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Wieso Dein Leben eine billige Ausrede ist

Wenn es darum geht anderen Leuten zu vermitteln, dass man grob gesagt in der heutigen Zeit machen kann was man will, dann wird es brenzlig.

Es ist schwierig geworden. Und ich frage mich wieso eigentlich.

Wenn man so gemütlich bei einem Bierchen zusammensitzt und man dringt in die tieferen Regionen über den Sinn und Unsinn des Lebens vor, dann fangen viele Leute recht schnell an zu blocken. Sie geraten in Verteidigungsmodus. Vielleicht ist es einfach zu schwer den Gedanken zu akzeptieren, dass es wahr ist. Wieso tut man dann selber nicht das was man will. Wieso ist man selber in diesem Job gefangen den man nicht mag oder mit den Kollegen die man nicht mag oder mit dem Chef den man nicht mag oder einfach auch nur in der Stadt die man nicht mag?

Wieso sind wir unzufrieden?

Aber gehen wir nochmal in die Bier-Konversation zurück. Ich rede gerne über Themen der Selbstverwirklichung, Selbstverantwortung und Selbstbestimmung. Wenn ich dann mit Freunden in tiefere Regionen dieses Stoffs vordringe, dann landet man meist dabei dass meine Gesprächspartner mit irgendetwas in ihrem Leben nicht zufrieden sind. Was für eine Überraschung! Wir sind Menschen. Wir sind immer mit irgendetwas unzufrieden. Ich finde es aber erstaunlich wie viele Leute mit ihren Jobs unzufrieden sind oder generell mit ihrer Lebensgestaltung. So als hätten sie selber überhaupt nicht darüber bestimmt. Beraubt ihres Mitspracherechts. Als habe Gott oder eine sonstige höhere Macht ganz eigenständig darüber geboten. Wenn ich dann in mein Horn des „du kannst dein Leben selbst in die Hand nehmen und es zu deinen Bedingungen leben“ stoße, kommen die Proteste sehr schnell.

„Aber ich kann meinen Job nicht kündigen. Ich habe Rechnungen zu bezahlen.“

„Ich kann jetzt aber nicht meinen Traumkörper haben. Die Kinder nehmen mich zu sehr ein. Keine Zeit für Sport“.

„Ich kann jetzt nicht 5 Wochen nach Australien fliegen. Mein Chef gibt mir niemals so viel Urlaub am Stück und wer kümmert sich dann um meine Katze?“

Alles Ausreden.

Leute mit Leidenschaft suchen nach Wegen Dinge möglich zu machen“ – Seth Godin

Wenn man wirklich seinen Job hasst, so, dass es einem körperliche Schmerzen bereitet jeden Morgen aufzustehen und zur Arbeit zu gehen, dann findet man einen Weg seine Rechnungen zu bezahlen. Auch ohne diesen verhassten Job. Für mich bedeutet das meistens nur, dass die Leute entweder

  1. zu viel Langeweile haben und glauben ihren Job zu hassen, obwohl das in Wirklichkeit gar nicht stimmt

oder

  1. der Schmerz noch nicht groß genug ist – sie ihren Job also vielleicht nicht wirklich hassen, sondern einfach nur nicht mögen

oder

  1. voller Angst sind ein eigenverantwortliches Leben zu führen und die nötigen Veränderungen einzuleiten

Jede dieser drei Optionen habe ich bereits in Gesprächen erlebt, wenn Leute zugehört und sich darauf eingelassen haben ernsthaft über meine Fragen nachzudenken und diese auch ehrlich zu beantworten. Aber die weitaus interessantere Beobachtung für mich ist, dass die meisten Menschen gar nicht erst an diesen Punkt der Aufgeschlossenheit kommen. Viele fahren gleich die Mauern hoch und die Verteidigungsmaschinerie wird auf der Brustwehr aufgefahren. Man gerät schnell in Verteidigungsmodus und wenn man den Kampf erstmal begonnen hat, dann wird es umso schwieriger einen Rückzug zu machen. Verflucht sei unsere Sturheit und unsere Angst unser Gesicht zu verlieren!

Die bitter-süße Wahrheit

Vielleicht ist es einfach zu bitter zu akzeptieren, dass wir wirklich in einer Gesellschaft und in einer Zeit leben, in der wir buchstäblich machen können was wir wollen. Das würde nämlich bedeuten, dass es einen Grund hat wieso gerade wir nicht machen was wir wollen. Und der ist ziemlich hässlich und tut obendrein noch weh. Wir haben nicht den Mumm in den Knochen. Wir erstarren vor Angst bei dem ernsthaften Gedanken an eine einschneidende Veränderung in unserem Leben. Allein der Gedanke daran unsere gewohnte und lieb gewonnene Komfortzone zu verlassen treibt uns den Schweiß in kalten Kaskaden den Rücken runter. Und dann vergeht ein Tag, und dann noch einer, und noch einer, und noch einer, und wieder ist ein Jahr vergangen ohne dass wir unserem wirklichen Lebensziel auch nur einen Schritt näher gekommen wären.

Sich selbst zu verteidigen und sich viele Ausreden einfallen zu lassen und gegen meine Weltsicht zu argumentieren ist vielleicht immer noch einfacher zu ertragen als der Gedanke, dass man sich selbst hat hängen lassen. Dass man sich selbst versagt hat. Dass die eigenen Träume und Wünsche einem selber nichtmal so viel bedeuten, dass man gewillt ist für sie zu kämpfen. Oder auch nur etwas Ungemach in Kauf zu nehmen. Traurig. Schmerzhaft. Aber dennoch nicht weniger wahr.

Niemand zwingt dich eine gewisse Arbeit zu machen

Ich kann nachvollziehen wenn Leute sich wehren und als letzten Rückzugsort folgenden Spruch herunterleiern:

„Nicht jeder kann machen was er will.“

Oft in einem Atemzug mit:

„Irgendwer muss den Job machen“

Das sehe ich anders. Jeder kann heutzutage sprichwörtlich machen was er will. Ich rede von jungen, gebildeten Menschen die in der westlichen Hemisphäre leben. West-Europa, Amerika. Ich rede nicht von den Sklavenarbeitern in den Diamantenminen im Kongo oder den Strafarbeitern in den Gulags Russlands, die es anscheinend leider immer noch gibt. Wenn du wirklich Verantwortung für dein Leben übernimmst und dich deinen Ängsten stellst, weil es dir wichtig genug ist, dann kannst du das hier und jetzt.

Bezüglich der zweiten Aussage bin ich der Meinung, dass nicht jeder Job gemacht werden muss. Wir haben uns als Menschheit und Gesellschaft in den letzten 100 Jahren sehr stark entwickelt. Wir haben gute, neue Jobs geschaffen und das Bildungswesen stark vorangetrieben. Wir haben viele soziale Probleme gelöst und noch mehr neue geschaffen. Der Gesundheits- und Bildungsstandard sind enorm gewachsen und im Allgemeinen kann man als Einwohner eines Wohlstandslandes behaupten, dass es einem sehr gut geht und wir im wahrsten Sinne des Wortes in Wohlstand und Komfort leben.

Und die Zeiten werden noch besser werden. Wir befinden uns aktuell in Zeiten des exponentiellen Wachstums. Wir sind als Menschheit auf dem Sprung unser Leben immens zu verlängern – wer weiß vielleicht sogar bis zu Unsterblichkeit. Wir sind dabei eine multiplanetare Spezies zu werden und gottgleiche Fähigkeiten zu erwerben, der Symbiose aus Biotechnologie und Computerwissenschaften sei Dank.

Was sind „menschenwürdige“ Jobs?

Dementsprechend verschiebt sich auch die Grenze dessen was wir noch als einen menschenwürdigen Job ansehen. Viele Berufe werden aufgrund der stetig wachsenden Automatisierung und Vernetzung wegfallen. Auch diejenigen die heute als „sicher“ gelten und für die man eine hohe Qualifikation benötigt. Viele Jobs werden entweder von Maschinen ausgeführt oder wir werden lernen müssen ohne diesen „Service“ auszukommen. Noch im 19. Jahrhundert war es für viele gut betuchte aristokratische Familien undenkbar ohne einen Hausdiener auszukommen. Ich persönlich kenne keinen der so einen Job hat, einen solchen anstrebt oder zu so einem gezwungen wird.

Noch in den 1980’er Jahren hieß es dass LKW-Fahrer der sicherste Job überhaupt sei. Die Komplexität die es erfordert einen LKW sicher durch den chaotischen Straßenverkehr zu steuern und an sein Ziel zu bringen, sei so hoch, dass keine Maschine jemals diese Aufgabe so gut wie ein Mensch verrichten werden könne. Und doch sind die LKWs heute die ersten Vehikel die auf das autonome Fahren getestet werden und ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es für LKW Fahrer keine Jobs mehr geben wird. Und das ist auch gut so. Diese haben dann Zeit sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, neue Sachen zu lernen und Fähigkeiten zu erwerben die der Gesellschaft auf andere weise dienen. Fähigkeiten die sie persönlich und die Gesellschaft als Ganzes voran bringen können.

Wenn du deinen Job also nicht magst, mit deinem Körperbild unzufrieden bist, deine Beziehung dich annervt oder du sonstige Pläne für dein Leben hast, die für dich unerreichbar erscheinen – du hast es selbst in der Hand.

Kündige. Mach Sport. Arbeite an deiner Beziehung oder mach Schluss. Buche den Flug. Was auch immer du dir von deinem Leben erwartest. Pack deine Träume an. Mach dir einen Plan und setze diesen um. Schritt für Schritt. Eins nach dem anderen.

„Du musst nicht großartig sein, um zu starten. Aber du musst starten um großartig sein zu können.“ – Zig Ziglar

Memento mori. Gedenke zu sterben. Du hast nur dieses eine Leben. Nutze es. Verschwende es also nicht mit Dingen die dich unglücklich machen. Lebe!

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