Wie Du dir etwas Freiheit erdenken kannst

Dieses nagende Gefühl. Ich MUSS es haben. Unbedingt. Ich kann OHNE einfach nicht Leben. Wenn ich mir DAS jetzt kaufe, dann werde ich ein viel glücklicherer Mensch. Ich werde die Freude verspüren es zu besitzen und ein tolles Gefühl haben, wenn ich es benutze. Eigentlich ist es recht teuer, aber ich muss unbedingt das Top Produkt aus der Reihe haben. Ohne ALLE Funktionen macht das gar keinen Sinn für mich.

Hattest du diesen oder einen ähnlichen Gedankengang auch schonmal gehabt? Hast du jemals einen neuen Laptop gebraucht, weil dein alter den Geist aufgegeben hat und eigentlich hätte ein 300€ Einsteigermodell es getan aber am Ende bist du bei einem Macbook Retina gelandet der das 5-fache gekostet hat? Ein wenig surfen, ab und zu etwas in die Tastatur hacken, das war’s schon eigentlich. Das sollte einen auf keinen Fall mehr als 300€ kosten und doch tippe ich diese Zeilen gerade auf einem MacBook. WTF?!

Am Anfang ist die Freude groß, wenn man den neuen Karton in der Hand hält und seine neueste Errungenschaft auspackt und das erste mal benutzt. Man redet sich ein, dass es die immensen Kosten auf JEDEN FALL wert war. Schau her Welt, was man alles Tolles mit diesem feinen Ding machen kann! Ein Peak der Freude!

Und doch ist das Leben meistens nach 2 Wochen wieder ganz normal und man fühlt sich so wie immer. Der temporäre Impact den dein neuester Kauf ausgelöst hat, ist weg. Einfach so. Wie kann das sein? Ich habe doch 5-mal so viel dafür ausgegeben wie die profanen Teile kosten, die jeder andere hat. Dann muss es mich doch auch 5-mal so glücklich machen?!

Nope, nicht die leiseste Spur davon!

Komischerweise definieren wir heutzutage unser Glück danach was wir alles KAUFEN. Wieso denken wir, dass wir glücklicher werden wenn wir für etwas Geld ausgeben?

In einigen Fällen stimmt das sogar. Ich bin ja ein großer Fan von Zahlen, also schauen wir uns doch schnell ein Beispiel an.

Vergleichen wir mal die zwei Nachbarn Peter Status und Hans Glück. Hans fährt ein gebrauchtes Auto für 10.000€. Das ist weder neu, noch ist es nach neuster Mode designed. Dafür ist es zuverlässig und verbraucht wenig Sprit (was nebenbei noch unserer Umwelt, in der wir schließlich leben, zu Gute kommt).

Peter hat ein neues, tolles und schickes Premium Automobil für 80.000€ in seiner Einfahrt stehen. Jeden Samstag poliert er es ganz stolz und fühlt sich gut bei dem Gedanken, dass seine Nachbarn vor Neid platzen (die juckt das aber nicht die Bohne, wenn sie schön mit dem Fahrrad zum Bäcker fahren und die ersten Sonnenstrahlen tanken).

Jetzt müsste man doch meinen, dass Peter mit seinem Luxusschlitten auch 8-mal glücklicher ist? Vielleicht ist er das ja auch, wenn er sich in jeder Tiefgarage sorgen machen muss, neben welchem Auto er parken kann, bei dem die Wahrscheinlichkeit einen Kratzer im teuren Perleffekt-Lack abzubekommen am geringsten ist.

Vielleicht ist er das auch, wenn er sich die ganze Zeit sorgen darum macht, wenn die Nachbarskinder ein wenig den Ball hin und her kicken, dass sein Auto was abbekommen könnte. Vielleicht ist er das auch, wenn seine Frau mal mit ihren Freundinnen eine Runde zum angeben durch die Stadt fahren will und das einzige woran er denken kann ist, dass sein Auto unversehrt bleibt.

Vielleicht, vielleicht, aber ich denke eher nicht.

In der Zwischenzeit (wenn Peter ganz eifrig schon seit einer Stunde seine Karosse poliert), röstet Hans selbst seine Fairtrade, Bio Kaffeebohnen, um sie anschließend zu mahlen und daraus den leckersten Kaffe der Welt zu kochen. 1kg davon kostet zwar nicht die üblichen 10€, sondern 30€. Der Geschmack und das unglaublich gute Gefühl das Hans beim Trinken dieses Kaffees hat, machen ihn definitiv 3-mal so glücklich. Und der Preisunterschied macht Hans nur 20€ „ärmer“, während Peter für sein „Glück“ 70.000€ mehr ausgegeben hat als Hans.

Ich weiß ja nicht, aber irgendwie scheint mir das Leben von Hans glücklicher und damit erstrebenswerter zu sein.

Was ist deine Meinung dazu? Lieber 80.000€ Proll-Mobil oder Fairtrade Bio-Kaffee? Oder beides?

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