Lessons Learned Business

Heute möchte ich mit euch mal über meine ganz persönlichen „Lessons Learned“ im Bereich Business sprechen. Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass diese eine spezifische Lehre nicht nur aufs Business anwendbar ist, sondern auch auf andere Bereiche im Leben.

Es geht darum wie man eine Produktidee (oder sonstige Idee) schnell und risikoarm testen kann, bevor man viel Geld, Zeit und Mühe investiert.

Auf die Idee bin ich durch das Buch von Eric Ries „The Lean Startup“ gekommen. Leider war es da für mich schon zu spät und ich habe eine nicht zu vernachlässigende Summe an Geld und viel Zeit in mein „Gedankenbaby“ investiert. Und genau das ist der Dreh- und Angelpunkt bei der Geschichte.

Oft haben wir Ideen und Gedanken in die wir uns mit der Zeit regelrecht verlieben. Das an sich ist noch nicht das Problem. Wenn wir dieses Gedankenbaby aber nicht auf Tauglichkeit in der harten Realität testen, kann es passieren dass wir damit ordentlich hinfallen.

Wie könnt ihr eure Gedankenbabys also schnell und effizient testen, bevor ihr damit ernst macht?

Zunächst einmal solltet ihr es ins kalte Wasser werfen. Das bedeutet im Klartext, dass ihr möglichst vielen anderen Leuten von eurer Idee erzählen sollt. Je mehr Skeptiker und „Nein-Sager“ unter ihnen desto besser (dass man von solchen Leuten prinzipiell wenig bis gar keine in seinem engeren Umfeld haben sollte, ist ein anderes Thema).

Das bedeutet, dass diese Leute alle möglichen Gegenargumente bringen, wieso eure Idee scheisse ist, wieso sie nicht funktionieren wird, wieso sie nicht profitabel ist, wieso das kein Mensch braucht, etc. Das hat mehrere Vorteile:

1.) Aufzeigen von Schwachstellen eurer Idee:

Ihr müsst diese Kritik als Herausforderung an eure eigene Kreativität sehen. Meistens werdet ihr viele der angebrachten Punkte schon bedacht und eine dementsprechende Antwort parat haben. Einige Punkte werden neu sein. Diese müsst ihr unbedingt ernst nehmen und gründlich darüber nachdenken, ob der hervorgebrachte Punkt ein „Job-Stopper“ ist oder euer Produkt/Dienstleistung/Konzept eine Lösung dafür hat. Einige Punkte werden einfach nur unkonstruktive Kritik sein. Auch diese hat ihre Berechtigung:

2.)  Der Test eures Glaubens:

Wenn ihr euch durch diese Kritik nämlich aus der Fassung bringen lasst und eure Idee vor euch selbst nicht mehr vertreten könnt, dann war es wohl doch keine gute Idee, sondern nur ein Hirngespinst. Das ist ein Test, ob ihr es wirklich ernst meint und ob ihr es mit dieser Idee auch in 1 oder 2 Jahren durch harte Zeiten schafft. Denn die werden so sicher wie das Amen in der Kirche kommen. Manchmal glaubt man, man ist etwas auf der Spur und hat eine Idee die einen total begeistert und mitreißt. Wenn diese Idee aber nichtmal der spontanen Kritik einiger Leute standhält, dann ist sie euch wohl doch nicht wert genug. Die Leidenschaft, die es benötigt eine Idee zu verfolgen, sollte nicht unterschätzt werden. In guten Zeiten kann jeder an etwas arbeiten, in harten Zeiten kann nur derjenige arbeiten der wirklich an sein Projekt glaubt und es mit Leidenschaft beschützt und wachsen lässt – „Labor of Love“.

Wenn eure Idee diese erste Feuertaufe übersteht, dann seid ihr bereit den nächsten Schritt zu wagen.

MVP – Minimum Viable Product. Dieser Begriff und die Idee stammen von Eric Ries (zumindest habe ich durch ihn von dieser Idee erfahren – kann gut sein, dass es dieses Konzept schon vorher gegeben hat).

Bei diesem Konzept geht es darum ein „minimales überlebensfähiges Produkt“ auf den Markt zu bringen. Es ist nicht das Endprodukt, es hat nicht alle Features die das Endprodukt mal haben soll. Es ist ein rudimentäres Produkt eurer Idee, welches manchmal nur eine einzige Funktion eurer Idee hat und mit wenig Zeit- und Geldaufwand auf die Beine zu stellen ist.

Das MVP soll eure erste und wichtigste These testen: „Es gibt da draußen Leute, die dieses Produkt brauchen oder haben wollen und mein Produkt löst deren Problem“. Oft operieren wir auf Grundlage von Thesen, von denen wir annehmen, dass diese wahr oder gesetzt sind. Doch ohne diese Thesen zu überprüfen laufen wir völlig ins Dunkle hinein.

Der Sinn des MVP ist es schnell durch die „Build-Measure-Learn“ Feedback Schleife zu gehen. Es geht darum möglich schnell Feedback von realen (bezahlenden) Kunden einzuholen und auf Grundlage dieses Feedbacks das MVP anzupassen, zu erweitern oder eben zu beerdigen.

Was macht man also mit dem Feedback das man bekommt? Es kann vorkommen, dass unsere Idee ganz gut ist (Kunden kaufen das Produkt). In dem Fall können wir das Produkt aus dem vorhandenen Cash-Flow nach und nach aufstocken und es zu dem machen, was wir ursprünglich im Sinn hatten.

Es kann aber auch passieren, dass Kunden unser Produkt nicht kaufen, was unterschiedliche Gründe haben kann:

1.) Die falschen Kunden: Wir hatten die falschen Annahmen WER unser Produkt benötigt. In diesem Fall muss das Produkt in einem anderen Markt/Segment/Nische getestet werden.

2.) Das falsche Produkt: Das Produkt löst nicht das Problem der Kunden, weil es einfach nicht das richtige Produkt ist. In dem Fall kann man das MVP ändern (bis hin zu einem völlig anderen Produkt) oder es eben ganz begraben.

Nachdem ich etwas länger über das Konzept des MVP nachgedachte habe, ist mir aufgefallen, dass dieses Konzept auch auf andere Bereiche des Lebens übertragbar ist.

Nehmen wir mal an, dass ihr von einem recht teuren, sportlichen Auto träumt. Wir wollen mal klein anfangen. Nehmen wir mal einen R8. Einstiegspreis 166.000€. Das ist ein Batzen Geld.

Anstatt das Auto gleich zu kaufen, könnte man das Auto doch für eine Woche oder einen Monat leasen (Preise pro Woche liegen bei ca. 2.500€, pro Monat bei ca. 8.000€). Das ist zwar immer noch ein stattlicher Haufen Geld, aber der Vorteil liegt klar auf der Hand. Vielleicht stellt man ja nach einem Monat R8 im Alltag fest, dass das Auto total unpraktisch ist. Viel zu klein, total unübersichtlich zu fahren, viel zu laut und an jeder Zapfsäule ein Horror. Dann hat man eben „nur“ 8.000€ für eine Erfahrung ausgegeben und der „Test“ des MVP war negativ. Dann hat man sich 158.000€ und viele schlaflose Nächte gespart.

Falls man jedoch feststellt, dass das Auto genauso ist wie man es sich vorgestellt hat und der Traum bestätigt wird, dann hat man eben 174.000€ gezahlt (statt 166.000€).

In meinen Augen macht dieses Vorgehen viel mehr Sinn, als sich das Auto gleich zu kaufen.

Dieses Prinzip ist übrigens auf alle Konsumgüter mit Statussymbol anwendbar. Egal ob es um Luxusautos, -uhren oder -taschen geht. Das meisten kann man irgendwie mieten oder über längere Zeit testen. Vielleicht stellt ihr beim Testen fest, dass dieser Gegenstand der Sehnsucht nicht das Maß an Glückseligkeit bringt, welches ihr euch erträumt habt. Dann habt ihr diese Erfahrung in einem „sicheren“ Umfeld gemacht, ohne euch mit Geld und Zeit zu verpflichten.

Ein anderes Beispiel aus dem Alltag, was so intuitiv ist, dass wir es nicht mal bewusst wahrnehmen. Wenn ihr ein Date habt und es funkt, dann heiratet ihr den anderen ja nicht sofort vom Fleck weg. Man kommt erstmal zusammen und schaut ob man auch wirklich zusammenpasst, bevor man die nächsten Schritte geht.

Noch ein Beispiel aus der Arbeitswelt. Probezeit. Sowohl der Arbeitgeber, als auch der Arbeitnehmer wollen nicht die Katze im Sack kaufen. Deswegen arbeiten wir erstmal auf Probe, um unsere Annahme zu testen, dass wir unseren Wunscharbeitgeber bzw. Wunschmitarbeiter gefunden haben.

Wie ihr gesehen habt, wird euch das Anwenden des MVP auf jeden Fall viel Geld, Zeit und Mühe sparen. Falls und wenn ich jemals wieder ein Produkt/Dienstleistung ersinnen sollte, werde ich nicht den gleichen Fehler wieder machen und das Konzept des MVP übergehen.

Jeder darf (und sollte sogar) Fehler machen. Sie sind dazu da, uns etwas beizubringen.

„Wenn du keine Fehler machst, gehst du nicht genug Risiken ein“

Habt ihr noch andere Beispiele wo man das Konzept des MVP im Alltagsleben anwenden kann?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*