Das Leben ist simpel: die Macht der Klischees

Es gab mal eine Zeit da haben Menschen eine grundlegende, innere Weisheit besessen. Sie wussten instinktiv was richtig und was falsch ist. Die besonders Fähigen unter Ihnen hatten die Begabung diese Lebensweisheiten in ganz einfachen und prägnanten Aussprüchen festzuhalten.

Heutzutage haben wir die Fähigkeit verloren, die schönen und tiefen Wahrheiten hinter diesen Sprüchen zu erkennen. Entweder denken wir nicht gründlich über diese Sprüche nach und reflektieren Sie nicht anhand von konkreten Beispielen am täglichen Leben, um ihren tiefen Sinn darin zu erkennen, oder wir tun die Sprüche als bereits bekannt und somit profan ab. Der letztere Fall führt dann dazu, dass wir nicht wirklich daran glauben. Wir denken, dass das Leben doch nicht wirklich so einfach sein kann. Irgendwo muss es doch eine total raffinierte Formel geben, die nur die klügsten Köpfe dieser Welt verstehen und DIESE beinhaltet die wahre Essenz des Lebens. Doch das stimmt nicht, denn auch der Spruch „Das Leben ist simpel“ hat seine Berechtigung. Wir tendieren dazu das Leben überproportional komplex zu machen, weil wir meinen, dass etwas nur von Wert sein kann, wenn es möglichst komplex bzw. raffiniert ist. Dabei vergessen wir, dass die Schönheit meist in der Einfachheit liegt.

Die meisten Dinge im Leben sind simpel: einfach, unkompliziert, schlicht und leicht. Die Wahrheit des Lebens liegt in den Klischees. Das Problem an Klischees ist, dass wir sie zu solchen gemacht haben. Wir haben die schönen und simplen Wahrheiten von einst so überansprucht, dass es uns zu einfach vorkommt daran zu glauben, geschweige denn danach zu handeln. Und genau darauf kommt es im Leben an. Wissen existiert nur um Handlung zu implizieren. Ohne die Aktion ist jedes Wissen unnütz.

Schauen wir uns doch im Folgenden einige dieser „Klischees“ oder einfachen Sprüche an, die es wert sind tatsächlich befolgt zu werden oder zumindest in Ruhe über ihre tiefere Bedeutung reflektiert zu werden.

Carpe diem: Übersetzt eigentlich „Genieße den Tag“. Im allgemeinen Volksmund wird dieser Ausspruch jedoch als „Nutze den Tag“ gebraucht.

„Genieße den Tag“ hat eine wahrlich tiefe Bedeutung. In erster Linie steht es für eine möglichst einfache Lebensweise. Der größte Faktor, wieso wir Menschen (meist) nicht glücklich sind und nie genug haben, besitzen oder sind, ist unsere Vorstellungskraft. Wir leben in unserem Kopf eigentlich ständig in der Zukunft. Wir malen uns permanent Szenarien aus, die in der Zukunft liegen, und entweder eine übertriebene Wunschvorstellung (im positiven Sinne) oder ein düsteres Katastrophenszenario (im negativen Sinne), darstellen.

„Wenn ich noch dieses eine Projekt erfolgreich abschließe, dann werde ich die Gehaltserhöhung bekommen, dann werde ich endlich glücklich und zufrieden sein“.

„Wenn ich noch 5kg abnehme, dann werde ich endlich schlank sein und kann mein Leben genießen“.

„Wenn ich dieses und jenes für mein/e Haus/Wohnung besorge, dann fühle ich mich endlich angekommen.“

„Wenn ich noch 20.000€ spare, dann kann ich mir endlich mein Traumauto kaufen und dann werde ich glücklich sein.“

„Nur noch 5 Wochen durchhalten, dann ist endlich Urlaub und ich kann für 2 Wochen mein leben genießen“.

„Nur noch 25 Jahre arbeiten, dann kann ich endlich in Rente gehen und anfangen mein Leben zu leben.“

Kommt dir irgendwas davon bekannt vor? Das Problem dabei: Das wird NIE passieren.

Unser Gehirn ist nicht dazu programmiert, das Hier und Jetzt wahrzunehmen. Wir leben ständig entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Ein Moment ist unendlich kurz und gehört schon direkt der Vergangenheit an, sobald wir ihn auch nur wahrnehmen. Unser Gehirn erinnert sich dann daran. Jedoch können wir uns an Ereignisse nicht EXAKT so erinnern wie sie tatsächlich passiert sind. Wir verzerren sie in unserer Erinnerung unbewusst und vermischen sie mit unseren Emotionen und unserer ganz subjektiven Bewertung dieser Erinnerung. Unser Gehirn gaukelt uns aber vor, dass es sich um eine EXAKTE Reproduktion handelt. Diese verzerrte Erinnerung an Vergangenes bildet dann unsere Absprungbasis für die Projektion der Zukunft. Wir bilden uns ein, dass wir die Zukunft mit der gleichen Genauigkeit vorhersehen können, wie wir uns an vergangene Momente erinnern können. Und weil unsere Erinnerungen schon korrumpiert sind, sind unsere „Zukunfsvisionen“ auch verfälscht.

Im Moment zu leben, diesen wirklich zu fühlen und ihn zu genießen ist ein Grundpfeiler des Ausspruchs „Carpe diem“ und des Stoizismus im Allgemeinen. Dazu gehört viel Achtsamkeit und Bewusstsein. Meditation z.B. fördert die Achtsamkeit, damit unsere Fähigkeit im Moment zu leben und letztendlich unser Glücksempfinden.

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“: Die Bedeutung dieses Spruchs liegt eigentlich auf der Hand. So wie man andere Menschen behandelt, so wird man selber auch behandelt. Das liegt völlig klar auf der Hand und doch halten sich nur die wenigsten daran. Wenn man sich in seinem unmittelbaren, sozialen Umfeld umschaut, dann wundert es einen manchmal wie Menschen miteinander umgehen. Sogar unter Freunden oder Familienmitgliedern wird sich verbale, mentale Gewalt angetan, wo man sich nur fragen kann wieso und warum?

Dabei ist es so einfach. Wenn wir unsere Mitmenschen mit Respekt behandeln, ihnen immer Mut zusprechen und nur das Allerbeste von ihnen erwarten, dann werden sie 1.) diesem Anspruch gerecht und 2.) uns genauso behandeln.

Mit folgender Situationen im Job seid ihr bestimmt vertraut:

„Mein Gott, Kollege (oder Kunde) Schmidt ist einfach ein unausstehliches Aas. Ich komme mit dem einfach nicht zurecht. Wieso muss ausgerechnet ich mit dem zusammenarbeiten? Andere Leute haben es viel einfacher. Die haben nur die netten Kollegen (oder Kunden) abbekommen. So würde ich auch Höchstleistungen bringen können.“

Die Lösung ist ganz simpel. Ob bewusst oder unbewusst, merkt Kollege (oder Kunde) Schmidt, dass ihr mit ihm nicht richtig grün seid. Das wird er euch unterbewusst auch im direkten Umgang entgegenbringen. Wenn wir andere Menschen ändern wollen, dann müssen wir uns zuallererst selber ändern. Erst DANN ändern sich auch die anderen Menschen in unserem Umfeld.

Und wenn wir es einfach mit einem von Natur aus renitenten Menschen zu haben, gilt das gleiche Prinzip. Erst wenn wir wirklich daran glauben, dass dieser Mensch uns im Inneren wohl gesonnen ist und uns in Wirklichkeit nicht in die Pfanne hauen will, sondern produktiv mit uns zusammenarbeiten will, wir daraufhin unsere Einstellung und unser Verhalten gegenüber diesem Menschen ändern und ihn entsprechend behandeln, wird es Früchte tragen und nach einer gewissen Zeit wird uns dieser Mensch genauso behandeln. Es nützt aber nichts nur oberflächlich so zu tun und diesen Menschen für ein paar Tage nett zu behandeln und dann wieder in alte Umgangsformen und Muster zu verfallen. Unsere Mitmenschen sind schließlich nicht dumm und merken das.

Wenn wir unsere EINSTELLUNG von Grund auf positiv und optimistisch halten, dann wird das unausweichlich dazu führen, dass wir genauso behandelt werden wie wir andere behandeln.

Menschen die solche Eigenschaften besitzen, nennt man übrigens „charismatisch“. Das sind Leute zu denen wir uns hingezogen fühlen, von denen wir total begeistert sind und denen wir überall hin folgen würden. Wenn DAS keine erstrebenswerte Charaktereigenschaft ist, dann ist keine erstrebenswert.

„It’s your attitude, not your aptitude, which determines your altitude“

(Es ist deine Einstellung, nicht deine Begabung, welche deine Größe bestimmt).

„Iss’ mehr Gemüse“: Wenn man mit seinem Gewicht kämpft und um’s Verrecken nicht abnimmt, dann ist die Lösung einfach. Iss’ mehr Gemüse! Das ist nicht nur ein Klischee. Das ist eine Wahrheit! Wer mindestens eine Mahlzeit pro Tag durch eine Gemüse/Salat Mahlzeit ersetzt und regelmäßig Sport treibt (2-3mal pro Woche à 30-45 Minuten, so dass man auf 90 Minuten wöchentlich kommt, reichen schon aus!), wird unausweichlich abnehmen.

Niemand braucht eine Atkins Diät, Weightwatchers oder sonstigen, vermeintlich komplizierten Kram mit einem Plan. Verzichte einfach auf industriell hergestellte Lebensmittel. Am besten stellst du dir bei jedem Lebensmittel die Frage ob es dieses auch ohne die Lebensmittelindustrie gegeben hätte – falls die Antwort „Nein“ ist, Finger weg! Leg dir weniger auf den Teller. Iss’ langsam, kaue bedacht. Genieße dein Essen. Wenn die Portion aufgegessen ist und du satt bist, nimm dir keinen Nachschlag mehr. Bewege dich. Höre auf dein Bauchgefühl und deine Intuition. Wenn du nur diese einfachen Dinge beachtest und sonst nichts, bist du schon auf einem verdammt guten Weg.

Ich hoffe ich konnte euch zeigen, dass hinter den vermeintlich profanen Sprüchen sehr viel Wahrheit und Weisheit steckt. Es lohnt sich, sich für einen Moment die Zeit zu nehmen und über die tiefere Bedeutung dieser Sprüche nachzudenken. Und am allermeisten wird derjenige entlohnt, der sie auch anwendet und nach ihnen lebt.

Wollt ihr noch weitere Beispiele und Erläuterungen solcher Sprüche lesen? Kennt ihr selber vermeintlich einfache Sprüche, die in Wirklichkeit Lebensweisheiten sind?

Lasst mir gerne einen Kommentar dazu da.

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