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Vergiss deine Leidenschaft! Finde deinen Purpose

Heutzutage will dir jeder verklickern, dass du deine Arbeit mit Leidenschaft zu tun hast. Wenn du nicht mit Leidenschaft dabei bist, dann stimmt mit dir etwas nicht.

Das ist zum Teil richtig. Nur wer seine Arbeit gerne macht, macht sie auch gut. Wer seine Arbeit leidenschaftlich macht, wird sogar großartig darin werden und diese Arbeit unter Umständen nicht mehr sehr lange machen. Leute die großartige Arbeit leisten, waren, sind und werden immer folgendes bleiben: selten. Deshalb ist es oft so, dass du befördert oder abgeworben wirst, wenn Leute merken, dass du zu einer unverzichtbaren Person innerhalb deiner Organisation geworden bist.

Die spannende Frage ist, ob man zuerst Leidenschaft haben muss um hervorragende Arbeit zu leisten oder ob man erst hervorragende Arbeit leistet und dadurch Leidenschaft entwickelt. Das bekannte Henne-Ei Prinzip.

Wie entwickelt man Leidenschaft?

Cal Newport, der Autor des Buches „So Good They Can’t Ignore You“ vertritt die Meinung, dass man erst Leidenschaft für eine Sache entwickelt, wenn man wirklich hervorragend in ihr wird. Er meint, dass man nicht nur Spitzenleistungen in Jobs bringen kann, die auf dem Papier augenscheinlich gut aussehen, akademische Jobs wie Ingenieure, Wissenschaftler, Ärzte, Manager, Schauspieler, Musiker, Autoren, etc., sondern auch bei ganz „profanen“ und normalen Jobs wie Sekretär/innen, Mechaniker, Tischler, etc.

Nach Newport muss ein Job, zunächst einmal folgende Kriterien erfüllen, damit er in das Raster eines Jobs mit Erfüllungspotential fällt:

  1. Der Job muss einem Entwicklungsmöglichkeiten bieten, so dass man Fähigkeiten entwickeln kann, die einen von seinen Kollegen, Mitarbeitern oder Konkurrenten abheben
  2. Man muss etwas tun, von dem man überzeugt ist, dass es bedeutsam oder gut für die Welt ist.
  3. Man muss mit seinen Kollegen / Mitarbeitern gut auskommen

Kleine Randnotiz: Wenn man einen Job hat der gegen ein oder mehrere dieser Kriterien verstößt, sollte man kündigen.

Wenn man jetzt einen Job hat der die obigen Kriterien erfüllt, dann kann man viel Zeit in die bedachtsame Übung seiner Fähigkeiten stecken, die einen zu einem wertvollen und unverzichtbaren Teil seiner Organisation machen. Mit diesen neu entwickelten Fähigkeiten, kann man mehr Kontrolle in seinem Job einfordern. Dies ist essentiell um sich erfüllt oder glücklich zu fühlen. Man muss das Gefühl der Kontrolle haben, über das was man macht. Mit dem Mehr an Kontrolle ergeben sich wiederum neue Möglichkeiten und Gelegenheiten durch eine Beförderung oder einen neuen Job, der die logische Konsequenz und Fortführung der bereits eingeschlagenen Karriere darstellt, mit denen man noch mehr Kontrolle und Freiheit erlangen kann.

Mit diesem Ansatz ist es sehr viel wahrscheinlicher (berufliche) Erfüllung und Glück zu erlangen, als z.B. das bis dahin in einem Job erworbene Karrierekapital über Bord zu werfen und in einer völlig neuen Branche anzufangen.

„Richtig zu arbeiten“ schlägt die „richtige Arbeit“.

Das Handwerker Mindset

Wenn man dieser Philosophie folgt, dann muss man das „Leidenschafts-Mindset“ aktiv aufgeben und das „Handwerker-Mindset“ annehmen.

Beim Handwerker-Mindset konzentriert man sich darauf, was man selber der Welt zu bieten hat, wogegen das Leidenschafts-Mindset darauf abzielt was die Welt einem selber bieten kann. Das Handwerker-Mindset hat etwas Befreiendes: man lässt Selbstzentriertes hinter sich und anstatt sich zu fragen ob der Job das „Richtige“ ist, steckt man einfach die harte Arbeit rein um verdammt gut zu werden. Niemand schuldet einem eine großartige Karriere, man muss sich diese verdienen – und der Prozess ist nicht einfach.

Leidenschaft durch Erfolg

Wenn man dann mit dem richtigen Mindset und bedachtsamen Üben genug Fähigkeiten und Karrierekapital aufgebaut hat, welches man gegen mehr Kontrolle und Freiheit eintauschen kann, wird man auch ein erfülltes Arbeitsleben haben. Erst wenn man sich durch Kompetenz die Unabhängigkeit aufgebaut hat, wird man eine Leidenschaft für seine Arbeit entwickeln und dieser mit großer Freude nachgehen, da man in ihr einen höheren Sinn gefunden hat. Man muss erstmal in etwas gut sein, bevor man einen guten Job erwarten kann. Nicht umgekehrt.

Leidenschaft hält dich von deinem Potential ab

Wenn wir nur Sachen machen für die wir eine Leidenschaft hegen, dann besteht die Gefahr, dass wir anmaßend und selbstgefällig werden. Einmal an diesem Punkt angekommen, sind wir davon überzeugt, dass gewisse Arbeiten unter unserem Niveau liegen und von anderen Leuten erledigt werden sollten. Wir sind nicht mehr bereit die emotionale Arbeit zu leisten. Emotionale Arbeit zu leisten ist jedoch immens wichtig. Nur durch emotionale Arbeit (z.B. unangenehme Gespräche führen, die anderen Leuten zu blöd erscheinen, um sie selbst zu erledigen) beschäftigen wir uns mit allen Aspekten unserer Arbeit und werden zu einem absoluten Experten auf unserem Gebiet. Und noch viel wichtiger: man wird zu einer beliebten Anlaufstelle für Kollegen, Vorgesetzte und Mitarbeiter.

Nur so können wir unser volles Potential ausschöpfen. Wenn wir uns zu sehr auf unsere Leidenschaft konzentrieren, auf das was die Welt uns bieten kann, anstatt auf das was wir der Welt bieten können, werden wir immer hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben.

Finde deine Bestimmung und Bedeutung

Wie kann man jetzt also an den Punkt kommen, an dem man großartige Arbeit abliefert und dadurch ultimativ glücklich und erfüllt wird?

Anstatt sich auf Dinge zu konzentrieren für die man Leidenschaft hegt, kann man sich folgende Fragen stellen:

Womit kann ich etwas Bedeutendes leisten, dass anderen Menschen einen Nutzen bringt, glücklich macht oder sie einfach nur unterhält?

Welche Sache ist für mich so bedeutend, dass ich es anderen Menschen unbedingt sagen, zeigen oder sonst irgendwie vermitteln muss, weil ich davon überzeugt bin, dass es einen Nutzen bringt oder Mehrwert schafft?

Welche Fähigkeiten oder Talente habe ich, die sich weiter vertiefen und zu einem einzigartigen Skillset kombinieren lassen, die niemand anderes besitzt und wie kann ich diese nutzbringend einsetzen?

Wenn dich das Leben fragen würde was der Sinn deines Lebens ist, was würdest du dann antworten?

Um diese Frage beantworten zu können, musst du wissen was dein spezieller Sinn des Lebens ist. Du kannst dem Leben diese Frage nur durch deine Taten beantworten. Indem du Verantwortung für deine Taten und dein Leben übernimmst.

Mit dieser Lebensphilosophie werden wir uns vielleicht nicht nur immer mit Dingen beschäftigen für die wir vor Leidenschaft sprühen, aber wir werden wertvolle und nützliche Erfahrungen sammeln, die uns als Person wachsen lassen. Das ist die einzige Möglichkeit wirklich etwas zur Gesellschaft beizutragen. Und nur wenn wir einen echten Mehrwert für die Gesellschaft schaffen wird uns diese dafür entlohnen.

Auf welche Weise auch immer.

2 Gedanken zu „Vergiss deine Leidenschaft! Finde deinen Purpose

  1. ugeen

    Wenn man von sich aus fragt, was ich selber der Welt geben kann, das sie besser macht, landet man durch die egozentrische Perspektive der Frage wiederum bei der Frage: was kann ich gut und was möchte ich machen? Somit handelt man doch gegen das handwerkliche Prinzip? Man versucht nicht mehr das aktuelle zu verbessern, sondern neues zu suchen.

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    1. Alex Beitragsautor

      Das Handwerker Mindset soll einem nur vor Augen führen, dass man vll. mehr erreichen oder bewirken kann, wenn man sein aktuelles Skillset weiter ausbaut, anstatt alles hinzuschmeißen und von Null auf einen Massage-Meditations-Tempel in Castrop-Rauxel eröffnen will.

      Antworten

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