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So kriegst du garantiert jeden Job

Neulich habe ich auf der Arbeit selbst beobachten dürfen was der Unterschied zwischen jemandem ist, der seine Arbeit zwar macht, diese ihm aber grundsätzlich am Arsch vorbei geht und jemandem dem wirklich etwas an seiner Arbeit liegt. Nicht in dem Sinne, dass der eine seine fachliche Tätigkeit besser ausführt als der andere. Nein, fachlich gibt es keine großen Unterschiede. In dem Sinne, dass der eine emotionale Arbeit leistet und der andere nicht. Letzterem ist eigentlich nur wichtig, dass er einen möglichst stressfreien Tag hat. Bloß alle unangenehme Arbeit von sich schieben und in keine Themen involviert werden, die es erfordern, dass man schwierige Gespräche führen muss, dass man andere Leute von etwas überzeugen, motivieren muss, dass man sich selbst einbringen muss.

Firmen und insbesondere Großkonzerne hängen heutzutage extrem von den Leuten ab die gewillt sind Risiken einzugehen, die sich einbringen und gewillt sind emotionale Arbeit zu leisten.

Emotionale Arbeit ist die Art von Arbeit die nur emphatische Menschen leisten können. Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Art von Arbeit mehr denn je brauchen. Und für genau diese Art von Arbeit bezahlen uns Firmen auch, sie haben es uns nur noch nicht deutlich genug gesagt und dementsprechend wissen wir das auch nicht. Wir sind der Meinung, dass wir aufgrund unserer tollen fachlichen Kompetenz oder aufgrund unserer langjährigen Erfahrung bezahlt werden. Das halte ich für einen Trugschluss.

Emotionale Arbeit zu leisten, bedeutet sich schwierigen Aufgaben zu stellen, sich mit Menschen zu verbinden, ein Risiko einzugehen, Initiative zu ergreifen, zu erfinden, zu verkaufen, sich selbst zu strecken und zu wachsen.

Dazu gibt es eine nette Geschichte:

Eines Tages holt ein alter Bauer seine zwei Söhne zu sich, um ihnen zu verkünden, wer den Hof erben soll, wenn er sich zur Ruhe setzt. ‚Der jüngere Sohn soll den Hof übernehmen‘, sagte der alte Bauer. Der ältere Sohn war außer sich vor Wut: ‚Was meinst du damit? Ich bin der ältere und habe den größeren Anspruch.

Okay‘, sagte der alte Bauer. ‚Du musst etwas für mich tun. Wir brauchen mehr Bestände. Kannst du zu Cibis Hof gehen und schauen ob er ein paar Kühe zum Verkauf hat?

Der ältere Sohn kam bald zurück und sagte: ‚Vater, Cibi hat 6 Kühe zu verkaufen‘.

Der alte Bauer dankte seinem Sohn großzügig für seine Mühe und wandte sich an den jüngeren Sohn: ‚Du musst etwas für mich tun. Wir brauchen mehr Bestände. Kannst du zu Cibis Hof gehen und schauen ob er ein paar Kühe zum Verkauf hat?

Der Sohn ging fort und kam bald wieder: ‚Vater, Cibi hat 6 Kühe zu verkaufen. Jede Kuh soll 2.000 Rupien kosten. Wenn wir mehr als 6 Kühe kaufen wollen, wird Cibi um 100 Rupien pro Kuh runtergehen. Er sagte auch, dass er nächste Woche spezielle Jersey-Rinder reinbekommt. Wenn wir es nicht eilig haben, könnte es sich also lohnen eine Woche zu warten. Wenn wir die Kühe jedoch dringend brauchen, kann er sie uns morgen liefern.

Der Vater dankte seinem jüngeren Sohn großzügig für seine Mühe. Er wandte sich an seinen älteren Sohn und sagte: ‚Das ist der Grund wieso dein jüngerer Bruder den Hof bekommen wird.

Das ist eine Demonstration von emotionaler Arbeit. Der jüngere Sohn hat nicht nur das getan was ihm aufgetragen wurde, er hat Initiative ergriffen und Verantwortung übernommen. Er hat sich voll eingebracht.

Die Zukunft einer Firma hängt davon ab, ob sie eine Kultur erschaffen kann, die emotionale Arbeit fördert und fordert. Nur Firmen die genug „emotionale Arbeiter“ haben, werden den Konkurrenzkampf der Zukunft überleben. In der Gesellschaft von morgen ist kein Platz mehr für mehrere Großkonzerne, die alle das gleiche machen und sich durch nichts von ihren Mitstreitern abheben. Wir können unsere Konkurrenz nicht durch noch mehr Gehorsam ausstechen. Wenn es nur darum geht eine Aufgabe zu erledigen und man das Ergebnis dieser Aufgabe messen kann, dann wird es immer jemanden geben der diese Aufgabe gehorsamer und vor allem billiger erledigen kann. Den Kampf um die Abwärtsspirale gen Boden kann man nicht gewinnen.

In China und Indien werden gerade Schwärme von gut ausgebildeten Fachleuten auf den Arbeitsmarkt gespült, die das Spiel der urdeutschen Tugenden von Pünktlichkeit, Fleiß und Ordnung viel besser spielen als wir. Wenn Deutschland in der Zukunft eine Wirtschaftsmacht bleiben will, dann dürfen wir dieses Spiel nicht spielen. Wir müssen das nächste Level erklimmen. Das bedeutet, dass wir lernen müssen uns unseren Ängsten zu stellen. Wir müssen uns solange in die Probleme lehnen, bis wir neue Erkenntnisse erhalten um diese zu lösen, anstatt davor weg zu scheuen. Wir müssen emotionale Arbeit leisten.

Es gibt einen Spruch der zu diesem Thema passt: „Der Unterschied zwischen einem Genie und einer normalen Person ist der, dass das Genie niemals ganz aufgibt. Er legt das Problem irgendwo im Hinterkopf ab und hält daran fest. Ab und zu wird es nach vorne geholt um darüber nachzudenken. Im Kontext neuer Eindrücke – die mit dem ursprünglichen Problem nichts zu tun haben – stößt das Genie auf eine Lösung. Währenddessen gibt die „normale Person“ endgültig auf und lässt das Problem komplett los.“

Wir müssen auch endlich lernen mit Fehlern umzugehen.

Nach meiner Beobachtung werden Fehler in der deutschen Arbeitskultur unterdrückt und totgeschwiegen. Nein, wir machen keine Fehler. Niemals. Doch! Wir sind Menschen und keine Maschinen! Natürlich machen wir Fehler. Viele sogar und das ist auch gut so. Nur aus Fehlern können wir lernen. Wer nicht genug Fehler macht, geht nicht genug Risiken ein. Wir müssen Fehler endlich als das akzeptieren was sie sind. Wir müssen sie offen auf den Tisch legen und produktiv diskutieren, ohne nach einem Schuldigen zu suchen oder Anklagen zu erheben. Wir müssen nach den wahren Ursachen forschen und uns nicht oberflächlichen Eitelkeiten hingeben.

Ich bin der Überzeugung, dass wir gerade dafür bezahlt werden emotionale Arbeit zu leisten. Genau das ist es was der Markt braucht. Den Rest unserer Aktivitäten, auf die wir uns allzu gerne etwas einbilden, könnten sonst auch dressierte Affen erledigen.

Ein Gedanke zu „So kriegst du garantiert jeden Job

  1. Ugeen

    Gegen deine Überzeugung spricht der hohe Markt an Zeitarbeitskräften. Ich bin mir ziemlich sicher, dass keiner dieser ausgeliehenen Zeitarbeiter irgendwelche Emotionen dem aktuellen Tätigkeitsbetireb entgegen bringt. Und so sieht auch die Qualität am Ende auch aus.

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