürfnis definiert. Dieses kann nie wirklich befriedigt werden.

Die große Mehrheit der heutigen Unternehmen macht Geschäfte in einem von zwei Bereichen. Entweder in den unteren Rängen der Bedürfnispyramide – Wohnen, Transport, Essen, Energie. Die zweite Form ist das Geschäft nicht mit den Grundbedürfnissen der Menschen, sondern mit ihren Begehrlichkeiten und Sehnsüchten. Diese zwei Arten können sich z.B. überschneiden. Das Auto ist hier wieder ein gutes Beispiel. Wir haben ein Grundbedürfnis nach Mobilität, aber das findige Marketing der Autohersteller appelliert an unsere Sehnsüchte nach Status und Anerkennung und sorgt dafür, dass wir nicht irgendeine Mobilität wollen, sondern die Luxusvariante für 80.000€.

Wir Menschen können leider nicht sehr genau zwischen Bedürfnissen und Begehrlichkeiten unterscheiden und viele Unternehmen nutzen dies aus.

Wenn wir „gutes“ Business machen wollen, dann wären wir also gut beraten, wenn wir uns auf das Bedürfnis des Menschen nach Selbstverwirklichung konzentrieren würden. Es gibt noch viel Platz und Bedarf für Unternehmen die mit gutem Rat, psychologischer Unterstützung oder schön gestalteten Städten dienen können. Wir brauchen eine Gesellschaft in der es normal ist, dass wir uns mit unseren Emotionen beschäftigen und diese managen, dass wir starke Familien über Generationen hinweg aufbauen und erhalten, unseren Verstand kultivieren, Weisheit, Güte und Selbstbeherrschung erlangen.

Es kommt noch jede Menge Arbeit auf uns zu, verbreitete und umfassende Erfüllung zu erschaffen.

Das beste daran ist, wie ich schon weiter oben geschrieben habe, dass das Bedürfnis des Menschen nach Selbstverwirklichung nie wirklich befriedigt werden kann. Das heißt dass es jede Menge Platz und Arbeit für Unternehmen geben wird die sich auf dieses höchste Bedürfnis konzentrieren.

Also tu mir bitte einen Gefallen: Wenn du jemals etwas starten wolltest, wenn du jemals mehr mit deinem Leben anfangen wolltest als nur deinen Lebensunterhalt zu verdienen, dann starte ein „gutes“ Business. Ein toller Nebeneffekt ist, dass dieses Business gleichzeitig auch deine Selbstverwirklichung sein wird und du damit dein eigenes Bedürfnis danach befriedigst.